Mission Impossible: Wir wollen unser Gold zurück

Venezuela dürfte seine jüngst in die Heimat beorderten Goldbestände wahrscheinlich erhalten, außer die NATO richtet in dem Land zuvor aus „humanitären Gründen“ eine „Flugverbotszone“ ein. Deutschland kann sein in den USA gelagertes Gold jedoch abschreiben. Unterdessen nehmen die weltweiten Spannungen im Hinblick auf die Goldreserven der Länder weiter zu, denn wer das Gold hat, bestimmt auch, nach welchen Regeln gespielt wird

Propagandafront.de, 29.08.2011

Die weltweiten Zentralbanken investieren zunehmend in Gold, um sich so vor einem Zusammenbruch der Fiatwährungen zu schützen. Jüngst geriet der venezolanische Präsident Hugo Chávez ins mediale Scheinwerferlicht, als er verkündete, die Goldminen des Landes zu verstaatlichen und die Goldbestände Venezuelas in die Heimat zu überführen.

Insgesamt sollen Goldbestände in Höhe von 211,35 Tonnen im Wert von USD 11 Milliarden repatriiert und Devisen in Höhe von USD 6,2 Milliarden aus Schweizer Banken abgezogen werden. 80% der venezolanischen Goldreserven sollen in Großbritannien lagern, alleine rund 100 Tonnen in den Tresoren der britischen Zentralbank, Bank of England.

Viele Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass das Gold garnicht da ist. Der Finanzmarktanalyst und Edelmetallexperte Alasdair Mcleod schrieb dazu am 28.08.2011:

„Chávez ruft das Gold nicht nur deshalb ins Land zurück, um seine Integrität zu bewahren, sondern er führt hier einen idealistischen Krieg gegen das kapitalistisches System, speziell gegen die USA. Deshalb hat er auch damit gedroht, sein Gold und die Devisenreserven in Länder zu verbringen, denen er traut – also im Grunde nach Russland und China – während er vorschlägt, die venezolanischen Goldminen zu verstaatlichen.

Er hat sich die Schwachstelle des kapitalistischen Systems vorgenommen. Seine Zentralbank hat ihm erklärt, dass die FED, die Bank of England und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Goldbestände der gesamten Zentralbankgemeinde in den Haupthandelszentren verwahren und ein großer Teil dieses Goldes nur als Kontoeintrag existiert und nicht durch physisches Gold gedeckt ist. Ob Venezuelas Gold nun auf diesen fraktional-gedeckten Sichtkonten lagert oder auf gesondert ausgewiesenen Konten, wo das Gold separat gehalten wird, wissen wir nicht; doch es können kaum Zweifel daran bestehen, dass dieser Schritt andere Zentralbanken dazu ermutigen soll, ihr Gold ebenfalls heimzuholen…

Bis zur Intervention von Chávez, zogen China und Russland – die die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) anführen – die Schrauben beim Goldmarkt nur langsam an: Russland, indem es regelmäßig Goldkäufe verkündete, und China, indem es seine Bürger dazu anhielt, Gold zu kaufen. Es scheint, als hätten sie unter den SCO-Ländern verkündet, dass Gold bei der SCO in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, und es von allen dort beteiligten gehalten werden sollte. Dies ist eine Welt, an der Chávez teilhaben will…“

Der Edelmetallanalyst und Marktbeobachter Bob Chapman führte zu den permanenten Gold- und Silberkäufen der SCO-Länder im November 2010 aus:

„Tatsache ist, dass die SCO-Mitgliedsländer einen entscheidenden Anteil an den steigenden Preisen haben. Man kann sicherlich darüber diskutieren, aber wir vertreten die Meinung, dass es bei der SCO bewusste Bemühungen gibt, Gold und Silber anzuhäufen, den US-Dollar über Bord zu werfen und ihre Währungen mit Gold zu decken. China und Russland sind beide große Goldproduzenten und haben seit ein paar Jahren die inländische Gold- und Silberproduktion aufgekauft, so dass diese niemals den Markt erreichte und somit auch keine Auswirkungen auf die Preisbildung haben konnte…

Die SCO-Länder sind sich absolut im Klaren darüber, dass eine Welle an in US-Dollar denominierten Fluchtkapital, das von der FED aus dem nichts geschaffen wurde, auf direktem Wege zu ihnen ist und Inflation mit sich bringt.“

Damit das Beispiel Venezuelas jedoch keine Schule macht, kamen die Massenmedien sofort mit Berichten heraus, dass ein Goldtransport dieser Größenordnung praktisch unmöglich sei. Die Financial Times, das Sprachrohr der britischen Finanzelite, verwies umgehend auf Goldhändler, die erklärten, dass über 40 Flüge notwendig wären, um das kostbare Frachtgut nach Lateinamerika zu überführen. Ein leitender Gold-Banker wurde mit den Worten zitiert: „Das wird eine ordentliche Aufgabe werden. Im Hinblick auf die Logistik bin ich mir nicht sicher, ob sich die Zentralbanker über den Umfang der vor ihnen stehenden Aufgabe im Klaren sind.“

Bloomberg wies darauf hin, dass Venezuela unter anderem auch die Möglichkeit hätte, das Gold mit eigenen Marineschiffen ins Land zu holen, und der letzte vergleichbare Goldtransport dieses Ausmaßes im Jahre 1936 stattfand, als die spanische Regierung 560 Tonnen Gold nach Moskau schickte, um es vor den heranrückenden Truppen Francos in Sicherheit zu bringen.

Viel gefährlicher als ein staatlicher Goldtransport dürfte jedoch das von McLeod angeführte Szenario sein, wonach der überwiegende Teil des in Großbritannien und den USA treuhänderisch verwahrten Zentralbankgolds verleast oder verpfändet wurde – eine Vermutung, die von zahlreichen Edelmetallexperten immer wieder energisch vorgetragen wird. Der Finanzmarktbeobachter Max Keiser erklärte diesbezüglich vor einigen Tagen:

„Auf globaler Ebene spielen hier auch noch die Zentralbanken und Venezuela eine Rolle, da Venezuela jetzt die Auslieferung von 99 Tonnen Gold verlangt, das für sie in London gelagert wird – also das physische Zeug. Das tolle an der Sache ist, dass die Bank of England das in Wirklichkeit an JP Morgan ausgelagert hat, und JP Morgan hat es [das Gold] nicht. Sie müssen es also am offenen Markt kaufen. Was Venezuela hier gerade mit Gold macht, ist dasselbe, was wir bei JP Morgan mit Silber vorhatten. Doch sie tun es nun mit Gold. Sie sagen: ´Wir wollen all unser Gold.`“

Der Edelmetallanalyst Jim Rickards geht ebenfalls davon aus, dass Chávez mit seinen Maßnahmen darauf abzielt, sich dem US-amerikanischen Finanzsystem zu entziehen.

Im Gespräch mit King World News erklärte Rickards am 23.08.2011, dass Chávez seine Devisen- und Goldreserven abziehen würde, um im Falle eines Konflikts mit den USA einer potenziellen Beschlagnahmung zu entgehen und um das venezolanische Vermögen mithilfe russischer Banken außerhalb der Kontrolle der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu diversifizieren. Im Hinblick auf die Lagerung des venezolanischen Golds in Großbritannien sagte Rickards:

„Hier haben wir nun jemanden [Chávez], der es tatsächlich getan hat, der die Bank of England, den anderen großen [Gold-]Treuhänder, anrief. Übrigens, die zwei größten Treuhänder der Welt sind die Federal Reserve Bank of New York und die Bank of England – beide bewahren jeweils 6.000 Tonnen (Gold) auf, und zwar hauptsächlich für andere und nicht für sich selbst…

Wer weiß, wie oft es (das venezolanische Gold) verpfändet worden ist? Es ist offenkundig, dass das Papiergold, von dem man annimmt, es sei durch reales Gold gedeckt, in Wirklichkeit um ein vielfaches größer ist, als die realen Goldbestände. Es handelt sich um eine auf den Kopf stehende Pyramide…

Nun, ich gehe davon aus, dass Venezuela sein Gold bekommen wird. Gut, die Bank of England muss 200 Tonnen nach Venezuela ausliefern und vielleicht ist das Gold an jemand anders verpfändet. Vielleicht wurde es an JP Morgan oder Barclays oder HSBC verleast, was bedeutet, dass der Typ auf der anderen Seite des Handels ebenfalls hinzugezogen werden muss. Dann werden wir erleben, wie es am Markt zu Spannungen kommt, er ein wenig implodiert und Fremdkapital abgebaut wird. Gott steh uns bei, wenn es noch weitere Venezuelas gibt, die damit anfangen, ihr Gold zurückzuholen.“

Deutschland dürfte jedoch nicht zu den glücklichen Ländern zählen, die ihre Goldreserven jemals wiedersehen werden. Laut Rickards kann das deutsche Volk den Teil seiner Goldbestände, der in den USA „verwahrt“ wird, abschreiben – eine Auffassung, die er bereits seit Jahren vertritt und gegenüber den Moderatoren des US-amerikanischen TV-Senders CNBC am 08.08.2011 erneut zum Besten gab:

„Nur um das klarzustellen: Wir haben die Chinesen in der Hand. Der Präsident kann ihre Konten mit einem einzigen Anruf auf Eis legen. Wenn man auf einem derart hohen Niveau Schuldner ist, hat man den Kreditor in seiner Hand. Also der Präsident kann ihre Konten mit einem Anruf auf Eis legen, und sie[die Chinesen] haben keine bedeutenden Goldbestände. Und aus diesen beiden Gründen haben wir die Chinesen in der Hand…

Dieses [europäische Zentralbank-]Gold ist in den Vereinigten Staaten. Eines der Szenarien, das ich habe, ist, dass die Vereinigten Staaten das europäische Gold konfiszieren werden, das wurde schon einmal so gemacht…Im Jahre 1933 beschlagnahmte FDR das gesamte Gold aller Bürger der Vereinigten Staaten. Dies wäre also nur eine Erweiterung davon.

Noch einmal: Dies entspringt alles dem International Emergency Economic Powers Act [aus dem Jahre 1977]. Der Präsident verfügt über diktatorische Macht, und wenn ich sage diktatorisch, dann verwende ich das Wort nicht auf abschätzige oder übertriebene Art. Er kann tatsächlich Exekutivanweisungen geben, um die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten in wirtschaftlichen Fragen aufrechtzuerhalten. Er kann das Gold also umwandeln und den Europäern eine Quittung dafür ausstellen…“

Und auf die Frage, warum die Deutschen ihr Gold nicht zurückholen, sagte Rickards:

„Nun ja, manchmal werden die Fragen nicht gestellt, weil man die Antwort nicht hören will – weil, wenn Deutschland die Federal Reserve Bank of New York anrufen würde und sagt, ´wir senden ein Schiff rüber und holen unser Gold zurück`, die Antwort vielleicht nicht so schön ausfallen wird.“

Kurzum: Die asiatischen und lateinamerikanischen Staaten tätigen aktuell erhebliche Goldkäufe, während das US-Militär auf einem riesigen inländischen Goldschatz sitzt und die US-Regierung darüberhinaus noch über die Möglichkeit verfügt, sich im wirtschaftlichen und geopolitischen Ernstfall die in den USA gelagerten Goldreserven fremder Nationen nutzbar zu machen.

Deutschland wird wohl einen Großteil seiner staatlichen Goldreserven abschreiben müssen. Dem deutschen Sparer bleibt immerhin noch die Möglichkeit, seine eigene Zentralbank zu werden und sukzessive Gold und Silber zu akkumulieren, um sich so vor dem Kaufkraftverlust und Totalzusammenbruch der Papierwährungen zu schützen.

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