Gold: Hedge Fonds setzen wieder auf einen steigenden Goldpreis

Wird die aktuelle Rally am Goldmarkt weiter anhalten? Im großen Ganzen ist die Goldpreisentwicklung nach wie vor wenig beeindruckend. Nur deutliche und nachhaltige Preisanstiege könnten am Goldmarkt für Begeisterung sorgen

Dan Norcini, Trader Dan, 10.01.2015

Im Folgenden finden Sie einen aktuellen Chart, der die Korrelation zwischen den Netto-Long-Positionen der Hedge Fonds an der Edelmetallbörse Comex und dem Goldpreis ausweist.

Ich habe diesen Chart nun schon seit geraumer Zeit immer wieder veröffentlicht, um auf die Idiotie des Perma-Goldbullenlagers aufmerksam zu machen, das behauptet, dass jeder Preisrückgang am Goldmarkt auf „böse Edelmetall-Handelsbanken zurückgeht, die versuchen, das gelbe Metall im Preis zu drücken und zu diskreditieren.“

In der Vergangenheit machte diese Auffassung vordergründig sogar noch Sinn, und zwar als der US-Dollar fiel – doch all das ist heute passé und es ist reine Zeitverschwendung, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Diese zentrale Säule des „Glaubens“ der Gold-Permabullen hat unter ernsthaft agierenden Investoren und Tradern bereits vor langer Zeit jedwede Glaubwürdigkeit verloren.

In Wahrheit ist der Goldpreis gefallen, weil die Spekulanten an Gold schlichtweg nicht interessiert gewesen sind, da sich für ihr wertvolles Kapital bei anderen Investments (speziell am Aktienmarkt) bessere Renditen boten. Die ultraniedrigen Zinssätze in den USA (ohne irgendwelche Hinweise auf Inflationsdruck) bei gleichzeitig fallenden Rohstoffpreisen und einem steigenden US-Dollar haben einfach ein Umfeld geschaffen, das den Preis des gelben Metalls nicht ernsthaft und nachhaltig beflügeln konnte.

Und deshalb war an dem fallenden Goldpreis auch überhaupt nichts „verschwörerisch“ – Gold, ein Vermögenswert der keinerlei Rendite oder Dividende abwirft und für dessen Lagerung Gebühren und Versicherungskosten anfallen, wenn man es in nennenswerten Mengen lagert. Mit anderen Worten: Es kostet Geld, Gold zu lagern, und das in einer Phase, wo dieses Geld bei Aktien besser eingesetzt werden kann, da es dort echte Renditen erwirtschaftet.

Und jetzt, wo sich die Sorgen bezüglich des weltweiten Wirtschaftswachstums wieder mehren und die Aktien ein wenig ins Taumeln geraten sind, rückt Gold wieder in den Blick von einigen vorsichtigen Spekulanten. Das erkennt man daran, dass am Comex-Goldmarkt nun wieder einige Spekulanten auf die Long-Seite zurückgekehrt sind – obwohl hierzu angemerkt werden sollte, dass die physischen Bestände des weltgrößten börsennotierten physischen Goldfonds, GLD, immer noch deutlich zeigen, dass die großen westlichen institutionellen Käufer gegenwärtig keinerlei Interesse an dem Metall haben.

Die blaue Linie des nachfolgenden Charts zeigt die Netto-Long-Positionen der Hedge-Fonds-Gemeinde. Die rote Linie zeigt die Goldpreisentwicklung. Wie aus dem Chart hervorgeht, sind die Netto-Long-Positionen in jüngster Zeit wieder gestiegen, und zwar gemeinsam mit dem Goldpreis. Beide Linien verlaufen identisch.

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Es gibt jedoch etwas, das mir bei diesem Chart aufgefallen ist, als ich ihn im Detail analysiert habe: Ab Anfang 2013 blieb die Beziehung zwischen dem Goldpreis und den Netto-Positionen der Hedge-Fonds-Gemeinde zwar intakt, doch es geschah etwas. Können Sie es auch sehen?

Richtig, ab 2013 hatte die Zunahme bei den Netto-Long-Positionen der Hedge-Fonds keine daraufhin einsetzenden Goldpreisanstiege mehr zur Folge. Das Gegenteil ist der Fall. Mit anderen Worten: Es sind heutzutage immer größere Käufe der Hedge-Fonds notwendig, um den Goldpreis weiter in die Höhe zu treiben – doch am Ende fällt der Goldpreis dann auf niedrigere Niveaus, als dies bei früheren gleichhohen Netto-Long-Positionen der Fall gewesen ist.

Ein Beispiel: Aktuell liegen die Netto-Long-Positionen der Hedge-Fonds bei knapp über 106.000 Kontrakten und Optionen. Das gleiche Niveau an Hedge-Fonds-Positionen konnte jedoch auch schon im Januar 2013 beobachtet werden, als Gold über der Marke von USD 1.650 pro Unze lag!

Ja wie erklärt sich das? Ganz einfach: Während die Hedge Fonds in jüngster Zeit wieder Gefallen daran gefunden haben, Gold an der Comex von der Long-Seite her zu spielen, steht ihnen auf der anderen Seite eine genauso stark anwachsende Gruppe an bereitwilligen Goldverkäufern gegenüber. Die Tatsache, dass Gold jetzt näher an der Marke von USD 1.200 pro Unze notiert als an der Marke von USD 1.700 pro Unze, während die Netto-Long-Positionen der Hedge Fonds heute auf demselben Niveau liegen wie Anfang 2013, verrät mir, dass es eine sehr große Zahl an Marktteilnehmern gibt, die nicht damit rechnen, dass ein höherer Goldpreis über einen längeren Zeitraum hinweg gehalten werden kann.

Das heißt nun nicht, dass Gold keine Rallys hinlegen wird. Gegenwärtig befindet es sich ja inmitten einer Rally, die das Metall bis zum Test des Widerstandsniveaus von USD 1.220 bis USD 1.230 pro Unze treiben könnte. Ja Gold könnte sogar in der Lage sein, dieses Niveau zu durchbrechen und die Marke von USD 1.250 pro Unze zu testen. Aber man muss sich hier schon die Frage stellen, wie viele Käufe seitens der Hedge-Fonds notwendig sein werden, um den Markt tatsächlich zu einem Punkt zu treiben, wo Gold wenigstens für ein klein wenig Aufregung und Begeisterung sorgen könnte. Solange es so viele willige Verkäufer gibt, wie es aktuell der Fall ist, wird das jedenfalls nicht gelingen.

Der nächste Chart zeigt den Goldpreis auf Wochenbasis. Gold war in der Lage, sich über dem wichtigen Preisniveau von USD 1.180 pro Unze zu halten, aber es gelang dem Metall bisher noch nicht einmal, das erste auf dem Chart eingezeichnete Widerstandsniveau nach oben hin zu durchbrechen. Das ist nicht sonderlich beeindruckend.

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Ich hatte in der Vergangenheit bezüglich der Aussichten des gelben Metalls ja vielfach auf die Tatsache hingewiesen, dass selbst wenn der Markt sein Tief bereits gefunden hat, das nicht automatisch auch bedeutet, dass er sich daraufhin gleich in einen wilden bullischen Aufwärtsmarkt verwandelt. Der Goldpreis kann genauso gut über Jahre hinweg in einer weiten Handelsspanne eine Seitwärtsbewegung hinlegen. Solange es keine ernstzunehmenden Hinweise darauf gibt, dass wieder etwas Leben in den Goldmarkt kommt, ist der Goldmarkt abgesehen von kurzfristigen Trading-Möglichkeiten uninteressant.

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