Game Over: 20 Hinweise darauf, dass Europa gerade in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression abtaucht

Michael Snyder, The American Dream, 29.01.2012

An Europas Horizont zeichnet sich gerade ein absoluter Wirtschafs-Albtraum ab. Mit jedem weiteren Monat verschlechtern sich die europäischen Wirtschaftsdaten. Mittlerweile ist bereits ein Punkt erreicht, wo es selbst für eingefleischte Optimisten extrem schwierig geworden ist, die Tatsache zu leugnen, dass Europa gerade in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression abrutscht.

Fakt ist, dass sich einige Regionen Europas bereits in einer Wirtschaftsdepression befinden. In Spanien beläuft sich die Arbeitslosigkeit zurzeit auf über 22%, während in Griechenland schon jedes fünfte Einzelhandelsgeschäft geschlossen wurde. Bei der Wirtschaftsaktivität ist europaweit ein rascher Rückgang zu verzeichnen, während die Arbeitslosigkeit gemeinsam mit der Zahl fauler Kredite in die Höhe schießt.

In Wirklichkeit bedarf es jetzt nicht einmal mehr einer Staatspleite eines der Europleiteländer wie Griechenland oder des Zusammenbruchs des Euros, damit Europa in einer Wirtschaftsdepression versinkt. Das Einzige, was Europa dafür noch tun muss, ist, den gegenwärtigen Kurs beizubehalten und der Rest wird von ganz alleine kommen.

Normalerweise würden die europäischen Regierungen auf eine Wirtschaftsabschwächung mit der Erhöhung ihrer Staatsausgaben reagieren, doch ist dieser Weg verbaut, da die meisten Länder aktuell bereits in ihren Schulden versinken. Deshalb führen die europäischen Staaten zurzeit Einsparmaßnahmen durch, anstatt die Ausgaben zu erhöhen. Europaweit werden die Länder nun dazu angehalten, die Steuern anzuheben und Ausgabenkürzungen zu realisieren.

Die Hoffnung besteht darin, dass all diese Austeritätsmaßnahmen irgendwie dazu beitragen werden, die albtraumhafte Staatsschuldenkrise, der sich Europa gegenübersieht, zu lösen. Doch bedauerlicherweise ist es eine Tatsache, dass all die Steuererhöhungen und Haushaltseinschnitte mit unglaublichen wirtschaftlichen Leiden einhergehen.

Richtig beängstigend wird es, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass die meisten europäischen Nationen gerade erst am Anfang dieser Entwicklung stehen. Wenn Sie herausfinden wollen, wo die Reise für Länder wie Portugal, Italien und Spanien hingeht, brauchen Sie lediglich nach Griechenland zu blicken. Griechenland ist bereits vor Jahren vom Weg abgekommen, und die Griechen haben bis heute noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen bekommen.

Die Europäer werden unter den Steuererhöhungen und Haushaltseinsparungen, die zurzeit implementiert werden, noch Jahre zu leiden haben. Der unglaubliche wirtschaftliche Erfolg, der in der Vergangenheit die beispiellosen Mengen an Schulden erst so richtig angeheizt hat, wird in Zukunft einem atemberaubenden wirtschaftlichen Siechtum Platz machen.

Im Folgenden finden Sie 20 Hinweise darauf, dass Europa gegenwärtig in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression abtaucht:

1. Die Arbeitslosenrate junger Italiener zwischen 16 und 24 Jahren beläuft aktuell auf 28%. In Griechenland liegt diese Quote 43% und in Spanien bei 51%.

2. In der gesamten Europäischen Union liegt die Jugendarbeitslosigkeit (Arbeitnehmer bis 25 Jahre) bei 22,7%.

3. Citigroup geht davon aus, dass die portugiesische Wirtschaft in diesem Jahr um 5,7% zurückgehen wird.

4. Nimmt man alle Arten von Verschuldung zusammen, so beläuft sich die portugiesische Gesamtverschuldung auf 360% des BSP.

5. Die griechische „Rezession“ hält nun bereits das fünfte Jahr in Folge an.

6. Die griechische Wirtschaft ging in 2011 um 6% zurück.

7. Es wird davon ausgegangen, dass die griechische Wirtschaft in 2012 um weitere 5% zurückgehen wird.

8. Die Gesamtarbeitslosenrate in Griechenland liegt zurzeit bei 18,5%.

9. 20% aller Einzelhandelsgeschäfte Griechenlands sind im Rahmen der Krise bereits geschlossen worden.

10. Die Zahl der Selbstmorde in Griechenland ist allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 40% explodiert.

11. Laut dem Internationalen Währungsfonds beläuft sich die Gesamtverschuldung des griechischen Staats auf rund 160% des BSP.

12. In Spanien sind zurzeit mehr als fünf Millionen Menschen ohne Arbeit.

13. Spaniens faule Kredite erreichten jüngst ein 17-Jahreshoch.

14. Die Arbeitslosenrate Spaniens liegt aktuell bei atemberaubenden 22,8%.

15. Die Zahl der Zwangsenteignungen von spanischen Immobilien ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 32% in die Höhe geschossen.

16. Wenn man Italiens fällige Staatsschulden, die in 2012 übergerollt werden müssen, sowie das für dieses Jahr prognostizierte italienische Haushaltsdefizit zusammenrechnet, kommt man auf rund 23,1% des italienischen BSP.

17. Die Herstelleraktivität in der Eurozone ist bereits den fünften Monat in Folge gefallen.

18. Die britische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2011 geschrumpft.

19. Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2011 geschrumpft.

20. Der Baltic Dry Index – der oftmals als Frühindikator für die Weltwirtschaft genommen wird – ist seit Oktober 2011 um atemberaubende 61% eingebrochen.

Über Europa legt sich gegenwärtig eine Wolke wirtschaftlicher Finsternis – und das obwohl einige der stärksten Wirtschaftsräume des Kontinents gerade erst damit beginnen, Zeichen einer Abschwächung zu zeigen. Andere europäische Länder befinden sich bereits in einer wirtschaftlich unglaublich schwierigen Lage. Der Trendforscher Gerald Celente erklärte jüngst gegenüber ABC Australia, dass sich weite Teile Europas in Wirklichkeit schon in einer Wirtschaftsdepression befinden:

„Wenn man in Griechenland lebt, befindet man sich in einer Depression; wenn man in Spanien lebt, befindet man sich in einer Depression; wenn man in Portugal oder Irland lebt, befindet man sich in einer Depression. Wenn man in Litauen lebt, zur Bank rennt, um sein Geld aus der Bank zu holen, während Bank-Runs stattfinden, ist es auch eine Depression. In Ungarn haben wir eine Depression und auch in weiten Teilen Osteuropas, in Rumänien, Bulgarien. Es gibt dort also bereits jede Menge Depressionen.“

Und während Europa gerade in sich zusammenfällt, nimmt auch das politische Gezerre und Gezeter immer weiter zu.

Nehmen wir beispielsweise den jüngsten schockierenden Vorschlag Deutschlands. Wie es scheint, würde Deutschland in Griechenland gerne einen „EU-Haushaltskommissar“ installieren, der über die Macht verfügt, alle griechischen Entscheidungen im Hinblick auf die Steuergesetzgebung und Staatsausgaben durch Veto vom Tisch zu wischen.

Dies wäre für Griechenland in der Tat ein bisher beispielloser Souveränitätsverlust, und wir können davon ausgehen, dass die griechischen Politiker bezüglich dieses Vorschlags garantiert nicht in Begeisterung verfallen werden. Fakt ist, dass die griechische Bildungsministerin Anna Diamantopoulou bereits erklärte, dass der Vorschlag, „das Produkt einer kranken Fantasie“ sei.

Doch in Deutschland herrscht die Auffassung, dass, nun, wo die Deutschen Griechenland retten, Griechenland auch bereits sein muss, sich für einen bestimmten Zeitraum zu unterwerfen. Es dürfte interessant sein, zu beobachten, wie die Geschichte am Ende ausgehen wird.

Unterdessen nimmt der Zorn in der griechischen Bevölkerung immer weiter zu. Laut einer jüngst durchgeführten Umfrage sind rund 90% der griechischen Bürger mit der von Premierminister Lucas Papademos angeführten Interimsregierung unzufrieden.

Und auch in Portugal scheint die Situation rasch zu eskalieren. Zurzeit machen Gerüchte die Runde, dass auch in portugiesische Staatsanleihen investierte Anleger mit einen „Haircut“ rechnen müssen. Das Folgende stammt aus einem jüngst veröffentlichten Artikel der britischen Zeitung Telegraph:

„In einem Bericht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft heißt es, dass Portugal jedes Jahr beim Primärhaushalt ein Überschuss in Höhe von 11% des BSP vorweisen müsste, um zu verhindern, dass die Schuldendynamik völlig außer Kontrolle gerät – und das selbst im Falle eines harmlosen Szenarios mit 2% jährlichem Wirtschaftswachstum.

´Portugals Schulden sind untragbar. Das ist die einzig mögliche Schlussfolgerung“, so David Bencek, ein Mitautor des Berichts, der davor warnt, dass ein Land langfristig nicht in der Lage sei, beim Primärhaushalt Überschüsse von über 5% zu erzielen.

´Wir wissen nicht, was der Auslöser sein wird, aber wenn es bei den Griechen erst einmal eine Entscheidung gibt, werden die Leute damit anfangen, sich die Sache genau anzuschauen, und feststellen, dass sich Portugal in derselben Situation wie Griechenland vor einem Jahr befindet.`“

Traurig, aber der Artikel trifft genau ins Schwarze. Portugal geht gerade genau denselben Weg, den Griechenland bereits genommen hat. Die 5-jährige portugiesische Staatsanleihe rentiert zurzeit mit einem Allzeithoch von [22,44%]. Vor einem Jahr lag die Rendite für diese Anleihen gerade einmal bei rund 6%.

Genau diese Entwicklung ließ sich auch in Griechenland beobachten. Vor einem Jahr lag die Rendite für 5-jährige griechische Staatsanleihen noch bei rund 12%, aktuell rentiert das Papier mit über 50%.

Die Welt sieht sich einer Schuldenkrise gegenüber, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hat, und Europa befindet sich mitten im Zentrum dieser Krise. Zurzeit stehen die bedeutendsten Industrienationen der Welt mit USD 55 Billionen in der Kreide – und jeder ist sich im Klaren darüber, dass diese Schuldenbombe irgendwann explodieren muss.

Und was wird nun als nächstes passieren? Aktuell sieht es zumindest ganz danach aus, als befände sich Europa auf direktem Wege in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression. Die Frage, die sich stellt, ist, ob es dem Rest der Welt gelingen wird, dem Schicksal der Europäer zu entgehen.

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