Globaler Wirtschaftscrash: Wenn alles so gut läuft, warum sagen die Analysten dann eine Katastrophe voraus?

Michael Snyder, The Economic Collapse, 10.11.2014

Die Parallelen zwischen der vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte von 2007 und der vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte von 2014 sind ziemlich verblüffend.

Wenn wir uns noch einmal kurz der Vergangenheit zuwenden und uns die Zahlen von Herbst 2007 anschauen, stellen wir fest, dass der Dow Jones Industrial Average im Oktober 2007 ein Allzeithoch ausbildete, die Fremdkapitalfinanzierung an Wall Street auf ein Rekordhoch geschossen war, die US-Arbeitslosenrate unter 5% lag und sich die Amerikaner gerade darauf vorbereiteten, in der Weihnachtssaison eine Rekordsumme auszugeben. Aber bereits im darauffolgenden Jahr brach die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression aus. Sie erschütterte den gesamten Planeten und alle fragten sich, warum die allermeisten Menschen die Krise nicht hatten kommen sehen.

Nun ja, heute sehen wir, wie sich vor unseren Augen ein ziemlich ähnliches Muster abzeichnet. Der Dow Jones und der S&P 500 Index notierten zu Anfang dieser Woche wieder auf Rekordhochs, die Fremdkapitalfinanzierung an Wall Street liegt ebenfalls im Bereich von Rekordniveaus, die US-Arbeitslosenrate ist abermals gesunken und die Amerikaner planen, zur diesjährigen Weihnachtssaison über USD 600 Milliarden auszugeben.

Die Wahrheit ist, dass die US-Wirtschaft gegenwärtig sehr stabil zu sein scheint, und die meisten Menschen können sich nicht einmal vorstellen, dass uns ein Wirtschaftszusammenbruch bevorstehen könnte. Also: Warum sagen nun so viele sehr schlaue Menschen für die nahe Zukunft eine Wirtschaftskatastrophe voraus?

Nehmen wir beispielsweise das, was das Jerome Levy Forecasting Center sagt. Diese Organisation kann auf eine enorme Prognose-Bilanz zurückblicken, die bis zur Großen Depression zurückreicht. Fakt ist, dass das Jerome Levy Forecasting Center frühzeitig vorhersagte, dass es in 2008 zu Finanzproblemen und einer Wirtschaftsrezession kommen würde. Und dieses Unternehmen sagt heute voraus, dass es bis Ende nächsten Jahres mit 65%iger Wahrscheinlichkeit zu einer globalen Rezession kommen wird:

„1929 war der Geschäftsmann und Ökonom Jerome Levy nicht begeistert von dem, was er im Rahmen seiner Analyse der Unternehmensgewinne sah. Er verkaufte seine Aktien vor dem Oktober-Crash.

Fast 8 Jahrzehnte später verkündete die Unternehmensberatung, die heute seinen Namen trägt, dass ´die nächste Rezession durch das Platzen der Eigenheimblase ausgelöst werden wird.` Bis Februar 2007 sagte die Firma dann voraus, dass es bei den Subprime-Hypotheken zu Problemen kommen würde, die ´auf praktisch alle anderen Finanzmärkte überspringen` würden. Im Oktober 2007 rechnete das Unternehmen mit einer unmittelbar einsetzenden Rezession – der Absturz folgte dann zwei Monate später.

Das Jerome Levy Forecasting Center mit Sitz in Mount Kisco im US-Bundesstaat New York, das von Jeromes Enkel David geleitet wird, ist nun abermals besorgter als andere Beratungshäuser. Das halbe Dutzend Analysten dieses Unternehmens rechnet nun mit einer 65%igen Wahrscheinlichkeit, dass es bis Ende nächsten Jahres zu einer weltweiten Rezession kommt, die in der Folge auch in den USA zu einem Wirtschaftsrückgang führt.“

Könnten sie mit dieser Einschätzung falsch liegen? Das ist durchaus möglich. Aber ich würde nicht darauf wetten.

John Hussman ist ein weiterer Experte, der davor warnt, dass gerade eine Finanzkatastrophe am Horizont aufzieht. Er glaubt, dass wir derzeit eine riesige Aktienmarktblase haben und die Aktien ungefähr doppelt so hoch bewertet sind, wie sie es eigentlich sein sollten:

„Wenn wir uns die Unternehmensumsätze und speziell die Unternehmensgewinne anschauen, dann handelt es sich dabei um die zyklischsten Datenserien in der Ökonomie, da sie immer wieder dazu neigen, zu ihrem Mittelwert zurückzukehren.

Aktuell liegen die Unternehmensgewinne nahe der Marke von 11% des BIP, aber wenn wir uns diese Datenreihe anschauen, stellen wir fest, dass die Unternehmensgewinne als Anteil am BIP immer wieder in den Bereich von 5,5% zurückgekehrt oder sogar unter diese Marke gefallen sind – und das gilt für jeden einzelnen Wirtschaftszyklus der letzten Jahrzehnte, also nicht nur für die Finanzkrise, sondern auch für 2002 und jeden anderen Wirtschaftszyklus, den wir durchgemacht haben.

Gegenwärtig scheinen die Aktienpreise als Faktor der im letzten Jahr erwarteten Umsätze vielleicht nur moderat überbewertet zu sein. Schaut man sich jedoch die Bewertungskriterien an, die am stärksten mit den Renditen in Zusammenhang stehen, welche die Aktien in den kommenden 7 oder 10 Jahren abwerfen werden, dann ist der S&P 500 Index unseres Erachtens aktuell doppelt so hoch bewertet als das Niveau, das dem Investor eine normale Rendite bescheren würde.“

Können Sie sich das Chaos vorstellen, das einsetzen würde, sollten die Aktien tatsächlich um 50% zurückgehen? Nun, Hussman sagt, dass genau das geschehen muss, damit die Aktienpreise wieder zu ihrem historischen Schnitt zurückkehren:

„Aktuell blicken wir auf Aktien, denen langfristig erwartete Renditen aufgezwungen werden, die wirklich erbärmlich sind. Aber noch wichtiger ist, dass es bei den Aktienpreisen bei jedem Marktzyklus, den wir – von der milden Ausnahme des Jahres 2002 mal abgesehen – erlebt haben, zu einer Rückkehr zu normalen Renditen kam. Die Aktien müssten um rund die Hälfte fallen, um von hier aus wieder zu diesem Punkt zu gelangen.“

Wenn das passiert, dürfte uns die Krise von 2008 im Rückblick wie ein Sonntagsspaziergang vorkommen.

Unterdessen gibt es auch noch andere sehr prominente Denker, die ebenfalls davor warnen, dass wir jetzt immer schneller auf einen wirtschaftlichen Albtraum zusteuern.

Der Wirtschaftszykliker Martin Armstrong geht davon aus, dass es ab 2015 zu bedeutenden wirtschaftlichen Problemen kommen wird, die 2016 zu „Bürgerunruhen“ führen werden:

„Es sieht immer stärker danach aus, dass bis 2016, nachdem die Wirtschaft erst einmal ihre Talfahrt eingeleitet hat, ernsthafte politische Unruhen zum Tragen kommen werden. Das ist die magische Zutat: Geht die Wirtschaft zurück, kommt es zu Bürgerunruhen und Revolutionen.“

Und natürlich gibt es auch noch viele andere Wirtschaftszykliker, die ebenfalls vorhersagen, dass uns ein enormer wirtschaftlicher Absturz bevorsteht.

Das wirklich Besorgniserregende ist, dass wir uns von der letzten Wirtschaftskrise bisher ja noch gar nicht richtig erholt haben. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass gerade einmal 28% der Amerikaner der Meinung sind, dass es ihren Familien heute finanziell besser geht. Darüber hinaus gibt es auch noch andere aktuelle Umfragedaten, die Auskunft darüber geben, wie die Amerikaner die derzeitige Wirtschaftsentwicklung einschätzen:

„Laut den Umfragen, die CNN durchführte, nachdem die Wähler aus den Wahlkabinen kamen, erklärten 78%, dass sie sich über die Wirtschaft Sorgen machen würden, und 69% sagten, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihres Erachtens nicht gut seien. 65% antworteten, dass die USA auf dem falschen Weg seien, während nur 31% der Auffassung waren, dass sich das Land in die richtige Richtung bewegt.“

Obwohl sich aktuell so viele der Muster von 2007 wiederholen, finden die heutigen Entwicklungen vor dem Hintergrund einer viel schwächeren Wirtschaft statt. Die letzte Krise hat ja bereits unglaubliche permanente Schäden angerichtet, worauf ich in einem meiner vorangegangenen Artikel mit dem Titel „12 Charts, die uns den permanenten Schaden zeigen, der bei der US-Wirtschaft angerichtet wurde“ hingewiesen hatte.

Und es gibt jede Menge Hinweise darauf, dass weite Teile des Planeten bereits in den nächsten großen Wirtschaftsabschwung eingetreten sind. In einem jüngst von Brandon Smith veröffentlichten Artikel wurden einiger dieser Hinweise zusammengefasst. Er sagt, dass wir zurzeit Zeugen, „der letzten Atemzüge der Weltwirtschaft“ werden:

„Die weltweiten Exporte – und somit auch die Verbrauchernachfrage – brechen ein. In Deutschland, der einzig noch verbliebenen Säule, um die scheiternde Europäische Union zu stützen, kam es zum schlimmsten Exportrückgang seit 2009.

China, der größte Exporteur und Importeur der Welt, und die chinesischen Unternehmen sind nun in eine Reihe von Vorfällen verstrickt, wo betrügerische Rechnungen erstellt worden sind, um die chinesischen Exportzahlen künstlich aufzublähen – in einigen Fällen wurden so 50% mehr ausgeführte Güter gemeldet, als tatsächlich exportiert wurden.

Chinas Fertigungsbranche ist die letzten 5 Monate zurückgegangen, wodurch die Wahrheit über die aufgeblähten chinesischen Ausfuhrstatistiken ans Licht kam, und es deutet überdies auf einen globalen Wirtschaftsrückgang hin.

Der Baltic Dry Index – ein Indikator für die weltweiten Frachtkosten für Rohstoffe und somit auch ein Gradmesser für die Nachfrage im weltweiten Transportsektor – dümpelt weiterhin nahe historischer Tiefs vor sich hin.

Der US-Verbraucher – der neben dem Weltreservewährungsstatus des US-Dollars der einzige Vermögenswert ist, den die USA besitzen – gibt weniger Geld aus und bekommt auch weniger Gehalt.

Zur selben Zeit fallen die Langzeitarbeitslosen in den USA gleich millionenweise aus der Arbeitslosen- und Sozialhilfe, wodurch die US-Arbeitslosenzahlen zwar gut aussehen, das wirtschaftliche Gesamtbild für die Zukunft aber immer entsetzlicher wird. Und die US-Erwerbsquote verschwindet dann einfach im Äther der US-Regierungsstatistiken.

Doch wie wird eine solche Armut versteckt? Durch staatliche Lebensmittelmarken. So einfach ist das. Fast 50 Millionen Amerikaner sind heute auf die staatliche Zuweisung von Lebensmittelmarken angewiesen – und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass diese Zahl zurückgeht. In US-Bundesstaaten wie Illinois melden sich für jeden Bürger, der einen Arbeitsplatz findet, zwei Bürger für staatliche Lebensmittelprogramme an.“

Ab und zu wirft man mir vor, ich würde „Angst verbreiten“ und sei ein Untergangsprophet.

Das stimmt aber überhaupt nicht.

Ich wünsche mir, dass unsere Wirtschaft solange als möglich stabil bleibt. Viele US-Bürger wissen es gar nicht, aber selbst die Ärmsten von uns leben verglichen mit weiten Teilen der restlichen Welt immer noch luxuriös. Es wäre traumhaft, wenn wir unsere Leben alle einfach in Frieden, Ruhe und Sicherheit leben könnten.

Aber leider wird das nicht passieren.

Und man muss auch kein Experte sein, um zu erkennen, was hier auf uns zukommt.

Und jeder, der auch nur ein paar Gehirnzellen besitzt, sollte in der Lage sein, die Wirtschaftskatastrophe zu erkennen, die hier gerade auf uns zusteuert.

Es liegt Hoffnung darin, zu begreifen, was sich aktuell abspielt, und es liegt Hoffnung darin, sich auf die kommenden Entwicklungen vorzubereiten. Das Leben von Millionen von Amerikanern, die unsere Probleme heute absichtsvoll ignorieren, wird völlig verheert werden, wenn sie von der bevorstehenden Krise unvorbereitet überrascht werden. Bitte nutzen Sie diese kurze Phase relativer Stabilität, um sich vorzubereiten und andere zu warnen.

Sollte diese falsche Blase der Hoffnung erst einmal geplatzt sein, wird sich unser Leben auf dramatische Art und Weise verändern.

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