Mitten im Deflationsschock: Keine Panik – die Inflation kommt auch noch!

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 05.02.2014

In der Antike war es so, dass die Menschen immer dann, wenn Kriege oder politische Unsicherheiten aufzogen, damit begannen, ihr Geld zu horten. Der Fund antiker römischer Münzen aus dem 3. Jahrhundert, den wir vor Jahren in Großbritannien für unsere Untersuchungen kauften, enthielt Münzen des Römischen Reichs wie auch des Gallischen Sonderreichs. Ja selbst die entwerteten Münzen wurden gehortet.

Das ist Teil des Deflationszyklus – und der Deflationszyklus muss immer als erstes stattfinden [bevor eine Inflation einsetzen kann]. Der durch das Horten des Geldes hervorgerufene Rückgang der Geldmenge ist es, der dafür sorgt, dass all die Gründe, die immer für eine inflationäre Entwicklung angeführt werden, keine Relevanz haben. Wir haben es hier also mit einem uralten Problem zu tun, bei dem es nicht darum geht, wie stark sich die Geldmenge erhöht (das ist die oberflächliche Theorie), sondern wie das Endergebnis des Ganzen aussieht.

Wer ausschließlich die Geldmengenvermehrung durch die erste, zweite und dritte Runde der quantitativen Lockerung der US-Notenbank im Blick hatte, hat riesige Verluste gemacht. Das kommt daher, dass bei dieser einseitigen Betrachtung die wahren Triebkräfte, die hinter der Wirtschaft stehen, nicht verstanden werden.

Wenn der Staat erklärt, dass er die Geldmenge um 10% ausweitet und die Steuern um 20% erhöht, ist es von entscheidender Bedeutung gerade nicht auf die Gesamtgeldmenge zu blicken, sondern auf (1.) die Geldumlaufgeschwindigkeit – also die Geschwindigkeit, mit der das Geld in der Wirtschaft die Besitzer wechselt (Ausgaben) – und (2.) das frei verfügbare Nettoeinkommen. Wenn die Geldumlaufgeschwindigkeit fällt, steigt die Menge des gehorteten Geldes. Eine Spekulationsblase bei einem Vermögenswert wird dadurch geschaffen, dass sich Geld in dieser Vermögensklasse konzentriert. Es ist das Hin- und Herpendeln des Vertrauens gegenüber staatlichen und privaten Vermögenswerten.

Aktuell beginnen 29% der US-amerikanischen Haushalte damit, Bargeld zu horten, da die Zinsen so niedrig sind. Also, warum sollen sie das Geld dann auf der Bank halten! Und auch in Griechenland wurde im Vorfeld der Wahlen massiv Geld gehortet.

Das Horten von Geld und der Anstieg beim Geldhorten stehen überdies in Einklang mit der Tatsache, dass die Beteiligung der Privatanleger am Aktienmarkt aktuell auf Allzeittiefs notiert. Viele Menschen haben am Aktienmarkt während der Jahre 2007 bis 2011 Verluste gemacht, während die Banken bei den hypothekarisch besicherten Finanzderivaten ebenfalls massive Verluste einfuhren. Und wer sich einmal die Finger verbrennt, schaut sich halt woanders um. Daher ist die Partizipation der Privatanleger am Aktienmarkt heute auf Rekordtiefs, und auch die Liquidität notiert auf Rekordtiefs, da sich die Öffentlichkeit aus historischer Sicht immer von einen Sektor in den nächsten bewegt.

Dennoch sind die Immobilienpreise in einigen ausgewählten Bereichen gestiegen – das geht aber allein auf den Zustrom ausländischen Kapitals zurück. Und dann haben wir ja noch den Rohstoffcrash, während die Zinssätze auf Rekordtiefs liegen. Also: Was soll man da mit seinem Geld noch machen? Alles, was der Bevölkerung da noch bleibt, ist das Geld in Zeiten der Unsicherheit zu horten. Auf dem nachfolgenden Bild sehen sie einen Fund von US-Münzen, die während des Amerikanischen Bürgerkriegs vergraben wurden.

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Die Federal Reserve von St. Louis wollte wissen, wo zum Teufel all das Geld hinging, das die US-Notenbank die letzten Jahre ins System injiziert hatte. Dabei ließen sie die internationalen Zusammenhänge außer Acht und übersahen, dass China während dieser Phase seine langlaufenden US-Schulden verkaufte und diese Titel gegen kurzlaufende US-Schulden eintauschte.

Die US-Notenbank agiert immer nur auf indirekte Art und Weise. Die Fed injiziert das Geld nicht direkt in die Wirtschaft. Das sind alles nur irgendwelche Theorien. Die Fed kaufte langlaufende US-Staatsanleihen in der Annahme, dass die inländische Wirtschaft dadurch mit Geld versorgt würde. Sie vergaßen dabei jedoch, dass die Anleihen international gehalten wurden. Und wenn sie die Schulden von China wieder zurückkaufen, fließt das Geld nach China und nicht in die US-Wirtschaft.

Im Allgemeinen machten sich ja alle Sorgen über die drei quantitativen Lockerungsprogramme der US-Notenbank, die ja angeblich so etwas wie eine Vitamin-C-Spritze für das Immunsystem der USA sein sollten. Die Idee war, dass das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Flut an US-Dollars gemeinsam mit der Inflation zulegen würde. Aber das passierte nicht.

Die Analysten der Fed kamen daraufhin zu dem Schluss, dass dies wohl daran gelegen habe, dass der Privatsektor zunehmend mehr Geld hortete, anstatt es auszugeben. Das ist aber nur ein Teil der Antwort. Wie immer schauten sie bei ihrer Suche nach Ursachen und Wirkungen einzig auf die inländische Wirtschaft.

Der Deflationszyklus, in dem wir uns jetzt befinden, ist Teil der Unsicherheit. Die Menschen werden ihr Geld nicht ausgeben und Inflation schaffen, solange sie nicht davon überzeugt sind, dass die Vermögenswerte schneller im Preis steigen. Japan erlebte vor kurzem genau das, als dort die Umsatzsteuer angehoben wurde. Plötzlich stürmten alle in die Läden und erledigten ihre Käufe vor der Erhöhung der Umsatzsteuer.

Der Deflationszyklus ist bereits voll im Gang. Und dieser wird erst dann wieder aufhören, wenn das Vertrauen wegbricht und die Menschen damit beginnen, dem Staat zu misstrauen. Ist dieser Punkt erreicht, werden sie ihr Geld auch wieder ausgeben in der Annahme, dass sie am nächsten Tag weniger dafür bekommen werden.

Zuerst braucht man also die Konzentration des Geldes (das Horten), die zur Deflation führt, und dann und erst dann – nachdem zahlreiche Menschen finanziell ausgelöscht wurden – setzt die Inflation ein.

Unsere Untersuchungen zu diesem Thema erfolgten vorurteilsfrei. Wir gingen mit der Einstellung heran, dass wir keine Ahnung haben, wie die Wirtschaft funktioniert, und einfach mal ohne irgendwelche Vorannahmen arbeiten. Was wir herausfanden, war eine Blaupause aus einer Serie von Ereignissen, wobei ein Ereignis zum nächsten führt. Zunächst kommt es zu einer Deflation, die der Trendumkehr, also dem Einsetzen der Inflation, die Bühne bereitet. Die Inflation ist aber ohne die ihr vorausgehende Deflation nicht möglich.

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