Inflationsbombe: Der Rausch des Imperiums

Ohne sofortiges Umschwenken werden die USA von einer Hyperinflationsbombe hinweggefegt und landen im Mülleimer der Geschichte

Paul Craig Roberts, Infowars.com, 16.08.2010

Den Vereinigten Staaten geht die Zeit aus ihr Haushaltsdefizit und ihr Handelsdefizit unter Kontrolle zu bekommen. Trotz der Dringlichkeit der Situation, ist 2010 dafür verschwendet worden eine nicht existierende Erholung aufzubauschen, wie jüngst am 02.08.2010, als der US-Finanzminister Timothy F. Geithner eine Kolumne in der New York Times mit dem Titel „Willkommen zur Erholung“ verfasste.

John Williams von Shadowstats hat bei zahlreichen Gelegenheiten deutlich gemacht, dass der Eindruck einer Erholung ausschließlich auf einer Übertreibung der Beschäftigungszahlen und einer Untertreibung der Inflation beruht. Warnungen von John Williams, Gerald Celente und mir stießen auf keinerlei Beachtung, bis auf eine Reaktion der Boston University, wo Professor Laurence Kotlikoff und David Stockman die Republikanische Partei niedermachten, sie sei auf dem besten Wege eine genauso verschwenderische Ausgabenpartei wie die Demokraten zu werden.

Es ist ermutigend festzustellen, dass dieses Mal wenigstens Einige erkennen, dass Washington die Wirtschaft nicht durch noch mehr Ausgaben aus der Rezession hohlen kann. Die Defizite sind bereits viel zu groß, als dass der US-Dollar als Reservewährung überleben würde und defizitäre Ausgaben können die Amerikaner auch nicht zurück in Arbeit bringen, da die Arbeitsplätze bereits ins Ausland verlagert wurden.

Die Lösungen Derer, die nun damit anfangen das Problem zu erfassen, sind enttäuschend. Kotlikoff ist der Meinung, die Lösung bestünde in dem Ausschlachten der staatlichen Pensionen (Social Security) und den staatlichen Krankenversicherungen (Medicare) oder ähnlich zerstörerischen Steuererhöhungen oder der Hyperinflation um damit die riesigen Schulden zu vernichten.

Vielleicht mangelt es den Ökonomen an Vorstellungskraft oder vielleicht wollen sie nicht von den Subventionen von Wall Street und der Konzerne abgeschnitten werden, aber das staatliche Pensionssystem und die staatlichen Krankenversicherungen sind auf ihrem gegenwärtigen Stand ungenügend, besonders wenn man die Aushöhlung der privaten Renten durch Dot-Com, Derivate und die Immobilienblase mitberücksichtigt. Einschnitte bei dem staatlichen Rentensystem und den staatlichen Krankenversicherungen, für die die Menschen während ihres ganzen Lebens 15% ihres Einkommens zahlten, würden zum Hungertod und zu Toten bei Menschen mit heilbaren Krankheiten führen.

Steuererhöhungen machen noch weniger Sinn. Es ist weithin bekannt, dass die Mehrheit der Haushalte ihr Auskommen nicht mit einem einzelnen Arbeitsplatz bestreiten kann. Der Ehemann und die Ehefrau müssen beide arbeiten und oftmals hat einer der beiden auch zwei Jobs um über die Runden zu kommen. Steuererhöhungen würden es schwerer machen über die Runden zu kommen – daher käme es zu mehr Zwangsvollstreckungen, mehr Nahrungsmittelmarken und mehr Obdachlosigkeit. Welche Art von Ökonom oder humane Person denkt sich so eine Lösung aus?

Ah ja, wir können ja immerhin noch die Reichen besteuern, die Reichen haben genug Geld. Sie werden einfach damit aufhören Einkommen zu generieren.

Jetzt mal im Ernst, das wird Washington höchstwahrscheinlich tun: Wenn Washington erst einmal begriffen hat, dass der US-Dollar in Gefahr ist und sie ihre Kriege nicht mehr länger durch die Kreditaufnahme im Ausland finanzieren können, wird die Regierung entweder eine Steuer auf Privatpensionen erheben, mit der Begründung die Pensionen hätten latente Steueransprüche akkumuliert, oder die Regierung wird von den Managern der Pensionsfonds verlangen, dass diese mit unseren Renten US-Staatsanleihen kaufen. Das wird der Regierung ein wenig mehr Zeit verschaffen, während man die Rentenkonten mit wertlosem Papiermüll vollstopft.

Das letzte Defizit der Bush-Regierung (2008) lag irgendwo im Bereich von USD 400 – 500 Milliarden, was ungefähr der Größe des chinesischen, japanischen und OPEC Handelsüberschusses gegenüber den USA entspricht. Traditionell sind diese Handelsüberschüsse immer so recycelt worden, dass sie das Haushaltsdefizit der US-Regierung finanzierten. 2009 und 2010 explodierte das Haushaltsdefizit auf USD 1,4 Billionen, das ist ein Anstieg um USD 1 Billion innerhalb eines Jahres. Es gibt nicht mehr genügend Handelsüberschüsse um solch ein riesiges Defizit zu finanzieren. Von woher kommt das Geld dann?

Die Antwort darauf ist, dass das Geld von Personen kommt, die aus dem Aktienmarkt in die „sicheren“ US-Staatsanleihen flüchten und es kommt vom Bankster-Rettungspaket, nicht so sehr von den TARP-Rettungsgeldern, sondern vielmehr von den seitens der Federal Reserve aufgekauften fraglichen Finanzpapieren wie Subprime-Derivaten. Die Banken nutzen ihre überschüssigen Gelder dann um damit US-Staatsanleihen zu erwerben.

Diese Finanzmanöver sind Tricks, die nur einmal funktionieren. Sind die Leute erst einmal aus den Aktien raus, ist auch die Flucht in Richtung US-Staatsanleihen vorbei. Der Widerstand gegen die Bankster-Rettung schließt eine erneute Rettung aus. Wo wird das Geld das nächste Mal also herkommen?

Das US-Finanzministerium war in der Lage große Mengen an Schulden zu platzieren. Grund dafür war die „Griechenlandkrise“, die von den New Yorker Bankstern und den Hedge Fonds in eine „Eurokrise“ verwandelt wurde. Die Finanzpresse diente als der Arm des US-Finanzministeriums um Panik über die europäischen Schulden und den Euro zu verbreiten. Die Zentralbanken und die Personen, die sich in den Dollar flüchteten, wurden in Panik aus ihren Euros herausgetrieben und gingen in US-Staatsanleihen.

Diese Bewegung von Euro in Richtung Dollar hat die alternative Reservewährung zum Dollar geschwächt, den Niedergang des Dollars abgebremst und das US-Haushaltsdefizit ein wenig länger finanziert.

Wohlmöglich kann dieses Spiel weitere Male wiederholt werden – bei den Schulden Spaniens, den Schulden Irlands und bei welchem bedauerlichen Land auch immer, das es aufgrund der gedankenlosen Ausdehnung der Europäischen Union hinwegfegen wird.

Wenn jedoch keine Länder mehr übrig sind, die durch Wall Street Investmentbankster und Hedge Fonds destabilisiert werden können, stellt sich die Frage, wer das US-Haushaltsdefizit dann finanziert.

Der einzig dann noch verbleibende Finanzier ist die Federal Reserve. Wenn die zur Versteigerung gebrachten US-Staatsanleihen nicht mehr verkauft werden können, muss die Federal Reserve sie aufkaufen. Die Federal Reserve kauft die Anleihen auf, indem sie neue Sichteinlagen oder Girokonten für das US-Finanzministerium schafft. Da das Finanzministerium die Einkünfte aus den neuen Schuldenverkäufen ausgibt, wird sich die Geldmenge in den USA dann um den Betrag der von der Federal Reserve gekauften US-Staatsanleihen erhöhen.

Nehmen die Waren und Dienstleistungen um denselben Betrag zu? Die Importe werden ansteigen, da US-Arbeitsplätze ins Ausland verlagert und an Ausländer vergeben worden sind, was das Handelsdefizit noch weiter verschlechtern wird. Wenn die Federal Reserve die neuen Schulden des Finanzministeriums aufkauft, wird die Geldversorgung stärker ansteigen, als die Menge der im Inland gefertigten Waren und Dienstleistungen. Die Preise werden wahrscheinlich steigen.

Wie stark werden die Preise steigen? Umso länger Geld geschaffen wird, damit die Regierung ihre Rechnungen bezahlen kann, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Ganze in einer Hyperinflation enden wird.

Die Wirtschaft hat sich nicht erholt und bis Ende dieses Jahres wird offenkundig werden, dass eine in sich zusammenbrechende Wirtschaft ein noch größeres Haushaltsdefizit als die USD 1,4 Billionen mit sich bringt, das finanziert werden muss. Werden es USD 2 Billionen sein oder noch mehr?

Wie auch immer die Größe des Defizits aussehen mag, der Rest der Welt wird begreifen, dass der in solchen Mengen gedruckte Dollar nicht mehr als Reservewährung fungieren kann. An diesem Punkt werden wir erleben, wie es zu einem massenhaften Abverkauf von US-Dollars kommen wird, da die ausländischen Zentralbanken versuchen werden eine wertlose Währung loszuwerden.

Der Zusammenbruch des Dollars wird die Preise für Importe und für die jetzt im Ausland produzierten Waren, von denen die Amerikaner abhängig sind, anheizen. Wal-Mart Einkäufer werden glauben, dass sie aus Versehen in einer Nobelkaufhauskette gelandet sind.

Die Preise für Waren aus dem Inland werden ebenfalls explodieren, da eine anwachsende Geldmenge auch auf die Waren und Dienstleistungen durchschlagen wird, die immer noch in den USA gefertigt werden.

Der Dollar kann diese Feuersbrunst nicht als Reservewährung überstehen. Wenn der Dollar erledigt ist, sind die USA nicht mehr in der Lage ihr Handelsdefizit zu finanzieren. Daher werden die Importe massiv einbrechen, was die Inflation im Land nur noch mehr anheizen wird. Da die USA auf Energieimporte angewiesen sind, wird es zusätzlich auch noch zu Transportausfällen kommen, die zu Störungen der Arbeitswelt und der Lebensmittelversorgung führen werden.

Panik wird den Alltag beherrschen. Werden Farmen überfallen werden? Werden Diejenigen, die in den Städten gefangen sind, Aufstände und Plünderungen veranstalten? Ist dies die wahrscheinliche Zukunft, welche „unsere“ Regierung und „unsere patriotischen“ Unternehmen für uns kreiert haben?

Um mich einmal der Worte Lenins zu bedienen: „Was tun?“

Hier ist, was getan werden kann: Die Kriege, von denen keiner etwas hat außer der militärisch-industrielle Komplex und Israel im Rahmen seiner territorialen Ausdehnung, können umgehend beendet werden. Dies würde das US-Haushaltsdefizit um hunderte Milliarden Dollar pro Jahr absenken. Weitere hunderte Milliarden Dollars könnten eingespart werden, indem man den Rest des Militärhaushalts zusammenstreicht, der in seiner aktuellen Größe die Budgets aller ernst zu nehmenden Militärmächte der Welt zusammengenommen übersteigt.

Die US-Militärausgaben spiegeln das unbezahlbare, unerreichbare und völlig durchgeknallte neokonservative Ziel eines US-Imperiums und der Weltherrschaft wider. Welcher Idiot in Washington glaubt denn allen Ernstes, dass China die US-Vorherrschaft über China finanziert?

Der einzige Weg, wie die USA wieder eine Wirtschaft haben werden, ist die ausgelagerten Arbeitsplätze wieder zurück ins Land zu holen. Der Verlust dieser Arbeitsplätze hat die Amerikaner verarmt, während er Wall Street, den Anteilseignern und den Geschäftsführern der Konzerne überdimensionierte Gewinne bescherte. Diese Arbeitsplätze kann man wieder nach Hause bringen, dort wo sie hingehören, indem man die Unternehmen danach besteuert, wo der Mehrwert ihrer Produkte geschaffen wurde. Wenn der Mehrwert ihrer Produkte und Dienstleistungen in den USA geschaffen wurden, dann würden diese Unternehmen niedrigere Steuersätze erhalten.

Diese Veränderung der Unternehmensbesteuerung würde die billigen Arbeitskosten ausgleichen, durch die Amerika seine Arbeitsplätze verlor und die Stufen der Aufwärtsmobilität wiedererrichten, die Amerika einst zu einer Gesellschaft der Möglichkeiten machte.

Sollte man die Kriege nicht umgehend beenden und die Arbeitsplätze zurück nach Amerika holen, werden die USA im Mülleimer der Geschichte entsorgt.

Es ist völlig klar, dass die Konzerne und Wall Street ihre finanziellen Möglichkeiten und Wahlkampfspenden einsetzen würden um jegliche Art der Gesetzgebung zu verhindern, welche die kurzfristigen Einkünfte und Boni reduzierte und die Arbeitsplätze nach Amerika zurückbrächte. Amerika hat keine größeren Feinde als Walls Street, die Konzerne und ihre Prostituierten im Kongress und im Weißen Haus.

Die mit Israel verbündeten Neokonservativen, die beide Parteien und einen Großteil der Medien kontrollieren, sind vom imperialen Rausch zugedröhnt.

Die Vereinigten Staaten und das Wohlergehen seiner 300 Millionen Bürger können nicht wiederhergestellt werden, es sei denn, dass die Neokonservativen, Wall Street, die Konzerne und ihre servilen Sklaven im Kongress und im Weißen Haus bezwungen werden.

Ohne eine Revolution sind die Amerikaner Geschichte.

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