Talfahrt an den Aktienmärkten sorgt für Verwirrung unter den Anlegern

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 08.01.2016

Warum ist China derzeit so wichtig? Das geht größtenteils darauf zurück, dass die weltweiten Anleger in einem Übergangsprozess sind und nicht begreifen, warum sich die Welt unter ihren Füßen gerade wandelt. Die Marktverwerfungen in China haben sich am Donnerstag weltweit ausgebreitet, da die weltweiten Anleger die Vorgaben aus China in eine Ansteckung verwandelten, ohne dass sie die Entwicklungen dabei wirklich verstehen.

Einige versuchten das mit der Erklärung zu rechtfertigen, dass China ein Casino sei, wo es überhaupt keinen echten Markt gäbe und eher aufgrund von Spekulationen als aufgrund von soliden Umsatzzahlen getradet würde. Derlei Aussagen verdeutlichen das mangelnde Wissen der Leute, da alle weltweiten Märkte immer aufgrund der Antizipationen der Markteilnehmer getradet werden und nicht aufgrund der Umsatzzahlen von Unternehmen.

Die weltweiten Märkte halten schlicht Ausschau nach einer Richtung und erfinden dann irgendwelche Erklärungen und Ausreden, um zu versuchen, dem Ganzen irgendeine Logik zu verleihen. Wir hatten davor gewarnt, dass es in China bis ins Jahr 2020 hinein einen wirtschaftlichen Rückgang geben würde. Sorry, aber so ist es nun mal. Und der Rest der Welt sitzt im selben Boot. Der Euro hat bei seinem Rückgang schlicht eine Pause eingelegt, weil alle zu stark short waren, dennoch ist es der europäischen Einheitswährung bis Jahresende nicht gelungen, eine Rally in Richtung ihres von uns kommunizierte Widerstands hinzulegen.

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China bringt sich derzeit unnötig in zusätzliche Schwierigkeiten. Wenn ein Staat versucht, mit eiserner Faust die unsichtbare Hand des Marktes zu kontrollieren – ja sorry, dann gewinnt die unsichtbare Hand jedes einzelne Mal. Unser Computermodell hatte den Panikzyklus in China diese Woche bereits im November aufgegriffen. Die Ausreden der Marktteilnehmer dienen einfach dazu, die aktuellen Trading-Aktivitäten irgendwie zu erklären. Allein schon die Tatsache, dass ein Computer in der Lage ist, Umkehrpunkte weit im Voraus vorherzusagen, verdeutlicht, dass die in Gang befindlichen Trends durch die Gesamtstärke und Gesamtschwäche eines Marktes verursacht werden.

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Diese computergenerierten Prognosemodelle veranschaulichen, dass Menschen auf persönlicher Ebene nicht in der Lage sind, zu ermitteln, was gerade vonstattengeht, da dies viel zu komplex ist. Hat man etwas aus dem Bauchgefühl heraus doch mal richtig prognostiziert, ist das purer Zufall.

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04Selbst das Wissen an sich bewegt sich in Zyklen. Hier sehen Sie eine Silber-Münze des römischen Kaisers Theodosius II. (402 – 450 n. Chr.). Auf der Kopfseite der Münze ist der Kaiser zu sehen, wie er die Welt als Globus in seinen Händen hält. Und Sie sehen hier ein weiteres Bild des einzigen Zepters, das je von einem römischen Kaiser entdeckt wurde, von Kaiser Maxentius (306 – 312 n. Chr.). Auch hier wird die Welt als Globus dargestellt und nicht als flache Scheibe.

Die Chinesen und die Römer kannten einander und beide behaupteten, dass die Welt rund sei und sie beide die Herrscher über die Welt wären. Dennoch ging dieses Wissen im Mittelalter verloren. Während dieser Zeit kam wieder die primitive Vorstellung auf, dass die Welt eine Scheibe sei. Unser Computer erweckt einfach nur verlorengegangenes Wissen wieder.

Die Einen geben der US-Notenbank die Schuld, weil sie die Zinsen anhebt. Andere hinterfragen die Korrektheit veralteter Indikatoren wie den chinesischen Fertigungsindex. Die Nächsten erklären, dass der Wert des Yuan durch die chinesische Regierung manipuliert wird und dies für Verwerfungen am US-Aktienmarkt sorgt. Und dann gibt es Leute, die sagen, dass die Aussetzung der chinesischen Börse auf zu geringe Kursschwellen zurückzuführen sei. Und während die US-amerikanischen und europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt werden, bleibt die Wahrheit auf der Strecke.

Mein Ratschlag für China ist: China sollte einen Schritt zurücktreten und es den freien Märkten erlauben, von alleine zur Ruhe zu kommen. Wenn man hier in die Märkte eingreift, zeigt das nur, dass der Glaube an die eiserne Faust des Staats einfach nicht wahr ist und die unsichtbare Hand immer gewinnt. Und während dies offenkundig wird, schafft der Staat unterdessen unglaubliche Risiken, die zu einem Zusammenbruch des Vertrauens führen können. Wenn die Menschen erst einmal begriffen haben, dass der Staat machtlos ist – so wie es in Japan der Fall war – wird das wirtschaftliche Leiden nur verlängert und eine Erholung wird ungleich schwerer.

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Die Anleger sind verwirrt. Sie klammern sich an alte Ideen wie die, dass steigende Zinsen bärisch für Aktien sind, schließlich erklären das die TV-Experten die ganze Zeit über. Das ist typisch für die letzten Zyklen in einer privaten Welle. Die Denkprozesse kehren sich um …

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