Jim Rickards: Der Goldstandard kommt

Der Goldstandard kommt in die USA. Die Frage ist nur, ob die Entscheidungsträger ihn freiwillig einführen, oder ob er sich während eines vollständigen Währungszusammenbruchs in einem Umfeld sozialer Unruhen  selber einführt

Eric King, King World News, 06.01.2011

Einer der Gouverneure der Federal Reserve schockierte gestern zahlreiche Beobachter, als er erklärte:

„Der Goldstandard ist ein sehr legitimes Geldsystem…Wir würden damit nicht zwangsläufig weniger Krisen haben. Man würde eine längere Periode der Preisstabilität oder Stabilität des Preisniveaus haben, aber ich weiß nicht, ob man dadurch die Arbeitslosigkeit absenken könnte, ich weiß nicht, ob es dadurch weniger Bankenpleiten gäbe.“

King World News nahm daraufhin umgehend Kontakt zu Jim Rickards auf, um ihn bezüglich dieser Aussagen zu interviewen. Rickards arbeitete in der Vergangenheit mit der US-Notenbank und dem US-Finanzministerium zusammen und hat ebenfalls Erfahrungen im Verteidigungsbereich sowie bei der Beratung von Regierungsabteilungen auf der ganzen Welt:

Eric King: „Jim, Du hast gesagt, dass die Kampflinie entlang dieser Debatte stattfinden würde, und das ist nun die zweite bedeutende Figur, die dem Weltbankpräsidenten Zoellick beispringt und im Hinblick auf das Geldsystem über die Verwendung von Gold spricht. Wie ist Deine Einschätzung bezüglich dieser Entwicklung?“

Jim Rickards: „Was Hoenig getan hat – genau dasselbe, was zuvor auch Zoellick tat – ist, die Debatte zu legitimieren. Das wird nicht das letzte Wort zu Gold sein, und es ist intellektuell wie auch technisch noch ein langer Weg, bevor wir einen Goldstandard bekommen.

Das bedeutende an dieser Diskussion ist, dass sie nun aus dem Hintergrund tritt und ins Scheinwerferlicht rückt, und sie wird von jetzt an ein Eigenleben entwickeln, während sich alle möglichen Seiten an ihr beteiligen werden. Vielleicht hat Hoenig sein Abstimmungsrecht beim FOMC [Offenmarktausschuss der Federal Reserve]verloren, verbal kann er sich aber immer noch bemerkbar machen.“

King: „Bezüglich der Kampflinien, was glaubst Du, wie der Vorsitzende der FED, Ben Bernanke, dazu steht?“

Rickards: „Hoenig und Zoellick agieren hier nicht als Strohmänner Bernankes oder des Gouverneursausschusses [der FED]. Eine ehrliche Debatte über den Goldstandard ist das Letzte, was Bernanke haben möchte. Aufgrund von Aussagen, wie die von Hoenig getätigten, und der neuen Bekanntheit von Ron Paul im Kongress nimmt die Debatte nun ihren Lauf, ob Bernanke das nun gut findet oder nicht, er wird sie nicht eindämmen können.

Die Schlachtlinie ist nun zwischen ehrlichem goldgedecktem Geld und Fiatgeld gezogen worden. Die G20, der Internationale Währungsfonds, die Zentralbanken und die meisten akademischen Ökonomen stehen auf der Seite des Fiatgeldes, und die Bürger, bestimmte ehrliche Intellektuelle und ein paar wenige Ökonomen stehen auf der Seite des Goldes. Mögen die Spiele beginnen.

Hoenig hat Recht, wenn er sagt, dass es auch bei einem Goldstandard weiterhin Wirtschaftszyklen geben wird, bei denen es gelegentlich zu Perioden höherer Arbeitslosigkeit und vermehrter Bankenpleiten kommt. Aber es ist ja nun nicht so, als hätte uns Fiatgeld vor diesen Katastrophen bewahrt.

Von der ernsten Rezession in den 70er und 80er Jahren über die Staatsschuldenkrise zu Beginn der 80er Jahre, den Aktienmarktzusammenbruch im Jahre 1987, die Rezession von 1989 bis 1990, den Crash am Anleihenmarkt im Jahre 1994, den Zusammenbruch von LTCM im Jahre 1998, den Crash der Technologieblase im Jahre 2000 bis hin zur Panik 2008 ist es ja nun nicht so, als wäre unter Fiatgeld alles glatt gegangen.

Man kann sich nur schwer vorstellen, wie Gold hier schlimmer sein könnte, und die Geschichte sagt uns, das Gold seine Sache viel besser machen wird. Man braucht dafür nur die Inflation, die Arbeitslosigkeit und das Wirtschaftswachstum der Perioden 1870 – 1914 und 1971 – 2010 miteinander zu vergleichen, um die eindeutigen Vorteile von Gold zu erkennen, das fortwährendes Wachstum und niedrige Inflation hervorzubringen scheint, auch wenn es gelegentlich aufgrund von Wirtschaftszyklen zu Schwankungen kommt.“

King: „Aufgrund von Bestandsverknappungen kann man immer Schwankungen haben, aber es ist bewiesen, dass es zu einer enormen Preisstabilität kommt, wenn man einen Goldstandard hat. In 2008 hatten wir von Haiti über Bangladesch bis nach Ägypten aufgrund stark steigender Kosten für Grundnahrungsmittel eine Reihe von Nahrungsmittelaufständen. Die Kosten für Nahrungsmittel haben nun die Stände von 2008 wieder überschritten. Es scheint nicht nur eine moralische Frage zu sein, hier das Richtige zu tun und einen Goldstandard zu haben, sondern auch eine humanitäre Frage, wenn es darum geht, für Preisstabilität zu sorgen, oder?

Rickards: „Gute Frage. Bei Rohstoffen handelt es sich nicht nur um einen Spielball von Spekulanten oder industrielle Inputs. In einer Vielzahl von Fällen handelt es sich bei diesen Rohstoffen in der Tat um Lebensmittel, und ihre Preisschwankungen entscheiden bei Milliarden von Menschen darüber, ob sie fortwährend etwas zu essen haben oder hungern. Wenn ein Goldstandard zu einer geringeren Schwankung bei Nahrungsmittelpreisen und weniger preisbegründeten Versorgungsausfällen führt, ist das von gesellschaftlichem Nutzen und steht mithin über dem wirtschaftlichen Nutzen, der dadurch geschaffen wird.“

King: „Wie kommen wir dahin?“

Rickards: „Nun ja, wie ich bereits sagte, für einen Goldstandard bedarf es mehr, als einfach nur mit dem Finger zu schnippen, und sich zu wünschen, er wäre da. Es bedarf einer Menge an Studium, einer Menge an Planung und einer Menge an technischer Arbeit, die ausgeführt werden muss.

Angesichts der Geldmengen, die in den letzten Jahren gedruckt worden sind, ist es völlig klar, dass ein wesentlich höherer Goldpreis notwendig sein wird, um einen Ausgleich zwischen der aktuellen Geldmengenversorgung und der gegenwärtig offiziell erhältlichen Goldmenge herbeizuführen, um diese Geldmenge zu decken.

Schätzungen bezüglich dieser höheren Preise können sehr stark variieren, was mit der Definition von ´Geld` zusammenhängt, die man hierbei verwendet, und davon, welches Gold/Papier-Verhältnis verlangt ist. Meine eigene Analyse deutet auf eine Preisspanne zwischen USD 5.000 und USD 11.000 pro Unze hin; aber natürlich gibt es einige Schätzungen, die wesentlich höher ausfallen.“

Es gibt den einfachen Weg und dann gibt es noch den anderen Weg, der durchaus soziale Unruhen, Gewalt und das Scheitern des gegenwärtigen Papiergeldsystems beinhalten könnte. Der Goldstandard kommt in die Vereinigten Staaten von Amerika, und die USA haben die Möglichkeit, dies willentlich zu tun oder „tretend und schreiend“, wie es Jim Rickards in der Vergangenheit beschrieb. Wollen wir hoffen, dass wir uns für den einfachen Weg entscheiden.

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