Revolution in Frankreich: Eliten in Panik – Armee und Polizei stehen mehrheitlich hinter dem Front National

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 13.01.2016

Kommentar: „In einer aktuellen Umfrage heißt es, dass der Front National gegenwärtig eine enorme Unterstützung seitens der französischen Polizei und seitens des französischen Militärs genießt. Die Zustimmungsrate beläuft sich jetzt auf 51,5%. 2012 waren es 30%.

Die Kommentare der ´Insider` zeigen, dass es nun zunehmende Sorgen unter der herrschenden Elite gibt. Im Grunde sagen sie, dass die sozialistische Regierung jetzt aufgrund des Terrorismus die Sicherheitskräfte unterstützen würde, die sich unterdessen ihrem politischen Hauptfeind zuwenden: Marine Le Pen. Und noch schlimmer: Sie geben den französischen Sicherheitsbehörden immer mehr Macht und Möglichkeiten, um ihren Kampf gegen die islamistische Bedrohung erfolgreich zu führen.

Hier ist die weithin verbreitete Meinung, die unter Hardcore-Sozialisten innerhalb des Staats derzeit hinter den Kulissen die Runde macht: Hollande verfolgt gegenwärtig den Weg von Guy Mollet, dem sozialistischen Premierminister, der die staatliche Macht im Jahr 1956 an die französische Armee abtrat, als der Konflikt mit Algerien immer größer wurde. Das Ganze endete dann 1958 mit dem erfolgreichen Putsch von De Gaulle.

De Gaulle genoss tatsächlich die Unterstützung der Armee und der Generäle und hatte eine Luftschlagoperation auf Paris vorbereitet. Hätte die französische Zivilregierung sich geweigert, De Gaulle die Macht zu übertragen, hätte die Armee Waffengewalt eingesetzt, um dieses Ziel zu erreichen. Die damalige Regierung gab auf und De Gaulle übernahm das Amt ohne Blutvergießen.

Es ist also im Grunde so, dass das, was von der „Linken“ jetzt noch übriggeblieben ist, in Panik verfallen ist, da sie glauben, dass die Polizei und die Armee einen Sieg des Front National unterstützen würden. Und das könnte tatsächlich 2017 der Fall sein. 2017 – das sind 224 Jahre nach 1793, dem Jahr der Terrorherrschaft, die zu jener Zeit durch die republikanische Regierung organisiert wurde. Heute ist es so, dass dem französischen Polizeiminister alle Befugnisse übertragen worden sind. Damals war es auch so, dass sie im Grunde über die Macht verfügten, jeden ohne Anklage zu verhaften, und viele wurden damals unter Hausarrest gestellt (rund 500.000 Franzosen). Das hielt bis zum Fall von Robespierre an.

Interessant ist, dass das Comeback von De Gaulle im Jahr 1958 offiziell seitens der Armee und der Polizei eingeläutet wurde. Die Idee war, dass man in Algerien einen Sieg davonträgt – doch De Gaulle war ein gerissener Politiker und gab rasch auf.

Also ich habe keine Ahnung, ob ihre Computermodelle mit einem Sieg des Front National in 2017 rechnen oder ob es nach einem möglichen Sieg unmittelbar darauf zu einem Zusammenbruch der Le-Pen-Regierung kommt. Aber es scheint so zu sein, als hätten die französischen Streitkräfte und die Polizei ihre Entscheidung im Falle eines ´Bürgerkriegs` bereits getroffen, sollte ihre Hilfe notwendig sein.“

Antwort: Die sich derzeit entwickelnden Ereignisse sind denen sehr ähnlich, die auch bei der ersten Präsidentschaftswahl in Frankreich im Jahr 1848 zu beobachten waren. Es ging damals auch um eine Staatsschuldenkrise, die zuerst in den USA auf Bundesebene zuschlug, während der erste und einzige Präsident der Zweiten Republik am 10.12.1848 in einer Überraschungswahl gewählt wurde. Die französische Verfassung war zu jener Zeit so ausgestaltet, dass es nur eine Wahlrunde gab. Im Falle, dass keine Mehrheit für einen Kandidaten zusammenkam, würde die Nationalversammlung entscheiden, wer der nächste Präsident wird. Alle gingen damals davon aus, dass Louis-Eugène Cavaignac der sichere Sieger werden würde. Das Establishment der politischen Eliten unterstützte Cavaignac und alle rechneten damit, dass er als Präsident installiert werden würde, sollte er bei der Wahl nicht auf die Mehrheit kommen.

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Louis Napoléon Bonaparte gewann die Wahl aber mit einem Ergebnis, das alle schockierte und sicherte sich 74% der Stimmen. Bonaparte war kein Karrierepolitiker, weshalb die Eliten behaupteten, dass es sich bei seinem Wahlsieg um Betrug handeln würde. Er war jedoch das Beste, was den Menschen zur Wahl zur Verfügung stand, die ansonsten nur zwischen den rechten monarchistischen Unterstützern und den Legitimisten/königlichen Orléanistenlager hätten auswählen können. Bonaparte wurde als Mann gesehen, der in der Lage ist, die Ordnung wiederherzustellen und der politischen Instabilität, die Frankreich nach dem Sturz der französischen Monarchie im Februar 1848 erfasst hatte, Herr zu werden.

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Bonaparte gewann mit einem Riesenvorsprung und sicherte sich 74% der Stimmen – niemand gelang es in Frankreich je wieder, solch ein Wahlergebnis einzufahren. Ganz allgemein wird davon ausgegangen, dass er es war, der eine kommunistische Revolution in Frankreich verhinderte, für welche sich Friedrich Engels, der Freund von Karl Marx, zu jener Zeit aussprach. Bonaparte sackte die Stimmen der unpolitischen ländlichen Bevölkerung ein – die Landbevölkerung war der Meinung, dass die Unterstützer der kommunistischen Idee in den Städten nur darauf aus waren, ihr Land zu konfiszieren. Napoleon genoss außerhalb der Städte ein sehr hohes Ansehen – der Name Bonaparte bedeutete dort etwas.

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Natürlich führte Louis Napoléon Bonaparte dann in Frankreich am 05.12.1851 seinen eigenen Putsch durch, als er sich weigerte, von seinem Amt zurückzutreten. Das endete dann in der erfolgreichen Auflösung der Nationalversammlung und der Wiedererrichtung des französischen Imperiums als Republik im Jahre 1852.

Bonaparte implementierte seine beliebten Reformprogramme, zu denen auch die Wiederherstellung des allgemeinen Wahlrechts gehörte, das zuvor von der Nationalversammlung abgeschafft worden war, als sie versuchte, sich an der Macht zu halten – ähnlich den gegenwärtigen Aktionen von Brüssel, wo auch niemand über die Mitglieder der Troika abstimmen kann.

Die politischen Reformen von Louis-Napoléon Bonaparte waren sehr beliebt und wurden durch ein Verfassungsreferendum gestützt. Später ließ er sich dann unter dem Namen Namen Napoleon III (1852 – 1870) zum Kaiser ausrufen.

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