US-Immobilienkrise – Eigenheimverkäufe brechen erneut ein

Der Verkauf neuer Eigenheime ist im Vorjahresvergleich um rund 30% eingebrochen. Immer weniger US-amerikanische Familien erfüllen die Anforderungen, um eine Hypothek zu erhalten

The American Dream, 26.11.2010

Die Verkäufe bestehender Eigenheime gehen in den Vereinigten Staaten erneut zurück. Der Verkauf von neuen Eigenheimen nimmt ebenfalls ab. Was gibt es sonst noch neues?

Die US-Eigenheimbranche scheint einfach nicht in der Lage zu sein, wieder aus der Krise herauszukommen. Die Hypothekenanbieter haben die Kreditvergabestandards bereits massiv verschärft, so dass nun immer weniger Menschen die Anforderungen für einen Hauskredit erfüllen.

Es scheint so, als hätten die großen Finanzinstitutionen die Kreditvergabe fast vollständig eingestellt. Aber ohne Kredit hat die Mehrzahl der amerikanischen Familien nicht den Hauch einer Chance, sich den amerikanischen Traum eines Eigenheims zu erfüllen. Trotz der Tatsache, dass sich die Hypothekenzinssätze gegenwärtig fast auf Allzeittiefstständen befinden, liegt der Eigenheimmarkt immer noch in den Seilen.

Bedauerlicherweise ist es in der Tat völlig unerheblich, wie niedrig die Hypothekenzinssätze auch sein mögen, wenn sich keine amerikanischen Familien finden, deren Hypotheken dann auch bewilligt werden.

Da die Arbeitslosigkeit immer noch atemberaubend hoch ist und die Einkommen weiter zurückgehen, scheint es so, als würde der US-amerikanische Eigenheimmarkt noch eine ganze Weile schwächeln.

Laut dem US-Zensusbüro beliefen sich die Verkäufe neuer Eigenheime in den USA im Monat Oktober saisonal bereinigt auf 283.000, was ein neues Oktober-Allzeittief darstellt. Im Vergleich zum Vormonat handelt sich hierbei um einen Rückgang von 8,1% – im September dieses Jahres wurden saisonal bereinigt 308.000 neue Eigenheime verkauft. Der Rückgang gegenüber Oktober 2009 beläuft sich auf 28,5%.

Mit anderen Worten: In den USA laufen die Verkäufe neuer Eigenheime richtig schlecht.

Die nachfolgende Grafik von Calculated Risk zeigt, wie Eigenheimverkäufe seit dem Jahre 2003 Monat für Monat kontinuierlich zurückgehen. Die roten Balken repräsentieren 2010. Es ist hier eindeutig zu sehen, wie die Balken immer kleiner und kleiner werden:

Aber nicht nur beim Verkauf von neuen Eigenheimen gibt es Probleme. Auch die Verkäufe von bereits bestehenden Eigenheimen brechen ein.

Die landesweite Vereinigung der Immobilienmakler (National Association of Realtors) erklärte am Dienstag, dass die Verkäufe von bestehenden Eigenheimen im Oktober saisonal bereinigt eine Jahresrate von 4,43 Millionen erreichten. Im Vergleich zum Vormonat handelt es sich hierbei um einen Rückgang von 2,2%. CNBC berichtete, dass der Verkauf bestehender Eigenheime in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,9% zurückgegangen ist.

Sollte sich die US-Eigenheimbranche eigentlich nicht schon lange wieder erholt haben? Wurde uns nicht erklärt, die Rezession sei vorbei?

Bedauerlicherweise ist die Arbeitslosigkeit in Amerika immer noch unglaublich hoch. Ohne gute Arbeitsplätze sind amerikanische Familien ganz einfach nicht in der Lage, auf Einkaufstour zu gehen, um sich neue Häuser zu kaufen.

Die offizielle US-Arbeitslosenquote liegt nun schon seit mehr als einem Jahr bei über 9,5%. Die Fernsehsendung „60 Minutes“ berichtete, dass man auf eine wirkliche Arbeitslosenquote von 17% kommt, wenn man noch die „entmutigten Arbeitslosen“ und die „unterbeschäftigten Arbeiter“ mit hinzunimmt. In Kalifornien liegt diese wirkliche Arbeitslosenrate bereits bei rund 22%.

Unterdessen ertrinkt Wall Street gerade in Geldern der US-Notenbank und feiert fleißig, so als lebten wir immer noch im Jahre 2005. In einem kürzlich erschienen Artikel mit dem Titel „Brieftaschen raus, Wall Street gönnt sich was“, beschreibt die New York Times die Party eines Geschäftsführers einer Bank, der seinen 50. Geburtstag feiert:

„Herr Brille, der in der New Yorker Gesellschaft sehr bekannt ist, trug ein graues Jackett im Stile Hugh Hefners. Die Frauen, die hinter einem pinkfarbenen Seidenvorhang tanzten, waren mit Federschmuck und Satinohren wie Playmates gekleidet.“

Wenigstens gibt es 2010 immer noch ein paar Leute, denen es gut geht.

Für die gewöhnlichen Amerikaner ist das Leben heutzutage jedoch außerordentlich hart. Gute Arbeitsplätze sind unglaublich selten und die meisten Familien verfügen ganz einfach nicht über zehntausende von Dollars, die sie für ein überteuertes Eigenheim vorstrecken könnten.

Sollte die Arbeitslosigkeit nicht wieder zurückgehen und sich die wirtschaftliche Situation nicht verbessern, wird es auch keine Erholung am Häusermarkt geben. Zum Leidwesen der Amerikaner gehen jedoch auch weiterhin Monat für Monat zigtausende guter Arbeitsplätze ins Ausland.

Die meisten Jobs, die gegenwärtig angeboten werden, sind Niedriglohnjobs im Dienstleistungsbereich. Man kann aber keine Familie durchbringen oder sich eine ordentliche Hypothek leisten, wenn man den ganzen Tag in einem Fast Food Restaurant hinterm Tresen steht oder die Kunden bei Wal-Mart begrüßt.

Es gibt viel zu viele Eigenheime auf dem Markt und nicht im Ansatz genügend geeignete Käufer. In einem jüngst auf Bloomberg erschienenen Artikel mit dem Titel „US-Eigenheimpreise stehen kurz vor einem Dreijahrestief, während die Bestände weiter zunehmen“, zitiert man einen Immobilienanalysten nach dem anderen, die alle der Meinung sind, dass die Preise für US-amerikanische Eigenheime höchstwahrscheinlich noch mehrere Jahre weiter fallen werden.

Der US-Eigenheimmarkt ist ein gigantischer Schlamassel. Im US-Bundesstaat Nevada waren im Monat Juli 68% der Hypotheken „unter Wasser“ was heißt, dass bei diesen 68% die Häuser weniger wert waren als die darauf laufende Hypothek. Das ist völlig irre.

Es wird noch wesentlich mehr Zwangsvollstreckungen geben und zig Millionen Amerikaner werden ihre Häuser verlieren. Die Preise für Eigenheime werden weiterhin fallen. Jeder, der sein Geld mit dem Bau von Eigenheimen, dem Verkauf von Eigenheimen oder der Vergabe von Hauskrediten verdient, wird unter dieser Situation noch sehr lange Zeit zu leiden haben.

Aber genau das passiert nun einmal, wenn eine Blase platzt. Die Federal Reserve hatte die Zinssätze viel zu weit nach unten gedrückt, die Hypothekenanbieter haben Kredite vergeben, die sie niemals hätten bewilligen dürfen, und Millionen amerikanische Familien haben Eigenheimkredite aufgenommen, die sie niemals hätten aufnehmen dürfen.

Die schlechten Nachrichten für die US-Eigenheimbranche werden also aller Voraussicht nach Monat für Monat weiter anhalten. Doch vielleicht sind es auch ganz gute Nachrichten, dass die Eigenheimpreise damit anfangen auf ein Niveau zurückzugehen, bei dem die Amerikaner wieder nach Eigenheimen Ausschau halten, um das ein oder andere Schnäppchen zu machen.

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