Amerikas Wirtschaft gleicht der eines Dritte Welt Landes

Paul Craig Roberts, Prisonplanet.com, 08.10.2010

Seit ein paar Jahren berichte ich über die monatlichen Arbeitsmarktdaten nicht landwirtschaftlicher Beschäftigter. Diese Daten stützen die Loblieder der Ökonomen auf die „Neue Wirtschaft“ nicht. Die „Neue Wirtschaft“ besteht angeblich aus Finanzdienstleistungen, Innovationen und Hightech-Dienstleistungen.

Diese Wirtschaft hat den Platz der alten Wirtschaft – wo man sich die „Fingernägel dreckig“ macht, bestehend aus Industrie und Produktion – eingenommen. Durch Bildung würde man die Arbeitnehmerschaft umschulen und es käme zu einer Bewegung in Richtung zunehmenden wirtschaftlichen Wohlergehens.

Ein ums andere Mal berichtete ich darüber, dass es überhaupt keine Anzeichen von Arbeitsplätzen in der „Neuen Wirtschaft“ gibt, während die alten Arbeitsplätze zur gleichen Zeit jedoch verschwanden. Die einzigen neuen Arbeitsplätze, die netto geschaffen wurden, finden sich im Niedriglohnsektor für inländische Dienstleistungen wie bei Kellnern, Barkeepern, Einzelhandelsverkäufern, im Gesundheitswesen und bei sozialen Diensten (hauptsächlich ambulante Gesundheitsdienstleistungen) sowie – vor dem Platzen der Blase – im Baubereich.

Die Fakten, die Monat für Monat von der US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht werden, hatten überhaupt keinen Einfluss auf die Propaganda der „Neuen Wirtschaft“. Die Ökonomen polieren weiterhin redegewandt ihre Gründe dafür auf, warum der Globalismus ein Segen für unsere Zukunft war.

Jetzt werden die Millionen Arbeitslosen für die geplatzte Immobilienblase und die Finanzkrise der Subprime-Derivate verantwortlich gemacht. Die US-Wirtschaft verliert jedoch bereits seit einem Jahrzehnt Arbeitsplätze. Während man Produktion, Informationstechnologie, Softwareentwicklung, Forschung und Entwicklung sowie handelsfähige Fachdienstleistungen ins Ausland verlagerte, schrumpelte die amerikanische Mittelklasse immer weiter zusammen. Die Leitern der Aufwärtsmobilität, die Amerika einst zu einer „Gesellschaft der Möglichkeiten“ machte, sind demontiert worden.

Die Einsparungen bei Einkommen und Gehältern, die man dadurch erzielte, dass man amerikanische Arbeitsplätze an die Chinesen und Inder gab, bereicherten Geschäftsführer, Aktieneigner und Wall Street auf Kosten der Mittelklasse und der amerikanischen Konsumwirtschaft.

Der Verlust der Arbeitsplätze der Mittelklasse wurde jahrelang durch die Ausdehnung von Konsumkrediten verschleiert um so das mangelnde Einkommenswachstum zu ersetzen. Die Amerikaner refinanzierten ihre Häuser, gaben das Eigenkapital aus und reizten ihre Kreditkarten aus.

Die Ausdehnung des Verbraucherkredits ist nun vorbei und es gibt keine Möglichkeit mehr die Wirtschaft durch zusätzliche Verbraucherschulden weiter anzutreiben.

Die Ökonomen und politischen Entscheidungsträger ignorieren auch weiterhin die Tatsache, dass die gesamte Beschäftigung im Bereich handelsfähiger Waren und Dienstleistungen ins Ausland verlagert oder durch Ausländer, die man mit H-1b und L1 Visa ins Land bringt, aufgefüllt werden kann. Die einzigen Arbeiten, die nicht ins Ausland verlagert werden können, sind nicht handelsfähige inländische Dienstleistungen, Arbeitsplätze, wo man „zupacken“ muss, wie ambulante Gesundheitsdienste, Friseure, Reinigungsdienste, Arbeitsplätze für Kellner und Barkeeper – also Arbeitsplätze, welche die Erwerbsbevölkerung in einem Dritte Welt Land charakterisieren. Und dann werden auch noch viele dieser Arbeitsplätze von Ausländern übernommen, die man mit R-1 Visa aus Russland, der Ukraine, Thailand, Rumänien und sonstwo hergebracht hat.

Der Verlust der amerikanischen Arbeitsplätze und die Verringerung des Einkommens der Verbraucher aufgrund niedriger Gehälter hat die Verbrauchernachfrage als treibende Kraft der Wirtschaft vernichtet. Daher haben expansive monetäre und fiskalische Strategien überhaupt keine Wirkung.

Der jüngste Arbeitsmarktbericht vom heutigen Tage zeigt, dass die Umwandlung Amerikas in eine Wirtschaft eines Dritte Welt Landes weiter anhält. Die Wirtschaft hat im September 95.000 Arbeitsplätze verloren, hauptsächlich aufgrund von Einsparungen im örtlichen Bildungsbereich und bei der Beschäftigung durch die Bundesregierung. Ein Teil der verlorengegangenen 159.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst wurde durch 64.000 neue Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft ausgeglichen.

Und in welchem Bereich finden sich die neuen Arbeitsplätze? Man findet sie bei nicht handelsfähigen inländischen Dienstleistungen des Niedriglohnsektors: 32.000 Arbeitsplätze wurden in den Bereichen Gesundheitswesen und soziale Dienste und 33.900 im Bereich Nahrungsmitteldienstleistungen sowie in Kneipen geschaffen.

Da haben wir es! Das ist Amerikas „Neue Wirtschaft“.

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