Revolution in Europa: Warum es zwischen 2017 und 2020 zu massiven politischen Umstürzen kommen wird

Über Europa werden in den kommenden Jahren bedeutende revolutionäre Umstürze hereinbrechen – eine Entwicklung, die durch nichts und niemanden aufgehalten werden kann

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 11.01.2016

Ich hatte davor gewarnt, dass das Jahr 2017 ein politisches Höllenjahr werden wird. Was ich im Folgenden verdeutlichen werde, ist der Zusammenhang zwischen der Staatsschuldenkrise und dem Revolutions-Zyklus.

1933 kam Roosevelt in den USA an die Macht und steuerte das Land in Richtung Sozialismus. Im selben Jahr kamen auch Hitler und Mao an die Macht. 1934 war also das Revolutionsjahr. Solche Revolutionen bringen jedoch nicht immer Blutvergießen auf den Straßen mit sich. Das nächste Revolutionsjahr ist 2020 und wir dürften nun die Anfänge davon sehen, wie das gegenwärtige System, unter dem wir derzeit leben, völlig auf den Kopf gestellt werden wird.

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Die Revolutionen von 1848 waren im Grunde demokratische Bewegung, bei denen man sich gegen die politische Elite erhob. 1848 veröffentlichte Karl Marx gemeinsam mit Friedrich Engels das Kommunistische Manifest und musste daraufhin nach London ins Exil. In London, wo Marx den Rest seines Lebens verbrachte, schrieb er dann den ersten Teil von „Das Kapital“. Dies beeinflusste die Revolutionen ohne jeden Zweifel und öffnete die Tür in Richtung Kommunismus/Sozialismus. Und es trug mit zu dem Zusammenbruch der alten Feudalstrukturen und der Schaffung der unabhängigen Nationalstaaten bei.

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Die revolutionäre Welle nahm in Frankreich im Februar 1848 ihren Anfang, als die französische Monarchie gestürzt wurde. Der Kommunismus begann in Frankreich als „Kommune“, wo die Menschen in einer Gemeinschaft lebten. Das Eigentum gehörte allen gemeinsam und es gab keine individuellen Eigentumsrechte. Es waren die Franzosen, die Marx davon überzeugten, dass der Kommunismus besser funktionieren würde als einfach nur Sozialismus, für den er sich anfangs noch aussprach.

Diese Revolution von 1848 verbreitete sich dann wie ein Lauffeuer – eine Ansteckung, ähnlich wie es bei der Amerikanischen Revolution im vorangegangenen Jahrhundert der Fall war. Die Ansteckung von 1848 breitete sich auf den überwiegenden Teil von Europa und Teile von Lateinamerika aus. Alles in allem wurden über 50 Länder davon beeinflusst. Und das ging keineswegs auf irgendeine Koordination oder eine Zusammenarbeit unter den verschiedenen revolutionären Trends in Europa zurück.

Im Allgemeinen lässt sich eine solche Ansteckung auf sechs Faktoren zurückführen:

1. Eine weitverbreitete Unzufriedenheit im Hinblick auf die politische Führung, so wie es auch heute der Fall ist;
2. Forderungen nach mehr Mitsprache bei Regierungsangelegenheiten und demokratischen Prozessen, da uns die Republiken abermals das Recht auf Mitsprache entrissen haben;
3. Forderungen nach Pressefreiheit, wie sie sich heute auch im Internet manifestieren;
4. Forderungen der Arbeiterklasse, die auch heute mit enormen Steuerlasten (Einkommensteuer, Mehrwertsteuer usw.) konfrontiert ist;
5. Das Wiederaufflammen des Nationalismus, was wir derzeit dank des Terrorismus ja auch wieder erleben;
6. Die Neugruppierung reaktionärer Kräfte (Königshäuser, Aristokratie, Kirche, Bauern), was sich heute abermals in Form eines Klassenkampfes manifestiert.

Die Amerikanische Revolution nahm 1762 ihren Anfang – also 86 Jahre vor 1848. Fakt ist auch, dass genau dasselbe Problem, durch das die Amerikanische Revolution ausgelöst wurde, auch zur Revolution in Frankreich führte – nämlich die Praxis des Staats willkürlich Vermögenswerte und Briefe von Menschen zu beschlagnahmen, die abschätzig über die Regierung sprachen.

Der US-Nachrichtendienst NSA macht heute exakt dasselbe, was auch die Männer des Königs einst taten. Und 2014 und 2015 überstieg der Wert der seitens der Polizei beschlagnahmten Vermögenswerte in den USA den Wert aller von Kriminellen gestohlenen Eigentumswerte. Die Polizei hat die Kriminellen also auf vielfache Art verdrängt. Sie haben sich an die Beschlagnahme von Eigentum gewöhnt und sie werden auch nur in den seltensten Fällen dafür zur Rechenschaft gezogen, wenn sie Zivilisten unbedacht töten. Sie setzen immer tödliche Mittel ein, anstatt eine Problemlösung zu suchen, bei der niemand getötet wird.

Wir haben es hier also mit exakt denselben Maßnahmen zu tun wie zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Amerikanischen Revolution, wo den Steuereintreibern und Beamten eine königliche Vollmacht ausgestellt wurde, die es ihnen erlaubte, nach Gutdünken verdächtige Orte einfach so zu durchsuchen. Diese Willkürmaßnahmen wurden dann auch zum Auslöser der Amerikanischen Revolution und führten später zum Vierten Verfassungszusatz der US-Verfassung – ein Recht, das die US-Richter aber bereits beiseite gewischt haben und das heute nicht mehr länger existiert.

Vorausgegangen war dem der berühmte Gerichtsprozess, durch den das Ganze seinen Anfang nahm: Entick vs. Carrington and Three Other King´s Messengers. Entick klagte wegen unerlaubten Eindringens in sein Haus, bei dem die Vertreter des Königs seine Schränke und Tische aufgebrochen und die dortigen Unterlagen durchsucht hatten.

James Otis, ein Rechtsanwalt aus Boston, wies damals darauf hin, dass die Dekrete des Königs, „das schlimmste Instrument willkürlicher Macht und das Destruktivste englischer Freiheit sind … was je in einem englischen Gesetzbuch stand.“ Diese königlichen Dekrete erlaubten es Staatsbediensteten alles zu tun, wonach ihnen gerade war, so wie sie es auch heute machen. Der Bürger steht heute wieder in der Pflicht zu beweisen, dass er Rechte hat – der Staat ist nicht dazu verpflichtet, sich in seinen Handlungen zu beschränken. Dadurch wurde „die Freiheit jedes Mannes in die Hand eines jeden kleinen Beamten gelegt.“

Der künftige US-Präsident John Adams hörte Otis seine Argumentation vor Gericht. Otis verlor natürlich, da der Richter zugunsten des Königs entschied. John Adams sagte: „Hier war die erste Szene des ersten Akts des Widerstands gegenüber den willkürlichen Forderungen von Großbritannien. Und hier wurde auch die kindliche Freiheit geboren.“

Und das ist es auch, worum es bei Zyklen geht. 14 Jahre später nach 1762 kam es 1776 zur Amerikanischen Revolution mit der Schaffung der Unabhängigkeitserklärung. Nach fast einem Pi-Zyklus (31,4 Jahre nach der Rede von Otis) wurden George Washington als Präsident vereidigt und die USA geboren. Es ist alles immer nur eine Frage der Zeit.

Allein schon die Tatsache, dass wir reguläre Zyklen über längere Perioden hinweg beobachten können, verdeutlicht uns eine Sache: Man darf die Idee des freien Willens des Einzelnen niemals mit den kollektiven Handlungen einer Gesellschaft verwechseln. Es wird niemals so sein, dass 100% der Menschen in irgendeiner Sache übereinstimmen. Daher ist man auch nicht dazu genötigt, wie ein Roboter zu agieren und der Masse zuzustimmen. Das ist der freie Wille des Einzelnen. Sie würden diesen Artikel beispielsweise nicht lesen, wenn Sie zur gedankenlosen Masse der Menschen gehören würden.

Die Gesellschaft bewegt sich hingegen innerhalb eines Kontinuums, bei dem es eine gewisse kontinuierliche Bewegung gibt. Ich habe es bereits in der Vergangenheit erwähnt, aber es muss noch einmal wiederholt werden. Wenn man sich auf Persönlichkeiten wie Hitler oder Napoleon konzentriert, kann man die Wahrheit nicht erfassen. Es ist niemals eine einzelne Person, welche die Mehrheit zu irgendetwas bewegt, sondern es ist die Mehrheit, die den Einzelnen schafft.

Hitler wurde für Dinge inhaftiert, die man als „politische Verbrechen“ deklarieren könnte, nachdem sein Putsch in München im November 1923 fehlschlug. Während er inhaftiert war, schrieb Hitler „Mein Kampf“. Das Buch diktierte er Rudolf Hess. In dem Buch beschrieb Hitler seine politische Ideologie und seine künftigen Pläne für Deutschland. Band 1 wurde 1925 und Band 2 1926 veröffentlicht. Er kam aber erst 1933, also rund 8,6 Jahre später an die Macht. Die Gesellschaft schafft den Führer und nicht umgekehrt.

Wenn wir uns auf die Wirtschaft konzentrieren, sorgt das für Druck, der zu politischem Wandel führt. Welche Person dann die Führung übernimmt, ist nicht das entscheidende Thema. Die Gesellschaft wird sich immer jemanden aussuchen. Eine einzelne Person ist nicht in der Lage, der Gesellschaft ihre Ideen aufzwingen, ganz gleich wie laut diese Person auch schreien mag. Ein in Bewegung befindlicher Körper bleibt solange in Bewegung, bis er auf Widerstände stößt, die seine Bewegungsgeschwindigkeit absenken. Das Missmanagement des Staats wird immer größer und verlangsamt dadurch das Wirtschaftswachstum bis zu dem Punkt, wo es zu Steuerrebellionen kommt, die oftmals zu Revolutionen führen.

Die Geschichte ist in Wahrheit ein determinstisches, nicht-lineares System, das chaotisches Verhalten (Panik-Zyklen) aufweist. Kartographiert man die kleinen Veränderungen innerhalb eines solchen Systems – die sich wie eine Wellenbewegung durch die gesamte Masse ziehen –, stößt man auf Faszinierendes, da die Akteure nie davon ausgehen, dass sie mit ihren Handlungen in Wahrheit ein wesentlich dynamischeres System beeinflussen.

FACTA ist ein Beispiel dafür. Durch das US-Besteuerungsgesetz FACTA wird die weltweite wirtschaftliche Entwicklung direkt umgekehrt, da die US-Bürger mit ihren Kapital wieder zurück in die US-Wirtschaft gezwungen werden, wodurch sich die externe Deflation gegenüber den USA nur noch verschlimmert und der US-Dollar immer weiter in die Höhe getrieben wird.

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Die Kapitalabflüsse aus den USA ermöglichten überhaupt erst den Aufbau der heutigen Weltwirtschaft, und jetzt sorgt ein einziges steuergieriges Gesetz für die gegenteilige wirtschaftliche Entwicklung und somit die Zerstörung der Weltwirtschaft. Daher könnte man aus mathematischer Sicht sagen, dass bereits kleinste Abweichungen beim Weltwirtschaftssystem letztlich zu enormen und wilden Schwankungen führen. Dieses Gesetz geht darauf zurück, dass der Staat nicht in der Lage ist, sich selbst zu verwalten, geschweige denn die Wirtschaft, die sie ja noch nicht einmal verstehen.

Daher ist es auch so, dass der Einzelne keinen Unterschied macht. Ich hatte es selbst versucht und musste die Lektion – dass die besten Ideen aufgrund der Eigeninteressen der Menschen in Machtpositionen einfach ignoriert werden – ganz schnell lernen. Nie ist es der Einzelne, sondern immer die Gesellschaft, die zu dem Punkt gelangen muss, wo sie eine Antwort verlangt und neue Ideen aufnimmt.

04Rom brach im 3. Jahrhundert zusammen. Das ist der Zeitpunkt, wo die Christenverfolgung auf ihrem Höhepunkt war. Einige behaupten, dass die Götter zornig wurden, weil es zu viele Christen gab, und dies der Grund dafür sei, warum die Gebete der Römer nicht mehr erhört wurden. Am Ende gelangten immer mehr Menschen zu der gegenteiligen Meinung, nämlich dass ihre Gebete nicht erhört werden, weil sie die falschen Götter anbeten. Das Christentum erlangte Aufwind und Konstantin plünderte die Tempel der römischen Gottheiten, während er das Christentum als die neue Religion ausrief, so dass er das Vermögen konfiszieren und das Imperium neu aufbauen konnte, indem er das Kapital in eine brandneue Stadt steckte – Konstantinopel, das heutige Istanbul.

Die Geschichte wiederholt sich also, und das geschieht, weil sich die Natur des Menschen niemals verändert. Was das Ganze antreibt, ist, dass die Mehrheit immer vor und zurückschwingt – das ist ähnlich den abwechselnden Siegen der Republikaner und Demokraten. Die Geschichte geht nicht auf die Ideen Einzelner zurück, sondern die einzelnen Personen werden als Reaktion auf die Veränderungen in der Geschichte geschaffen, die sich auf kontinuierliche Art entwickelt und auf Einwirkungen immer auf dieselbe Art und Weise reagiert, ganz gleich auf welches Jahrhundert wir auch blicken.

Wenn wir erst einmal bereit dazu sind, die Tiefenanalyse von Menschen wie Hitler aufzugeben und einen Schritt zurückzutreten, um uns von der Betrachtung von Einzelpersonen abzuwenden und den Blick auf die kollektive Gemeinschaft zu werfen, wird die Geschichte plötzlich zu etwas, das genauso wie die Gesetze der Physik funktioniert. Also ja: In Europa wird es zu einer Revolution kommen. Das ist unvermeidlich.

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