Analyse: Silber notiert immer noch extrem schwach; Hedge-Fonds spekulieren auf Kursfeuerwerk

Die Hedge-Fonds sind aktuell unglaublich bullisch, was das weiße Metall anbelangt, und spekulieren auf einen steigenden Silberpreis. Doch woher rührt dieser Optimismus? Silber ist nach wie vor extrem schwach

Dan Norcini, Traderdan.com, 23.10.2015

Beginnen wir zunächst mit dem Tageschart für Silber. Silber konnte Anfang dieses Monats schön zulegen, aber nun zu Ende des Monats sieht es so aus, als würde das Metall gegen erheblichen Widerstand stoßen. Die Verkäufer gingen bei dem Preisniveau von rund USD 16 pro Unze mit aller Macht in den Markt und es gelang ihnen im Rahmen dessen zu verhindern, dass die Silberbullen den gleitenden 200-Tagesschnitt testeten. Wie auf dem Chart zu erkennen ist, hat dieser gleitende Schnitt den Markt bisher in Schach gehalten.

Der Silberpreis ist die letzten paar Handelstage zwischen diesem Preisniveau und dem Median der Bollinger-Bänder gefangen gewesen. Das Aufwärtsmomentum schwächt sich derzeit wieder ab.

Es gibt auch erste Stützungslinien, die sich im Bereich der jüngsten Wochentiefs bei USD 15,60 bis USD 15,50 pro Unze bewegen. Im Grunde wird Silber aktuell in einer sehr engen Handelsspanne gehandelt.

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Der jüngste Commitments of Traders Bericht (CoT-Bericht) enthält einige interessante Aspekte. Fakt ist, dass ich sogar sehr überrascht war, als ich die jüngsten Daten sah – speziell die Handelsdaten der Hedge-Fonds.

Wenn wir uns den CoT-Bericht genau anschauen, sehen wir, dass die Hedge-Fonds ihre Netto-Long-Positionen in den letzten paar Monaten weiter ausgebaut haben. Sie haben in der Tat das höchste Niveau seit Juli 2014 erreicht und das dritthöchste Niveau der letzten 6 Jahre!

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Das ist ziemlich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Silberpreis das letzte Mal, als die Hedge-Fonds derart stark netto-long investiert waren, bei rund USD 21 pro Unze lag. Und heute notiert der Silberpreis rund USD 6 pro Unze tiefer und dennoch kaufen die Hedge-Fonds wie wild. Was ist da los?

Schauen wir uns den CoT-Chart ruhig noch einmal an und konzentrieren und dieses Mal dabei auf die Netto-Short-Positionen. Hier haben wir die größte Netto-Short-Position seit Februar 2013! Und die Netto-Short-Positionen der Swap-Dealer schwellen auch immer schneller an. Das ist sehr interessant, da es zeigt, dass die Commercials das Preisniveau von USD 16 als gute Marke erachten, um Absicherungen zu platzieren.

Doch kommen wir wieder zu den massiven Long-Käufen der Hedge-Fonds. Ich finde das gelinde gesagt ziemlich alarmierend. Warum? Dafür brauchen wir uns nur den nächsten Chart anzuschauen.

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Die Hedge-Fonds halten die größte Zahl an Long-Positionen aller Zeiten. Zumindest seitdem die US-Börsenaufsicht CFTC diese Daten so aufgeschlüsselt veröffentlicht. Die Hedge-Fonds sind jetzt massiv long, und mit massiv meine ich wirklich in riesigem Umfang.

Und wurde mit all diesen Long-Positionen erreicht? Silber wurde auf USD 16 pro Unze gedrückt, ja und das war´s auch schon!

Schauen wir uns die Daten doch noch ein klein wenig genauer an. Immer wenn ich irgendeinen Rekord in einem CoT-Bericht aufblitzen sehe, schaue ich mir die Daten noch einmal genauer als Prozentsätze an. Dadurch erhalte ich eine zusätzliche Perspektive. Also wenn ich von der prozentualen Verteilung spreche, dann meine ich damit die Zahl der direkten und/oder Netto-Positionen als Prozentsatz am Offenen Interesse. Das ist eine nützliche Übung, da sich das Offene Interesse im Laufe der Zeit bedeutend verändern kann und uns die absoluten Zahlen manchmal keinen akkuraten Einblick in die Stimmung bei den Tradern verschaffen.

Und mit dem im Hinterkopf schauen wir nun noch einmal auf die direkten Long-Positionen der Hedge-Fonds als prozentualem Anteil am Offenen Interesse.

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Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass dies haargenau dieselben Daten sind, wie in dem vorangegangenen Chart, nur dass wir dieses Mal eine prozentuale Gewichtung sehen. Und obschon wir es dieses Mal nicht mit einem neuen Rekord zu tun haben, gab es nur zwei Zeitpunkte, wo das Verhältnis höher war als heute – nämlich Ende 2006 und Anfang 2007. Interessant ist, das Silber damals zwischen USD 13 und USD 15 pro Unze notierte.

Was sollen wir nun aus all dem machen? Ja ganz einfach: Die Tatsache, dass die Hedge-Fonds eine sehr große Zahl an Long-Positionen halten und eine im Vergleich dazu nur sehr geringe Zahl an Short-Positionen, ist ein Hinweis darauf, dass diese Gruppe von großen Tradern extrem bullisch geworden ist. Ja die bullische Stimmung unter den Hedge-Fonds hat vielleicht schon exzessive Züge angenommen. Das bedeutet nun nicht, dass der Silberpreis bereit dafür ist, eine drastische Trendwende einzuleiten – es heißt einfach nur, dass es einige sehr, sehr starke Fundamentaldaten geben muss, um diese Gruppe von Tradern auch weiterhin zu motivieren, derart stark zu kaufen.

Ganz ehrlich: Angesichts der aktuellen Sorgen bezüglich des Wirtschaftswachstums, der Deflation und des allgemeinen Trends in Richtung eines festeren US-Dollars, bin ich mir nicht ganz sicher, warum die Hedge-Fons plötzlich so bullisch im Hinblick auf Silber sind.

Ja sicher, ich verstehe schon, dass sich die Händler nach den Äußerungen der US-Notenbank der letzten Monate wieder dem Reflations-Trade zugewandt haben, aber der Grund, warum die Fed Zinserhöhungen bisher hinausgeschoben hat, ist, weil die Notenbanker die wirtschaftliche Lage in den USA und weltweit für zu schwach halten, als dass Zinserhöhungen vertretbar wären. In solch einem Umfeld gibt es bei den meisten Rohstoffen aber ein Abwärtsrisiko. Nehmen wir beispielsweise den Rohölpreis oder Rohölprodukte.

Wenn wir uns beispielsweise den CoT-Chart für Kupfer anschauen, stellen wir fest, dass die Hedge-Fonds – die im Kupfer-Markt als große Netto-Short-Halter aufgetreten sind – auf Basis dieses von einer niedrigen Inflation geprägten Abschwächung-Szenarios jüngst eine große Zahl ihrer Short-Positionen glattgestellt haben, nachdem der Dollar gefallen ist, und ihre Netto-Long-Positionen im Vergleich zu den letzten 22 Monaten zudem auch noch recht mager ausfallen.

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Und wen wir unseren Blick ein klein wenig erweitern und uns die Vermögensklasse Rohstoffe als Ganzes anschauen (hier anhand des iShares GSCI Commodity-Indexed Trust), sehen wir bereits auf dem ersten Blick, wie sich die Rohstoffe in den letzten paar Jahren entwickelt haben.

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Hier finden Sie noch einmal denselben Fonds und den Silberpreis als Linienchart:

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Silber hat die Preisentwicklung des Gesamtrohstoffindexes sehr, sehr genau nachgezeichnet, wie diese Gegenüberstellung zeigt. Aber warum sind die Hedge-Fonds auf einmal so extrem bullisch bei Silber, wo doch die Rohstoffklasse als solches zusammengebrochen ist und sich der Rohstoffindex derart schlecht entwickelt hat?

Das finde ich persönlich jedenfalls ziemlich bizarr.

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, der ziemlich offenkundig ist: Die Commercials und die Swap Dealer sind der Auffassung, dass ein Silberpreis von USD 16 pro Unze ein gutes Niveau ist, um zu verkaufen. Angesichts der Tatsache, dass die Hedge-Fonds-Gemeinde heute bereits so massiv long im Silbermarkt engagiert ist, braucht Silber jetzt wirklich einige sehr starke Fundamentaldaten, damit das Metall ausgehend von seinem jetzigen Preisniveau bedeutend in die Höhe getrieben wird.

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