Gold: Verdacht wuchert weiter

Wäre das Gold da, dann könnte es sofort geholt werden

Hans Heckel, Preußische Allgemeine Zeitung, 28.01.13

Die Intervention des Bundesrechnungshofs und eine für die Bundesbank unangenehme öffentliche Debatte haben dazu geführt, dass Frankfurt aktiv wurde in Sachen deutsches Gold. Noch liegen von den knapp 3400 Tonnen rund 45 Prozent in New York, 13 Prozent in London, elf in Paris und 31 in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 soll nun ein beträchtlicher Teil der im Ausland gelagerten Barren den Heimweg antreten. Der New Yorker Anteil sinkt auf 37 Prozent, das Pariser Lager wird ganz aufgelöst, nur die Londoner Barrenmenge bleibt konstant. Nach der Heimholung von 627 Tonnen lägen 50 Prozent in Deutschland.

Also waren alle Befürchtungen hinsichtlich der Goldreserve unbegründet? Diesen Eindruck hofft die Bundesbank zu erwecken. Doch kritisch betrachtet lassen die geplanten Maßnahmen viel Raum für Irritationen. Vor allem der lange Zeitraum macht stutzig: Warum muss der Transport sieben Jahre dauern? Frankfurt begründet das mit Sicherheitsbedenken. Es könnte ja gestohlen werden, das Gold.

Das überzeugt kaum: Auf der Welt werden höchst gefährliche Atomwaffen herumtransportiert. Wenn es möglich ist, die zu bewachen, warum dann nicht auch einige größere Goldtransporte binnen weniger Wochen? Vor mehr als 50 Jahren holten die Franzosen ihr Gold kurz und knapp mit ihrer Marine zurück. Warum geht das nicht auch im deutschen Falle? Wenn die deutsche Marine nicht reicht, könnte man ja die Verbündeten oder Russland um Geleitschutz bitten.

Die lange zeitliche Streckung gibt dem Verdacht neue Nahrung, dass das deutsche Gold tatsächlich gar nicht mehr vorhanden ist. Die „Verschwörungstheoretiker“ mutmaßen, dass es größtenteils nur aus „Forderungen“, also Gutscheinen besteht, hinter denen gar kein echtes Gold steht. Nur mit dem Ziel, es unauffällig am Markt zusammenkaufen zu können, wäre die lange Frist für die Rückholaktion schlüssig zu erklären, so die Skeptiker. Denn der Kauf mehrerer 100 Tonnen binnen weniger Wochen würde am Weltmarkt auffallen.

Zudem bleibt die Frage, warum überhaupt Gold in New York oder London lagern muss. Weil das Metall dort gehandelt werde, weshalb man es im Krisenfall so schneller verkaufen könnte, heißt es. Doch: Das New Yorker Gold ging einst für deutsche Außenhandelsüberschüsse von amerikanischem in deutschen Besitz über, ohne je den Lagerort zu wechseln. Wenn das in dieser Richtung ging, warum könnte dann nicht auch künftig von Deutschland verkauftes Gold weiterhin in Frankfurt lagern? Die Bundesbank tut so, als verdiene sie selbst niemals das Vertrauen als Aufbewahrer fremden Goldes, das sie der New Yorker Notenbank ohne Prüfung entgegenbringt. Merkwürdig.

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