Deutsche Banken: Die große Verunsicherung

Gerhard Spannbauer, Krisvenvorsorge.com, 19.10.2010

Die Wirtschaft hat sich, zumindest in Deutschland, wieder etwas beruhigt, einige sehen den heiß ersehnten Aufschwung gekommen. Doch dem deutschen Bankensystem geht es immer noch nicht gut – im Gegenteil: Eine der großen Ratingagenturen hat nun eine Studie veröffentlicht, die wir alle als Warnung ernst nehmen sollten: Das deutsche Bankensystem ist unsicher wie nie zuvor.

Schlechte Aussichten für die deutschen Banken: Eine Studie der Ratingagentur Moody’s kommt zu dem Schluss, dass es um das deutsche Bankensystem nicht gerade rosig bestellt ist. Das Ergebnis der Studie besagt, dass gewaltige strukturelle Probleme auf die heimische Finanzbranche warteten, Lösungsansätze für diese Probleme seien nicht erkennbar für die kommende Zeit.

Skeptisch geben sich die Analysten von Moody’s: „Zu den alten Schwächen gesellen sich neue hinzu“, erläuterte Analystin Katharina Barten. Das deutsche Bankensystem sei ohnehin nie besonders ertragsstark gewesen und von der Finanzkrise hart getroffen worden. Geschwächt steht nun also das Bankensystem nach dem Ausbruch der Krise da und droht, beim nächsten Beben der Märkte weiter einzubrechen.

„Die Unsicherheiten waren noch nie größer“, so die erschreckende Schlussfolgerung der Studie zum deutschen Bankwesen. Und keiner weiß genau, wie die Bankenbranche die diagnostizierten Probleme lösen kann. Vor allem der scharfe Wettbewerb unter den deutschen Banken wird von Moody’s als gefährlich eingestuft. Und die hohen Verschuldungsraten der Privat- und Landesbanken stellen ein großes Problem dar, so die Studie, ebenso wie die konzentrierten Risiken in der Schiffs- und Immobilienfinanzierung.

Ein weiteres Problem sind die in der Krise erhaltenen Staatshilfen für die deutschen Banken: Diese brächten erhebliche Einschränkungen für das operative Geschäft, denn die Verschärfung der Eigenkapitalregeln im Zuge von Basel III wird es den Banken schwer machen, so Moody’s. Im westeuropäischen Vergleich sind die deutschen Banken allerdings kein Ausreißer, wie Moody’s feststellte. Einzig der Ausblick für das französische Bankensystem werde derzeit mit „stabil“ eingestuft – auch, weil die Institute dort mit der Rückzahlung der Staatshilfen schon viel weiter seien.

Man kommt zu dem Schluss: Trotz oder auch wegen der massiven Staatshilfen für die hiesige Bankenbranche steckt die Finanzwirtschaft in Deutschland weiter in Problemen. Strukturelle Probleme, die nicht so einfach beseitigt werden können, haben sich eher noch verschärft. „Die Unsicherheiten waren noch nie größer“, so die Kernaussage der Moody’s-Studie. Im Klartext: Sollte das Weltfinanzsystem wieder zu beben anfangen, gilt das deutsche Bankensystem als besonders gefährdet. Dann haben wir die Krise nicht nur direkt vor der Haustüre, sondern bei uns im Wohnzimmer – kein Gast, den man gerne empfängt. Sorgen Sie also umfassend vor, noch ist Zeit dazu.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Finanzchaos: Banken werden künftig alles daran setzen, um an Gold zu gelangen
  • Das Vertrauen ins Geld- und Finanzsystem der Industrieländer ist weg. Die Zentralbanken und Geschäftsbanken haben ihre Glaubwürdigkeit komplett verspielt, weshalb sie künftig alles in ihrer Macht stehende tun werden, um an physisches Gold zu gelangen …
  • Finanz- und Wirtschaftscrash: Ja wo bleibt denn nun der Zusammenbruch?
  • Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2008 ist viel über die damit in Zusammenhang stehenden Auswirkungen auf die Wirtschaften und Finanzmärkte der westlichen Industrienationen berichtet worden. Doch viele Menschen fragen sich immer wieder, wo nun eigentlich der vollumfängliche Finanz- und Wirtschaftszusammenbruch bleibt…
  • Ansteckung: Globale Bankenkrise kann jederzeit wieder an Fahrt aufnehmen
  • Wird die Banco Espirito Santo der Auslöser einer globalen Bankenkrise werden? Ja es gibt die Angst vor einer Ansteckung. Ein Scheitern einer nach den Standards des weltweiten Bankenwesens …
  • Euro-Austritt: Bereitet Deutschland gerade die Wiedereinführung der D-Mark vor?
  • Deutschland ist mit einem enormen Problem konfrontiert: Die deutsche Bevölkerung scheint nicht länger gewillt zu sein, die anderen Euroländer mit weiteren Rettungsgeldern zu stützen, aber genau darauf läuft es hinaus, sollte die Eurozone die kommenden Jahre in ihrer heutigen Form erhalten bleiben
  • Die deutsche Gesellschaft wird kälter
  • „In der Krise haben viele Besserverdiener erstmals gemerkt, was finanzielle Einbußen bedeuten“, sagt Studienleiter Wilhelm Heitmeyer. Dadurch seien mühsam erlernte soziale Normen und Werte in Vergessenheit geraten, der Sozialdarwinismus habe zugenommen.