Zusammenbruch des Euros: Washington und Wall Street schießen sich ein

Washington, Wall Street und den Ratingagenturen kommt der Zusammenbruch des Euros sehr gelegen. Die rasch steigenden Zinsen auf die Staatsanleihen der Eurozonen-Pleiteländer könnten sogar die kreditgebenden Länder und den Internationalen Währungsfonds mit in den Abgrund reißen. Die Abwertungen der PIIGS-Länder durch die Kreditratingagenturen, die bereits vor Jahren hätten erfolgen müssen, sind ein Witz. Die Probleme in den USA sind 100 Mal schlimmer

Bob Chapman, The International Forecaster, 13.07.2011

Wir hatten natürlich Glück, als wir vergangene Woche die aktuellen Anstiege beim Gold- und Silberpreis voraussagten. Gold stieg um fast USD 60 pro Unze. Auf Dollarbasis legte das gelbe Metall um 4% und auf Eurobasis um 6% zu.

In vielen Ländern steigen aktuell die Renditen für die Staatsanleihen, und wir erklären ja bereits seit 1967, dass dies ein Vorbote eines höheren Goldpreises ist. Die Renditen für Staatsanleihen befinden sich weltweit immer noch auf einem Rekordtief, was bedeutet, dass diese künftig nur eine Richtung kennen werden: Nach oben.

Noch schlimmer: Überall steigen die Schuldenstände, was ausschließlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Finanzierungskosten so niedrig sind. Wenn man zu diesen Schuldenständen nun auch noch den Vertrauensverlust gegenüber den Fiatwährungen hinzunimmt, zeichnen sich für die Zukunft riesige Probleme ab.

Im Verlaufe der Zeit werden immer mehr Investoren nach Gold verlangen, was heißt, dass die Währungen abgestoßen werden, während Gold und Silber von dieser Entwicklung profitieren.

Die Investoren sind besorgt darüber, dass alles, was die Regierung anfasst, am Ende nach hinten losgeht. Schuldenbasiertes Geld war bereits in der Vergangenheit immer der sicherste Weg in die Katastrophe.

Nur der Euro verfügt aktuell noch über eine Golddeckung von rund 5%, wobei dieser Prozentsatz vor 10 Jahren noch bei 15% lag. Daher haben alle Währungen gegenüber Gold und Silber im Schnitt mehr als 20% jährlich an Wert eingebüßt. Das bedeutet auch, dass es da draußen Menschen gibt, die auf keinen Fall Papiergeld halten wollen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

In den vergangenen 10 Jahren sind die US-Schulden um 60% in die Höhe geschossen, was maßgeblich zur Entwertung des US-Dollars beigetragen hat, der seit dem 15.08.1971 über 97% an Wert einbüßte.

Darüberhinaus kam es in jüngster Zeit zu zahlreichen Abwertungen von Staatsanleihen durch die Kreditratingagenturen, welche in Wirklichkeit bereits vor Jahren hätten stattfinden müssen. Warum werden diese Länder nun alle zu ein und derselben Zeit abgewertet?

Der Grund dafür ist, dass Wall Street und die US-Notenbank daran interessiert sind, dass die Investoren auf die Probleme der anderen Länder starren und nicht auf die Probleme Amerikas, die in Wirklichkeit 100 Mal schlimmer sind als die Schwierigkeiten, mit denen Griechenland oder die anderen 5 europäischen Pleiteländer zu kämpfen haben.

Wir sollten hier auch nicht vergessen, dass die Kreditratingagenturen direkt durch Wall Street gesteuert werden. Man braucht sich lediglich ihre Fehlbewertungen der besicherten Schuldverschreibungen (CDOs) und hypothekarisch besicherten Wertpapiere (MBSs) anzuschauen, das dürfte Beweis genug sein.

Deutschland weigerte sich jüngst, den Ratings der US-amerikanischen Kreditratingagenturen eine Bedeutung beizumessen. Man erklärte, die Ratings seien falsch und würden politisch instrumentalisiert.

Ja, die Schuldensituation in den 6 europäischen Pleiteländern ist hoffnungslos und dürfte sich in Zukunft weiter verschlechtern, da immer mehr Gelder benötigt werden, um die Zinsen an die Banker zu zahlen. Die Zinssätze für die Anleihen dieser Länder sind gestiegen, was auch so weitergehen wird, und zwar in einer Geschwindigkeit, welche diese Länder von der Bildfläche fegt und sogar die kreditgebenden Länder und den Internationalen Währungsfonds mit in den Abgrund reißen könnte.

Das Unvermeidliche immer weiter hinauszuzögern, ist eine sehr gefährliche Vorgehensweise und könnte am Ende für alle Länder fatale Folgen haben. Sollten die Problemländer in der Eurozone keine neuen Kredite mehr erhalten, ist eine Erholung ihrer Wirtschaften hinfällig.

Darüberhinaus vernichtet die Austerität Arbeitsplätze und verringert die Steuereinnahmen des Staates. Die Opfer brauchen dann noch mehr Kredite, was letztendlich den Zusammenbruch einleitet, so wie wir es Ende der 90er Jahre in Argentinien beobachten konnten.

Die EU-Pleiteländer sind nicht in der Lage, ihre Schulden abzuwerten, da sie in der Eurofalle stecken. Der einzige Weg, wie sie eine Erholung einleiten könnten, bestünde darin, die Eurozone zu verlassen und zu ihren nationalen Währungen zurückzukehren.

Die elitistischen Mächte in Washington wollen den Zusammenbruch des Euros, damit der Status des US-Dollars als Weltreservewährung aufrechterhalten werden kann. Es handelt sich hier um einen Währungskrieg, und die Kreditratingagenturen, die sich in der Hand Wall Streets befinden, stehen Gewehr bei Fuß.

Wie soll ein Land wie Griechenland mit 11 Millionen Bürgern USD 675 Milliarden zurückzahlen? Es ist völlig offenkundig, dass sie dazu überhaupt nicht in der Lage sind, weshalb wir auch davon ausgehen, dass die ganze Sache nur darauf abzielt, Griechenland und die 5 anderen Länder, ja am Ende sogar den Euro zu vernichten.

Das Entscheidende im Hinblick auf den Zusammenbruch der schwächeren Eurozonenländer ist jedenfalls, dass sie nicht in der Lage sind abzuwerten, und das ist auch der Grund, warum sie aus dem Euro raus müssen, außer sie gedenken, die nächsten 50 Jahre in der Versklavung dahinzuvegetieren.

Auf der anderen Seite sind die USA in der Lage, die Schuldenobergrenze anzuheben, was den Eurozonenländern nicht möglich ist. Auf diese Art haben die USA seit dem Jahre 2000 bereits so viel Geld und Kredit geschaffen, dass der Goldpreis auf Dollarbasis von USD 260 pro Unze auf USD 1.577 pro Unze in die Höhe schoss und sich Silber von USD 3,50 pro Unze in Richtung USD 50,00 pro Unze aufmachte. Mehr muss man nicht wissen.

Und heutzutage ist die Situation noch schlimmer, da die Vereinigten Staaten aktuell rund die Hälfte aller Staatsausgaben über Kredit finanzieren. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat sich die US-Staatsverschuldung mit einer Rate von USD 1,5 Billionen jährlich verdreifacht. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen muss sich die Gesamtlage zwangsläufig weiter verschlechtern, da immer mehr Geld und Kredit benötigt wird, um es ins System zu pumpen.

Wir haben dies ja kürzlich erst an den Konjunkturpaketen I und II sowie QE1 und QE2 sehen können: USD 5 Billionen an zusätzlichen Ausgaben, was uns zweimal 6 bis 9 Monate an Wachstum bescherte, ein Wachstum, das sofort wieder aussetzt, wenn die Programme eingestellt werden.

Jetzt steht QE3 ins Haus und die FED wird wieder genau dasselbe wie in der Vergangenheit tun, mit genau denselben miesen Ergebnissen. In der Sekunde, wo die Geld- und Kreditflüsse aussetzen, bricht die US-Wirtschaft in sich zusammen.

In der Vergangenheit wiesen wir immer wieder darauf hin, dass die einzige Möglichkeit, diese Krise zu beenden, in einem Treffen besteht, wo alle Länder zusammenkommen und multilateral die Zahlungsunfähigkeit auf ihre gesamten Schulden erklären und ihre Währungen neubewerten. Dasselbe, was bereits in der Vergangenheit stattgefunden hat, muss auch heute wieder getan werden.

Wir wissen, dass die heutigen Probleme bei weitem größer sind als die der Vergangenheit und die darauffolgende Depression 5 Jahre oder noch länger anhalten wird. Doch das ist immer noch bedeutend besser, als das System einfach zusammenbrechen zu lassen und zu versuchen, es im Nachhinein wieder aufzubauen, was dann nämlich dazu führt, dass die Depression 20 Jahre oder noch länger anhalten wird.

Und durch die Unschlüssigkeit der Entscheidungsträger verschlimmert sich die Krise nun mit jedem weiteren Tag.

Nach dem Ausbruch der Krise musste das Weltfinanzsystem reorganisiert werden, so dass die Staatsschulden ins Zentrum rücken, ein Vorgang, der gegenwärtig immer noch voll im Gange ist. Am Ende kommt der totale Systemzusammenbruch.

Europa ist der Beginn dieses Systemzusammenbruchs, und wir gehen aufgrund der Vernetzung der einzelnen Länder davon aus, dass es zuerst Europa, dann Großbritannien und am Ende die USA erwischen wird. Den Rest der Welt wird es ebenfalls treffen, wenn auch unterschiedlich stark. Diese Entwicklung ist zwangsläufig, sollte es in nächster Zeit nicht zu oben genanntem Treffen kommen.

Die USA müssen handeln und zwar schnell, um solch eine Konferenz zustande zu bringen. Zumindest sollte sie innerhalb der nächsten paar Jahre stattfinden. Bei der gegenwärtigen Geschwindigkeit kann der Dollar noch ein paar Jahre durchhalten, doch umso länger man die Sache hinauszögert, desto schlimmer wird das Endergebnis ausfallen.

Mittelfristig wird der Dollar seinen Status als Weltreservewährung bewahren können, sollte ein multilaterales Treffen stattfinden und der Dollar wieder eine Golddeckung erhalten.

Europa geht aktuell buchstäblich in Flammen auf. In Griechenland finden tagtäglich Demonstrationen statt, deren Teilnehmerzahl sich immer auf 200.000 bis 2 Millionen Menschen beläuft. Die Banker und die politische Führung Europas sind des Wahnsinns. Sie weigern sich einfach, der Realität, die sie selbst geschaffen haben, ins Auge zu sehen.

Das Ende von QE2 ist ein Witz. Die FED setzt die Monetisierung der US-Staatsanleihen natürlich fort, was sich daran erkennen lässt, dass ihre Bilanz am 06.07.2011 auf ein neues Rekordhoch kletterte. Die Bilanzsumme lag zu diesem Zeitpunkt bei USD 2,854 Billionen, davon waren USD 1,625 Billionen US-Staatsanleihen. QE2 belief sich auf USD 600 Milliarden an frischen Geldern und USD 250 Milliarden an reinvestierten Geldern aus endfälligen US-Staatsanleihen. Vor 12 Monaten schätzten wir, dass sich QE2 netto auf USD 900 Milliarden belaufen würde

Diese USD 850 Milliarden werden nun fortwährend reinvestiert. Die endfälligen Anleihen werden also ausschlaggebend sein, wenn es darum geht, wie viel zusätzliche Gelder geschaffen werden müssen, um 80% aller neuen US-Staatsanleihen aufzukaufen und die US-Wirtschaft zu stützen.

Wie Sie sehen, hat die FED wieder einmal gelogen. Der Übergang zu QE3 verlief in aller Stille und völlig reibungslos. Es gibt kein Limit und es wird auch keins geben. Es kann auch gar keins geben, da der Zusammenbruch einsetzt, sollten die Maßnahmen gestoppt werden. Auf diese Tatsache haben wir bereits vor langem hingewiesen, heute ist sie zur Realität geworden.

Wir müssen abwarten und schauen, was der 22.07.2011 bringt. Wird der US-Kongress die Schuldenobergrenze kurzfristig anheben, damit der US-Präsident das Gesetz bis zum 02.08.2011 unterzeichnen kann? Wird Obama die Verfassung irgendwie mithilfe einer Präsidialdirektive umgehen, um die Anhebung der Schuldenobergrenze eigenständig in die Wege zu leiten? Werden noch mehr Gelder aus den Töpfen der staatlichen Pensionsfonds, der Rentenversicherung und der Krankenkasse entnommen werden und wird es Versuche geben, eine Gesetzgebung zu verabschieden, welche die privaten Rentensparpläne der US-Bürger der Kontrolle des Staates unterstellt?

Wir wissen es nicht. Fakt ist aber, dass alles möglich ist, da die Elitisten gegenwärtig in massiven Schwierigkeiten stecken, während sie versuchen, die Ansteckung in Europa und die Schuldenfalle in den USA unter Kontrolle zu bekommen. Sie haben das Monster erschaffen. Jetzt wollen wir mal sehen, ob sie es unter Kontrolle halten können.

Die Finanzwelt in New York und der City of London ist jedenfalls nicht der Meinung, dass das System zusammenbrechen könnte. Wir haben Neuigkeiten: Ein derartiger Zusammenbruch ist sehr wohl möglich.

Und während sich in diesen zwei Konklaven zunehmend genau diese Erkenntnis breitmacht, entgleiten Wall Street und der City of London die Auktionen der Staats- und Unternehmensanleihen, was der US-Notenbank das größte aller Probleme beschert. Natürlich agiert die FED als Käufer der letzten Instanz, und wenn sie damit aufhört, ist das Spiel vorbei.

Weitere Artikel zu diesem Thema