Bankrott der Vereinigten Staaten ist nun sicher

Porter Stansberry, Silverbearcafe, 04.02.2010

Es ist eine dieser Zahlen, die so unglaublich sind, dass man eigentlich eine Weile darüber nachdenken muss…Innerhalb der nächsten 12 Monate muss das US-Finanzministerium USD 2 Billionen an kurzfristigen Schulden refinanzieren. Und darin sind die zusätzlichen defizitären Ausgaben noch gar nicht mit berücksichtigt, die auf rund USD 1,5 Billionen geschätzt werden. Nehmen Sie jetzt beide Zahlen zusammen und stellen Sie sich die Frage, wie um alles in der Welt sich das US-Finanzministerium in nur einem Jahr USD 3,5 Billionen leihen soll? Dieser Betrag entspricht fast 30% des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Und wir sind die größte Weltwirtschaft. Wo soll das Geld herkommen?

Wie konnte es letztendlich zu so vielen kurzfristigen Schulden kommen? Genauso, wie bei den meisten Organisationen die viel zu viele Schulden haben – ob zweitklassige Kreditnehmer, General Motors, Fannie oder General Electric – hat das US-Finanzministerium versucht die Zinslast dadurch zu minimieren, indem es kurzfristig Geld lieh und die Kredite dann bei Fälligkeit „überrollte“. An der Wall Street sagt man „rollende Schulden setzen keinen Staub an“. Gemeint ist damit, dass solange man die Schulden verlängern kann, hat man kein Problem. Unglücklicherweise bringt das die Leute dazu immer größere Mengen an Schulden aufzunehmen…über immer kürzere Zeiträume…zu immer geringeren Zinsen. Früher oder später wachen die Kreditoren auf und fragen sich: Wie stehen die Chancen, dass ich das Geld jemals wiedersehen werde? Und das ist der Punkt, wo der Ärger anfängt. Die Zinsen steigen dramatisch an und die Finanzierungskosten schnellen in die Höhe. Die Party ist vorbei. Der Bankrott steht vor der Tür.

Wenn Regierungen bankrott gehen, nennt man das „eine Zahlungseinstellung“. Währungsspekulanten haben herausgefunden, wie man exakt vorhersagen kann, wann ein Land die Zahlungen einstellt. Zwei sehr bekannte Ökonomen – Alan Greenspan und Pablo Guidotti – veröffentlichten 1999 die geheime Formel in einer wissenschaftlichen Abhandlung. Darum wird diese Formel auch die Greenspan-Guidotti-Regel genannt. Die Regel besagt: Um einen Staatsbankrott zu vermeiden, sollten die Länder harte Währungsreserven in mindestens derselben Höhe, wie ihre kurzfristigen Auslandsschulden besitzen . Der weltgrößte Geldverwalter PIMCO erklärt die Regel so: „Die Minimalgrenze der Reserven, die sich auf mindestens 100% der kurzfristigen Auslandsschulden beläuft, ist unter der Greenspan-Guidotti-Regel bekannt. Die Greenspan-Guidotti-Regel ist vielleicht das einzige Konzept der Reservekapitalunterlegung mit der größten beweismäßigen und empirischen Unterstützung.“

Das Prinzip hinter der Regel ist einfach. Wenn man nicht alle ausländischen Schulden in den nächsten 12 Monaten zurückzahlen kann, ist man ein schreckliches Kreditrisiko. Spekulanten werden dann die Anleihen und die Währung ins Visier nehmen, was eine Refinanzierung der Schulden unmöglich macht. Die Zahlungsunfähigkeit ist garantiert.

Wie schlägt sich Amerika also nach dem Greenspan-Guidotti Bewertungsmaßstab? Amerika geht garantiert pleite. Die USA halten Gold, Öl und ausländische Währungen als Reserve. Die USA haben 8.133,5 metrische Tonnen Gold (sie sind der größte Goldbesitzer). Das sind 7.378.587 kg. In Dollars ist dieses Gold aktuell rund USD 300 Milliarden wert. Die strategischen Ölreserven der USA weisen gegenwärtig eine Gesamtmenge von 725 Millionen Barrel auf. In aktuellen Preisen ist das Öl ungefähr USD 58 Milliarden wert. Laut dem Internationalen Währungsfonds halten die USA USD 136 Milliarden an ausländischen Währungsreserven. Und alles zusammen…macht ungefähr USD 500 Milliarden an Reserven. Unsere kurzfristigen Auslandsschulden sind wesentlich größer.

Laut dem US-Finanzministerium werden in den nächsten 12 Monaten Schulden in Höhe von USD 2 Billionen fällig. Wenn wir also auf die kurzfristigen Schulden schauen, dann wissen wir, dass das US-Finanzministerium in den nächsten 12 Monaten wenigstens USD 2 Billionen fälliger Schulden finanzieren muss. Das müsste nicht zu einer Krise führen, wenn wir unsere Staatschulden immer noch selbst finanzieren würden. Aber seit 1985 sind wir ein Netto-Debitor gegenüber dem Rest der Welt. Heute besitzen Ausländer 44% all unserer Schulden, was bedeutet, dass wir ausländischen Kreditoren in den nächsten 12 Monaten mindestens USD 880 Milliarden schulden – ein wesentlich größerer Betrag als unsere Reserven.

Sie sollten auch im Hinterkopf behalten, dass damit nur die existierenden Schulden gedeckt sind. Die US-Berichtsbehörde, das Office of Management and Budget, geht von einem USD 1,5 Billionen Defizit für das kommende Jahr aus. Somit kommen wir auf Gesamtfinanzierungsnotwendigkeiten im Bereich von USD 3,5 Billionen für die nächsten 12 Monate.

Wo soll das Geld also herkommen? Die Druckerpresse. Die Federal Reserve hat bereits fast USD 2 Billionen an Staatsschulden und Hypothekenschulden monetisiert. Das schwächt den Wert des Dollars und entwertet unsere vorhandenen Staatsanleihen. Früher oder später werden unsere Kreditoren vor einer krassen Entscheidung stehen: Halten sie unsere Anleihen weiter und sehen dabei zu, wie ihr Wert langsam verschwindet oder versuchen sie ins Gold zu flüchten und sehen zu, wie der Wert ihrer US-Anleihen abstürzt.

Eine Sache, die sie definitiv nicht tun werden, ist noch mehr Schulden zu kaufen. Welche Zentralbanken werden den Dollar als nächstes fallenlassen? Brasilien, Korea und Chile. Das sind die drei größten Zentralbanken die am wenigsten Gold besitzen. Keine dieser Zentralbanken besitzt wenigstens 1% ihrer gesamten Anlagen in Gold.

Am Freitag, in der letzten Ausgabe meines Newsletters „Porter Stansberry´s Investment Advisory“, hatte ich dieses Thema wesentlich detaillierter untersucht. Zufällig hat die New York Times heute unsere Warnungen – fast Wort für Wort – in der Zeitung stehen. (Sie haben Greenspan-Guidotti jedoch nicht erwähnt…Das ist ein Geheimnis der internationalen Spekulanten.)

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