Gold: Nach wie vor unglaublich schwach

Dan Norcini, Traderdan.com, 11.09.2015

Basierend auf der Goldpreisentwicklung bis Freitag könnte es tatsächlich sein, dass die Edelmetalle und die Edelmetallminenaktien (HUI-Goldbugsindex) kurzfristig ein Tief etabliert haben.

Die Minenaktien gingen ein klein wenig überzeugender aus dem Handel als Gold selbst – eine Entwicklung ist, die man als Goldbulle gerne sehen würde.

Der HUI stieg am Freitag tiefer in den Handel ein, sank danach stark ab, begann sich in der Folge jedoch wieder von diesen Tiefstständen zu erholen. Ja und bis zum Handelsschluss gelang es dem HUI tatsächlich noch in den positiven Bereich vorzudringen.

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Das Muster, das sich auf dem Tageschart des HUI ausgebildet hat, ist ein Bullenhammer. Das ist die Bezeichnung für einen Markt, der nach einem langen und kontinuierlichen Abwärtstrend ein Tief „aushämmert“.

Und so schwach und erbärmlich der Edelmetallminensektor auch gewesen sein mag, ich würde definitiv noch die Bestätigung abwarten, die in der nächsten Woche kommen müsste – oder auch nicht. Ich habe auf dem Chart zwei Preisniveaus eingezeichnet, welche ich als Widerstandslinien erachte – diese müssten nach oben hin durchbrochen werden, um das Hammer-Muster zu bestätigen.

Die erste Widerstandslinie liegt nahe der Marke von 110 Punkten und die zweite bei knapp 120 Punkten.

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Wir sollten auch daran denken, dass wir hier über einen Index sprechen, dem es tatsächlich gelang, auf seinem 13-Jahres-Tief zum Halten zu kommen – wir haben es hier also nicht gerade mit einem Index zu tun, bei dem es irgendeinen Grund zur Freude gäbe.

Also was mich persönlich anbelangt, würde ich Minenaktien noch nicht einmal mit der Kneifzange anfassen, wenn ich auf irgendeine Art von Papiergold aus wäre, da die meisten dieser Unternehmen von Leuten geführt werden, die von Risikomanagement oder Hedging praktisch null Ahnung haben. Warum soll man sich mit diesen Typen herumschlagen, wen man Gold direkt traden kann, indem man einfach den Gold-ETF GLD kauft – so erspart man sich all die Kopfschmerzen, die mit Minenfirmen in Zusammenhang stehen (riesige Schuldenstände, erschöpfte Minen, Probleme mit der Arbeiterschaft, Gerichtsprozesse, inkompetentes Management usw.). Wer auf eine Aktie aus ist, die Dividenden ausschüttet, kann sich ja was im Ölsektor kaufen!

Aber bei einem Index, der von fast 160 Punkten zu Beginn dieses Jahres auf sein Tief am Freitag von knapp über 100 Punkten eingebrochen ist – das ist alleine in diesem Jahr ein Verlust von 37,5% (!!!) –, dürften selbst all jene, die immer noch darauf beharren, diese Titel zu halten, Anrecht auf eine kleine Verschnaufpause haben. Die Hammer-Formation verrät uns in der Regel, dass der Abverkauf bis auf weiteres an Fahrt verloren hat. Wir werden ja sehen, was in der kommenden Woche los ist.

Wenn wir auf den Chart des HUI blicken, gibt es bisher wirklich keinen einzigen technischen Indikator, der ein Verkaufssignal aussenden würde.

Der MACD-Indikator auf dem nachfolgenden Chart könnte vielleicht so ausgelegt werden, dass er einige positive oder bullische Divergenzen widerspiegelt, da er jetzt wieder etwas von den Verlusten durch die Abwärtsbewegung gut macht, aber ein Kaufsignal ist das immer noch nicht. Vielleicht nächste Woche, sollte der HUI wirklich deutlich steigen.

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Ich habe keine Ahnung, welchen Grund es für die Erholung von Gold am Freitag gab, außer vielleicht die Auffassung der Marktteilnehmer, dass die Fed nächste Woche keinerlei Veränderungen an der Zinsfront vornehmen wird. Ich glaube, dass Gold höchstens kurzfristig ein klein wenig davon profitieren könnte, sollte die Fed tatsächlich nichts tun, da dies die Stärke des Dollars etwas untergraben würde. Dennoch würden die Trader dann mit einer Zinserhöhung beim nächsten Treffen, dem übernächsten usw. rechnen. Mit anderen Worten: Gold lebt hier von geliehener Zeit, da eine Zinserhöhung durch die Fed jetzt nur noch eine Frage des „wann“ ist und nicht des „ob“.

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Vielleicht heben sie die Zinsen auch erst im nächsten Jahr an, wer weiß. Die Frage ist doch, was uns das alles im Hinblick auf die Rohstoffpreise ganz allgemein sagen würde, sollte die Wirtschaft für eine Zinserhöhung weiterhin zu schwach sein. Antwort: Die Rohstoffpreise würden dann aufgrund von Wachstumssorgen weiter nach unten tendieren. Und wie das nun ausgerechnet bullisch für Gold sein soll, entzieht sich meinem Verständnis, da es sich hierbei eindeutig um Deflationssymptome handelt, die dem Metall bisher komplett den Boden unter den Füßen weggezogen haben.

Ich vermute mal, dass es am Freitag eher so war, dass einige der frischen Shorts glattgestellt wurden, um Gewinne mitzunehmen, nachdem das Metall kurzzeitig unter die Marke von USD 1.100 pro Unze gefallen war.

Während Rohöl all seine Gewinne von Donnerstag abgeben musste, und nun wo sich auch weiterer Abverkaufsdruck bei Silber und Platin zeigt, während die Anleihen steigen, gab es vielleicht auch ein paar Sichere-Hafen-Gold-Käufe, die etwas vom Abverkaufsdruck nehmen konnten, der durch den ganzen „Verkauft-Rohstoffe“-Makro-Trade mitschwingt. Darüber hinaus schwächte sich der US-Dollar auch ab, während der Euro über die Marke von USD 1,13. Einige Shorts nutzten das, um ihre Positionen glattzustellen.

Wenn wir uns den dieswöchigen COT-Bericht anschauen, sehen wir, dass die Hedge-Fonds immer noch Netto-Long im Gold-Future-Markt sind. Sie haben ihre Positionen ein klein wenig verringert (um rund 16.000 Kontrakte) – hauptsächlich, weil frische Short-Verkäufe stattfanden und weil im Gegensatz dazu nur wenige Long-Kontrakte veräußert wurden.

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Im nachfolgenden Chart sehen Sie die Gesamtzahl aller spekulativen Positionen und den Goldpreis:

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Eine Sache, die meines Erachtens wirklich heraussticht, wenn ich mir die beiden Charts so anschaue, ist der Umstand, wie massiv die Zahl der spekulativen Shorts gesunken ist, und das obwohl Gold aktuell gerade einmal USD 50 pro Unze über seinem Tief von Juli bei rund 1.070 pro Unze liegt.

Der letztgezeigte Chart verrät mir, dass diese Spekulanten es mit dem Abverkauf von Gold richtig ernst meinen, was auf dem Konsens basiert, dass die Fed die Zinsen anheben wird, was zu einer Stärkung des Dollars führen würden. Sie haben unglaublich viel Spiel, um hineinzustürmen und das Metall in die Tiefe zu hämmern.

Die Gesamtzahl der Shorts bei der Gruppe der Spekulanten liegt 53.000 Kontrakte unter dem jüngsten Hoch. Es gibt also jede Menge Raum dafür, dass die bärische Stimmung wieder richtig an Fahrt aufnehmen kann.

Vorher kann natürlich niemand sagen, ob das passieren wird oder nicht, aber als Trader muss man die Möglichkeiten halt in Betracht ziehen und sich darauf vorbereiten. Ich persönlich glaube, dass die Trader am Goldmarkt die Rallys bei dem Metall abverkaufen wollen und daher nach Widerstandsbereichen Ausschau halten, die Gold nicht übersteigen kann. Das taten sie ja jüngst erst, als es Gold nicht gelang, die Marke von USD 1.150 pro Unze zu übersteigen, und dann noch einmal, als es sich auch bei USD 1.125 pro Unze nicht halten konnte.

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