Schlimmer als die Große Depression: Lockere Geldmarktpolitik reißt die USA in den Abgrund

Peter Schiff, Euro Pacific Capital, 08.10.2010

Da es der US-Wirtschaft nicht gelang sich zu erholen, so wie es von vielen vorhergesagt wurde, nimmt der Druck auf die Federal Reserve nun weiter zu hier eine Lösung herbeizuzaubern. In der Tat sieht sich die Federal Reserve aktuell der schwierigsten Entscheidung in ihrer Geschichte gegenüber. Entweder sie verdoppelt ihre vorangegangenen Anstrengungen um Amerikas aus Blasen bestehende Wirtschaft wieder anzufeuern, wodurch sie die Vernichtung des US-Dollars riskiert, oder sie hört damit auf Geld ins System zu pumpen und lässt die Wirtschaft auf ein sich selbst tragendes Niveau absinken. Bedauerlicherweise sind beide Entscheidungen auf Garantie mit wirtschaftlichen Leiden verbunden – aber nur eine Entscheidung wird letzten Endes erfolgreich sein.

Die heutige Meldung des Verlustes von 95.000 Arbeitsplätzen in der US-Wirtschaft im Monat September bestätigt, dass die Rekorddosen an Konjunkturgeldern dabei scheiterten eine wirtschaftliche Erholung zu schaffen. Der Verlust von 159.000 Arbeitsplätzen beim Staat hätte durchaus positiv sein können, wenn diese Verluste durch vermögensbildende Arbeitsplätze in der Privatwirtschafts ersetzt worden wären. Aber die 65.000 Arbeitsplätze, die geschaffen wurden, erreichen dies noch nicht einmal ansatzweise. Noch schlimmer: Die meisten dieser Arbeitsplätze sind im Güterkonsumbereich und nicht im Güterherstellungsbereich (wo weitere 6.000 Arbeitsplätze verloren gingen). Die Arbeitslosenrate liegt jetzt seit 14 Monaten in Folge über 9,5%, wenn man dann noch die entmutigten und unterbeschäftigen Arbeiter hinzunimmt, kommt man auf einen Anstieg von 16,7% auf 17,1%.

Mit diesem schwachen Arbeitsmarktbericht bewaffnet, scheint die FED fest dazu entschlossen ihren Plan einer weiteren Runde der quantitativen Lockerung (zu Deutsch: Gelddrucken) voranzutreiben. Die jüngsten Stellungnahmen von führenden Gouverneuren der FED haben diese Auffassung recht deutlich zum Vorschein gebracht. Offenkundig sind sie der Meinung, dass etwas getan werden müssen, obwohl es für die Wirtschaft bei Weitem besser wäre, wenn die FED gar nichts täte. Zu einer Zeit, wo wir den Märkten vertrauen sollten, dass sie in der Lage sind auf schwierigem Terrain ein wenig hinzuzugewinnen, setzen wir stattdessen auf die Fähigkeit der FED Unglaubliches zu vollbringen – und das obwohl alle bisherigen Versuche scheiterten.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass der „Crash“, auf den ich mich in meinem Buch aus dem Jahre 2007 mit dem Titel „Crash-Proof: Wie man von dem kommenden Wirtschaftszusammenbruch profitiert“ bezog, bereits im Jahre 2008 stattfand. Diejenigen, die das Buch tatsächlich gelesen haben, wissen jedoch, dass dem nicht so ist. Die Finanzkrise, die zum Platzen der Eigenheimblase führte, was in meinem Buch so auch akkurat vorhergesagt wurde, war nicht der Crash selbst, sondern lediglich ein Vorspiel eines wesentlich tragischeren wirtschaftlichen Dramas, für das der Vorhang gerade hochgelassen wird.

Ich behauptete, die Pleite im Eigenheimmarkt würde drohen das Finanzsystem zum Einsturz zu bringen, woraufhin die Regierung dann in Form von Konjunkturpaketen oder Rettungen reagieren würde – wodurch sie die Situation nur noch wesentlich schlimmer machen würde. Und genau das passierte dann auch. Ich glaubte damals nicht und ich glaube auch heute nicht, dass der Prozess der Liquidierung schlechter Schulden uns umbringen würde. Der durch Washington verordneten „Kur“ in Form eines fortwährenden Konjunkturpakets werden wir jedoch erliegen.

Viele behaupten nun, dass die Defizite der Regierung und die Lockerungsmaßnahmen der FED eine Wiederholung der Großen Depression verhindert hätten. Aus meiner Perspektive wurde die Katastrophe nicht verhindert, sondern lediglich aufgeschoben. Der Preis für diese Gnadenfrist wird jedoch ein wesentlich heftigerer Abschwung sein, der, wie ich jetzt glaube, die Große Depression sogar noch überflügeln wird.

In „Crash-Proof“ sprach ich ebenfalls darüber, dass unsere Wirtschaft an den Begleiterkrankungen wie Anlageblasen, exzessiven Schulden und Konsum sowie nur unzureichenden Ersparnissen, Investmentkapital und Produktion leidet. Diese Bedingungen entstanden nicht durch freie Marktkräfte, sondern durch eine närrische monetäre, fiskalische und regulatorische Politik, mit der die Marktkräfte verzerrt wurden. Die richtige Kur wäre gewesen, wenn man diese Verzerrungen beseitigt und es den Märkten erlaubt hätte Korrekturen vorzunehmen.

Unglücklicherweise trat, wie ich vorhersagte, das Gegenteil ein. Washington mangelte es an wirtschaftlichem Verständnis und dem politischen Willen eine schmerzliche Korrektur zuzulassen. Stattessen schmissen sie die Druckerpressen an, wodurch man das wirtschaftliche Äquivalent von Heroin verabreichte. Die Droge hatte Erfolg beim Aufschub der Schmerzen, aber das geschieht zu Lasten der sich verschlimmernden zu Grunde liegenden Bedingungen. Wenn das High nachlässt, wird ein noch kräftezehrenderer Kater einsetzen.

Indem die Regierung sich für die Rettung der Finanzbranche und für die Stützung der Eigenheimpreise entschied und es erlaubte, dass die exzessiven Ausgaben und die Kreditaufnahme weiter fortgesetzt werden, und man die überflüssigen Arbeitsplätze im staatlichen Bereich und im Dienstleistungssektor aufrecht erhält, hat sie die Wirtschaft an den Rand eines sehr gefährlichen und steilen Abgrunds manövriert.

Die richtige Entscheidung ist es, vergangene Fehler einzugestehen und den Kurs zu ändern. Die FED muss die Zinsen aggressiv anheben, ihre aufgeblähte Bilanz reduzieren und es der wirklichen Rezession erlauben ihren Verlauf zu nehmen. Das wird nun wesentlich schmerzhafter sein, als es im Jahre 2008 der Fall gewesen wäre, aber wenigstens hätte der Schmerz auch ein Ende und die Erholung würde danach wieder einsetzen. Indem man die Bundesregierung und die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten dazu zwingt Ausgaben zu kürzen, würde es eine Politik des stabilen Geldes den Marktkräften erlauben sich auf einer soliden Grundlage erneut zu etablieren, auf der künftiger wirtschaftlicher Erfolg aufbauen könnte.

Die falsche Entscheidung für die FED ist die Fortsetzung der von ihr geplanten Lockerung, die es der Regierung ermöglicht sich weiter zu Lasten der Wirtschaft zu vergrößern. Dies wird zu einer Ausweitung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte führen, welche die Wurzel unseres Problems sind. Eine Nebenwirkung davon wird der anhaltende Verfall des Werts des US-Dollars sein, bis zu einem Punkt, an dem den ausländischen Kreditoren klar wird, dass die FED kein Interesse daran hat ihre Investitionen zu schützen. Ein schwächerer Dollar wird zu einer höheren Inflation und zu höheren Zinssätzen führen, was die Aufgabe der FED um einiges schwerer macht.

Am Ende wird sich unsere aus Blasen bestehende Wirtschaft nicht verkleinern, sondern platzen. Der Dollar wird zusammenbrechen, die Verbraucherpreise werden explodieren, echter Kredit wird vollständig von der Bildfläche verschwinden, weitere Millionen werden ihre Arbeitsplätze verlieren und unsere Wirtschaft wird sich auf eine Art verändern, die sich nur wenige von uns vorstellen können. Unser Lebensstandard wird einbrechen und Legionen an Amerikanern der Mittelklasse und der oberen Schichten werden verarmen. Das ist kein schönes Bild, aber bedauerlicherweise ist es das Bild, das unsere Regierung gerade zeichnet. Und unglücklicherweise läuft uns nun auch die Zeit davon, die Künstler auszutauschen.

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