Jemen und die Militarisierung strategischer Schifffahrtswege

Sicherung der US-Kontrolle über die Sokotra-Inseln und den Golf von Aden

GlobalResearch.ca, Michel Chossudovsky, 07.02.2010

Die jemenitische Inselgruppe im Indischen Ozean befindet sich rund 80 Kilometer vorm Horn von Afrika und 380 Kilometer südlich der jemenitischen Grenze. Die Inseln von Sokotra sind Wildreservate und von UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Sokotra ist die Kreuzung der strategischen Schifffahrtswege des Roten Meeres und des Golf von Aden (siehe Karte unten) und ist für das US-Militär von außerordentlicher Bedeutung.

Zu Washingtons strategischen Zielen gehört die Militarisierung bedeutender Schifffahrtswege. Dieser strategische Schifffahrtsweg verbindet das Mittelmeer durch den Suezkanal, das Rote Meer und den Golf von Aden mit Süd- und Ostasien.

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Es handelt sich um eine der wichtigsten Transitrouten für Öltanker. Ein großer Teil der für Westeuropa bestimmten Industrieexporte Chinas werden über diese strategische Schifffahrtsstraße transportiert. Der Seehandel von Ost- und Südafrika nach Westeuropa verläuft auch in Nähe von Sokotra durch den Golf von Aden und das Rote Meer.

„Das Meer ist eine bedeutende Seefahrtsroute, die den Nahen Osten, Ostasien und Afrika mit Europa und den amerikanischen Kontinenten verbindet. Es verfügt über vier wichtige Zugangswege, die den maritimen Handel ermöglichen: Der Suezkanal in Ägypten, Bab-al-Mandeb (an Jemen und Dschibuti grenzend), die Straße von Hormuz (an Iran und Oman grenzend) und die Sraße von Malakka (an Indonesien und Malaysia grenzend). Diese Nadelöhre sind für den Ölhandel von entscheidender Bedeutung, da durch sie riesige Mengen an Öl transportiert werden.“ (Amjed Jaaved, A new hot spot of rivalry, Pakistan Obeserver, 01.07.2009)

Seemacht

Aus militärischer Sicht handelt es sich um eine strategische Meereskreuzung. Des Weiteren erstreckt sich die Inselgruppe am östlichen Ausläufer des Golf von Adens von der Insel Abd al Kuri bis zur Hauptinsel Sokotra über eine relative kleine Meeresfläche. (siehe Karte 2)

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Sokotra liegt ungefähr 3.000 Kilometer vom US-Marinestützpunkt Diego Garcia entfernt, der zu Amerikas größten Auslandseinrichtungen gehört.

Die Sokotra Militärbasis

Am 02.01.2010 trafen sich der jemenitische Präsident Saleh und General David Petraeus, Kommandeur der US Central Command, zu hochrangigen Gesprächen hinter verschlossenen Türen

Über das Treffen von Saleh und Petraeus wurde von den Medien beiläufig als passende Antwort auf das vereitelte Bombenattentat des Nordwestfluges 253 in Detroit am Weihnachtstag berichtet. Allem Anschein nach war es kurzfristig anberaumt worden um gegen „Al-Qaeda in Jemen“ gerichtete Initiativen der Terrorismusbekämpfung zu koordinieren, wozu auch „die Verwendung amerikanischer Drohnen und Raketen auf Jemens Gebiet“ zählt.

Einige Berichte bestätigten jedoch, dass das Treffen der Beiden der Neubestimmung der US-militärischen Einbeziehung im Jemen galt und dabei auch die Schaffung einer vollentwickelten Militärbasis auf der Hauptinsel Sokotra besprochen wurde. Der jemenitische Präsident Ali Abdulah Saleh, so wird berichtet, hat „Sokotra an die Amerikaner übergeben, die dort eine Militärbasis errichten würden, und merkte an, dass US-Beamte und die jemenitische Regierung darüber Übereinstimmung erzielten eine US-Militärbasis auf Sokotra zu errichten, um Piraten und Al-Qaeda zu bekämpfen.“ Fars News, 19.01.2010)

Am 01.01.2010, einen Tag vor dem Saleh-Petraeus Treffen in Sanaa, bestätigte General Patraeus während einer Pressekonferenz in Bagdad, dass die „Sicherheitsunterstützung“ für Jemen von USD 70 Million auf über USD 150 Millionen mehr als verdoppelt würde, was einen Anstieg um das Vierzehnfache seit 2006 darstellt. (Scramble for the Island of Bliss: Socotra!, War in Iraq, 12.01.2010)

Die verdoppelte Militärhilfe für den Jemen wurde der Weltöffentlichkeit als Antwort auf den Bombenzwischenfall in Detroit präsentiert, der angeblich von Al-Qaeda Agenten aus Jemen befohlen wurde.

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jetzige Landebahn und Flughafen

Die Schaffung eines Luftwaffenstützpunkts auf der Hauptinsel Sokotra wurde von den US-Medien als Teil des „weltweiten Kriegs gegen den Terrorismus“ beschrieben:

„Zu den neuen Programmen gehörte auch, dass Saleh und Petraeus die Nutzung von amerikanischen Flugzeugen, vielleicht auch Drohnen sowie „Seeraketen“, vereinbarten – solange die Operationen zuvor von den Jemeniten freigegeben wurden, wie ein leitender jemenitischer Beamter, der bei diesen sensiblen Themen anonym bleiben wollte, berichtete. US-Beamte teilten mit, dass die jetzige schmale Landebahn [unter Jurisdiktion des jemenitischen Militärs] der Insel von Sokotra, 200 Meilen vor der jemenitischen Küste, in eine vollständige Basis aufgerüstet würde um das größere Hilfsprogramm und den Kampf gegen somalische Piraten zu unterstützen. Petraeus versucht den jemenitischen Streitkräften ebenfalls Grundausrüstung, wie gepanzerte Geländewagen und vielleicht auch Helikopter, zukommen zu lassen.“ (Newsweek, 18.01.2010, Hervorhebungen hinzugefügt)

Eine US-Marineeinrichtung

Die vorgeschlagene US-Militäranlage in Sokotra beschränkt sich jedoch nicht auf einen Luftwaffenstützpunkt. Auch über einen US-Marinestützpunkt wurde nachgedacht.

Die Entwicklung von Sokotras Marineinfrastruktur war bereits in Planung. Wenige Tage vor dem Gespräch zwischen Saleh und Petraeus, bewilligte das jemenitische Kabinett am 29.12.2009 einen USD 14 Millionen Kredit vom Kuwait Fund for Arab Economic Development (KFAED) um die Entwicklung von Sokotras Hafenprojekt zu unterstützen.

Das Große Spiel

Die Sokotra Inselgruppe ist Teil eines großen [geopolitischen] Spiels bei dem sich Russland und Amerika gegenüberstehen.

Während des Kalten Krieges hatte die Sowjetunion eine Militärpräsenz in Sokotra, was zu diesem Zeitpunkt Teil Südjemens war.

Vor nicht einmal einem Jahr traten die Russen in erneute Gespräche mit der jemenitischen Regierungen bezüglich der Schaffung einer Marinebasis auf der Insel Sokotra in Verhandlung. Ein Jahr später, im Januar 2010, in der Woche, die auf das Treffen mit Saleh und Petraeus folgte, wurde durch ein Kommuniqué der russischen Marine „bestätigt, dass Russland seine Pläne für Marinebasen…auf der Insel Sokotra nicht aufgegeben hat.“ (DEFENSE and SECURITY (Russland), 25.01.2010)

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Die Gespräche zwischen Patraeus und Saleh am 02.01.2010 waren eine entscheidende Schwächung der diplomatischen Annäherungsversuche Russlands an die jemenitische Regierung.

Das US-Militär hatte seit Ende des Kalten Krieges ein Auge auf die Insel Sokotra geworfen.

1999 wurde Sokotra „als ein Ort, an dem die Vereinigten Staaten den Bau eines Funkaufklärungssystems planten…“, ausgewählt. Die oppositionellen Nachrichtenmedien in Jemen meldeten, dass „Jemens Regierung zustimmte es dem US-Militär zu erlauben Zugang zum See- und Flughafen von Sokotra zu erhalten.“ Laut der oppositionellen Tageszeitung „Al-Haq“ „wurde ein ziviler Flughafen, den man in Sokotra errichtete um den Tourismus zu fördern, praktischerweise schon gemäß den Spezifikationen des US-Militärs errichtet.“ (Pittsburgh Post-Gazette (Pennsylvania), 18.10.2000)

Die Militarisierung des Indischen Ozeans

Die Gründung einer Militärbasis in Sokotra ist Teil eines größeren Prozesses der Militarisierung im Indischen Ozean. Zu diesem Prozess gehört die Eingliederung und Verbindung Sokrotas mit vorhandenen Strukturen sowie die Stärkung der Schlüsselrolle, welche die Militärbasis Diego Garcia im Chagos-Arhipel spielt.

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Alfred T. Mahan, Konteradmiral der US-Marine, hatte vor dem Ersten Weltkrieg verkündet: „Wer auch immer die maritime Vorherrschaft im Indischen Ozean erlangt, wird auf der internationalen Bühne eine prominenter Mitspieler sein.“ (Indian Ocean and our Security)

Um was es in den Schriften von Mahon ging, war die strategische Kontrolle der wichtigen Schifffahrtswege durch die USA und des Indischen Ozeans im Besonderen: „Im 21. Jahrhundert ist dieser Ozean der Schlüssel zu den sieben Weltmeeren; das Schicksal der Welt wird sich in diesen Gewässern entscheiden.“

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