Gold – wie geht’s jetzt weiter?

Unheimliche Ruhe: Aktuell scheint es praktisch unmöglich, die kurz- und mittelfristige Preisentwicklung von Gold zu antizipieren. Im Grunde hängt die Goldpreisentwicklung von den anderen großen Märkten (Währungsmärkten, Aktienindizes usw.) ab, und dort ist zurzeit eine unglaubliche Zuversicht und Ruhe eingekehrt

Patrick Foot, IG.com, 08.07.2014

Das Jahr 2014 ist für die Anleger aller großen Märkte bisher sehr interessant gewesen.

Die Devisen-Trader stellen fest, dass bei den normalerweise hyperaktiven Währungspaaren aktuell ziemliche Ruhe herrscht. Die Aktienmärkte haben sich stabilisiert und legen weiter zu, und es scheint auch kaum Grund dafür zu geben, warum sich daran etwas ändern sollte. Und an den Rohstoffmärkten hat sich die Phase zunehmender globaler Instabilität bisher auch noch nicht vollumfänglich bemerkbar gemacht.

Die unvorhersehbaren, unergründlichen Kursbewegungen vieler anderer Vermögenswerte veranlassten viele Kommentatoren zu der Schlussfolgerung, dass es bei stabilen, risikoärmeren Investments zu einem Boom kommen würde, und das obwohl die Lust auf Risiko unterdessen immer schneller steigt. Doch was findet in den Märkten tatsächlich statt, und welchen Einfluss wird das auf Gold haben?

Bei den Währungspaaren GBP/USD, EUR/USD, EUR/GBP und USD/JPY hat es in den ersten 6 Monaten dieses Jahres eine wesentlich geringere Volatilität gegeben als im Vorjahreszeitraum. Die Kursschwankungen beim USD/JPY waren im letzten Jahr drei Mal so hoch; die Volatilität des EUR/USD-Währungspaares war doppelt so hoch und beim GBP/USD und EUR/GBP lag sie ebenfalls 76% bzw. 65% über dem diesjährigen Niveau. Und selbst wenn wir uns exotische Währungspaare wie den USD/HUF anschauen, sehen wir, dass die Volatilität derzeit 60% unter dem Vorjahresniveau liegt.

Das hängt natürlich zum Teil mit der Zurückhaltung der meisten großen Wirtschaften zusammen, die Zinssätze zu erhöhen. Durch die lockere Geldpolitik wurden die Währungen aktiv geschwächt, um die niedrige Inflation zu bekämpfen – und das trotz zunehmender Hinweise, dass sich die wirtschaftliche Lage einiger Länder wieder verbessert.

In den USA sind die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen, nachdem ein Kälteeinbruch für einen drastischen Rückgang gesorgt hatte. Und in Großbritannien nimmt der Eigenheimmarkt zurzeit rasch an Fahrt auf.

Der extrem ruhige Devisenmarkt beflügelt nicht gerade sonderlich viele Anleger, sich Gold zuwenden.

Doch da Zinsanstiege nun immer wahrscheinlicher werden und die US-Notenbank andeutet, dass die die lockere Geldpolitik weiter aufrechterhalten wird, könnte es an den Devisenmärkten noch vor Jahresende zu Bewegung kommen.

Was ist zu der atemberaubenden Performance der US-Aktienindizes der letzten Monate nicht alles gesagt worden. Der Anstieg der US-Aktienmärkte entsprach seit 2011/2012 praktisch einer direkten Aufwärtslinie. Der S&P 500 und der Dow Jones hatten seit Anfang 2013 gerade einmal drei Verlustmonate und beide Indizes trotzen bisher mit beeindruckender Kontinuität allen Warnungen der Bären.

Natürlich ist eine erhöhte Wachsamkeit verständlich und wahrscheinlich ist sie sogar angebracht, wenn die Märkte mehr als 20% über ihren früheren Hochs notieren. Aber: Umso länger diese gute Entwicklung und die guten Meldungen über die US-Wirtschaft anhalten, desto mehr Anleger gelangen zu der Überzeugung, dass diese starke Performance in der Tat ihre Berechtigung hat.

Es gibt aber auch andere Märkte, die man nicht aus dem Blick verlieren sollte. Der Deutsche Aktienindex hat sich in jüngster Zeit ebenfalls beeindruckend entwickelt und letzten Monat die Rekordmarke von 10.000 Punkten geknackt, nachdem er in den vorangegangenen 18 Monaten um 27,2% gestiegen war (damit lagen seine Zugewinne sogar leicht über denen des Dow Jones).

Die jüngsten Entwicklungen haben die Lage nur noch kniffliger gemacht, da unglaublich starke US-Arbeitsmarktdaten für eine weitere Stützung des US-Dollars und der US-Aktienmarktindizes sorgten. Die von vielen vertretene Meinung, dass die Aktienindizes nur solange gut laufen würden, wie mit weiter anhaltenden niedrigen Zinssätzen gerechnet wird, hat sich bisher nicht bewahrheitet.

Die einfachste Perspektive, die man einnehmen kann, ist, dass wir es hier mit einem nicht nachhaltigen bullischen Aktienmarkt zu tun haben, der jetzt kurz vor einer bedeutenden Korrektur steht, die dafür sorgen wird, dass die Märkte wieder zur Normalität zurückkehren, Gold schnell nach oben klettert und die Devisenmärkte wieder zu Leben erwachen. Aber es gibt noch andere komplizierte Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Viele Kommentatoren empfehlen die Schwellenmärkte als sicheren Hafen, sollte es bei den US-Märkten zu Rückgängen kommen, und die Tatsache, dass wir am Aktienmarkt bisher noch keinen vertikal in die Höhe schießenden „Boom“ gesehen haben, so wie es bei den Hypotheken oder den Technologieaktien der Fall war, legt nahe, dass dieser Aktienmarkt keine Wiederholung von dem ist, was wir die vorangegangenen Jahrzehnte erlebt haben.

Es wird also zunehmend schwerer, die Zukunft von Gold zu prognostizieren, und wie so oft dürfte das Schicksal von Gold auch dieses Mal von den Kursentwicklungen der anderen großen Vermögensklassen abhängen. All jene, die derzeit zuversichtlich sind, dass ihre Markterwartungen eintreten werden, könnten damit jede Menge Geld machen – oder auch verlieren.

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