Big-Bang: Crash am europäischen Anleihemarkt

Der Euro wird nicht kampflos verschwinden, denn scheitert der Euro, würden tausende Bürokraten in Brüssel auf einmal ohne Job dastehen. Merkel glaubt fälschlicherweise, dass Deutschland den Euro braucht, und sie ist bereit ihr eigenes Land für eine gescheiterte Idee zu opfern, die besser nur Handelsunion geblieben wäre, keine politische Union

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 06.06.2015

Die Turbulenzen am europäischen Anleihemarkt haben verdeutlicht, dass die Theorie, die Zinsen würden nicht steigen und die Zentralbanken hätten alles unter Kontrolle, völlig falsch ist. Die Gelpolitik der EZB, die derzeit Staatsschulden aufkauft, um Geld in die Märkte zu injizieren, hätte doch eigentlich zu einer soliden Stützung der Staatsanleihen führen müssen. Die Preisentwicklung der Anleihen zeigt aber langsam, dass der Kaiser nackt ist.

Wie Sie anhand der Charts unschwer sehen können, hatte unser Energiemodell auf Wochen- wie auch auf Monatsbasis bereits im Februar sein Hoch ausgebildet. Februar war der höchste Monatsschlusskurs für deutsche Anleihen, während das Intraday-Hoch im April ausgebildet wurde – das April-Hoch war aber nicht nachhaltig.

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Den massiven Verlusten bei deutschen Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit kommt dabei die höchste Bedeutung zu, da das der Markt gewesen ist, in welchem sich die europäischen Gelder in der Annahme konzentrierten, dass der Euro auseinanderbricht und die Halter deutscher Staatsanleihen im Anschluss daran D-Mark bekommen würden.

Der Euro wird aber nicht kampflos verschwinden, denn scheitert der Euro, würden tausende Bürokraten in Brüssel auf einmal ohne Job dastehen. Merkel glaubt fälschlicherweise, dass Deutschland den Euro braucht, und sie ist bereit ihr eigenes Land für eine gescheiterte Idee zu opfern, die besser nur Handelsunion geblieben wäre, keine politische Union.

Und während die Preise für Staatsanleihen drastisch einbrachen und die Zinsen in die Höhe schossen, stieg der Zinssatz für 10-jährige deutsche Staatsanleihen auf das Niveau von 1%. Auf dem April-Hoch lag der Zinssatz für die 10-jährige deutsche Staatsanleihe aber noch bei fast 0%. Das war völlig durchgeknallt und ganz eindeutig ein Spekulationsblasen-Hoch, das nahelegte, dass es eine gute Idee ist, 10-jährige deutsche Staatsanleihen zu verkaufen und 10-jährige US-amerikanische Staatsanleihen zu kaufen.

Einige Beobachter gehen davon aus, dass der Preisverfall bei den Staatsanleihen auf die kontroverse Geldpolitik der EZB zurückgeht. Im Rahmen von Maßnahmen, mit denen die EZB die niedrige Inflation bekämpfen will, wurden durch die Zentralbank seit März Staatsanleihen in Milliardenhöhe aufgekauft. Die EZB ging stolz davon aus, dass sie den Markt in die Ecke getrieben hätte und das von ihr anvisierte Ziel von einer Inflationsrate von knapp 2% erreichen würde.

Viele Menschen glaubten, dass die Staatsanleihen aufgrund der EZB-Anleiheaufkäufe eine Rally hinlegen würden – und genau das sorgte für das April-Hoch. Obwohl dann in der Tat zahlreiche Anleger der EZB folgten und Staatsanleihen kauften, gab es am Ende niemanden mehr, der den Markt noch weiter in die Höhe hätte treiben können. Da bereits alle long waren, blieb letztlich nur noch ein Weg übrig, nämlich der nach unten.

Derzeit lässt sich überall beobachten, wie die Liquidität aus den Märkten verschwindet. Und dieser „Mangel an Liquidität“ macht diese außerordentlichen Preisschwünge überhaupt erst möglich. Mario Draghi erklärte letzten Mittwoch nach der jüngsten EZB-Zinssatzentscheidung: „Eine Lektion ist, dass wir uns an Phasen mit größeren Preisschwankungen gewöhnen müssen.“ Mit dieser Aussage hat er ganz klar zugegeben, dass seine Geldpolitik gescheitert ist.

Und genau das ist die Art, wie sich der Big-Bang auszubreiten beginnt. Wir haben es hier mit einer Blase beim Staat zu tun und erleben nun, wie der Markt (die freien Märkte) die Zinsen immer weiter in die Höhe treibt – und zwar gegen die Geldpolitik der Zentralbanken. Staatsschulden sind von der Zentralbankebene her nicht kontrollierbar. Die Zentralbanken schaffen keine Schulden – es sind die Staaten, die die Schulden schaffen, und bei den Staaten, also innerhalb der politischen Maschinerie, macht man sich überhaupt keine Sorgen über diese Schulden, obwohl es eigentlich angebracht wäre. Daher haben wir nun auch das Hoch beim Staat gesehen – und zwar an den Märkten wie auch bei dem Vertrauen gegenüber dem Staat an sich.

Es müsste jetzt eigentlich noch zu einem Ansturm auf kurzlaufende Staatsanleihen kommen – die klassische „Flucht in Richtung Qualität“, die die Zinsen für kurzlaufende Staatsanleihen stark in den negativen Bereich drücken wird, während wir uns immer stärker dem Monat Oktober annähern. Und im Hinblick auf die interessanten Entwicklungen, die danach kommen, muss die Mehrheit daneben liegen, denn das ist genau der Treibstoff, der die Wirtschaft und Märkte antreibt. Für Viele wird es wohl die schwierigste Trading-Periode überhaupt werden.

Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen. Die Mehrheit der Menschen wird diesen Blog hier niemals lesen und ihm folgen. Die Mehrheit der Menschen wird genau das lesen, was sie glauben wollen. Sie werden niemals versuchen, ihren eigenen Glauben kritisch zu hinterfragen – wie den, dass die Anleihen nicht im Wert fallen können, wo doch die EZB diese Papiere kauft. Sie werden stattdessen die großen Nachrichtenseiten lesen und den TV-Experten des Mainstreams zuhören. Aus geschichtlicher Perspektive ist es so, dass sie dabei ihr letztes Hemd verlieren werden, und das wird zu den aufkeimenden und sich intensivierenden Bürgerunruhen beitragen.

Das ist zu vergleichen mit der Einführung der Prohibition in den USA. Die Politiker erklärten, dass das Alkoholverbot die Kriminalität ausmerzen und Gefängnisse obsolet machen würde. Das ist genau so ein Irrsinn, wie die Geschichte, die sie den Leuten bei der Einführung des Euros verkauften – man müsste keine Devisen mehr wechseln und dadurch würde Europa boomen.

Die Bevölkerung ist immer schuld – niemals die Politiker!

Wir ertrinken förmlich in Entscheidungsträgern, die über keinerlei Erfahrung in der echten Welt verfügen. Laut dem früheren US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers „leidet die Welt unter einem Spar-Überschuss und droht daher in eine säkulare Stagnation abzurutschen.“

Summers betrachtet die Welt durch eine beschlagene Brille – also noch nicht einmal durch eine rosarote. Er behauptet, dass wir uns für die nächsten Jahrzehnte auf ein entsprechend langsameres Wirtschaftswachstum und zunehmende wirtschaftliche wie auch soziale Probleme einstellen müssten. Als Grund dafür führt er an, dass es einige Länder wie China und Deutschland gibt, wo die Menschen zu viel sparen, anstatt diese Gelder zu investieren oder zu verkonsumieren. Daher würden sie ihre Ersparnisse ins Ausland exportieren, wodurch ein Überschuss an Ersparnissen entstünde, für den es keine ausreichende Nachfrage gäbe. Summers Lösung: Die bargeldfreie Wirtschaft.

Niemand scheint gewillt zu sein, sich die Rolle des Staats anzuschauen – wie der Staat Pensionen versprochen hat, die nie gegenfinanziert worden sind. Die Korruption ist so allumfänglich, dass es niemals Reformen geben wird, und die einzige Lösung, die von Regierungsseite – von rechts wie links – vorgebracht wird, besteht darin, die Steuern zu erhöhen. Und das begründen sie dann damit, dass der Kapitalismus daran schuld sei, während sie die totale staatliche Kontrolle als ultimative Lösung preisen. Die Ökonomen werden in der Regel direkt oder indirekt vom Staat bezahlt, und diejenigen, die über Erfahrung in der echten Welt da draußen verfügen, sind nicht daran interessiert, sich an politischen Schlammschlachten zu beteiligen.

Irgendwie sind es nie die politischen Verantwortungsträger, die die Sache gegen die Wand fahren. Es ist immer die Bevölkerung.

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