Brot & Spiele: Der Weg in die Schuldknechtschaft

Die USA sind zu einem zerrütteten, schuldenbasierten Imperium verkommen, das sich die Komplizenschaft seiner Schuldsklaven mit Brot und Spielen erkauft

Charles Hugh-Smith, Of Two Minds, 25.01.2013

Der Weg zur Schuldknechtschaft wurde durch die Banken gepflastert und wird vom Zentralstaat durchgesetzt. Der Punkt, den die Ideologen – Progressive wie auch Konservative – übersehen haben, ist, dass die Tyrannei der Schuldknechtschaft nur möglich ist, wenn die Macht der Banken durch einen expansiven Zentralstaat ausgeweitet und geschützt wird.

Die Linken sind blind gegenüber der essentiellen Rolle des Staats, die ihm bei der Schaffung und Ermächtigung einer parasitären Finanz-Aristokratie zukommt, und die Konservativen sind blind gegenüber der Tyrannei der Schuldknechtschaft, die den Menschen durch die Finanz-Aristokratie des Privatsektors (das Bankwesen) auferlegt wird.

Bevor Sie zu einem ideologischen Pauschalurteil gelangen, beantworten Sie sich doch einmal die folgenden Fragen:

1. Wie viele US-Banken würden mittellosen Studenten, die praktisch über null Einkommen verfügen, einen Kredit in Höhe von USD 100.000 geben, wenn der Staat diese Kredite nicht garantieren und seine parasitären, ausbeuterischen „Studentenkredit“-Programme nicht erbarmungslos einfordern würde? Antwort: Keine.

Würde der tyrannische Staat die sich aus den Studentenkrediten ergebende Schuldknechtschaft nicht mehr erzwingen, würde das Bildungskartell kollabieren, während die Banken-Aristokratie eines hochprofitablen, staatlich geleiteten Geschäftsbereichs beraubt würde.

2. Unter welchen Bedingungen würden US-Banken Hypotheken vergeben, wenn der Staat diese Hypotheken nicht über die US-Wohnungsbaubehörde FHA und andere staatliche Hypothekenbehörden garantieren würde? Antwort: Bei der Hypothekenvergabe käme es zu einem Rückgang von 30% bis 35% und die Zinssätze lägen bedeutend über denen, die bei FHA-besicherten Krediten gewährt werden.

Die Antwort findet man, wenn sich anschaut, wie die Voraussetzungen der Banken für Kredite aussehen, die nicht vom Staat garantiert werden. Würde der Staat die Risiken nicht übernehmen, ja welche Bank wäre dann verrückt genug, eine festverzinsliche 30-jährige Hypothek zu einem Zinssatz zu vergeben, der 1% über der offiziellen Inflation liegt und im negativen Bereich liegt, wenn man ihn der wirklichen Inflation gegenüberstellt? Ohne staatliche Subventionen und Garantien macht das null Sinn.

Welcher Prozentsatz des US-Hypothekenmarkts ist rein privat, also wird nicht durch die FHA und andere garantiert? Rund 5%, und die Kreditbedingungen für diese privaten Kredite sind bedeutend stringenter als bei Krediten, die sich unter dem FHA-Steuerzahler-Schutzschirm befinden.

Mit anderen Worten: Die Schuldknechtschaft ist nur möglich, wenn der Staat die Macht der Banken befördert und mit Zwang durchsetzt. Den Banken die Schuld für die Schuldknechtschaft zu geben, ist so, als würde man es einem Drogensüchtigen zum Vorwurf machen, dass er ein Päckchen Gratis-Dope angenommen hat, oder einem Hai, dass er eine Robbe zur Strecke bringt. Die Banken werden allein schon aus Eigeninteresse immer auf die fettesten und leichtesten Gewinne aus sein – genauso wie der Rest von uns.

Und wenn die Banken die politische Maschinerie des Staats mittels geringer Bestechungszahlungen – ups … ich meine politischen Zuwendungen, Lobbyarbeit und Drehtür-Ämtern – an sich reißen können, ja warum sollten sie es dann nicht tun?

Das Problem ist also nicht die Macht der Banken, sondern die Macht des Staats, da der Staat die Macht der Banken überhaupt erst befördert und durchsetzt.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass irgendjemand, der zur aktuellen politischen Aristokratie zählt, die „Föderalistenartikel“ gelesen hat, außer vielleicht, um eine Prüfung zu bestehen. Dass sich ein Staat, der von Leuten gesteuert wird, deren Kenntnisse über die amerikanische Geschichte gerade einmal bis zu den letzten Wahlen zurückreichen – oder in extremen Fällen bis zum Beginn der Reagan-Ära –, im Niedergang befindet, ist wenig überraschend.

James Madison hatte Angst vor einer Zentralbank und einem Präsidentschaftsamt, das sich in eine funktionelle Monarchie verwandeln würde. Und Madisons Befürchtungen bezüglich der Zentralbank wurden auch von seinem Freund Thomas Jefferson, der kein Föderalist war, geteilt, dessen Vision die eines ländlichen und kommunalen Amerikas war und somit der Auffassung der Föderalisten entgegenstand, dass ein starker Zentralstaat notwendig sei, um die Verteidigung des Landes zu gewährleisten und als unparteiischer Richter transparenter Märkte und eines vernünftigen Geld- und Kreditsystems zu fungieren.

Laut Madison war es die Aufgabe der Bundesregierung, so zu handeln, als sei sie ein „neutraler und leidenschaftsloser Schiedsrichter zwischen verschiedenen Leidenschaften und Interessen“.

Laut meiner Analyse hat die politische Aristokratie, die die USA heute lenkt, den Albtraum Madisons wahr werden lassen – da wir es jetzt im Grunde mit einem monarchischen Imperium im Stile des Römischen Reichs zu tun haben.

Und während Ludwig XIV. den berühmten Ausspruch tätigte: „Der Staat, das bin ich“, handelte es sich beim Herrschaftssystem des römischen Imperiums und des britischen Imperiums um Oligarchien, wo der vermeintlich absolute Monarch/Herrscher die Auffassungen und Interessen der Aristokratie mit zu berücksichtigen hatte.

Ein monarchisches Imperium wird also durch eine kleine Aristokratie regiert, die über eine gemeinsame Weltsicht verfügt und bei der es nur ein sehr eingeschränktes Meinungsspektrum gibt. Und genau so lässt sich der amerikanische Zentralstaat mit wenigen Worten beschreiben.

Alexander Hamilton, der ebenfalls Föderalist war, verstand, welch überragende Bedeutung dem Kredit bei der Schaffung von Innovation, Wirtschaftswachstum und dem Handel zukommt. Er sprach sich für eine Zentralbank nach dem Modell der Bank von England der 1780er Jahre aus, die solides Geld und soliden Kredit ausgibt. Dass sich die Zentralbank in eine unterwürfige Handpuppe der Privatinvestments und Geschäftsbanken verwandeln könnte, war unvorstellbar.

Hier ist, was dem heutigen Schuldknechtschafts-Amerika verloren gegangen ist: Albert Gallatin stellte einst fest, dass Amerikas vielfältige wirtschaftliche Entwicklung auf „das Fehlen dieser internen Beschränkungen und Monopole, die nach wie vor die Gesellschaften in anderen Ländern entstellen“, zurückzuführen ist.

Tja, wenn unsere „Führer“ Madison, Hamilton und Gallatin nur gelesen oder verstanden hätten. Aber leider sind es nur durch und durch völlig ignorante Oligarchen, die es genießen, die Schuldknechtschaft durchzusetzen und sich die Komplizenschaft ihrer Schuldsklaven mit staatlichen Zuwendungen und Subventionen erkaufen.

Ja und auch das entspricht dem römischen Modell: Ein zerrüttetes, schuldenbasiertes Imperium, das von einer egozentrischen Elite gesteuert wird, die sich die Komplizenschaft ihrer Sklaven mit Brot und Spielen erkauft.

Weitere Artikel zu diesem Thema