Laurynas Vegys, Casey Research, 12.01.2015

Gold wurde in der Berichterstattung der Massenmedien im letzten Jahr entweder einfach ignoriert oder lächerlich gemacht. Der Pokal für den höhnischsten Goldkommentar dürfte wahrscheinlich an den Chefökonomen von Citigroup, Willem Buiter, gehen, der Gold als „glänzendes Bitcoin“ bezeichnete und erklärte, dass es „von keiner Bank als Reserve gehalten werden sollte“.

Angesichts der Tatsache, dass die Berichterstattung über Gold von solch negativen Auffassungen beherrscht wurde, halte ich es für wichtig, hier auch mal für ein Gegengewicht zu sorgen. Daher finden Sie im Folgenden einige andere Meinungen und Highlights des letzten Jahres, die im Medienrummel vielleicht etwas untergegangen sind.

  • Jim Rogers, Milliardär und Mitbegründer von Soros Quantum Fund, erklärte öffentlich, dass die nächsten zehn Jahre seines Erachtens durch Finanzchaos geprägt sein werden: „Es könnte zu einer monetären Katastrophe oder gar Krieg kommen. Diese Verwerfungen könnten beispielsweise von einem gigantischen Schuldenproblem herrühren, das dazu führen könnte, dass die Weltwirtschaften zusammenbrechen. Die Politiker können nichts anderes, außer Geld zu drucken – also ist es letztlich auch das, was sie tun. Es wird zu einer Welle an Verwerfungen und Turbulenzen kommen, die Gold mit Sicherheit in die Höhe treiben wird.“ Rogers erklärte, dass er nichts von seinem Gold verkauft hat.
  • Steve Forbes, der Vorsitzende und Herausgeber von Forbes Media, sprach sich öffentlich für die Wiedereinführung von Gold als gesetzlichem Zahlungsmittel aus: „Ein schwacher US-Dollar ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft, und die einzige Möglichkeit, den Niedergang des US-Dollars aufzuhalten, besteht in der Wiedereinführung des Goldstandards.“ Forbes sagte, dass „seit über 4.000“ Jahren verschiedenste Währungsbewertungsmethoden zum Einsatz kamen und die Geschichte zeigt, dass der Goldstandard die einzig sinnvolle Möglichkeit sei.
  • Doug Casey sagt, dass die wirkliche Spekulationsblase im Anleihemarkt zu finden ist: „Der Anleihemarkt ist wesentlich größer als der Aktienmarkt, und das heißt, dass es sehr, sehr hässlich werden wird, wenn diese Anleiheblase platzt … Ich habe mein ganzes Leben lang Gold gekauft. Ich habe nie eine einzige Unze davon verkauft, da ich Gold zum Sparen und als Versicherung kaufe.“ Laut Doug Casey ist Gold heute zwar nicht mehr das Megaschnäppchen, so wie es 2001 beim einem Goldpreis von USD 250 pro Unze der Fall war, aber das Metall sei nach wie vor günstig, weshalb er weiter kauft.
  • Peter Schiff, der Gründer und Geschäftsführer von Euro Pacific Capital, ist nach wie vor sehr bullisch, was die künftige Entwicklung von Gold anbelangt: „Gold wird auf USD 5.000 pro Unze steigen … Dieses Preisziel habe ich nun schon seit geraumer Zeit … Normalerweise nehmen Märkte auf dem Weg nach oben die Treppe und auf dem Weg nach unten den Fahrstuhl. Nun, ich glaube, dass Gold ein Raumschiff nehmen wird, wenn es wieder nach oben geht.“
  • Rick Rule, der Geschäftsführer von Sprott US Holdings, sagt, dass er dank seines Goldes nachts besser schlafen würde: „Ich bin der Meinung, dass wir uns derzeit in einem Krieg mit den 10-jährigen US-Staatsanleihen befinden. Wird der Dollar stärker, schwächt das Gold, und wird der Dollar schwächer, stärkt das Gold. Und ich gehe mal davon aus, dass wir uns hier in einem Krieg befinden, den wir aus mathematischen Gründen nur gewinnen können.“
  • Marc Faber erinnert uns daran, dass Gold seit 2011 zwar eine erbärmliche Performance hingelegt hat, sich das Metall seit Ende der 1990er aber dennoch im Wert vervierfachte: „So schlecht hat sich Gold gar nicht entwickelt, im Grunde hat es sich sogar besser entwickelt als Aktien … Ich bin kein Prophet, aber ich sage Ihnen, dass ich bestimmt etwas Gold halten werde, da ich dem Finanzsystem nicht mehr traue.“ Auf die Frage, was er vom negativen Goldpreisausblick von Goldman Sachs hält, erklärte er: „Ich würde mal sagen, dass Goldman Sachs sehr gut darin ist, niedrige Preise vorauszusagen, wenn sie wollen, dass Sie irgendetwas kaufen.“
  • Jeffrey Gundlach, ein Anleihe-Guru, der bisher nicht gerade dafür bekannt gewesen ist, ein großer Freund des Goldes zu sein, erklärte öffentlich, dass er Gold mag und es gegenwärtig von starken Händen gehalten würde: „Ja ich mag Gold jetzt in der Tat als eine Art von Diversifikation.“ Er glaubt dennoch nicht, dass Gold bis auf USD 10.000 pro Unze steigen würde. Das ist aber in Ordnung, denn bereits USD 5.000 pro Unze würde sich in unseren Portfolien ganz wunderbar machen.
  • Jim Rickards, Ökonom und Bestseller-Autor des Buches „Currency Wars“, sagt, dass sein Preisziel für Gold zwischen USD 7.000 und USD 9.000 pro Unze liegt: „Das ist nicht etwas, das direkt passieren wird, aber es ist auch kein 10-Jahresausblick. Es ist eine 3- bis 5-Jahresprognose. In diesem Zeitraum wird der Goldpreis um das 5- bis 6-Fache steigen.“ Laut Rickards gibt es zwei Möglichkeiten, das Vertrauen wieder herzustellen: Entweder flutet man die Welt mit Liquidität – was hochinflationär ist – oder man kehrt zum Goldstandard zurück: „Ich habe die Zahlen berechnet und der nichtdeflationäre Preis für den Goldstandard liegt heute bei USD 9.000 pro Unze.“
  • Ron Paul, die weltweite bekannteste libertäre Stimme, erklärte gegenüber dem Fernsehsender CNBC, dass er „immer noch an Gold glaubt“ und „Gold unendlich stark steigen könnte.“ „Das Einzige ist das Timing. Ich kann mich noch daran erinnern, dass Gold USD 35 pro Unze kostete und wir glaubten, dass die Welt untergehen würde, sollte es jemals die Marke von USD 100 pro Unze erreichen. Und dann dasselbe bei USD 1.000 pro Unze – also nein, es funktioniert solange, wie wir [mit dem Gelddrucken] weitermachen. Für Gold könnte es nach oben hin überhaupt keine Grenze geben, wenn die Menschen einfach aus dem Dollar aussteigen, wer weiß …“
  • David Stockman, ein Washington-Insider und Autor, ist der Meinung, dass der Goldmarkt jederzeit explodieren könnte: „Ich traue mir nicht einmal eine Prognose dafür abzugeben, wann das passieren könnte, aber Gold ist ganz eindeutig der Finanzvermögenswert der letzten Instanz, wenn wir den Punkt erreichen, wo das Vertrauen in dieses ganze von den Zentralbanken gesteuerte Schneeballsystem in sich zusammenbricht. Es ist so gut wie sicher, dass, während wir das Ende dieser Ära massiver Zentralbankbilanzausweitung erreichen werden, die Vorherrschaft des Geldsystems zusammenbrechen wird, die Zentralbanken völlig diskreditiert und die Märkte in Anarchie stürzen werden und Gold in die Höhe schießt.“

Die großen Geschäftsbanken scheinen im Hinblick auf Gold zu weiten Teilen bärisch bzw. neutral zu sein, es gibt aber auch einige Bankanalysten und Vermögensberater, die anderer Meinung sind:

  • Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass Gold im zweiten Quartal 2015 bei rund USD 1.125 pro Unze ein Tief ausbilden wird und es danach bis Ende 2015 wieder auf USD 1.250 pro Unze klettert, was sie mit einem ab dem zweiten Quartal einsetzenden Zinserhöhungszyklus begründen: „Wenn die Zinsanhebungen erst einmal im Gang sind, dürfte der Druck auf den Goldpreis nachlassen … Gold dürfte daraufhin steigen und durch eine neubelebten Nachfrage in China und Kapitalzuflüsse bei den goldgedeckten börsennotierten Fonds Unterstützung erhalten.“
  • Jeffrey Nichols von Rosland Capital sagt, dass 2015 für die Goldinvestoren ein gutes Jahr werden dürfte: „Während der kurzfristige Preisausblick nach wie vor unsicher ist, bin ich ziemlich zuversichtlich, dass Gold in zwölf Monaten wesentlich höher notieren wird als heute. Es wird sich dann bereits auf dem Weg zu neuen historischen Hochs befinden, die in den darauffolgenden Jahren erzielt werden.“ Nichols rechnet damit, dass es bei den Aktien zu einer bedeutenden Korrektur kommen wird, wodurch die Investmentströme wieder umgekehrt werden und sich die spekulativen Fonds von Aktien und Anleihen abwenden und wieder in Gold gehen werden.
  • George Gero von RBC Capital Markets erklärte gegenüber dem Fernsehsender CNBC, dass sich der physische Edelmetallhandel seines Erachtens 2015 wieder erholen und „erneut glänzen“ wird. „Ich rechne damit, dass der Schlusskurs in einem Jahr zwischen USD 1.300 und USD 1.400 pro Unze liegen wird“, so Gero.
  • Ronald Stöferle von Incrementum veröffentlichte sein Goldpreismodell für 2015 und darüber hinaus. Basierend auf gewichteten Wahrscheinlichkeiten weist sein Modell einen langfristigen Goldpreis von USD 1.515 pro Unze aus.

Und dann haben wir noch die Institutionen, die sich mit der Unzuverlässigkeit von Papiergeld wohl am besten auskennen dürften – die weltweiten Zentralbanken. Der nachfolgende Chart weist ihre Netto-Goldkäufe in 2014 aus:

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Die asiatischen Zentralbanken haben bedeutende Mengen an physischem Gold gekauft. Die weltweiten Goldkäufe durch die Zentralbanken waren 7 Mal höher als ihre Verkäufe. Der überwiegende Teil der Verkäufe ging auf die klamme Ukraine zurück, die große Mengen an Gold abstieß, um ihre Finanzprobleme besser in den Griff zu bekommen. Unterdessen haben die meisten anderen Länder zugekauft und versucht, aus dem niedrigem Goldpreis Vorteil zu schlagen:

  • Russland ist 2014 auf Shoppingtour gegangen und hat sich allein im dritten Quartal atemberaubende 55 Tonnen Gold gesichert. So sind im letzten Jahr insgesamt 150 Tonnen oder 4,7 Millionen Unzen Gold zusammengekommen, wodurch die russischen Goldreserven nun auf gemeldete 1.188 Tonnen (38,2 Millionen Unzen) angewachsen sind, was gegenüber 2013 einen beeindruckenden Anstieg von 14,7% darstellt.
  • Der Irak kaufte allein im März vergangenen Jahres 36 Tonnen Gold. Auf das Jahr gesehen lagen die Käufe bei fast 48 Tonnen (1,5 Millionen Unzen). Interessant ist, dass, kurz bevor sich Russland in den Goldkauf stürzte, der Goldkauf der Iraker in Höhe von 38 Tonnen der größte Zukauf seit März 2011 war, wo die Mexikaner 78,5 Tonnen Gold kauften. Doch warum haben sie überhaupt so viel Gold gekauft? Die irakische Zentralbank veröffentlichte eine Erklärung, worin es hieß, dass das Metall dazu beiträgt, den Irakischen Dinar gegenüber anderen Währungen zu stützen. Das macht Sinn.
  • Kasachstan hat jeden Monat bis in den November hinein Gold gekauft. Allein im August kaufte es 24,7 Tonnen. Im Ergebnis hat das Land seine Goldreserven gegenüber 2013 um 30,1% auf 188 Tonnen (6 Millionen Unzen) aufgestockt.
  • Die Mongolei hielt sich den überwiegenden Teil des Jahres bedeckt, scheint ihre Reserven im November dann jedoch bedeutend auf 28,8 Tonnen (927.000 Unzen) ausgeweitet zu haben. Das entspricht einer Versechsfachung ihrer Reserven, die 2013 noch bei 3,9 Tonnen (126.000 Unzen) lagen.
  • Die Türkei hat ihre Goldreserven um 13,2 Tonnen (425.000 Unzen) ausgeweitet, was zum Teil darauf zurückgeht, dass das Gold der Geschäftsbanken nun auch als Reserven akzeptiert wird. Die Goldbestände der Türkei liegen derzeit bei rund 533 Tonnen (17,1 Millionen Unzen).
  • Aserbaidschan hat den günstigen Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte genutzt und rund 10 Tonnen Gold (326.000 Unzen) zugekauft. Die Reserven des Landes sind dadurch gegenüber 2013 um 50,6% von 20 Tonnen auf 30,2 Tonnen gestiegen. Vor zwei Jahren hatte Aserbaidschan praktisch noch überhaupt kein Gold.
  • Tadschikistan hat im letzten Jahr 4,4 Tonnen (142.000 Unzen) zugekauft. Gegenüber Ende 2013 hat das Land seine Goldbestände dadurch um 85% auf 9,6 Tonnen (309.000 Unzen) ausgeweitet.
  • Mauritius, ein überraschender Mitbewerber im Rennen um die größten Goldkäufe, hat 2014 4 Tonnen Gold (129.000 Unzen) gekauft. Dadurch hat das Land seine Goldreserven gegenüber 2013 um 100% auf 7,9 Tonnen (254.000 Unzen) ausgeweitet.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Zentralbanken auch in 2014 viel Gold gekauft haben. All diese Käufe sind an sich schon bedeutsam, aber sie dürften in Wahrheit noch stärker ausgefallen sein, wenn uns hierzu erst einmal die November-Daten vorliegen. Und wenn Sie hier noch den Goldhunger Indiens – das sich schon wieder auf Rang 1 der weltgrößten Goldkonsumenten befindet, während die indische Regierung ankündigte, die Goldeinfuhren nicht weiter zu beschränken – und den Goldhunger Chinas mit hinzunehmen, wird verständlich, warum wir bezüglich der künftigen Goldnachfrage recht optimistisch sind.

Was wir aus all dem lernen können, ist klar: Keine der oben genannten Parteien ist der Auffassung, dass der Goldbullenmarkt vorbei ist.

Neueinsteiger haben das Glück, dass wir uns immer noch an einem Punkt befinden, wo der Goldpreis sehr schwach notiert. Aber es könnte sein, dass diese Situation nicht mehr allzu lange anhält.