EU-Staatsschuldenkrise: Mit Vollgas in die Katastrophe

Die politischen Führer Europas machen mit ihren Maßnahmen unmissverständlich klar, dass sie das Staatsschuldenproblem nicht angehen werden. Massive soziale Unruhen sind vorprogrammiert. Wenn alles gut läuft, hält Europa noch ein paar Jahre durch, danach ist Schluss. Japan und die Eurozonenländer sind die ersten, welche die Staatspleitenwelle heimsuchen wird
Martin A. Armstrong, Martinarmstrong.org, 30.01.2012

Die für uns im Hinblick auf alle Märkte entscheidende Frage ist, wann die Staatsschuldenkrise vollumfänglich ausbrechen wird. Wir befinden jetzt bereits im 13. Jahr eines bedeutenden Richtungswechsels an den Märkten, der im Jahre 1999 seinen Anfang nahm und die Geburtsstunde des Euros, den Tiefpunkt des Gold- und des Rohölpreises und im Jahre 2000 den Höhepunkt der Aktienmärkte in einer Vielzahl von Ländern markierte.

Und genauso wie die Vereinigten Staaten von der Großen Depression und der Deflation besessen sind – weshalb die US-Regierung auch jederzeit bereit ist, die Wirtschaft mit Gelddrucken anzukurbeln, was von Vielen als Vorbote der Hyperinflation und des Endes der Welt erachtet wird – leidet Deutschland an der entgegengesetzten Wahnvorstellung.

In Deutschland fürchtet man die Inflation, weshalb das Land auch jedes Mal, wenn die USA versuchen sich aus den einzelnen Krise herauszuinflationieren, danach strebt, weitere Austeritätsmaßnahmen zu implementieren und wirtschaftliche Stagnation und wirtschaftlichen Niedergang zu schaffen.

Kanzlerin Angela Merkel ist es gelungen, Europa für sich zu gewinnen, als 25 der 27 EU-Mitgliedsstaaten einem von Deutschland inspirierten Pakt für eine striktere Haushaltsdisziplin zustimmten – und das alles, während die Mitgliedsstaaten inmitten der Trümmer der Austerität stehen und dabei zusehen müssen, wie die Mauern um sie herum einstürzen.

Die zwei EU-Mitgliedsländer, die sich weigerten, den Vorschlägen Deutschlands zu folgen, waren Großbritannien und Tschechien. In Europa wird von jetzt an ein im Grunde automatischer Mechanismus regieren, der gegen jedwedes EU-Mitgliedsland zum Einsatz kommt, das sich nicht an die EU-Haushaltslimits hält. Die Idee ist die, ein System ausgeglichener Haushalte einzuführen, das überhaupt nicht funktionieren kann.

Die Europäische Zentralbank hat sich bereits seit langem für die Einführung derartiger Maßnahmen in der Eurozone ausgesprochen. Und obschon dies von Vielen als erster Schritt in Richtung einer Fiskalunion angesehen wird, ist die aktuelle Art des Bündnisses vor dem Hintergrund der bevorstehenden wirtschaftlichen Probleme einfach nur illusorisch und wirklichkeitsfern.

Viele erachten die jüngsten Maßnahmen auch als entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung des „Vertrauens“ der Gläubiger in die gesamte Eurozone. Die Banker werden frohlocken und ihre Analysten werden die einnehmendsten Plattitüden bezüglich des langfristig positiven Ausblicks in die Öffentlichkeit pumpen.

Im Grunde wird hier aber wieder einmal nichts anderes getan, als die Freiheit und den Lebensstandard der Menschen dem Wohle der Halter von Staatsschulden zu opfern. Angesichts des tatsächlichen Problems ist dieses Austeritätsprogramm eigentlich völlig verrückt, da die Einsparungen bei den Staatsausgaben und die Steuererhöhungen zur Bedienung der Schuldenberge lediglich für eine hohe Arbeitslosigkeit und eine massiven Zunahme der sozialen Unruhen sorgen werden.

Es ist ein tödliches Gemisch, aber es scheint überdies auch die Auffassung zu stützen, dass die echte große Krise nicht vor dem 01.10.2015 – dem nächsten Höhepunkt des „Economic Confidence Model“ (ECM), der bis 2017 anhält – zuschlagen wird.

Merkel erklärte auf einer Pressekonferenz, dass die Vereinbarungen zum Fiskalpakt und dem permanenten Eurozonen-Rettungsschirm ESM ein „kleiner aber feiner Schritt auf dem Weg zur Wiederherstellung des Vertrauens“ seien. Das veranschaulicht, dass die Hauptsorge der politischen Führer Europas die Aufrechterhaltung des Vertrauens der Anleihehalter ist.

Es geht also überhaupt nicht darum, das strukturelle Problem des Euros oder die marxistischen Nachkriegsphilosophie anzugehen, wo die Regierungen für ihren „Sozialismus“ fortwährend Kredite aufnehmen, obschon sich der überwiegende Teil der Staatsverschuldung heute bereits aus angehäuften Zinslasten zusammensetzt.

Das gesamte Konzept, der Staat würde sich um die Bedürftigen kümmern, ist kompletter Schwachsinn. Für die Regierungen geht es jetzt nur noch darum, das zu tun, was die Banker verlangen, da Letztere es sind, die ihre Schulden weiterverkaufen.

Die Regierungen befinden sich in einer Falle. Das einzige System, das ihnen geläufig ist, besteht darin, sich jahrein, jahraus neu zu verschulden. Es ist daher auch damit zu rechnen, dass die Staatsschuldenkrise am Ende direkt durch fiskalisches Missmanagement zum Ausbruch kommen wird.

Die politischen Führer Europas haben sich dazu bereit erklärt, dass der EUR 500 Milliarden schwere Europäische Stabilitätsmechanismus bereits im Juli dieses Jahres, also ein Jahr früher, als ursprünglich geplant, in Kraft tritt. Das zeigt aber nur, dass man die Schuldenkrise nicht angehen wird, sondern lediglich darauf hofft, das Vertrauen der Anleihehalter wieder herstellen zu können, damit alles wieder in seine üblichen Bahnen gerät, namentlich die fortwährende Kreditaufnahme der Regierungen, ohne dass dabei auch nur die geringste Absicht bestünde, davon irgendetwas jemals wieder zurückzuzahlen, während man den Bürgern mit Steuererhöhungen den Gar ausmacht.

Die Vereinigten Staaten, China und der Internationale Währungsfonds haben auf die EU verstärkt Druck ausgeübt und gefordert, die Größe des ESM-Rettungsfonds zu erhöhen. Merkel erklärte jedoch, dass sie darüber nicht vor März dieses Jahres nachdenken werde. Bei dieser Art von Austeritätspolitik, wo die defizitären Ausgaben derart restriktiv eingeschränkt werden, handelt es sich um eine rein deutsche Auffassung, die im direkten Gegensatz zu der Auffassung der Vereinigten Staaten steht.

Die durch Austeritätsmaßnahmen hervorgerufen Probleme sind in der Regel soziale Unruhen und eine erhöhte Kriegsgefahr. Die Gefahr der Monetisierung besteht in der Entwertung der Geldersparnisse. Die Wiederherstellung von Vertrauen hat lediglich kurzfristige Markteffekte zur Folge – die Leute haben zurzeit immer noch Angst, ihr Geld zu investieren, weshalb die Bargeldbestände wie auch die US-Unternehmensgewinne auf Rekordniveaus verharren.

Die brennende Frage ist daher: Sehen wir jetzt einen unmittelbaren Zusammenbruch oder müssen wir bis zum nächsten ECM-Höhepunkt am 01.10.2015 warten? Bisher scheint alles auf den 01.10.2015 als dem Zeitpunkt der nächsten großen Finanzkrise hinzudeuten.

Und auch die USA scheinen noch nicht bereit zu sein, zu crashen. Die Vereinigten Staaten dürften der letzte Dominostein sein, der zu Boden geht. Wahrscheinlich wird die Staatsschuldenkrise zuerst in Japan hochkochen. Die Atomkatastrophe hat zu einem hohen Maß an unterschwelliger Unzufriedenheit gegenüber der japanischen Regierung geführt. Die Nahrungsmittel sind verseucht und in der Hauptstadt Tokyo wurden erhöhte Strahlenwerte gemessen. Das sind alles Aspekte, die dafür sprechen, dass sich in Japan ein finales Tief zusammenbraut …

Ganz egal, aus welcher Perspektive wir die Staatsschuldenkrise auch betrachten mögen, laut der ECM-Daten deutet jedenfalls alles darauf hin, dass 2007 lediglich ein Probelauf gewesen ist.

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