Globale Geldvernichtung: Warum Sie der gehirngewaschenen Herde jetzt besser aus dem Weg gehen sollten

Der globale Währungskrieg ist voll im Gang und hat sich seit September dieses Jahres massiv beschleunigt. Anleger & Sparer sollten sich darauf einstellen, dass dieser brutale Abwärtswettlauf letztlich in einer Katastrophe enden wird

Peter Schiff, Europac.net, 03.10.2012

Es konnten nie wirkliche Zweifel daran bestehen, dass das gegenwärtige Experiment der globalen Währungsentwertung in etwas anderem als dem totalen Währungskrieg enden würde. Ja sicher, es bestand immer die Aussicht darauf, dass ein oder mehrere der Hauptakteure aussteigen, den Kurs ändern und ihre Bürger vor einem niemals enden wollenden Entwertungszyklus schützen würden.

Seit dem 13.09.2012 – als die US-Notenbank Federal Reserve endgültig ihre Karten auf den Tisch legte und bei der quantitativen Lockerung „all in“ ging – deuten die Entwicklungen jedoch darauf hin, dass die Gehirnwäsche sich weitflächig festgesetzt hat und nur sehr schwer durchbrochen werden kann.

Die überwiegende Mehrheit der weltweit führenden Zentralbanker scheint es gut zu finden, gemeinschaftlich den Weg der Währungsschaffung zu beschreiten, um so wirtschaftliches Wohlergehens herbeizuführen – ungeachtet der Tatsache, dass dieser Weg reales Wirtschaftswachstum verhindert und letztlich in den Abgrund führen dürfte. Die Herde hat sich in Bewegung gesetzt, und sollte sie nicht wieder in eine andere Richtung gelenkt werden können, kann man nur noch versuchen, ihre aus dem Weg zu gehen.

Die Details des jüngsten Plans der US-Notenbank sind nicht ansatzweise so wichtig, wie die dahinter stehende Philosophie, die durch die jüngsten Maßnahmen offen zutage getreten ist. Die US-Notenbank hatte ja bereits zwei riesige Wellen an Lockerungsmaßnahmen vom Zaum gerissen – die Aufkäufe von Staatsanleihen und hypothekarisch besicherter Wertpapiere –, um die Wirtschaft wiederzubeleben, aber die Wirtschaft reagierte darauf nicht so, wie gehofft wurde.

Das BSP-Wachstum dümpelte weiter unterhalb des Trends vor sich hin, die US-Arbeitslosigkeit verharrt nach wie vor über der Marke von 8% und der Arbeitnehmeranteil an der Gesamtbevölkerung ist auf Allzeit-Tiefststände abgesunken. Unterdessen hat sich die finanzpolitische Situation der USA aufgrund der Tatsache, dass die Staatsverschuldung mittlerweile in unvorstellbare Höhen gestiegen ist, erheblich verschlechtert.

Und trotz des Ausbleibens positiver Ergebnisse kommt die US-Notenbank zu dem Schluss, dass die geldpolitischen Programme zu klein und zu zögerlich gewesen sind, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Die US-Notenbanker sind nun zu der Schlussfolgerung gelangt, dass etwas Größeres und wohlmöglich Permanentes vonnöten sei, um die gewünschten Erfolge herbeizuführen.

Mit der Bekanntgabe ihres neuen Plans hat die Fed aber gleichzeitig auch ein verblüffendes Eingeständnis abgeliefert. Auf seiner Pressekonferenz verwarf der Fed-Vorsitzende seine früheren Äußerungen, dass das Gelddrucken direkte positive Auswirkungen auf die Wirtschaftsaktivität hätte, und erklärte stattdessen, dass die neuen geldpolitischen Maßnahmen, also die Aufkäufe hypothekarisch besicherter Wertpapiere, direkt auf den US-Eigenheimmarkt abzielen.

Bernanke machte deutlich, dass seine Strategie darauf ausgelegt ist, im US-Eigenheimmarkt massive Preissteigerungen zu entfachen, was dann wiederum die Wirtschaft beflügeln würde. Um derlei Auffassungen zu vertreten, muss man aber die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts auf gefährliche Weise komplett ausblenden. Trotz all der Verwerfungen, die mit dem Platzen der US-Eigenheimblase einhergingen, erachten die Ökonomen diese Strategie nach wie vor als ratsame Vorgehensweise –was nur beweist, dass ein schlechtes Gedächtnis eine der Grundvoraussetzungen für diesen Beruf ist.

Doch nun, wo die Fed derart entschlossen vorangeht, konzentriert man sich auf einmal aufs Auslandskapital, und das kann kaum überraschen: In dem Augenblick, wo die Fed ihren jüngsten Plan verkündete, geriet der US-Dollar umgehend unter Druck. 24 Stunden nach der Bekanntgabe war der US-Dollar gegenüber dem Euro um 2,2%, gegenüber dem australischen Dollar um 1,6% und gegenüber dem kanadischen Dollar um 1,1% gefallen. Eine Woche nach der Fed-Ankündigung hatte der mexikanische Peso gegenüber dem Dollar um 2,7% zugelegt.

Viele Devisenmarktbeobachter erklärten, dass uns beim Dollar künftig noch weitere Rückgänge bevorstehen dürften, sollten die anderen weltweiten Zentralbanken mit den Gelddruckmaßnahmen der Fed nicht mithalten können. Die weltweiten Zentralbanker reagierten jedoch rechtzeitig.

In unserer heutigen Wirtschaftswelt scheint es eine Art von Glaubenskodex zu sein, dass eine schwache Währung wünschenswert und eine starke Währung verabscheuungswürdig ist. Schwache Währungen bieten den Exporteuren angeblich Vorteile und werden als leichtes Mittel erachtet, um das Bruttosozialprodukt anzukurbeln.

In Wirklichkeit schaffen schwache Währungen aber lediglich die Illusion von Wachstum, während die reale Kaufkraft vernichtet wird. Starke Währungen machen eine Wirtschaft hingegen vermögender und verleihen ihr mehr Widerstandskraft – doch in der heutigen Welt scheint kein Zentralbanker gewillt zu sein, einfach tatenlos mit anzuschauen, wie die eigene Währung aufwertet. Das führt dann dazu, dass die weltweiten Zentralbanken ihre schweren Geschütze auffahren, um gegen die US-Notenbank anzukämpfen.

Vielleicht hatte die Europäische Zentralbank die Maßnahmen der Fed ja vorausgesehen, als sie am 06.09.2012 ihren eigenen Plan, den unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen notleidender Euroländer, verkündete (dieser Plan geht jedoch mit erheblichen Einschränkungen einher, da gegenüber Deutschland maßgebliche Konzessionen gemacht werden müssen).

Am 17.09.2012 versteigerte die brasilianische Zentralbank Swap-Kontrakte im Wert von USD 2,17 Milliarden, um den Wert des brasilianischen Reals abzusenken, und am 18.09.2012 senkten Peru und die Türkei ihre Zinsen deutlicher, als erwartet. Am 19.09.2012 erhöhte die Bank von Japan ihr Anleiheaufkaufprogramm von JPY 70 Billionen auf JPY 80 Billionen und verlängerte es um weitere sechs Monate. Es ist völlig offenkundig, dass wir es hier mit einen Zentralbank-Dominoeffekt zu tun haben, der auf absehbare Zeit anhalten dürfte.

Und obwohl sich die Fed zurzeit auf den Eigenheimmarkt konzentriert, ist es in Wirklichkeit ein anderer Indikator als die Eigenheimpreise, der verbessert werden soll: Die Beschäftigungsrate. Solange die US-Arbeitslosenrate nicht auf die gewünschten Niveaus absinkt – und einige haben nahegelegt, dass das Ziel der Fed hier bei 5,5% liegt –, können wir uns ziemlich sicher sein, dass die Geldinjektionen weiter anhalten werden. Dadurch werden die Zentralbanken auf der ganzen Welt dazu gezwungen, mit der Fed Schritt zu halten.

Diese ganze weltweit simultan erfolgende Geldschaffung dürfte sich für die nominellen Aktien- und Immobilienpreise tatsächlich als positiv herausstellen, doch die realen Zugewinnen werden mit der Dollarentwertung aller Vorausschau nach nicht mithalten können. Die Inflation treibt praktisch alle Preise nach oben, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass Aktien und Immobilien davon ausgenommen sein werden. Ja selbst die Anleihepreise könnten kurzfristig steigen, aber ihr realer Wert wird letztlich weiter fallen, da die Inflation die Zinssätze schließlich in die Höhe treiben wird. Harte Vermögenswerte, Edelmetalle, Rohstoffe, ja sogar die wenigen noch verbliebenen relativ harten Währungen dürften vom Aufwärtstrend bei den Preisen jedoch am meisten profitieren.

Und obschon ich der Auffassung bin, dass sich der Plan der Fed für die Wirtschaft als eine Katastrophe herausstellen wird, ist der Lichtblick für Investoren der, dass uns die Notenbanker hier einen ganz klaren Leitfaden vorlegen. Da die Geldpolitik der US-Notenbank darin besteht, die Währung zu entwerten, sollten sich all jene, die dollarbasierte Vermögenswerte halten, bei Realwerten und bei den Währungen der paar verbliebenen Länder, deren Zentralbanker von der keynesianischen Propaganda noch nicht so stark benebelt worden sind, nach Alternativen umschauen …

Weitere Artikel zu diesem Thema