Der Euro ist sicher!

Was passiert, wenn der Euro zusammenbricht? Stehen etwa die Eliten selbst hinter dem Euro-Crash? Die Eliten hätten gerne ihre Weltwährung, doch es stellt sich die Frage, ob es ihnen gelingen wird

The Daily Bell, 03.03.2011

„Die deutsche Rettungsmüdigkeit und der erbitterte Widerstand gegenüber der ´widerwärtigen Rettung` des Euroraumes droht, die Eurozonen-Vereinbarung diesen Monat zu Fall zu bringen, wodurch man eine neue Runde der europäischen Staatsschuldenkrise riskieren würde. Die neuen EU-Kriterien für den Bankenstresstest, welche diese Woche verabschiedet werden sollen, stellen ein zusätzliches Risiko dar.

Irlands neuer Führer, Enda Kenny, steht nun vor einer beängstigenden Aufgabe, da er gerade versucht, die Bedingungen des EUR 67 Milliarden EU-IWF-Pakets seines Landes – entweder durch eine Absenkung des Zinssatzes oder durch Änderungen bei der Überweisungsmodalitäten der Rettungsgelder – abzuändern, um Irland zu helfen, sich aus der Schuldenfalle zu befreien.“UK Telegraph, 02.03.2011

Vorherrschendes gesellschaftliches Thema: Man wird sich schon durchwurschteln. Die Europäische Union wird überleben.

Freimarktanalyse: Ambrose Evans-Pritchard, Autor des Telegraph, hat wieder einmal eine seiner in der Regel aufschlussreichen Analysen verfasst. Dieses Mal geht es um die Schwierigkeiten Irlands, mit denen das Land bei der Neuverhandlung über die Schuldenzahlungen, zur Rettung der scheiternden irischen Banken, konfrontiert sein wird.

Die irischen Bankenanleihen werden unter anderem von deutschen und französischen Banken gehalten, und man hat enormen Druck auf Irland ausgeübt, dass die Regierung sich Geld leiht, die Steuern anhebt und die Staatsausgaben streicht, um sicherzustellen, dass die notleidenden Banken nicht komplett untergehen.

Der Druck, der dadurch auf den Schultern der irischen Wirtschaft und speziell auf den Schultern der irischen Steuerzahler lastet, ist enorm. Island entschied sich dafür, die insolventen Banken fallen zu lassen. Im Ergebnis kann Island bereits wieder einige wirtschaftliche Verbesserungen vorweisen. Die irische Wirtschaft dümpelt jedoch immer noch übel vor sich hin, und es besteht keine Hoffnung darauf, dass sich daran in nächster Zeit groß etwas ändern wird. Tatsache ist, dass es in Irland am Ende wahrscheinlich sogar zu irgendeiner Art von Staatsbankrott oder Volksaufstand kommen wird.

Aus diesem Grund haben sich die Iren bei der letzten Wahl auch der größten Oppositionspartei des Landes, Fine Gael, zugewandt, die eine klare Alternative gegenüber dem bot, was bisher mit der EU ausverhandelt wurde. Nichtsdestotrotz gibt es massive Hindernisse, die es, wie Evans-Pritchard aufzeigt, bei den Neuverhandlungen mit der EU zu überwinden gilt. Durch die im vergangenen Jahr getroffene Vereinbarung wurden Rettungsgelder zur Verfügung gestellt, mit denen die irischen Finanzen stabilisiert werden sollen.

Ein Großteil der Probleme bei der Neuverhandlung über die aktuellen – wohlmöglich untragbaren – Bedingungen des Rettungspakets kommt von deutscher Seite. Vor kurzem wurde vorgeschlagen, dass die EU „Euro-Anleihen“ ausgeben könnte, was die Kreditkrise, unter der Länder wie Irland leiden, beträchtlich entschärfen würden. Aber Angela Merkels Dreiparteienkoalition ist gegen die Idee einer Euroanleihe. Evans-Pritchard berichtet, dies begründe sich durch den Umstand, dass am Ende alle EU-Länder als Bürgen für die Anleihen einstehen müssten.

Die deutsche Regierungskoalition beabsichtigt, dem Bundestag jedwede diesbezüglich mit der EU getroffene Vereinbarung zur Verabschiedung vorzulegen. Und: „Eine Gruppe von 189 deutschen Professoren warnte vor den ´fatalen Folgen für die gesamte europäische Integration`, sollte die EU den Rubikon einer faktischen Schuldenunion überqueren.“

„Ich kann mich an kein Ereignis erinnern, wo die Gesetzgeber jemals derartige Vorgaben gemacht hätten: Merkel hat sehr wenig Spielraum.“ zitiert Pritchard-Evans den Währungs-Chef von BNP Paribas, Hans Redeker. „Auf dem Treffen wird es zu Enttäuschungen kommen, die der Eurozonen-Peripherie das Leben noch schwerer machen werden.“

Unterdessen wird der Ölpreisanstieg nun dafür sorgen, dass das Wirtschaftswachstum der EU erheblich sinkt, was die irische Wirtschaft und die anderer europäischer Länder zusätzlich schwächen wird. Derartige „Peripherieländer“ sind dem Risiko von außen einwirkender Finanzprobleme am stärksten ausgesetzt.

Merkels Regierung bietet den Eurokraten aber einen Alternativplan an. Dafür, dass das EU-Rettungspaket erweiter wird, stimmen die Empfänger der Rettungsgelder im Gegenzug zu, dass die EU (Deutschland) in die inneren Angelegenheiten der Länder eingreifende ordnungspolitische Befugnisse und Kontrollbefugnisse erhält.

Die ist bei den Iren und bei anderen Ländern bereits auf harten Widerstand gestoßen. Die aufgrund des Zweiten Weltkriegs bestehenden Vorbehalte sind hier immer noch erkennbar, besonders in Ländern wie Griechenland, und es herrscht die Auffassung vor, Deutschland würde versuchen seine Finanzmacht zu nutzen, um in Friedenszeiten das europäische Imperium zu erlangen, dass es zuvor bereits mit kriegerischen Mitteln aufbauen wollte.

Evans-Pritchard weist darauf hin, dass die Europäische Kommission einen Kompromiss ausgearbeitet hat, der von Deutschland jedoch als alter Wein in neuen Schläuchen erachtet wird. Der zurückgetretene Bundesbankchef Axel Weber – ein vehementer Kritiker gegenüber jeglichen Vereinbarungen, die Deutschland noch stärker in die Rettung Dritter verstricken würde – griff den Plan der EU an und behauptete, dieser wurde am Ende zur Ausgabe von Euro-Anleihen führen.

Deutschlands Auffassungen bezüglich dieser Thematik werden auch zunehmend von den Niederlanden und Finnland geteilt – also den nördlichen Eurozonenländern, die erheblich solventer sind als die südlichen.

Irland zahlt aktuell fast 6% Zinsen auf seine EU-Kredite. Die EU-Finanzierungkosten liegen hingegen bei 2,6%, wobei es jedoch keine Garantie darauf gibt, dass die Kreditkosten nicht steigen werden, da sich die EU gerade schrittweise von der Krise des Jahres 2008 erholt.

Evans-Pritchard ist der Meinung, dass die neue irische Regierung noch eine Superwaffe in ihrem Arsenal hat. Sie könnte nämlich gegenüber den führenden Gläubigern der irischen Banken mit einem

„´Haircut` [einer Schuldenabwertung] drohen, sollte sich die EU gegen einen Kompromiss stellen. Dieser Schritt könnte in der gesamten Eurozone zu einer Ansteckung führen und bei den deutschen Landesbanken zu großen Verlusten führen“.

Evans-Pritchard gelangt zu der Schlussfolgerung, dass die Iren den Zorn der Eurozone heraufbeschwören würden, sollten sie diese Karte ausspielen. Bliebe die Situation jedoch unverändert bestehen, würde man den Zorn der irischen Wähler heraufbeschwören, die der früheren irischen Regierung ja aufgrund der aktuellen Rettungsbedingungen eine vernichtende Niederlage bescherten. Die Alternativen könnten also nicht krasser sein.

Evans-Pritchards Analyse schließt mit einer Betrachtung der verschiedenen Alternativen. Wir möchten jedoch eine weitere Möglichkeit aufzeigen – eine, über die seitens der angesehenen Massenmedien nicht spekuliert wird.

Unsere Idee ist die, dass der Euro in der gegenwärtigen Phase absichtsvoll der Vernichtung anheim gestellt wird. Das aktuelle Dilemma ist vielleicht gar kein Zufalls – ja es war in Wirklichkeit sogar genauestens vorhersehbar. Wir haben bereits in der Vergangenheit ausgeführt, dass die Eurozone ein integraler Bestandteil der Pläne der angloamerikanischen Machtelite ist, um die Weltregierung weiter voranzutreiben.

Der EU gelang es jedoch bereits – und das ohne volle politische Macht – einen Großteil der ordnungspolitischen Ungleichheiten zu harmonisieren und die Eurozone in ein homogenes Ganzes zu verwandeln.

Es kann sein, dass der Euro zum jetzigen Zeitpunkt entbehrlich ist. Die Idee wäre natürlich, dass, während der Euro weiter abstürzt, bereits eine alternative Währung bereitstehen würde. Die Anglosphäre verfügt mit den Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds über eine solche Währung, die sogar in eine noch handlichere Währung namens „Bancor“ verwandelt werden könnte, so wie es der Ökonom John Maynard Keynes vor 50 Jahren vorschlug.

Während es sich, gelinde gesagt, vielleicht etwas unrealistisch anhören mag, würden wir (als Advokat des Teufels) behaupten, dass es ja gerade das gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Chaos ist, das zu beträchtlichen wirtschaftlichen Veränderungen führt. Und zeichnet sich ein solches Chaos ab?

Uns erscheint es so, als hätte die Machtelite durch die gegenwärtigen Regierungswechsel im Nahen Osten bereits damit begonnen, die Welt in Brand zu stecken. Bezüglich dieser Thematik haben wir über die Schuld des Westens bereits in zahlreichen Artikeln berichtet.

Wir würden behaupten, dass jede Elite, die in der Lage ist, in Dutzenden von Ländern kontrollierte Revolutionen durchzuführen, mit Sicherheit auch bereit wäre, im Westen ein ähnliches Chaos vom Zaum zu lassen.

Welche Hinweise gibt es dafür? Wir sind der Meinung, dass durch die Politik des westlichen Zentralbankwesens absichtsvoll eine ungezügelte Preisinflation in den Industrie- und Entwicklungsländern ins Leben gerufen wurde. Das plötzliche Auftauchen der Nahrungsmittelknappheit (dem die Wasserknappheit folgen wird) dürfte ebenfalls kein Zufall sein.

All diese Faktoren sind durch die Macht des Geldes kontrollierbar, und es kommt uns so vor – obschon man darüber diskutieren kann – als wäre dieses kontrollierte und sich weiter ausbreitende Chaos Absicht.

In den USA hat Barack Obama der Staatsverschuldung Billionen hinzugefügt, wogegen die Verschwendungssucht von George Bush nun fast schon einen moderaten Eindruck macht. Noch einmal: Wir glauben, dass es sich hierbei um eine absichtliche Destabilisierung der fiskalischen und monetären Situation der USA handeln könnte.

Die autoritären Verwüstungen durch die US-Heimatschutzbehörde, DHS, könnten ebenfalls eine absichtsvoll geplante Aufstachlung sein. Angesichts von 40 Millionen US-Bürgern, die auf Lebensmittelmarken angewiesen sind, einer Arbeitslosenquote von mindestens 20%, einer zunehmenden Preisinflation, scheiternden Kriegen, einer Zwangsversteigerungsrate von 10% und einem polarisierten politischen Umfeld, kommt es uns so vor, als stünde Amerika vor denselben Bürgerunruhen, die höchstwahrscheinlich auch in Europa kommen werden, wenn es draußen wieder wärmer wird.

Es sind aber nicht die Bürgerunruhen, die hier den Unterschied machen werden, sondern der inflationäre Niedergang US-Dollar-Reservesystems. Die Kombination aus monetärer Destabilisierung, sozialen Unruhen und militärischen Spannungen (der Westen gegen die anwachsende „Bedrohung“ eines kontrollierten pseudomilitaristischen Islams) könnte die Notwendigkeit schaffen, dass die G20-Gruppe einen groß angelegten Kompromiss bezüglich eines neuen monetären Umfelds finden muss, das dann unter Aufsicht der Vereinten Nationen vom Internationalen Währungsfonds gesteuert wird.

Das ist dann auch der Punkt, wo die von den Vereinten Nationen vorangetriebene „Neue Weltordnung“ das Recht zur Besteuerung erhalten müsste – was die Vereinten Nationen die letzten paar Jahre mit zunehmenden Enthusiasmus vorgeschlagen haben.

Schlussfolgerung: Das hört sich mit Sicherheit alles extrem spekulativ an, aber wir sind ja bereits in den vergangenen paar Jahren von den verwegenen – hoffnungslosen? – Verwüstungen der Machtelite überrascht worden.

Die Destabilisierung von einem Viertel der Welt scheint offensichtlich nicht undenkbar. Wir würden es dieser aus dem Schatten heraus agierenden Kabale jedenfalls zutrauen, dass sie absichtsvoll den Euro destabilisiert, genauso wie sie es beim Dollar getan hat.

China hat in den vergangenen Monaten nichts anderes getan, als sich immer weiter vom Dollar-Reservesystem zu distanzieren. Die Russen dürften unserer Meinung nach nicht allzu lange auf sich warten lassen und bald nachziehen.

Wir wissen nicht, wie die exakten Mechanismen aussehen müssten, damit die Ereignisse zu einem neuen Währungssystem führen, in diesem Artikel haben wir uns jedoch darum bemüht, dieser Fragestellung logisch auf den Grund zu gehen. Ist das weit hergeholt? Sicher. Aber es ist auch nicht weiter hergeholt, als die Ereignisse, die sich aktuell in der Welt abspielen.

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