Eric Sprott: Der Silberpreis – Folgen Sie der Spur des Geldes!

Aktuell fließt mindestens genauso viel Papiergeld in den Silbermarkt wie in den Goldmarkt. Ein weiterer Einbruch des Gold/Silber-Verhältnisses ist daher so gut wie sicher. Das Verhältnis könnte aufgrund der Angebots-Nachfrage-Dynamik zwischenzeitlich sogar in den einstelligen Bereich absinken. Die sogenannten Silber-„Experten“ haben in der Regel keine Ahnung und liegen mit ihren Prognosen meistens völlig daneben.

Eric Sprott & Andrew Morris, Sprott Asset Management, 20.04.2011

Sie können sich sicher sein, dass Silber gut läuft, wenn die Kommentatoren damit anfangen, dem weißen Metall auf einmal die altbekannte „Gold“-Behandlung zukommen zu lassen. Die jüngsten Preisanstiege bei Silber sind dann auch so spektakulär gewesen, dass viele Investoren völlig unvorbereitet überrascht wurden.

Es ist ganz natürlich, skeptisch zu sein, wenn man die zugrundeliegenden Fundamentaldaten nicht kennt, welche die starke Silberpreisentwicklung antreiben. Viele Fernsehexperten und Kommentatoren spielten die Sache dann auch in aller Eile herunter – sie taten also genau dasselbe, was sie auch bei einem starken Run von Gold praktizieren.

Silber ist ja auch ein scheußliches Metall, wenn die Kommentatoren und Experten auf einmal genötigt sind, es einzuordnen. Ist es nun ein Rohstoff oder ein Geldmetall oder etwa beides? Und woher kommt die Nachfrage denn nun wirklich?

Wenn es die Industrienachfrage sein sollte, dann ist es in Ordnung, weil das einen positiven Wirtschaftsausblick erlaubt. Ist es jedoch die Investmentnachfrage nach Silber als Geldmetall, dann ist das in gewissem Sinne negativ, oder etwa nicht?

Fakt ist, dass die meisten Kommentatoren dabei scheitern, die geldpolitischen Veränderungen zu erfassen, auf die Silber gegenwärtig hinweist, weshalb sie auch nicht in der Lage sind einzuschätzen, wie stark Silber nun eigentlich steigen wird.

Das Versagen der Finanzmedien, die Vorteile des Edelmetallbesitzes zu erfassen, verblüfft uns. Und damit meinen wir nicht nur die Kommentatoren, die ohnehin dazu tendieren, fortwährend Zweifel anzubringen – auch die Analysten auf der Verkäuferseite sind nicht minder unschlüssig.

Laut dem von Bloomberg ermittelten „Experten“-Konsens beläuft sich die Silberpreisprognose für 2011 auf USD 29,50 pro Unze – was gegenüber dem aktuellen Kassapreis einen Rückgang von 31% bedeuten würde. Dieselbe Gruppe von Analysten ist es auch, die davon ausgeht, dass Silber in 2012 um weitere 25% im Preis sinken wird, und dann im Jahre 2013 nochmals um 9% auf USD 20 pro Unze zurückgeht.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Silberpreis in den vergangenen 10 Jahren jährlich um über 21% zulegte, dann scheinen diese Vorhersagen eine außerordentlich dramatische Kehrtwende des Langzeittrends anzuzeigen.

Und, wird diese Trendwende bei der Kursentwicklung eintreten? Wahrscheinlich nicht. Das sind dieselben Analysten, die auch vorhersagten, dass sich der Silberpreis dieses Jahr im Schnitt auf USD 18,65 pro Unze belaufen würde – sie liegen bisher also um über 100% daneben.

Es ist nicht unsere Absicht, hier sinnlos auf die Gemeinde der Silberanalysten einzuschlagen, und es gibt unter ihnen auch einige, den wir den höchsten Respekt zollen, für Silberinvestoren ist es jedoch von entscheidender Bedeutung zu begreifen, dass diese Preisprognosen mithilfe von Finanzmodellen berechnet werden, welche eigentlich für die Bewertung von Aktien bestimmt sind. Händler, Banker, Analysten und Portfolio-Manager benutzen derartige Modelle, um bei den Silberaktien zu einer Einschätzung zu gelangen und dann dementsprechend die Vermögenswerte in den Portfolien anzupassen.

Wir würden daher jeden, der den aktuellen Wert von Silber hinterfragt, die Frage stellen: Ja welche preisrelevanten Annahmen legen Sie denn überhaupt zugrunde?

Es ist natürlich völlig klar, dass wir als wertorientierte Käufer sehr dankbar für dieses Phänomen sind, da wir so die Möglichkeit haben, unsere Lieblings-Silberaktien billig aufzukaufen, in dem Wissen, dass die Herde schon bald folgen wird, da die rückwärtsgewandten Analysen nach oben hin angepasst werden.

Aber wie können wir so zuversichtlich sein, dass der Silberpreis auch in Zukunft weitere Kurssteigerungen verzeichnen wird? Unsere These basiert auf dem rudimentärsten aller wirtschaftlichen Prinzipien – Angebot und Nachfrage.

Einer der maßgeblichen Indikatoren, den wir im Auge behalten, ist das Gold/Silber-Verhältnis. In jüngster Zeit ist viel darüber geschrieben worden, und wir wollen hier auch nicht großartig ins Detail gehen, sondern lediglich anmerken, dass das Verhältnis das letzte Mal, als Geld noch darüber definiert wurde, wie viel Gold und Silber man sich dafür kaufen kann, bei 16 lag.

Tatsache ist, dass man während der vergangenen 1.000 Jahre die meiste Zeit in der Lage gewesen ist, eine Unze Gold gegen rund 16 Unzen Silber einzutauschen – ein Verhältnis das ungefähr dem natürlichen Vorkommen der Metalle in der Erdkruste entspricht. Während des 20. Jahrhunderts kam es aufgrund der Aufgabe des Bimetallstandards zu extremen Schwankungen beim Gold/Silber-Verhältnis, wobei es zweimal in den Bereich von 15 absank und zu Beginn der 90er Jahre auf ein Hoch von 100 nach oben kletterte.

Das jüngste Hoch wurde Ende 2009 erzielt, wo das Gold/Silber-Verhältnis bei knapp 80 lag. Seit diesem Zeitpunkt sinkt das Verhältnis zusehends und steht mittlerweile bei 35. Der Fall des Gold/Silber-Verhältnisses zeigt an, dass sich Silber sich gegenüber Gold während dieses Zeitraums bedeutend besser entwickelt hat.

Wir gehen davon aus, dass das Gold/Silber-Verhältnis auch in Zukunft weiter absinken wird, was sich ausschließlich durch die der Preisentwicklung zugrundeliegende Angebots-Nachfrage-Situation begründet.

Die US-Münzprägeanstalt US Mint, die der weltgrößte Produzent von Silber- und Goldmünzen ist, berichtete jüngst, dass man im Kalenderjahr 2011 bisher 13 Millionen Unzen Silber und 370.000 Unzen Gold verkauft hat. Das bedeutet, dass die US-Mint im bisherigen Jahresverlauf in Dollarbeträgen genauso viel Gold wie Silber verkauft hat. Darüberhinaus haben uns die Edelmetallhändler wie Sprott Money und GoldMoney bestätigt, dass sie aktuell nach Geldumsatz mehr Silber als Gold verkaufen.

Dieser Investmenttrend wird zusätzlich bestätigt, wenn wir uns die Geldflüsse des größten börsennotierten Goldfonds und des größten börsennotierten Silberfonds anschauen. Während die Anleger dieses Jahr bereits über USD 3 Milliarden aus dem Goldfonds GLD abgezogen haben, konnte der Silberfonds SLV während desselben Zeitraums Nettozuflüsse von USD 370 Millionen verbuchen.

Die Anleger investieren aktuell also genauso viel Geld in Silber wie in Gold. Der in Silber investierte Betrag könnte sogar noch größer sein, als die Gelder, die aktuell in Gold fließen. Und warum auch nicht? Silber ist noch bedeutend mehr „Edel“-Metall, als das aktuelle Gold/Silber-Verhältnis von 35 nahelegen würde.

Um diesen Sachverhalt näher zu erörtern, müssen wir uns zunächst einmal die Silberversorgung durch die Minen anschauen. Im Jahre 2010 sind in den Minen weltweit rund 736 Millionen Unzen Silber und 85 Millionen Unzen Gold gefördert worden.

Darüberhinaus werden jährlich rund 215 Millionen Unzen Silber und 53 Millionen Unzen Gold durch das Recycling wiedergewonnen. Nimmt man beide Quellen zusammen kommt man auf 951 Millionen Unzen Silber und 139 Millionen Unzen Gold – was einem Verhältnis von 9 Unzen Silber zu einer Unze Gold entspricht.

Interessanterweise entspricht dieses Verhältnis von 1:9 auch ungefähr dem Verhältnis der aktuell bekannten Gold- und Silberreserven im Boden. Die US-Behörde US Geological Survey schätzt, dass gegenwärtig Silberbestände in Höhe von rund 16,4 Milliarden Unzen bekannt sind, während es bei Gold 1,6 Milliarden Unzen sind. Auf eine Unze Gold kommen hier also 10 Unzen Silber.

Es spricht aber noch mehr für Silber, wenn man an die mit der Doppelrolle des Silbers als Investment und als Industriemetall einhergehenden Implikationen denkt. So belief sich die nicht investmentgetriebene Silbernachfrage in 2010 (also Industrie, Photographie, Silberwaren) auf rund 610 Millionen Unzen.

Diese 610 Millionen Unzen entsprechen rund 64% der gesamten jährlichen Silberproduktion, was bedeutet, dass noch 341 Millionen Unzen übrig blieben, um die Investmentnachfrage zu befriedigen. Bei Gold belief sich die Industrienachfrage in 2010 auf 13 Millionen Unzen, was rund 10% der jährlichen Goldproduktion entspricht. Die restlichen in 2010 produzierten rund 125 Millionen Unzen Gold standen für die Investmentnachfrage zu verfügen.

Rechnet man nun die Industrienachfrage bei der jährlichen Gold- und Silberproduktion heraus und schaut sich an, was für Anleger übrig bleibt, so gibt es rund 2,7 Mal mehr Silber als Gold. Wenn wir diese Gold- und Silbermenge jedoch zu aktuellen Preisen in Dollarbeträge umwandeln, dann kommen wir auf USD 15 Milliarden, die in Silber investiert werden können, während es bei Gold USD 186 Milliarden sind. Wir sprechen hier also von einem Verhältnis von 1:13!

Das bedeutet, dass Silber gerade einmal über 8% der Investmentkapazität verfügt, die Gold aufweist, und das obwohl aktuell gleichviel, wenn nicht gar mehr Geld in den Silbermarkt fließt.

Nun ist es natürlich auch richtig, dass es noch eine andere mögliche Versorgungsquelle mit Silber gibt, nämlich die Silberinvestoren, welche das Metall bereits halten. Wenn der Silberpreis entsprechend hoch ist, könnten sie diese Bestände ja wieder in den Markt verkaufen, um die Versorgungsausfälle damit auszugleichen.

Wir wiesen jedoch bereits in der Vergangenheit darauf hin, dass die Silberbestände aufgrund von Jahrzehnten der Unterinvestition in Wirklichkeit extrem gering sind, selbst wenn man sie mit den Goldbeständen vergleicht. In einer jüngst durchgeführten Schätzung wird davon ausgegangen, dass die bekannten Bestände physischen Silbers gegenwärtig bei rund 1,2 Milliarden Unzen liegen, wohingegen aktuell Goldbestände in Höhe von 2,2 Milliarden Unzen gehalten werden. Auf jede Unze von Anlegern gehaltenen physischen Goldes kommt also eine halbe Unze Silber.

Um diesen Betrag noch einmal zu veranschaulichen: Gegenwärtig gibt es also physisches Silber in Münz- oder Barrenform im Wert von USD 52 Milliarden, während sich die Goldbestände auf USD 3,3 Billionen belaufen – es handelt sich hierbei um ein Verhältnis von 63:1. Wie kann es dann sein, dass das tatsächliche Gold/Silber-Verhältnis aktuell immer noch bei 35 liegt?!

Alle Hinweise deuten unserer Meinung nach darauf hin, dass zurzeit ungefähr die gleichen Investmentbeträge in Silber und in Gold fließen. Und obwohl das Gold/Silber-Verhältnis seit seinen Hochs im Jahre 2009 bis heute bereits substantiell gefallen ist, legt unsere Analyse nahe, dass dieses Verhältnis noch weiter absinken muss, damit es zu einer grundlegenden Ausbalancierung von Angebot und Nachfrage kommt.

Nur die Zeit kann sagen, wie tief das Gold/Silber-Verhältnis tatsächlich absinken wird, aber wir wären nicht überrascht, wenn es sogar bis in einen einstelligen Bereich abfallen würde, bevor es dann in einem nachhaltigeren Bereich sein Gleichgewicht findet.

Was die sogenannten Silber-„Experten“ bei ihren Modellberechnungen und Projektionen völlig übergehen, ist, dass das Fiatgeld-Experiment gescheitert ist. Wir gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass dem Gold seitens des Marktes erneut der Status der Weltreservewährung zugebilligt wurde, anstatt diese Rolle dem US-Dollar, dem Euro oder dem japanischen Yen einzuräumen.

Der weitere Anstieg von Gold gegenüber jeder anderen Währung ist unseres Erachtens so gut wie sicher, da die massive Flucht aus dem Fiatgeld gerade erst begonnen hat. Und genau wie Gold verfügt auch Silber über eine lange Geschichte als Geldmetall, und als solches wird es von den Investoren nun auch gekauft, die sich so vor den Verheerungen der Fiatgeldentwertung schützen.

Doch wenn wir Silber mit Gold vergleichen, dann ist Silber der günstigere Anlagewert, was auf die massive Fehleinschätzung bezüglich der Silberknappheit zurückzuführen ist – eine Knappheit, die im Übrigen bereits seit Jahren besteht.

Da dieser neue Bimetallstandard unseres Erachtens gerade erst an Fahrt aufnimmt, dürften die Silberinvestoren auch künftig durch eine bemerkenswerte Kursperformance belohnt werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass es sich hierbei um eine Investmentgelegenheit handelt, die sich nur einmal im Leben bietet – und da dem so ist, schenken nun zusehends mehr Menschen dem Silber immer mehr Beachtung.

Für uns steht daher außer Frage, dass das Gold/Silber-Verhältnis angesichts der aktuell gleich großen Dollar-Investmentbeträge, die in Gold und Silber fließen, nicht aufrechterhalten werden kann und deshalb nur eine Richtung kennen wird: Nach unten.

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