Peter Schiff: Ein neuer Weltkrieg – warum nicht?

Wenn die Keynesianer richtig liegen, dann wäre das doch eine großartige Sache…

Peter Schiff, Europac.net, 19.07.2010

Unter Ökonomen gibt es überwältigendes Einvernehmen darüber, dass der Zweite Weltkrieg in entscheidendem Maße für das Ende der Großen Depression verantwortlich war. Wenn sie dann gefragt werden, warum die Kriege im Irak und in Afghanistan heutzutage nicht dieselbe Wirkung erzielen, wird oftmals behauptet, die aktuellen Konflikte seien ganz einfach zu klein um wirtschaftlich von Bedeutung zu sein.

Natürlich ist hier viel Ironie dabei. Niemand behauptet, dass der Zweite Weltkrieg mit seinem Völkermord, zig Millionen von Opfern auf dem Schlachtfeld und der großflächigen Zerstörung von Städten und Regionen gut für die Menschheit gewesen wäre. Die verbesserte amerikanische Wirtschaft der späten 40er Jahre scheint die Vorteile eines großflächigen Konjunkturprogramms der Regierung dennoch zu veranschaulichen. Bei Einigen könnte dieses Rätsel zum Nachdenken anregen, wie wir an diese Vorteile kommen könnten ohne dabei mit den Nachteilen zu tun zu haben.

Wenn man der Meinung ist, dass man mit Regierungsausgaben Wirtschaftswachstum generieren kann, dann sollte die Antwort recht einfach sein: Wir tun einfach so, als gäbe es einen riesigen Krieg, der in seiner Größe an den Zweiten Weltkrieg heranreicht, nur das dieses Mal Niemand dabei getötet wird.

Die meisten Ökonomen sind der Meinung, dass die heftigen Ausgaben der Bundesregierung während des Zweiten Weltkriegs in Panzer, Uniformen, Munition und Kampfschiffe sowie die neu geschaffenen Arbeitsplätze – um dann in der Tat Krieg führen zu können – der „Deflationsfalle“ ein Ende bereiteten, die seit dem Zusammenbruch des Jahres 1929 vorherrschte. Viele weitere argumentieren, dass die Kriegsausgaben dort Erfolg hatten, wo in den 30er Jahren kleinere Programme des „New Deals“ zu kurz griffen.

Die Zahlen waren in der Tat atemberaubend. Zwischen 1940 und 1944 explodierten die Ausgaben der US-Bundesregierung auf mehr als das Sechsfache von gerade einmal USD 9,5 Milliarden jährlich auf USD 72 Milliarden. Dieser Anstieg führte zu einer entsprechenden nominalen Ausdehnung des Bruttosozialprodukts um USD 75 Milliarden. Das BSP belief sich 1940 auf USD 101 Milliarden und stieg bis 1944 auf USD 175 Milliarden an. Mit anderen Worten sorgten die Kriegsanstrengungen in den USA in gerade einmal vier Jahren für einen 75%igen Anstieg des Bruttosozialprodukts!

Auch beseitigte der Krieg die chronischen Arbeitslosenprobleme im Land. Elf Jahre nach dem Crash, 1940, verharrte die Arbeitslosigkeit immer noch hartnäckig auf hohen 8,1%. Bis 1944 fiel diese Zahl auf weniger als 1%. Der Zufluss an frischen Regierungsausgaben und die Auslandsstationierung von Männern im arbeitsfähigen Alter sorgte dafür, dass Frauen in bis dahin beispiellosem Umfang in die Arbeitswelt vordrangen und dadurch den ökonomischen Ausstoß bedeutend ausweiteten. Darüberhinaus sorgten die Regierungsausgaben in Kriegstechnologie für zahlreiche Durchbrüche, welche die Produktion von Verbrauchsgütern auf Jahrzehnte beeinflussen sollten.

Warum sollten die Vereinigten Staaten also keinen fingierten Krieg gegen Russland führen (das ist eine erbitterte Schlacht, die letztendlich schon seit langem überfällig ist)? Beide Länder könnten umgehend die Vollbeschäftigung anordnen und ihre entsprechenden Wirtschaftssektoren wiederbeleben. Anstelle von echter Munition könnten wir alle Arten von Farbmunition, Wasserballons und Stinkbomben fertigen.

Wenn die neuen Armeen dann erst einmal aufgestellt und ordnungsgemäß mit harmloser Bewaffnung ausgestattet worden sind, könnten unsere beiden Länder ein aufregendes Kriegsspiel inszenieren. Vielleicht könnten sich die USA auf eine seeseitige Invasion von Kamtschatka vorbereiten (genau wie bei Risiko!). Was die Zerstörung anbelangt, besorgen wir uns einfach Pixar und James Cameron. Mit Washingtons unbegrenzter Finanzierung könnten diese Magier aus Hollywood mit Sicherheit ein simuliertes Gemetzel fabrizieren, das noch spektakulärer als Pearl Harbor oder D-Day daherkommt. Das Spektakel könnte dann übers Fernsehen ausgestrahlt werden, wobei die Werbeeinnahmen direkt an die Regierung gehen.

Der Wettstreit könnte ausgeweitet werden, so dass der Gewinner dieses Pseudokonflikts in einem fingierten, flächendeckenden Krieg weitere Länder herausfordert. Ich bin mir sicher, Italien oder Frankreich würde es nicht stören ein paar Kerben in der „Gewinner“-Spalte abzubekommen. Das Konjunkturpaket könnte ewig fortgesetzt werden.

Wenn die USA keine willigen internationalen Partner finden, könnten wir uns immer noch auf die Wiedererschaffung des Amerikanischen Bürgerkriegs zurückziehen. Haben Sie die Seeschlacht der Monitor gegen die Merrimack beim ersten Mal verpasst? Kein Problem, dass machen wir nochmal!

Um die Wirkung des Zweiten Weltkriegs zu wiederholen benötigten wir jedoch eine wirklich gigantische Anstrengung. Den Anstieg des Bundeshaushalts um das Sechsfache zu kopieren, so wie wir es in den frühen 40er Jahren erlebten, würde heutzutage zu einem Haushalt von fast USD 20 Billionen führen. Das entspricht USD 67.000 für jeden Mann, Frau und Kind in den USA. Ein derart gigantisches Wachstum würde den Schaden der sogenannten Großen Rezession mit Sicherheit wieder wett machen.

Da bleibt nur noch die Frage, wer dafür bezahlen soll. Die USA, das wird Viele überraschen, finanzierten ihren Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen durch Steuererhöhungen und das Anzapfen der persönlichen Ersparnisse der Amerikaner. Beide dieser Möglichkeiten sind heute keineswegs so vielversprechend, wie dies 1941 der Fall war.

Die aktuelle Steuerlast ist heute bei Weitem höher, als dies vor dem Krieg der Fall war, so dass sich eine Steuererhöhung heute wesentlich schwieriger gestalten würde. Die „Siegersteuer“ von 1942 führte zu einem steilen Anstieg der Einkommenssteuer und ermöglichte es erstmals in der Geschichte unserer Nation die Steuern direkt von den Gehältern abzuziehen und einzubehalten. Diese Steuererhöhungen waren ursprünglich als zeitlich befristetes Mittel gedacht, haben jedoch selbstverständlich ihren ursprünglichen Zweck lange überlebt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Amerikaner heutzutage höhere Steuern akzeptieren würden um einen wirklichen Krieg zu finanzieren, ganz zu schweigen von einem vorgeblichen.

Dann bleiben also nur noch die Ersparnisse übrig, bei denen es sich auch während des Zweiten Weltkriegs um eine der Hauptfinanzierungsquellen handelte. Während des Krieges erwarben die Amerikaner rund USD 186 Milliarden an Kriegsanleihen, mit denen während der Jahre 1941 bis 1945 fast 75% der Staatsausgaben finanziert wurden. Heute verfügen wir noch nicht einmal über die Ersparnisse um für unsere aktuellen Ausgaben aufzukommen, geschweige denn dafür die Staatsausgaben in bedeutendem Umfang auszuweiten. Selbst wenn wir die Chinesen überzeugen könnten uns einen riesigen Batzen der USD 20 Billionen (zusätzlich zu den USD 1 Billion, die wir ihnen bereits schulden) auszuleihen, wie könnten wir das jemals zurückzahlen?

Wenn Ihnen all das absurd erscheint, dann deshalb, weil es so ist. Krieg ist ein großartiger Weg um Dinge zu zerstören, aber eine entsetzliche Methode um eine Wirtschaft aufzubauen.

Was oft übersehen wird, ist, dass der Krieg Entbehrungen schafft und das nicht nur für Diejenigen, die unter der Gewalt zu leiden haben. Ja, während des Zweiten Weltkriegs stieg die Produktion in den USA an, aber nur ein sehr geringer Teil davon war für irgendjemanden außer den Soldaten von Nutzen. Verbraucher können keine Bomben benutzen um damit einen Familienurlaub zu machen.

Das Ziel der Wirtschaft ist die Anhebung des Lebensstandards. Während des Krieges wurde die wirtschaftliche Leistung zur Front umgeleitet, während die Verbrauchsgüter zu Hause rationiert wurden und der Lebensstandard fiel. Während es einfach ist sich die zahlenmäßigen Ergebnisse von Kriegsausgaben zu vergegenwärtigen, ist es bedeutend schwerer sich die Einsparungen im zivilen Bereich vorzustellen, die diese erst möglich machten.

Die Wahrheit ist, dass wir uns nicht durch Ausgaben aus der Krise befreien können, ganz egal wie gigantisch das von uns geschaffene Spektakel auch sein sollte. Selbst wenn wir es für Infrastruktur anstatt für Krieg ausgeben, hätten wir immer noch nicht die Mittel das zu finanzieren und es gäbe immer noch keine Garantie dafür, dass dies bei der Wirtschaft zu Wachstum führen würde.

Was wir brauchen, sind mehr Ersparnisse, mehr freie Marktwirtschaft, mehr Produktion und eine Rückkehr zur amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Wirtschaft. Ja wir brauchen Rosie „die Nietzange“ [stilisierte weibliche Arbeiterin auf US-Kriegsplakaten], doch dieses Mal muss sie in der Privatwirtschaft arbeiten und Dinge herstellen, die nicht explodieren. Um das zu tun, bedarf es geringerer Regierungsausgaben und nicht höherer.

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