US-Schuldensumpf: Für jeden Dollar an Steuereinnahmen wird ein Dollar an Schulden aufgenommen
Tyler Durden, Zero Hedge, 28.08.2010
In unserem Bestreben die anhaltende Schuldenknechtschaft der US-Bevölkerung einfacher verständlich zu machen, präsentieren wir im Folgenden eines der überzeugenderen Diagramme, das die Regierung wahrscheinlich nur äußerst ungerne präsentieren würde.
Nachdem wir die monatlichen Daten über die Bruttosteuereinnahmen von Privatpersonen und die Schuldenaufnahme der US-Regierung aus den täglichen Ausweisungen der Financial Management Behörde des US-Finanzministeriums zusammengetragen hatten, stellten wir ein ziemlich überraschendes Muster fest. Seit September 2008 – oder auch dem Monat, an dem der Kapitalismus zusammenbrach und die FED und jede andere Zentralbank auf der Welt eingriffen um als letztinstanzliche Retter der westlichen Lebensart beizuspringen – hat die US-Regierung ein höchst sonderbares Anpassungsprogramm vorgenommen. Einfach gesagt, hat die Regierung für jeden Dollar an Steuereinnahmen von Privatpersonen einen zusätzlichen Dollar an Schulden aufgenommen.
Mit anderen Worten waren die Steuereinnahmen innerhalb der letzten zwei Jahre noch nicht einmal ausreichend um damit wenigstens die Hälfte des Haushalts zu finanzieren. Man kann auch sagen, dass das US-Finanzministerium nun funktionell etwas mehr als der gesamten US-Bevölkerung entspricht, wenn es darum geht die US-Wirtschaft über Wasser zu halten.
Aus einem anderen Blickwinkel heraus, könnte man sagen, dass der US-Haushalt bei einem durchschnittlichen Aufkauf der US-Staatsanleihen durch indirekte Bieter in Höhe von 50% zu 25% (der Hälfte von der Hälfte) direkt durch Ausländer finanziert wird. Sollte es zu einer Eskalation formeller und/oder informeller Handelskriege kommen und sollten die USA dadurch mit einem Embargo ausländischer Kreditgeber konfrontiert werden, wären über Nacht ein Viertel der US-Ausgaben nicht mehr finanzierbar. Hierunter fallen solch wichtige Aufwendungen wie Verteidigungs- und Sozialhilfeausgaben.
Es ist ebenfalls wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass von den innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre aufgenommenen USD 3,35 Billionen über die Hälfte durch die FED finanziert wurde. Dies geschah durch direkte Aufkäufe von US-Staatsanleihen wie auch durch indirekte Aufkäufe über hypothekarisch gesicherte Wertpapiere (die Gelder dafür gingen über Halter von Staatsanleihen, wie PIMCO, wieder in US-Schulden).
Der traditionelle Beitrag, den die US-Verbraucher zur Finanzierung der US-Wirtschaft leisteten, ist somit um die Hälfte zurückgegangen. Wie die unten stehende Grafik zeigt, besteht bedauerlicherweise, von einem Wunder einmal abgesehen, überhaupt keine Chance darauf, dass dieser Trend, bei dem die US-Schuldenemission das funktionelle Pendant zu den Steuerzahlerbeiträgen darstellt, jemals enden wird.
Einige technische Details:
- Die seit September 2008 emittierten Schulden belaufen sich auf USD 3,351 Billionen USD, was einem Anstieg der Gesamtverschuldung von USD 10,025 Billionen auf USD 13,376 Billionen entspricht.
- Die Bruttosteuereinnahmen von Privatpersonen beliefen sich seit September 2008 auf USD 3,185 Billionen. Bei dieser Zahl sind aber noch keine Steuerrückzahlungen berücksichtigt. Würde man noch die Steuerrückzahlungen von USD 660 Milliarden mitberücksichtigen, beliefe sich der seitens der Steuerzahler beigesteuerte Nettobetrag auf gerade einmal USD 2,5 Billionen, was bedeuten würde, dass der durch Schulden finanzierte Anteil des Haushalts sogar noch um ein Viertel größer wäre als der Beitrag der Steuerzahler.
- Diese Zahl wird zum Teil durch die Steuereinnahmen von Unternehmen ausgeglichen, die sich im selben Zeitraum auf USD 440 Milliarden brutto und abzüglich der Rückzahlungen auf USD 230 Milliarden netto beliefen.
Mit anderen Worten wird der Beitrag, den Amerikaner durch Arbeit zum US-Haushalt beisteuern, mit jedem Tag geringer und in zunehmendem Maße durch Papiere ersetzt, die durch genau das Land gedeckt und anerkannt werden, indem die Amerikaner leben. Bei einem derartigen Umfeld, wo das Verhältnis zwischen Steuereinnahmen und Schuldenfinanzierung bereits so heikel ist, ist es dann auch leicht nachzuvollziehen, warum eine Veränderung der Besteuerungsgrundlage entsetzliche Auswirkungen auf den Lebensstandard der Amerikaner haben könnte.
Sollten die Steuereinnahmen von Privatpersonen einbrechen, wovon Viele ausgehen, müsste sich der Schuldenanteil an der Gesamtfinanzierung des US-Haushalts um über 50% erhöhen. Diese Zahl würde dann wesentlich höher sein als heute und viel näher an den 100% liegen, was es nur noch einfacher machte darzulegen, dass es sich bei der US-Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes um nichts weiter als um ein Schneeballsystem handelt.
Bei dieser Analyse wurde die Schuldenspirale des Giftmülls völlig ignoriert, sollten die Zinssätze in der Zukunft jemals wieder steigen. Zero Hedge hatte an anderer Stelle bereits unterschiedliche Szenarien des Liquiditätshorizonts bis zur Zahlungsunfähigkeit besprochen, sollten die vorherrschenden Zinssätze zu steigen beginnen. Und mit der langsamen aber steten Zunahme der durchschnittlichen Laufzeiten ausstehender US-Schulden, ist, in der Sekunde, wo die FED die Kontrolle über die mittelfristigen und langfristigen Zinsen verliert, alles vorbei. Mit anderen Worten wird die quantitative Lockerung ein notwendiges Mittel sein, bis die FED dazu bereit ist die Schuldentilgung abzulehnen oder den Weg in die Hyperinflation zu gehen.
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