Rohstoffpreise: Das wird ein teurer Winter

In der Marktwirtschaft kennen Rohstoffpreise langfristig gesehen eigentlich nur eine Richtung: Nach unten. Doch dank der Gelddruckmaßnahmen der Regierungen wird diese dem Markt innewohnende Eigenschaft auf den Kopf gestellt. Vieles deutet darauf hin, dass es in den kommenden Wochen und Monaten zu erneuten Teuerungen kommen wird

Steve Saville, The Speculative Investor, 07.11.2012

Langfristiger Ausblick für den Rohstoffsektor

In den letzten 200 Jahren gab es einige Rohstoff-Booms, und nicht einer dieser Booms – darunter auch der, der im letzten Jahrzehnt seinen Anfang nahm –, wurde durch reales Wirtschaftswachstum oder demographische Veränderungen oder die schnelle Industrialisierung eines Landes oder einer Region angefacht. All diese Rohstoff-Booms wurden durch die Geldinflation angeheizt.

Reales Wirtschaftswachstum sorgt bei den Preisen für einen Abwärtsdruck, nicht für einen Aufwärtsdruck, da es bei echtem Wirtschaftswachstum vornehmlich darum geht, mit weniger Produktionsfaktoren eine größere Menge an Gütern zu produzieren. Es geht also hauptsächlich um eine Erhöhung der Produktivität.

Die Zuwächse bei der Produktivität sind auf die Kapitalinvestitionen und technologische Veränderungen zurückzuführen, die auf die rohstoffproduzierenden Branchen genau denselben Einfluss haben, wie es auch bei den anderen Wirtschaftssektoren der Fall ist.

Das ist auch der Grund dafür, warum der inflationsbereinigte Preis für einen repräsentativen Rohstoff-Warenkorb die letzten 200 Jahre gefallen ist, obwohl sich die Weltbevölkerung während dieses Zeitraums von rund 1 Milliarde Menschen auf rund 7 Milliarden Menschen versiebenfacht hat.

Natürlich ist es verlockend, auf die unglaublich rasante Industrialisierung Chinas und den damit einhergehenden Rohstoffhunger der Chinesen zu blicken und zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass es dieses Mal anders ist – aber alle zurzeit vorliegenden Beweise deuten unmissverständlich in eine andere Richtung.

Fakt ist, dass es in den vergangenen 200 Jahren mehrere rasante Industrialisierungsprozesse gegeben hat, und bei jeder einzelnen dieser Industrialisierungen war es unglaublich verlockend, zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass es dieses Mal anders ist; dass die sich beschleunigende Rate des Rohstoffverbrauchs zu chronischen Angebotsverknappungen und anhaltend hohen realen Rohstoffpreisen führen würde. Die „Malthusianer“ lagen mit ihrer Einschätzung bis zum heutigen Zeitpunkt jedoch ein ums andere Mal daneben.

Die jetzige Situation wird durch die nachfolgende Grafik veranschaulicht. Sie weist den inflationsbereinigten CRB-Rohstoffindex aus und kann wie folgt zusammengefasst werden: Trotz der massiven Fortschritte, die China in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat, befindet sich der reale CRB-Rohstoffindex zurzeit in der unteren Hälfte seiner 50-jährigen Handelsspanne und liegt 50% unter dem Niveau des Jahres 1980 (als China noch ein hoffnungsloser kommunistischer Fall war).

Die einzig echte Bedrohung für diesen ultralangen Abwärtstrend der inflationsbereinigten, realen Rohstoffpreise sind Regierungsinterventionen. Durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft werden die Märkte auf Arten und Weisen verzerrt, die zu anhaltenden Versorgungsverknappungen führen können, selbst wenn die Interventionen mit den lautersten Absichten erfolgen.

Kurzfristiger Ausblick für den Rohstoffsektor

Nominell und auf Dollarbasis erreichte der Durchschnittspreis für Rohstoffe – hier gemessen anhand des Continuous Commodity Index (CCI) – im April 2011 seinen Höhepunkt. Wie Sie anhand der nachfolgenden Grafik sehen können, bewegte sich der CCI von April 2011 bis Juni 2012 wieder nach unten. Und dann setzte eine kräftige Erholung ein.

Die Stärke der Erholung des CCI nach der Ausbildung des Tiefs im Juni 2012 deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend zu diesem Zeitpunkt sein Ende fand. Wenn wir uns jedoch die aktuelle weltwirtschaftliche Lage vor Augen halten und hier auch noch den Hauptfaktor berücksichtigen, der die starken Anstiege von Juni bis September erst möglich machte, gelangen wir zu dem Schluss, dass das jüngste Tief durchaus noch einmal getestet werden könnte.

Natürlich meinen wir hiermit die Wahrscheinlichkeit, dass die weltweite Rezession auch die kommenden zwölf Monate weiter anhalten wird, und die Tatsache, dass die Erholung des CCI bedeutend geringer ausgefallen wäre, wären die Agrargüter aufgrund der extremen Dürre in den USA nicht durch die Decke geschossen.

Die nächste Grafik zeigt den Industrial Metals Index (GYX) und verdeutlicht, dass die durch die Dürre verursachten Preisanstiege bei landwirtschaftlichen Gütern einen erheblichen Einfluss auf die starke Erholung des CCI hatten.

Als die Preise für Getreide explodierten, stieg der CCI in den Monaten Juni und Juli drastisch an, während der GYX Mitte August immer noch nahe seines Jahrestiefststands notierte. Der GYX legte dann für ein paar Wochen eine Rally hin, in dem Glauben, dass eine weitere Runde an geldpolitischen Belebungsmaßnahmen kommen würde, hat seitdem aber wieder rund zwei Drittel seiner im August und September erzielten Gewinne abgeben müssen.

Die gute Nachricht ist, dass die Rohstoffe im Allgemeinen und die Industriemetalle im Besonderen aktuell überverkauft sind, während wir uns in die saisonal stärkere Phase des Jahres bewegen. Darüber hinaus ist die Markstimmung schlecht, da der ganze „QE“-Enthusiasmus im Rahmen der jüngsten Preisrückgänge bereits wieder verflogen ist. Dies legt nahe, dass in den nächsten paar Wochen eine neue über mehrere Monate anhaltende Rally einsetzen könnte.

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