Armstrong: Warum Gold am Freitag besser mit über USD 1.084 pro Unze aus dem Handel geht

Aktuell gibt es nur noch 4 Stützungen, die Gold vor einem Einbruch unter die Marke von USD 1.000 pro Unze bewahren. Ein Test des Goldpreishochs von 1980 wird immer wahrscheinlicher

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 23.07.2015

Das Problem mit Gold sind die Gold-Promoter gewesen, die jede Menge Quatsch erfunden haben, um ihre Produkte zu verkaufen und damit zahlreiche Menschen davon überzeugten, all ihre Investments zu verlieren. Und dass jetzt wieder Hass-Mails reinkommen, in denen behauptet wird, dass ich „auf die Goldbugs eindreschen“ würde, so als wäre das ein Sport aus Jux und Dollerei, zeigt einfach nur, dass es immer Menschen geben wird, die mit dem sinkenden Schiff untergehen, weil sie mit einer Idee verheiratet sind und sich weigern, die Welt so zu sehen, wie sie tatsächlich sein könnte – komplex und dynamisch. Aber das würde ja ihrer Vorstellung von dem, was Geld ist, entgegenstehen.

Associated Press meldete, dass den „Anlegern die Gründe ausgehen, Gold zu besitzen“. AP ist eine große internationale Nachrichtenagentur, und das heißt, dass ihre Meldung weltweit in zahlreichen Zeitungen verbreitet wird. Und sie haben es auch ziemlich gut auf den Punkt gebracht:

„Der US-Dollar hat in den letzten Monaten eine Rally hingelegt, was die Attraktivität, Gold zu halten, verringerte. Die US-Wirtschaft hat wieder stärker Fuß gefasst, und den Tumulten an Chinas Märkten sowie der Schuldenkrise Griechenlands ist es nicht gelungen, den Reiz des Metalls als sicherer Hafen vor globalen Verwerfungen wiederzubeleben.“

Es ist eine Schande, dass einige Menschen einfach nicht begreifen, dass Gold zurückgehen und der US-Dollar steigen musste, was mit der instabilen Struktur des Euros zusammenhängt – und das ist nur ein Teil des Puzzles, da wir gleichzeitig auch noch in einer Phase sind, wo das weltwirtschaftliche Zentrum im Westen dank der marxistisch-sozialistischen Theorien stirbt und bis 2032 nach Asien abwandert.

Zusätzlich haben wir es auch mit einer Deflation zu tun. Diese Deflation geht zurück auf:

1. Die steigenden Schulden der Staaten, wodurch die Steuern immer weiter in die Höhe getrieben werden und das Wirtschaftswachstum verringert wird. Und dank der Hatz auf Steuern werden zusätzlich auch noch die Liquidität und die weltweiten freien Kapitalflüsse vernichtet.
2. Das Technologiezeitalter mit seiner Schöpferischen Zerstörung, das sich derzeit in Form des Internetzeitalters bemerkbar macht, wo die Alten durch neue Entwicklungen ersetzt werden, bei denen nicht mehr so viele Arbeiter benötigt werden.

Und während die Politiker versuchen, Mindestlöhne zu erzwingen, wenden sich die Unternehmen einfach Robotern zu und das Ganze verwandelt sich in eine Deflationsspirale. Roboter ersetzen die menschliche Arbeit und vernichten damit die Renten und die Gesundheitsversorgung, die bei vielen Unternehmen schon heute zu den größten Kostenpositionen zählen. Starbucks gibt mehr Geld für die Gesundheitsversorgung aus als für Kaffee.

Das ist alles Teil der Deflation, die sich nicht einfach nur in Preisen ausdrückt, sondern bei der es sich vielmehr um den Rückgang frei verfügbaren Einkommens handelt, da die Preise aufgrund einer kostengetriebenen Inflation steigen und nicht aufgrund einer nachfragegetriebenen Inflation, wie es bei boomenden Märkten der Fall ist.

Es gibt aber zum Glück auch andere, die begriffen haben, dass an dem Konzept, dass alles mit allem vernetzt ist, doch etwas dran sein könnte. Das ist auch der Kern der asiatischen Philosophie. Ein Leser schrieb:

„Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir Ihre Einblicke und Ihr umfangreiches Wissen dabei geholfen haben, zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Danke. Speziell Ihre Grundaussage, dass alles miteinander vernetzt ist, stößt bei mir auf Zustimmung. Ihre Arbeiten sind die erste praktische Anwendung dieses grundlegenden Erkenntnis der Mystiker – speziell der asiatischen Meister –, dass nichts und niemand unabhängig von allem anderen lebt. Der buddhistische Lehrer Thich Nhat Hanh gab dem einen Namen: „interbeing“. Wenn die Möchtegern-Herrscher auf dem Planeten das nur mal begreifen würden. Stattdessen verfolgen sie ihre zum Scheitern verdammten egozentrischen Träume über alles und jeden zu herrschen, worunter wir dann alle – vorübergehend – zu leiden haben. Alles ist immer im Wandel begriffen.

Jetzt aber zu einer praktischen Frage: Sie erwähnten die Benchmarks für Gold (zeitlichen Ziele), bei denen Sie auf der Talfahrt mit den Tiefs rechnen würden, aber Sie erwähnten nicht, wo sie liegen. Ich vermute mal, dass diese Informationen den Käufern der Gold-Berichte vorbehalten sind, die bei Ihnen im Store zum Verkauf stehen. Richtig?“

Ja richtig. Die sogenannten Benchmarks sind die zeitlichen Ziele, denn es ist immer so, dass es nicht allein um den Preis geht, sondern dieser auch mit dem Zeitpunkt in Einklang stehen muss. Das Zeit- wie auch das Preisziel müssen erreicht werden. Ist das Tief bei Gold bereits drinnen? Nein. Um das Goldpreistief zu erreichen, muss die Mehrheit bärisch sein. Die Mehrheit der Marktteilnehmer wird am Ende mit Preiszielen von USD 600 bis USD 700 pro Unze rechnen.

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Die wichtigen bärischen Wochenumkehrmarken verlaufen bei USD 1.084 und USD 1.075 pro Unze. Danach kommen USD 1.042 und USD 1.026 pro Unze. Wir haben hier also vier bärische Wochenumkehrmarken, die Stützung liefern, bevor es zum Einbruch unter die Marke von USD 1.000 pro Unze kommt.

Ja selbst die Analysten, die Fibonacci-Retracements nutzen, schauen nach den Marken USD 1.282, USD 885 und USD 243 pro Unze.

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All diese fundamentale Quacksalberei der Gold-Promoter ist nichts weiter als Propaganda, wenn nicht gar Betrug, da sie typischerweise auch noch Gold verkaufen oder massiv im Goldsektor investiert sind. Einige dieser Gold-Promoter dürften auch auf der Gehaltsliste von jemand anderem stehen, um fingierte Analysen herauszugeben, gegen die dann getradet wird. Bei der Dot.com-Blase war es ja genauso.

Sollte es Gold gelingen, am Freitag bei über USD 1.084 Unze aus dem Wochenhandel zu gehen, könnte es zu einer 2-wöchigen Erholung kommen. Dann werden wieder alle behaupten, dass das Tief etabliert ist und wir uns nun beeilen und noch mehr nachkaufen müssten. Sollte Gold diese Woche unter USD 1.084 pro Unze aus dem Handel gehen, könnten eine 2-wöchige Abwärtspanik und ein Test des Hochs von 1980 folgen. Sollte das passieren, läge das finale Preisziel noch tiefer. Wir gehen hier also rein nach den Zahlen.

Es besteht auch das Risiko, dass das finale Goldpreistief erst beim zweiten zeitlichen Ziel ausgebildet werden wird und nicht beim ersten. Das würde mit unseren jährlichen Modellen am besten korrespondieren, und es scheint, dass die Entwicklungen, die uns nach dem 01.10.2015 erwarten, alles andere als normal sind. Meinungen haben da nicht viel Bedeutung, weil wir jetzt in eine Phase eintreten, wo nur Rechner in der Lage sind, die Zukunft zu erfassen. Niemand der heute lebenden Menschen hat das, was uns bevorsteht, schon einmal erlebt, weshalb uns persönliche Meinungen hier nicht weiterbringen werden.

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