Zerstörung von GMO-Feldern nimmt zu: Französische Bürger vernichten Versuchs-Weinberg

Rady Ananda, Food Freedom, 24.08.2010

Am Sonntagmorgen stand die französische Polizei hilflos da und musste dabei zusehen, wie 60 Menschen innerhalb eines eingegrenzten Feldes mit genetisch modifizierten Weinreben standen und die Wurzeln ausrissen. In Spanien zerstörten vergangenen Monat dutzende Bürger Felder mit genetisch modifizierten Pflanzen (GMO). Bereits vor der Jahrtausendwende verbrannten indische Farmer eine gegen das Bakterium „Bacillus thuringiensis“ resistente GM-Baumwollvariation während ihrer „Beerdigt Monsanto“-Kampagne. Ignoriert durch multinationale Konzerne und korrupte politische Entscheidungsträger handeln die Bürger selbst um die Nahrungsmittelversorgung des Planeten zu schützen.

Der französische Weinberg ist dasselbe Feld, das bereits im vergangenen Jahr angegriffen wurde, wobei die Pflanzen damals jedoch nur abgeschnitten wurden. Die danach installierten Sicherheitsmaßnahmen rund um das Feld halfen jedoch dieses Mal dabei die Behörden fernzuhalten, als die Gruppe gestern ihre Mission erfüllte.

Olivier Florent, der im Namen der Gruppe sprach, erklärte gegenüber der Zeitung Le Figaro, dass sie die Verwendung öffentlicher Gelder für Testversuche von GMOs, „die wir nicht wollen“, auf dem freien Feld verurteilen.

Die Nacht zuvor schlugen sie im Regen ihre Zelte nahe des französischen Staatsinstituts für Agrarforschung (INRA) bei Colmar auf und warteten bis 05:00 Uhr in der Frühe um sich der Anlage zu nähern und die Tore hinter sich zu verschließen. Sie entwurzelten alle 70 Pflanzen und stellten sich dann der Verhaftung.

Das ist der zweite Angriff auf GMO-Felder dieses Jahr, der ein internationales Medienecho fand. Im Juli zerstörten dutzende Menschen zwei experimentelle Maissorten in Spanien. In einer anonymen Presseerklärung schrieben sie:

„Diese Art der direkten Aktion ist die beste Möglichkeit auf die Politik der vollendeten Tatsachen zu reagieren, welche die Regierung, das Land und die multinationalen Biotechfirmen uns bezüglich genetisch veränderter Organismen einseitig auferlegt haben.“

In den späten 90er Jahren verbrannten indische Farmer Bt-Bauwollfelder im Rahmen ihrer „Beerdigt Monsanto“-Kampagne. Monsanto hatte den Farmern verheimlicht, dass es sich bei den GM-Samen um einen experimentellen Versuch handelte.

„Trotz der massiven Verwendung von chemischen Düngemitteln, Spuren davon können immer noch im Feld nachgewiesen werden, wuchsen die Bt-Pflanzen miserabel und erreichten noch nicht einmal die Hälfte der Größe der traditionellen Pflanzen auf den benachbarten Feldern.“

Nach dem diesjährigen Erdbeben in Haiti bot Monsanto gemeinsam mit der US-Entwicklungshilfebehörde, USAID, den haitianischen Farmern 475 Tonnen Hybrid-Weizen und Terminator-Pflanzensamen an. Daraufhin demonstrierten im Juni 10.000 haitianische Bauern gegen das „giftige Geschenk“, das keine brauchbaren Samen für künftige Anpflanzungen produziert und eines massiven Zusatzes chemischer Düngemittel bedarf. Der Anführer der Bauern, Chavannes Jean-Baptiste, beobachtete, dass die Pläne der Biotechfirmen die Farmer von den multinationalen Konzernen abhängig machen.

In den USA wurden der Öffentlichkeit die GM-Pflanzen im Geheimen aufgezwungen und der oberste Gerichtshof der USA ist nun die einzige Organisation, die sich dieser Landplage annimmt. Im Juni bekräftigte das Gericht die Entscheidung über die teilweise Regulierung einer genetisch modifizierten Luzerne. Dadurch wird der weitere Anbau der genetisch veränderten Variante dieser bedeutenden Tierfutterpflanze einschränkt, während das US-Landwirtschaftsministerium gleichzeitig eine Studie zur den Auswirkungen auf die Umwelt erarbeitet. Das natürliche und biologische Vorkommen der Luzerne ist durch die sehr reale Möglichkeit der Verseuchung durch die GM-Variante bedroht. Dies würde die biologische Fleisch- und Milchproduktion vernichten.

Vergangenen Freitag nahm ein US-Bundesgericht sogar eine noch strengere Haltung gegenüber genetisch modifizierten Zuckerrüben ein. Richter Jeffrey S. White zog die Zulassung der US-Landwirtschaftsbehörde für den Anbau von GM-Zuckerrüben zurück und erlaubte die Anpflanzung nur noch für dieses Jahr.

Durch einen britischen Landwirt wurde diesen Monat auch enthüllt, dass Milch und Fleisch geklonter Tiere heimlich in die Nahrungsmittelkette gelangt sei.

Der Widerstand gegenüber GM-Anpflanzungen ist in den letzten Jahren immer weiter angewachsen, da immer weitere Beweise bezüglich der GMOs ans Tageslicht gekommen sind:

Unterdessen hat Präsident Obama seine Regierung mit Biotech-Insidern vollgestopft und ging sogar soweit Islam Siddiqui zum leitenden Verhandlungsführer im Landwirtschaftsbereich des US-Handelsbüros (USTR) zu machen. Siddiqui ist ein früherer Lobbyist der Pestizidindustrie und war Präsident von CropLife America, einer Handelsgruppe im Biotech- und Pestizidbereich, die Lobbyarbeit betreibt um die Umweltschutzbestimmungen abzuschwächen.

Die USA setzen alles daran, dass die Welt GM-Nahrungsmittel akzeptiert. Jüngst forderte die Lobbygruppe „American Farm Bureau Federation“ härtere Maßnahmen gegen die Europäische Union aufgrund ihres [teilweisen] GMO-Verbots.

Da durch Regierungs- und Handelsvereinbarungen jedoch der Wille der Menschen umgangen wird, nehmen einige das Thema nun selbst in die Hand. Der Zunahme der Zerstörung von GMO-Feldern ist ein deutliches Zeichen, dass die Menschen auf der ganzen Welt die chemische und genetische Verschmutzung ihrer Nahrungsmittelversorgung und der Umwelt ablehnen.

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