Der Weg in die Hyperinflation: Für viele Fiatwährungen gibt es kein Zurück mehr

Für eine ganze Reihe von Ländern ist es mittlerweile zu spät, der Hyperinflation noch irgendwie zu entkommen. Der sozialistische Wohlfahrtsstaat führt immer zu exponentiellem Wachstum der Papiergeldmenge. Wie man am Beispiel Großbritanniens sehr gut sehen kann, ist es unmöglich, eine überbordende Bürokratie und einen hochgezüchteten überfürsorglichen Wohlfahrtsstaat im Zaum zu halten – selbst radikalste Sparprogramme scheitern dabei, das exponentielle Wachstum der Regierungsausgaben einzudämmen

Alasdair MacLeod, Finance and Economics, 01.02.2011

Der Punkt, wo es auf unserer Reise in Richtung Hyperinflation noch ein Zurück gegeben hätte, ist bei vielen Währungen bereits überschritten worden, und Investoren, die gerade versuchen, sich vor der Währungsabwertung zu schützen, sollten verstehen, warum dies so ist.

Diese einleitende Aussage besäße sogar dann noch ihre Gültigkeit, wenn wir die heutzutage überreichlich vorherrschenden systemischen Risiken bei unserer Betrachtung außen vor ließen.

Es gibt einen recht einfachen Grund dafür, warum die Geldinflation zu einem sich exponentiell ausbreitenden Phänomen wird. Da die Währung entwertet wird, benötigt man eine zunehmend größere Menge an Geld, um dieselbe reale Kaufkraft zu erzielen.

Erhöht man die Geldmenge beispielsweise um 25%, dann besteht der Vorteil für den Geldemittenten zunächst einmal darin, dass er den Haltern des ursprünglichen Geldbestandes eine Steuer genau dieser 25% auferlegt. Um dieselbe Steuer real ein zweites Mal erzielen zu können, müsste die Geldmenge bereits um weitere 31,25% erhöht werden. Würden man mit einer fortwährenden schrittweisen Erhöhung der Gesamtgeldmenge um 25% fortfahren, käme es zu einer exponentiellen Serie der Geldinflation.

Die Erkenntnis, dass eine Währung unter Kaufkraftverlust leidet, hängt in der Praxis davon ab, wie schnell sich diese Entwicklung im allgemeinen Preisniveau widerspiegelt, wobei die zeitlichen Unterschiede, bis dies zum Tragen kommt, beträchtlich sein können. Am Ende wird man es jedoch immer an den Preisen ablesen können.

Hierbei muss im Besonderen auch berücksichtigt werden, inwiefern es wahrscheinlich ist, dass es zu einer Verbesserung der Regierungsfinanzen kommt, welche ausreichend ist, um die Abhängigkeit der Regierung von den Gelddruckmaßnahmen zur Finanzierung ihres Haushalts – der Wurzel allen Bösen – zu eliminieren. Und genau hier haben die Regierungen auch die größten Schwierigkeiten, wobei die Ursachen dafür im Allgemeinen bei der staatlichen Bürokratie zu suchen sind.

Regierungsbehörden verfügen immer über ein komplexe und teure Organisationsstruktur, die extra dafür geschaffen wurde, den Wünschen der Exekutive Rechnung zu tragen und sicherzustellen, dass die öffentlichen Gelder ordnungsgemäß verwendet werden.

Das ist auch der Grund für den ganzen Papierkram und warum es so wichtig ist, Gleichstellungbeauftrage zu beschäftigen: Um sicherzustellen, dass sich eine Behörde an die Regierungspolitik hält. Dieser Prozess hat Vorrang über jeglichen Leistungen, welche diese Behörde erbringt, und es gibt nichts, wodurch dies geändert werden könnte.

Wenn eine Regierung die öffentlichen Ausgaben senkt, kommt es daher nicht zu Einsparungen in der Bürokratie – ganz im Gegenteil, wesentlich öfter ist sogar noch mehr Bürokratie notwendig, um die Einsparungen durchzuführen und die Ergebnisse zu überwachen.

Die Konsequenz daraus ist, dass Einschränkungen bei den Staatsausgaben immer zu unverhältnismäßig starken Einschnitten bei Dienstleistungen gegenüber den Bürgern führen, was wiederum einen öffentlichen Aufschrei auslöst. Und hier sind wir genau bei dem Problem, mit dem Großbritannien nun konfrontiert wird.

Die britische Regierungskoalition verfolgt bei den öffentlichen Ausgaben eine harte Linie, nachdem unter der vorangegangenen sozialistischen Regierung die Verschwendung herrschte. Dieser korrektive Ansatz erzeugt Aufruhr, und zwar nicht nur seitens der Empfänger der öffentlichen Dienstleistungen und den Staatsdienern, sondern auch seitens der Intelligentsia, welche die realen Kosten der öffentlichen Dienstleistungen einfach nicht wahrhaben will.

Und so versorgen die keynesianischen Ökonomen die Öffentlichkeit dann auch mit einem intellektuellen Argument gegen Haushaltseinsparungen, indem sie behaupten, diese hätten eine rezessive Wirtschaftsentwicklung zur Folge, was die Opposition noch stärker anwachsen lässt.

Was bei der aktuellen politischen Debatte in Großbritannien jedoch völlig untergeht, ist, dass die Koalitionsregierung in Wirklichkeit zu keiner Zeit vorhatte, die öffentlichen Ausgaben einzuschränken: Es ist geplant, dass diese Ausgaben jedes einzelne Jahr während der jetzigen Parlamentsperiode weiter steigen.

Der Schmerz, der hier so lautstark in allen Bereichen der Gesellschaft artikuliert wird, geht also ausschließlich auf eine verringerte Erhöhung zuvor bereits geplanter Ausgaben zurück.

Wir haben hier den Beweis vorliegen, dass die Bürokratie über die den Bürgern zur Verfügung gestellten Dienstleistungen triumphiert, und es ist ein anschauliches Beispiel für die extremen Schwierigkeiten, denen die Politiker schon dann gegenüberstehen, wenn sie lediglich versuchen, die Wachstumsrate der öffentlichen Ausgaben abzusenken.

Auch ein Blick in die Zukunft bestätigt, dass die Regierungsausgaben mit all ihren sozialstaatlichen Leistungen und anderen zukünftigen Verbindlichkeiten, die sich in alarmierender Geschwindigkeit immer weiter auftürmen, exponentiell ansteigen müssen.

Wir wissen, dass mehr Renten ausgezahlt werden müssen und die Menschen älter werden, wodurch auch die notwendigen Pflegekosten weiter ansteigen – und darüberhinaus erwartet wird, dass all diese Kosten durch die Öffentlichkeit getragen werden.

Weniger beliebt hingegen, sind die zerstörerischen langfristigen Inflationsauswirkungen auf die Ersparnisse im privaten Bereich wie auch die Nominalkosten zur Aufrechterhaltung des Wohlfahrtsstaats. Mit anderen Worten: Die Inflation selbst wird dem Staat zu einer zusätzlichen Last, welche indirekt auch noch Sorge dafür trägt, dass es nur wenig Privatkapital gibt, um irgendwelche Deckungslücken auszugleichen. Infolgedessen kommt es bei den öffentlichen Ausgaben zu einem exponentiell beschleunigten Wachstums.

In den meisten westlichen Demokratien ist es für die Politiker bereits zu schwierig geworden, dieser Realität ins Auge zu sehen. Stattdessen verfolgen sie bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung politische Strategien, die vielmehr auf Hoffnung als auf irgendwelchen realistischen Einschätzungen beruhen. Sie träumen von einer Wirtschafterholung, die den öffentlichen Dienstleistungssektor wieder unter Kontrolle bringt.

So kommt es dann auch, dass die Regierungen und ihre unabhängigen Statistiker irgendwelche Prognosen fabrizieren, die wirtschaftliches Wachstum, Verbesserungen bei den Steuereinnahmen und eine Reduzierung der Kosten für den Wohlfahrtsstaat aufgrund einer sich verringernden Arbeitslosigkeit ausweisen. In Wirklichkeit gibt es jedoch keinerlei Beweise, die diesen Optimismus untermauern würden.

Eine detaillierte Kritik darüber abzuliefern, warum es eine aussichtslose Hoffnung ist, von einer wirtschaftlichen Erholung auszugehen, soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein, dennoch: Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ist nicht möglich, wenn man von der Privatwirtschaft erwartet, dass sie sich ohne Ersparnisse regeneriert. Es würde auch eines historischen Präzedenzfalles bedürfen: Einer immer stärker unter staatlicher Kontrolle stehenden Wirtschaft, die dann tatsächlich auch noch erfolgreich ist.

Ferner gehen die Regierungen auch immer noch davon aus, dass die Förderung weiterer Bankenkredite das einzige ist, was es braucht – obwohl es ja gerade die exzessiven Niveaus an Bankkrediten waren, welche die Wirtschaftskrise überhaupt erst ins Leben riefen. Das ist Quacksalberei, so als würde man Portwein verschreiben, um einen Kranken von seiner Gicht zu befreien.

Es gibt nur sehr wenige Hinweise darauf, dass sich gerade eine bedeutende wirtschaftliche Erholung abzeichnet. Die angebliche Erholung des Jahres 2010 war rein statistischer Natur, die Regierungen verwandten die Geldinflation, um ihre Zahlen aufzupeppen. Es handelt sich hier nicht um den Beginn eines sich aufhellenden Wirtschaftstrends.

Hinzu kommt noch, dass die auf Besserverdiener abzielenden Steuererhöhungen die allererfolgreichsten Teilnehmer in der Gesellschaft entmutigen, weitere produktive Leistungen zu erbringen – stattdessen werden sie dazu animiert, ihre Anstrengungen auf die Steuervermeidung zu verlagern.

Die Konsequenz dieser einfachen Politikfehler ist, dass die wirtschaftliche Erholung in immer weitere Ferne rückt, während die realen Steuereinnahmen weiter zurückgehen, was das Erreichen der Prognosen bezüglich der Verringerung der Defizite beim Staatshaushalt noch unwahrscheinlicher macht.

Aus all diesen Gründen können wir auch beobachten, dass die politischen Strategien sozialistischer Regierungen auf einer sich beschleunigenden Geldinflation beruhen. Während sich die Inflation beschleunigt, wird es zunehmend schwieriger, dem sich immer weiter hochschaukelnden Effekt dieser exponentiellen Arithmetik zu entkommen.

Die einzige Möglichkeit, wie der exponentielle Verlust der Kaufkraft, der das Ergebnis der Geldinflation ist, enden kann, ist der vollständige Zusammenbruch der Fiatwährungen. Ob dies nun durch eine Finanzkrise kommt oder durch die Hyperinflation ist dabei völlig unerheblich, das Resultat ist dasselbe.

Auch haben die Programme der quantitativen Lockerung lediglich zu einer Beschleunigung dieses Trends geführt. Besonders besorgniserregend ist die dramatische Geldmengenerhöhung in den USA, bei der unser theoretisches Beispiel von 25% in den vergangenen zwei Jahren durch einen tatsächlichen Anstieg der Geldmenge in Höhe von 168% überflügelt wurde.

Während gewöhnlich erklärt wird, dies sei eine politische Reaktion auf die Bankenkrise, wird es wahrscheinlich zur Folge haben, dass sich Nachfrage der Regierung nach gedrucktem Geld in Zukunft sogar noch weiter beschleunigt – eine Beschleunigung, die solange anhält, bis der unvermeidliche Untergang eintritt.

Für diejenigen von uns, welche die Opfer des Zusammenbruchs des Papiergeldes sein werden, macht es nur wenig Sinn, darauf zu hoffen, dass unsere Gicht durch noch mehr Portwein irgendwie geheilt werden wird. Auch können wir unsere politischen Führer nicht bitten, uns zu retten: Sie wissen nicht, was sie tun.

Und dann gesellen sich diesem rabiaten Gesetz des exponentiellen Trends des Geldmengenwachstums ja auch noch die heutzutage überreichlich vorherrschenden systemischen Risiken hinzu, die in diesem Artikel zum Zwecke einer vereinfachten Beurteilung jedoch ignoriert worden sind.

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