Foreclosuregate: Zwangsvollstreckungsskandal kann die gesamte US-Wirtschaft zum Einsturz bringen

Der „finale Schuss, der alle Arten von Finanzinstitutionen der westlichen Welt niederstrecken wird“: 6 Dinge, die Sie über die Zwangsvollstreckungskrise und die Auswirkungen auf hypothekarisch besicherte Wertpapiere wissen sollten

The Economic Collapse, 14.10.2010

Der Betrug mit den Zwangsvollstreckungen scheint immer weiter an Fahrt zu gewinnen. Nun ist berichtet worden, dass alle 50 US-Bundesstaaten eine gemeinsame Untersuchung über die Betrugsvorwürfe der Hypothekenbranche eingeleitet haben. Das ist eine riesige Geschichte, eine, die in nächster Zeit bestimmt nicht einfach so wieder verschwinden wird.

Fakt ist, dass der Umfang des Betruges, welcher in der US-Hypothekenbranche im Gange war, kaum zu überschätzen ist und wir nun erleben, wie sich hier Dinge entwickeln, die das Potenzial haben die gesamte US-Wirtschaft in Stücke zu fetzen.

Viele bezeichnen diese Krise als „Foreclosuregate“ und es zeichnet sich bereits ab, dass es das Schlimmste ist, was der US-Hypothekenbranche jemals widerfahren sein dürfte. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es unvermeidlich, dass einige Finanzinstitutionen aufgrund des ganzen Schlamassels untergehen werden. Es könnte in der Tat sogar so sein, dass wir am Ende dieser Geschichte erleben werden, wie eine ganze Reihe dieser Kreditvergabeinstitute zusammenbrechen und in Flammen aufgehen werden.

Es ist sehr schwierig die Krise zu beschreiben, da sie verdammt kompliziert ist, aber es lohnt sich zu versuchen der Geschichte auf den Grund zu gehen, zu verstehen, was hier vor sich geht, weil sie das Potenzial hat die gesamte US-Hypothekenbranche bis auf die Grundfeste auszulöschen.

Die Wahrheit ist, dass innerhalb des vergangenen Jahrzehnts in jedem Bereich der US-Hypothekenbranche Betrug im Spiel war. Rücksichtslose Kreditvergabeinstitute schlossen mit den Verbrauchern aggressiv Hypotheken ab, obwohl sie genau wussten, dass diese niemals zurückgezahlt werden können. Auch zahlreiche Verbraucher begingen Betrug, da sich viele von ihnen ebenfalls darüber im Klaren waren, dass sie die Hypotheken vielleicht niemals werden zurückzahlen können.

Diese schlechten Hypotheken wurden dann auf betrügerische Art gebündelt und verbrieft und anschließend ebenso betrügerisch als solide Investitionen angepriesen. Diejenigen, welche diese Giftmüllpapiere mit „AAA“ bewerteten, begingen ebenfalls Betrug. Im Anschluss wurden die Wertpapiere dann in Lichtgeschwindigkeit auf dem gesamten Erdball verkauft, wobei ganze Berge an Unterlagen zu den Hypotheken einfach „verloren“ gingen.

Dann, als die Zeit kam bei diesen schlechten Hypotheken die Zwangsvollstreckung einzuleiten, fanden eine ganze Reihe weiterer Betrügereien statt. Fakt ist, dass der „Roboter-Unterschriften“-Skandal, wo zig tausende von Urkunden unterzeichnet wurden ohne diese zu prüfen oder auch nur eines Blickes zu würdigen, nur die Spitze des Eisbergs ist.

Die folgenden 6 Sachverhalte sollten Sie kennen, wenn Sie wissen wollen, wie weitreichend der Betrug mit den Zwangsvollstreckungen wirklich ist:

1. Laut Associated Press stellten die Finanzinstitutionen alle möglichen Leute ein, denen sie habhaft werden konnten – darunter auch Friseure und Mitarbeiter von Wal-Mart – um sie dann als „Zwangsvollstreckungs-Experten“ einzusetzen und den gigantischen und sich rasch immer weiter auftürmenden Rückstau von Zwangsvollstreckungen bei den Banken abzuarbeiten.

Associated Presse meldete, dass viele dieser „Zwangsvollstreckungs-Experten“ offensichtlich noch nicht einmal wussten, was eine „Hypothek“ ist:

„In am Dienstag veröffentlichten eidesstaatlichen Versicherungen bezeugten zahlreiche dieser Arbeiter, dass sie kaum wussten was eine Hypothek ist. Einige konnten das Wort ´eidesstaatliche Erklärung` nicht definieren. Andere wussten nicht, was ein ´Strafantrag` ist oder sie wussten noch nicht einmal, was ´persönliches Eigentum` bedeutet. Am besorgniserregendsten war, dass einige von ihnen sagten gewusst zu haben, dass sie logen, als sie die Zwangsvollstreckungsklagen unterschrieben, und den Verteidigeranwälten bei den Anschuldigungen über Urkundenbetrug zustimmten.“

2. Es wird in nächster Zeit eine monströse juristische Rangelei darüber geben, wem die Millionen von US-Hypotheken eigentlich gehören.

Robert Scheer beschreibt das vollständige Chaos, das die US-Hypothekenbranche fabriziert hat, in seinem jüngsten Artikel mit dem Titel „Invasion der Robo-Häuserdiebe“ mit den Worten:

„Wie vollstreckt man in ein Eigenheim, wenn man nicht herausbekommt, wem es gehört, weil die ursprüngliche Hypothek Teil eines Derivatepakets ist, das solange zerstückelt und in Würfel geschnitten wurde, dass man die rechtliche Eigentümerschaft nun oftmals garnicht mehr wiedererkennt? Von denjenigen, die diese Vorgänge abgezeichnet haben, kann man nicht allzu viel Hilfe erwarten, da sie sich als Roboter-Unterzeichner herausstellten, die im Autopiloten-Modus agierten. Ganze 65 Millionen Eigenheime stehen in Frage, die an ein automatisiertes Computerprogramm, das landesweite elektronische Hypothekenregistrierungssystem (MERS), angeschlossen sind, das in Zwangsvollstreckungsprozessen oftmals als Eigentümer herangezogen wird.“

Unterdessen fangen immer mehr Organisationen damit an den Hauseigentümern dabei zu helfen gegen die Zwangsenteignungen vorzugehen. National People´s Action, PICO National Network, Industrial Areas Foundation, Alliance of Californians for Community Empowerment und die Northwest Federation of Community Organisations haben sich alle mit der Angestelltengewerkschaft SEIU verbündet, um eine “Wo ist der Schein”-Kampagne zu starten, bei der die Eigenheimbesitzer ermutigt werden den schriftlichen Nachweis über den Besitzanspruch anzufordern, bevor sie sich einer Zwangsvollstreckung unterwerfen. Derartige Kampagnen werden die Zwangsenteignungen für Banken wesentlich teurer machen.

3. Die juristischen Streitigkeiten über Zwangsvollstreckungsurkunden könnten in den Vereinigten Staaten schon bald zu zig tausenden Gerichtsfällen führen.

Adam Levitin, ein auf Hypothekenfinanzierung und Fragen zur Finanzmarktregulierung spezialisierter Rechtsprofessor der Georgetown University, wurde bezüglich der aktuellen Situation in einem Artikel von CNBC jüngst mit den Worten zitiert:

„Die Hypotheken sind immer noch im Besitz, aber es wird das Problem geben herauszufinden, wer die wirklichen Eigentümer der Hypotheken sind und das wären dann diejenigen, welche die Zwangsvollstreckung durchführen. Sie haben einen Treuhänder, der von dem Kreditnehmer seit Jahren Zahlungen erhalten hat, wozu er garnicht berechtigt ist. Es könnte also sein, dass die Kreditnehmer den Treuhänder verklagen und sagen werden, ´Gebt uns unser Geld zurück, Ihr stehlt unser Geld.` Dann wird es Treuhänder geben, die über keine Vermögenswerte verfügen, die verbrieft haben, und die sagen, dass diese [Verbriefungen] durch eine ganze Reihe von Vermögenswerten gedeckt sind. Und es wird Investoren geben, welche die Treuhänder verklagen, da diese es versäumten die Kreditsicherheiten zu prüfen, woraufhin die Treuhänder sagen werden, dass sie das tun werden, und man wird Treuhänder haben, welche die Verbriefungsgesellschaften wegen Verstößen gegen die Risikobeschreibungen und Gewährleistungen ihrer Transfers verklagen.“

4. Die Probleme mit den Zwangsvollstreckungsformalien könnten bei Weitem umfangreicher sein, als man sich zu träumen gewagt hätte.

Der Rechtsanwalt Richard Kessler führte jüngst eine Untersuchung zu diesem Thema durch und fand bei 75% aller von ihm überprüften mit Zwangsenteignungen in Zusammenhang stehender Gerichtsanträge „ernsthafte Fehler“. Kessler erklärte, dass die Zwangsvollstreckungskrise die US-Hypothekenbranche noch ein ganzes Jahrzehnt verfolgen dürfte: „Durch fehlerhafte Urkunden wurden Millionen verschandelter Besitzansprüche geschaffen, die das Land das nächste Jahrzehnt noch umtreiben werden.“

5. Sollten einige Banken feststellen, dass ihnen die Unterlagen für einen Großteil der Hypotheken fehlen – so wie gegenwärtig behauptet wird – könnten diese Banken dazu gezwungen sein diese Werte fast vollständig aus ihren Bilanzen zu streichen.

John Carney von CNBC schrieb dazu:

„Das Allerschädlichste, was den Banken passieren könnte, wäre festzustellen, dass sie ganz einfach nicht in der Lage sind zu beweisen, dass sie die Hypothek an einem Haus halten. In diesem Falle müsste der Kredit wahrscheinlich fast auf null abgeschrieben werden. Selbst bei laufenden Krediten würden sich die Reserveanforderungen verdoppeln, da es sich bei dem Kredit zweckmäßig nicht mehr länger um eine Hypothek, sondern um einen gewöhnlichen Verbraucherkredit handeln würde. Abhängig von der Größe des ´Keine Dokumente´-Anteils des Kreditportfolios könnte dies nur eine kleine Angelegenheit sein oder der Bank abverlangen neues Kapital zu beschaffen, um das Loch in der Bilanz zu stopfen.“

6. Der angesehene Investor Jim Sinclair warnt sogar davor, dass hypothekarisch besicherte Wertpapiere der „der finale Schuss“ sein könnten, der zum Verschwinden zahlreicher Finanzinstitutionen führt.

In einem jüngst auf Sinclairs Blog veröffentlichten Beitrag findet sich eine sehr ernüchternde Warnung:

„Aufgrund des Umfangs des Betruges und der jetzigen Größe des Müllbergs an hypothekarisch besicherten, direkt gehandelten Kreditderivaten, die in die Billionen geht, möchte ich Sie erneut um Ihre Aufmerksamkeit bitten. Dieser gesamte Berg an finanziellen und sozialen Massenvernichtungswaffen steht nun in Frage. Ich habe Ihnen dies seit mehr als zwei Jahren erzählt, seit die Produzenten und Vertreiber dieses Mülls von der New York FED wegen dem Kontrollverlust über die Formalitäten angesprochen wurden.

Ich war mit einem früheren Partner zum Abendessen, dem damaligen leitenden Direktor und Vorstandsvorsitzenden von Bear Sterns. Ich konnte nicht an mich halten, also fragte ich ihn, warum er so viele Geschäfte mit direkt gehandelten Derivaten gemacht hat, wo doch feststand, dass sie mit Sicherheit dadurch pleite gehen würden. .Die Antwort, die ich erhielt, war, dass dies mehr als 50% ihrer Gewinne ausmachte. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass es mehr als 80% ihres Einkommens war.

Hypothekarisch besicherte Schuldenpapiere sind der finale Schuss, der alle Arten von Finanzinstitutionen in der westlichen Welt niederstrecken wird. Die größten Halter dieses widerlichen Drecks sind Pensionsfonds.“

Unterdessen steigt der Aktienmarkt immer weiter und weiter, so als wäre alles bestens in der Welt und als würde nun ein neuer saftiger Bullenmarkt über uns hereinbrechen. Nun ja, dann können wir ja alle am Lagerfeuer zusammenkommen und lustige Lieder singen. Und wenn wir alle gemeinsam die Augen schließen und es uns nur ganz fest wünschen – vielleicht geht der Betrug mit den Zwangsvollstreckungen dadurch ja weg. Aber vielleicht auch nicht.

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