Staatsschuldenkrise: Der kommende Crash wird nicht so lustig wie der letzte

Graham Summers, PCM, 20.04.2015

Der Crash von 2008 war nur die Aufwärmphase.

Viele Anleger glauben ja, dass es keinen Crash mehr geben wird. Sie glauben, dass die Finanzkernschmelze von 2008 eine Sache war, die so nur alle 100 Jahre stattfindet.

Damit liegen sie aber daneben.

Die Krise von 2008 war eine Aktienmarkt- und Investmentkrise – aber es war nicht „die“ Krise.

Bei der richtigen Krise geht es um die größte Spekulationsblase der Finanzgeschichte: Die gigantische Anleiheblase, die sich auf weit über USD 100 Billionen beläuft. Und nimmt man hier noch die auf Anleihen basierenden Finanzderivate mit hinzu, dürfte sie sich wohl auf rund USD 500 Billionen belaufen.

Die US-Notenbank Federal Reserve tut so, als würde sie sich um Aktien Sorgen machen – doch in Wahrheit geht es um die Anleihen. Wenn man sich die Aktionen der Fed aus Perspektive des Anleihemarkts anschaut, macht plötzlich alles Sinn.

Anleihen sind Schulden. Eine Anleihe wird geschaffen, wenn sich ein Kreditnehmer von einem Kreditgeber Geld leiht. Und ganz oben in der Finanz-Nahrungskette stehen Staatsanleihen wie beispielsweise 10-jährige US-Staatsanleihen.

Diese Anleihen werden geschaffen, wenn jemand den USA Geld leiht. Doch warum wird das überhaupt getan? Weil die USA mehr Geld ausgeben, als sie über Steuern einnehmen. Das ist der Grund, warum die USA Schulden ausgeben – nämlich um die zusätzlichen Ausgaben zu begleichen.

Dieser Zyklus hält nun schon seit über 30 Jahren an. Und da die USA diese Schulden niemals wieder zurückzahlen (oder nur in den seltensten Fällen), werden die Schulden einfach prolongiert, wenn sie endfällig werden – und das heißt, dass die Anleger zwar weiterhin Zinsen erhalten, das Geld aber im Grunde nie zurückgezahlt wird. Der Staat hat dieses Geld einfach nicht – denn er gibt nach wie vor mehr Geld aus, als er über Steuern einnimmt.

Das ist der Grund, warum die Fed den Leitzins auf null abgesenkt hat und alles in ihrer Macht stehende tun wird, um die Zinsen auf einem niedrigen Niveau zu halten. Selbst ein kleiner Anstieg bei den Zinssätzen würde diese Schulden bereits wesentlich teurer machen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum die Fed dafür gesorgt hat, dass die Behörden die Buchhaltungsstandards für Finanzderivate abgesenkt haben, denn würden die Banken und Finanzinstitutionen ihre auf Anleihen basierenden Derivate-Trades im Wert von hunderten Billionen US-Dollars akkurat erfassen, wären die Anleger angesichts der massiven hierbei zum Einsatz kommenden Hebel absolut entsetzt und es käme umgehend zu Margin Calls.

Die Anleiheblase ist auch der Grund, warum die US-Notenbank ihre quantitativen Lockerungsprogramme aufgelegt hat. Denn durch ihre Anleihekäufe hat sie bei den langlaufenden US-Staatsanleihen eine Preisdecke eingezogen, wodurch die Wahrscheinlichkeit verringert wird, dass die Anleger die Anleihen aufgrund der geringen Renditen auf den Markt werfen.

Darüber hinaus ist die Anleiheblase der Grund dafür, warum die Fed eine solche Angst vor der Deflation hat. Die Deflation sorgt dafür, dass künftige Schuldenzahlungen teurer werden. Daher zieht die Fed Inflation vor, denn das bedeutet, dass die künftigen Dollars, die für den Schuldendienst zum Einsatz kommen, billiger sind als die heutigen Dollars.

Noch einmal: Wenn man die geldpolitischen Maßnahmen der US-Notenbank aus der Perspektive des Anleihemarkts betrachtet, macht auf einmal alles Sinn.

Das einzige Problem an der Geschichte ist, dass die Fed den Anleihemarkt dadurch nur noch größer gemacht hat. 2008 belief sich der Anleihemarkt auf USD 82 Billionen. Heute beläuft er sich auf über USD 100 Billionen. Und der Derivatemarkt – der zu 80% aus Zinsderivaten besteht – hat einen Umfang von USD 700 Billionen.

Die echte Krise wird also dann zuschlagen, wenn die Anleiheblase platzt. Wenn das passiert, wird klar werden, dass der reale Lebensstandard seit den 1970er Jahren gefallen ist und die Länder diese Entwicklung mittels Sozialausgaben und Subventionen übertüncht haben. (In den USA erhalten 47% aller US-Haushalte staatliche Leistungen in irgendeiner Form.)

Stellen Sie sich vor, was mit den Märkten passiert, wenn die westlichen Wohlfahrtsstaaten in die Pleite abrutschen. Die Krise von 2008 wird uns dann wie ein netter Sonntagsspaziergang vorkommen.

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