Chinas Monsterblase: Wirtschaftszusammenbruch beschleunigt sich

Bob Adelmann, The New American, 20.12.2011

Gordon Chang, Autor des Buchs „Der kommende Kollaps Chinas“ und regelmäßiger Autor bei Forbes.com, wurde am Montag von Yahoo Daily Ticker interviewt, wobei er zu der Feststellung gelangte: „Wenn man sich alle Indikatoren [Chinas] anschaut, dann weisen sie allesamt nach unten.“

Zu diesen Wirtschaftsindikatoren gehören der Stromverbrauch (Seitwärtsbewegung), Autoverkäufe (Seitwärtsbewegung), Immobilienpreise (einbrechend) und Industrieaufträge (fallend). Und auf die Chinesen kommt noch mehr zu – und zwar sehr viel mehr.

Die kommunistische Regierung Chinas senkt gegenwärtig das Wachstum der Geldmenge ab, um „die Inflation zu bekämpfen“, welche letztlich nichts weiter ist als das logische Ergebnis einer seit 30 Jahren anhaltenden Geldvermehrung, um die landwirtschaftliche chinesische Bevölkerung ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.

Aber die Absenkung der Wachstumsrate der Geldversorgung hat eben auch genau die Folgen, mit denen gerechnet werden muss: Während sich die Wirtschaft abschwächt, kommt es zu einer Zunahme bei den Insolvenzen und zu Einbrüchen bei den Steuereinnahmen, was die Abschwächung der Wirtschaft nur noch mehr verschärft.

Chang fügt hinzu: „Wir werden innerhalb der kommenden sechs Monate noch mehr dieser deutlichen Hinweise auf eine Verschlechterung der chinesischen Wirtschaft sehen.“ In diesem Zusammenhang sei seines Erachtens auch mit einer Zunahme der heute bereits landesweit auftretenden Bürgerunruhen, Bombenanschläge und Aufstände zu rechnen.

Chinesische Unternehmensgründer – die dadurch reich geworden sind, dass sie den staatlich subventionierten Forderungen nachkamen und Städte und Infrastruktur aufbauten, um für den kommenden Schwall an Bewohnern Wohnraum zu schaffen – verlassen das Land, solange man noch gut wegkommt.

Im Juni dieses Jahres berichtete die Zeitschrift Forbes darüber, dass gegenwärtig 60% der vermögenden chinesischen Bevölkerung über das Auswandern nachdenken würde oder das Festland bereits in Richtung sicherere Gebiete auf der Welt verlassen hat.

Global Financial Integrity geht davon aus, dass die Geldsummen, die das Land bereits verlassen haben, riesig sein müssen und alleine in 2008 die Marke von USD 2 Billionen überstiegen haben. Logisch, dass die chinesische Regierung eine solche Kapitalflucht kritisiert. Zhong Dajun schrieb dazu in der kommunistischen Tageszeitung Global Times:

„Wir haben die vergangenen 30 Jahre hart daran gearbeitet, die Wirtschaft weiter zu entwickeln, doch jetzt fliehen diese elitären Mitglieder der Gesellschaft mit dem überwiegenden Teil des Reichtums außer Landes.“

Die Finanzierung „zur Weiterentwicklung der Wirtschaft“ ist auch genau das Problem. Der Plan der Regierung, 350 Millionen Menschen aus den ländlichen Gebieten in die Städte zu hohlen, machte es notwendig, dass zuvor ganze Städte neu gebaut wurden.

Es war die perfekte Gelegenheit, den keynesianischen Ansatz zur Vermögensschaffung in die Tat umzusetzen: Die Regierung gründet 10.000 Investmentfirmen, um die neuen Städte zu bauen, und besorgt die Finanzierung mithilfe regierungsfinanzierter Banken. Die Menschen hätten Arbeit, würden die Wirtschaft ankurbeln und „für das Allgemeinwohl einen Beitrag leisten“.

Der Plan zielte darüber hinaus darauf ab, Veränderungen in der Wirtschaft herbeizuführen und die ländlich geprägte Gesellschaft in eine nachfragegesteuerte Konsumgesellschaft zu verwandeln. Diese „Starthilfe“ nahm Ausmaße an, wie sie die Welt zuvor noch nicht zu Gesicht bekam – eine „Initialzündung“, um die Wirtschaft nach vorne zu treiben.

Der nun drohende Zusammenbruch ist das natürliche Ergebnis derartiger Bemühungen. Jedes Jahr wurden 20 neue Städte gebaut, in die aber nur wenige Menschen einzogen. Man gab ihnen den Namen „Geisterstädte“ und dank Michal Christopher Brown, einem Photographen des Time Magazine, kann man sich nun überall im Internet die Bilder von leeren Apartmentwohnungen anschauen.

Chinas gescheiterter Versuch, ein Disneyland für die Welt namens „Wunderland“ zu errichten, liegt direkt vor der Stadt Peking in Trümmern.

Patrick Chovanec ist Professor an der Tsinghua-Universität in Peking und Vor-Ort-Kommentator, der zu dem zusehends offenkundiger werdenden Wirtschaftszusammenbruch Chinas regelmäßig Stellung nimmt. Erste Hinweise nahm er wahr, als die besten Bauentwickler im August dieses Jahres über Schwierigkeiten berichteten, ihre Bestände zu verkaufen, was in der Folge bei Wohn- und Bürogebäuden zu bedeutenden Preisabschlägen führte.

Das sorgte für wütende Bürger, die auf die Straße gingen und verlangten, für ihre Immobilien, die sie gekauft hatten, noch bevor der große Ausverkauf einsetzte, entschädigt zu werden. Chovanec listet zehn Städte auf, wo die Entwickler ihre Preise bereits gesenkt haben, um an die notwendigen Gelder für die Bezahlung ihrer Gläubiger zu kommen. Einige dieser Gläubiger haben die Gelder „außerhalb der Bücher“ bereitgestellt. Dieser Geldgebergruppe stehen ziemlich ungewöhnliche Möglichkeiten zur Verfügung, die Kredite einzutreiben.

Chovanec berichtet, dass die Immobilienpreise in 57 der 100 größten chinesischen Städte zurückgegangen sind und die Eigenheimpreise Pekings alleine innerhalb eines Monats um atemberaubende 35% einbrachen.

Er zitiert Business China, wo darüber berichtet wurde, dass in Tianjin, der sechstgrößten Stadt des Landes mit 13 Millionen Einwohnern, „die Hausverkäufe im Jahresvergleich um 57% zurückgingen“, während in Changsha, einer sieben Millionen Einwohner zählenden Stadt, die „Aktivität [in der Immobilienbranche] im Vergleich zum Vorjahr um 79% fiel.“

Überdies weist Chovanec darauf hin, dass er fortwährend Geschichten über Bauträger hört, die sich in ernsten finanziellen Schwierigkeiten befänden und in vielen Fällen sogar Selbstmord begingen. Für diese Bauträger, die den Banken vor Ort monströse Geldsummen schulden, werden jetzt die Kreditzahlungen fällig.

Die Liquiditätsprobleme der 115 größten chinesischen Bauträger belaufen sich zurzeit auf USD 21 Milliarden. Diese Gelder müssen innerhalb der nächsten zwölf Monate entweder zurückgezahlt oder übergerollt werden, ein Großteil davon bereits bis Ende März. Die Makleragenturen schließen und die Makler müssen sechs Monate warten, bis sie ihre Kommissionen für die Immobilienverkäufe erhalten.

Chovanec schreibt, dass der Wechsel von der Gier zur Angst blitzartig einsetzte:

„Und das sagt mir, dass sich die frühere Dynamik – wo die angehenden Eigenheimkäufer händeringend um jeden Preis kauften, aus Angst, die Preise würden weiter steigen – nun gewandelt hat und selbst nichtspekulative Käufer mittlerweile eine abwartende Haltung einnehmen, was die Nachfrage untergräbt, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo die Entwickler immer verzweifelter verkaufen müssen, was bei den Erwartungen zu einer Abwärtsspirale führt.“

Was Professor Chovanec hier beschreibt, ist das Platzen einer Blase – also dem Zeitpunkt, wo sich die Erwartungen plötzlich in ihr Gegenteil verkehren, genauso wie bei einer Achterbahnfahrt, kurz bevor es richtig nach unten geht.

In den USA wurde die Papiergeld finanzierte Immobilienblase so stark aufgebläht, dass sie sich mittlerweile auf rund 50% des BSP beläuft. In China beläuft sich die mit Papiergeld finanzierte Immobilienblase auf rund 200% des BSP. Das Platzen dieser Blase wird man auf der ganzen Welt vernehmen können.

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