Peter Schiff: Im Blindflug durch die Depression

Peter Schiff, Euro Pacific Capital, 27.08.2010

Wenn man sich so anschaut, wie die Ökonomen und Analysten in den Medien auf Wirtschaftsmeldungen reagieren, dann machen sie ein wenig den Eindruck einer Schar von Tauben, die über der Skyline New Yorks umherflattern. Es ist ein wirkliches Schauspiel in der städtischen Landschaft. Der Vogelschwarm kann hunderte von einzelnen Tieren umfassen, die eine verblüffende Fähigkeit aufweisen in straffer Formation rasch zwischen den Gebäuden hin und her zu fliegen. Was jedoch noch bemerkenswerter ist als ihre Fähigkeit willkürlich umherzufliegen, während sie gleichzeitig zusammenbleiben, ist die Weigerung des Schwarms sich für längere Zeit an eine Richtung zu halten sowie die Entschlossenheit fieberhaft herumzufliegen ohne dabei wirklich irgendwohin zu gelangen. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Die Zahlen des Bruttosozialprodukts von dieser Woche haben bei der Masse an Ökonomen letztendlich zu einer Abwärtsrevision ihrer zuvor optimistischen Voraussagen einer Erholung geführt. Viele von ihnen sagen nun, am Ende bestünde sogar die Möglichkeit in eine „Double-Dip“-Rezession abzurutschen. Es sollte mittlerweile offenkundig sein, dass diese Ökonomen nur dazu fähig sind zu beschreiben, wo sich die Wirtschaft kurzfristig hinbewegt…Sie sind nicht in der Lage die hinter den Makrotrends liegenden Gründe zu erklären oder Vorhersagen zu machen, die über die nächste Datenveröffentlichung hinausreichen. Aber Ökonomie hat nichts damit zu tun Dartpfeile auf eine Scheibe zu werfen – Ökonomie kann nachvollzogen und ordentlich vorausgesagt werden.

Die vorherrschende geistige Haltung ist der meisten Ökonomen ist, dass die Wirtschaft als Ergebnis von Ausgaben wächst. Jede Strategie, die die Ausgaben anregt und Ersparnisse und Investitionen verhindert, wird als vorteilhaft erachtet. Bedauerlicherweise wirken diese Ansätze, die lediglich ein Anwachsen der Schulden und ein Anwachsen der Regierung zur Folge haben, eher als ökonomisches Betäubungsmittel, als dass sie die Wirtschaft anregen würden.

Zum Thema „Erholung“ würde ich gerne auf einige frühere Vorhersagen von mir und meinem Kollegen Michael Pento hinweisen. Im Rückblick kann man erkennen, dass die gegenwärtige Lage unsere Schlussfolgerungen untermauert, obwohl diese zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weitgehend als chronischer Pessimismus abgelehnt wurden. Einige unserer Vorhersagen, wie höhere Anleiherenditen, müssen jedoch erst noch eintreten.

Michael Pinto und ich sind vielleicht vom gleichen Schlag wie der Schwarm, aber wir folgen ihm nicht blindlings. Wir sind der Meinung, dass Ökonomie eine wissenschaftliche Disziplin ist, der Gesetze zu Grunde liegen und man durch die Anwendung dieser Gesetzmäßigkeiten im Laufe der Zeit ziemlich genaue Vorhersagen treffen kann. Die meisten anderen Ökonomen sagen das, was sie sagen müssen um ihrem Arbeitgeber zu gefallen, sei es nun Wall Street oder Washington, und bewahren sich so den Respekt ihrer Kollegen. Das ist schön für sie, aber wem sollten Sie Vertrauen schenken, wenn Sie Ihre Investmententscheidungen treffen?

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl meiner vergangenen Kommentare:

07.06.2010

„Anstatt auf eine Erholung scheinen die Arbeitsmarktdaten vielmehr daraufhin zu deuten, dass wir immer noch in der ersten Wirtschaftsdepression seit den 30er Jahren versunken sind. Erhöhte Ausgaben, finanziert durch eine beispiellose Kreditaufnahme, werden sich lediglich als genauso vorübergehend herausstellen, wie die Neueinstellungen des US-Zensusbüros. Wenn die Rechnung fällig wird, wird die nächste Abwärtsbewegung sogar noch heftiger sein als die letzte. Die anschwellenden Ränge staatlicher Bediensteter und die schrumpfende Zahl privater Steuerzahler, die dafür die Zeche zu zahlen haben, sind in den kommenden Jahren ein Garant für größere Defizite und eine schwächere Wirtschaft.“

01.03.2010

„Es ist erstaunlich, wie viele Ökonomen, Regierungsbeamte und Wall-Street-Strategen die aktuellen Wirtschaftsbedingungen hernehmen um sich daraus den Beweis eines soliden Aufschwungs zusammenzubasteln…Diese Kurzsichtigkeit führt dann dazu, dass wir eine Politik einleiten, die unsere Probleme sogar noch verschlimmert. Das ´Heilmittel` einer wirklichen Erholung wird – vielleicht für immer – hinausgezögert.

Die Orakel, welche das Wesen dieser unmittelbar bevorstehenden Erholung beschrieben, tun dies auf Grundlage ihrer Überzeugung, dass die Verbraucherausgaben langsam wieder auf das Niveau vor der Rezession ansteigen.

Was in ihren Analysen jedoch fehlt, ist jegliche plausible Erklärung dafür, wie die Verbraucher angesichts des Einbruchs bei den Einkommen und Krediten sowie des Mangels an Ersparnissen in der Lage sein werden derartige Ausgaben aufrecht zu erhalten. Die meisten Verbraucher sind klamm, Millionen sind ohne Arbeit und das Immobilienvermögen ist ausgelöscht worden. Das einzig Vernünftige für sie ist ihre Schulden abzubezahlen und soviel Geld wie möglich wegzupacken um ihre Ersparnisse wieder aufzubauen.“

14.12.2009

„Am Wochenende betonte der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Lawrence Summer, sogar, dass die Rezession jetzt zu Ende ist…

Obamas Behauptung des Erfolgs basierte größtenteils auf sich verlangsamenden Arbeitsplatzverlusten, der anscheinend neuen Stärke des Finanzsystems, der Erholung bei Eigenheimverkäufen und Eigenheimpreisen und den positiven Zahlen zum Bruttosozialprodukt. Diese ´Leistungen` fallen jedoch bei genauer Betrachtung in sich zusammen.

Erstens zeigt ein näherer Blick auf die Arbeitsmarktzahlen, dass die Beschäftigung sich nur in den Bereichen verbesserte, die auch am meisten direkt vom monetären oder fiskalischen Konjunkturprogramm profitierten: Regierung, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Bildung und Einzelhandelsverkäufe. Währenddessen streichen Bereiche wie das produzierende Gewerbe weiterhin in alarmierender Geschwindigkeit Arbeitsplätze. Diese Dynamik verschlimmert in Wirklichkeit sogar noch die wirtschaftlichen Ungleichgewichte.

Obwohl es wahr ist, dass die Eigenheimpreise aufgehört haben weiter zu fallen, stellt dies jedoch einen Fehlschlag und keinen Sieg dar. Wahrer Erfolg bestünde in einem Rückgang der Preise von Eigenheimen auf ein Niveau, zu dem die Eigenheimkäufer sich diese auch leisten könnten. Stattdessen halten wir durch Steuergutschriften, subventionierte Hypothekenraten, niedrige Abzahlungen und Unterstützung im Falle drohender Zwangsversteigerungen die hohen Preise künstlich aufrecht. 96% aller neuen Hypotheken sind jetzt durch Bundesbehörden abgesichert. Die Marktkräfte wurden vollständig aus dem Häusermarkt verdrängt. Mit so vielen Regierungsprogrammen, die extra dafür geschaffen wurden die Eigenheimpreise künstlich hoch zu halten, sind verheerende langfristige Konsequenzen für unsere Wirtschaft unvermeidlich.“

02.10.2009

„Bei kürzlich geführten Interviews war der US-Finanzminister Geithner fast außer sich, als er die Erholung beschrieb – während er es die ganze Zeit seiner Politik zugute hielt eine Katastrophe verhindert zu haben. Die Amerikaner gehen der Regierung wieder einmal auf den Leim, indem sie Geld ausgeben, dass sie garnicht haben, um sich Dinge zu kaufen, die sie sich nicht leisten können…Durch das Aufbrauchen der Ersparnisse und einer zunehmenden Kreditaufnahme wird aber keine Erholung fabriziert.

Eine Vorbedingung für jede wirkliche Wirtschaftsexpansion ist die Möglichkeit für Unternehmenseigentümer Gewinne erwirtschaften zu können. Mit einer Zunahme der Regulierungen und auf uns zukommenden höheren Steuern vernichtet man diese Anreize. Über ein Phänomen namens ´Regimeunsicherheit` ermutigt unsere aktuelle Politik Unternehmen sogar noch dazu sich auf ein feindseligeres Geschäftsumfeld vorzubereiten. Es gibt keine ´Erholung ohne Jobs`, sondern höchstens sinnloses Beifallgeklatsche.“

31.07.2009

„Aufgrund der anhaltenden Lasterhaftigkeit der Regierung und der Federal Reserve haben sich die Ungleichgewichte, welche die aktuelle Rezession verursachten, sogar noch verschlimmert. Wir stecken nun in einem noch tieferen Loch, als zum Zeitpunkt des Beginns der Krise. Anstatt die Rezession zu einem Ende zu bringen, gleiten wir in Wirklichkeit gerade in eine Depression ab. Wenn die Dinge aktuell besser aussehen, dann weil wir uns gerade im Auge des Sturms befinden.

Indem die überbewerteten Immobilienpreise aufrecht erhalten werden, halten wir die vernünftigeren oder weniger gut situierten Menschen davon ab zuzuschlagen, wodurch wir einen neuen auf der Wirklichkeit basierenden Preisausgleich schaffen würden. Indem wir die Zinssätze künstlich niedrig halten, verhindern wir den Aufbau genau jener Ersparnisse, die für die Kapitalbildung und künftiges Wirtschaftswachstum von so entscheidender Bedeutung wären. Indem wir solch riesige Defizite haben, verdrängen wir Privatunternehmen noch mehr, da wir es den Unternehmen noch schwerer machen zu investieren oder einzustellen. Aus den vergangenen Fehlern haben wir überhaupt nichts gelernt, wir sind dazu verdammt sie zu wiederholen.“

Eine Auswahl von den Kommentaren von Michael Pento, Chefökonom bei Euro Pacific Capital:

30.06.2010

„Die Ursache der Großen Depression der 30er Jahre und der Großen Rezession, welche in 2007 begann, ist dieselbe: Eine zu stark über Fremdkapital finanzierte Wirtschaft. Die exzessiven Schuldenniveaus sind ein direktes Ergebnis der Zentralbank, die künstlich niedrige Zinssätze festschreibt und, was die Geschäftsbanken betrifft, überflüssige Kredite zur Verfügung stellt.

Das leichte von den Banken zur Verfügung gestellte Geld brachte schlussendlich ein Niveau an Schulden in die Wirtschaft, das untragbar ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es für die Öffentlichkeit und die Privatwirtschaft die einzig wirkliche und tragfähige Lösung sich des langwierigen Prozesses der Eigenkapitalisierung zu unterziehen. Die darauffolgende Depression ist in Wirklichkeit ein Heilungsprozess, der durch den Verkauf von Vermögenswerten und die Abzahlung von Schulden gekennzeichnet ist. Bedauerlicherweise konzentrieren sich unsere Politiker gerade auf die Bekämpfung dieser natürlichen Heilung, indem sie sich für die Anhäufung von noch mehr Schulden einsetzen.“

12.01.2010

„Der bevorstehende Absturz wird viele der Investoren überraschen, die zu dem Glauben verleitet wurden, dass die Regierung durch das Drucken von Geld und durch Ausgaben zu wirtschaftlichen Erfolg gelangt.

Zahlreiche Ökonomen sind auch der Meinung, dass der Verbraucher uns durch seine Ausgaben in eine tragfähige Erholung führen wird. Auch hier liegen sie daneben. Im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt beliefen sich die Schulden der Haushalte im Jahre 1983 auf ´gerade einmal` 46% – das war auch das letzte Mal, als die Arbeitslosenquote bei 10% lag. Heute belaufen sich die Schulden der Haushalte auf 96% des Bruttosozialprodukts. Ja, das ist richtig; die Verbraucher haben mehr als doppelt so viele Schulden, als dies während der letzten ernsten Rezession der Fall war. Kann man zum jetzigen Zeitpunkt darauf zählen, dass sie noch mehr Schulden anhäufen werden?

Um zu glauben, wir stünden kurz vor einem anhaltenden Aufschwung, müssten wir beobachten können, wie die Banken der Privatwirtschaft Kredite geben, damit sie Investitionsgüter erwerben können um so Vermögen zu schaffen. Die Gesamtzahl der Kredite und Ausleihungen durch Geschäftsbanken ist jedoch im Dezember im Vorjahresvergleich um 7,7% zurückgegangen. Das einzige Geld, was die Banken verleihen, geht an die Regierung. Wenn sich das Kapital kleiner Unternehmen nicht erhöht, sind sie auch nicht in der Lage die Produktion auszuweiten oder neue Angestellte zu beschäftigen.“

02.11.2009

„Wenn das US-Finanzministerium und die Federal Reserve tatsächlich der Meinung wären, die Wirtschaft und der Aktienmarkt seien auf dem Weg zu einer nachhaltigen Erholung, dann wären die Gespräche über die Verlängerung und Erhöhung der Steuergutschriften für Eigenheimkäufer vom Tisch und die FED hätte die Geldmenge bereits reduziert. Die Wahrheit ist jedoch, dass niemand in der Regierung wirklich an diese Erholung glaubt. Wenn sie es täten, würden sie die Zinssätze anheben und das Defizit würde zurückgehen.

Da die Regierung unsere prekäre wirtschaftliche Situation zur Kenntnis genommen hat, bedeutet dies auch, dass die Großzügigkeit weiter anhalten wird. Mittelfristig kann dies sicherlich einige Leiden lindern. So hat die künstliche Belebung der Eigenheimbranche einen Boom versetzt. Am Ende wird eine lang anhaltende Periode von Zinssätzen, die nahe Null stehen, gemeinsam mit den endlosen Wirtschaftspakten jedoch nur eine weitere Blase hervorbringen und keine wirkliche Erholung.“

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