Pulverfass Europa: Gold als ultimative Versicherung für den Worst-Case?

Wie lange kann die Arbeitslosenrate der unter 25-Jährigen noch nahe der Marke von 60% verharren, so wie in Spanien und Griechenland, ohne dass das Pulverfass explodiert? Gold dürfte wohl die beste Versicherung gegen einen durch Aufstände angeheizten Wirtschaftskollaps sein

Lawrence Williams, Mineweb.com, 30.01.2013

Nachdem wir in den letzten paar Jahren gesehen haben, wie die Ereignisse des Arabischen Frühlings sich entwickelten und auf ihren Höhepunkt zusteuerten, stellt sich die Frage, ob sich die europäischen Länder darüber Sorgen machen sollten, dass einige derselben Einflussfaktoren und Auswirkungen auch bei ihnen zuhause aufschlagen könnten.

Da die Regierungen gegenwärtig anscheinend immer stärker den Bodenkontakt verlieren und dass Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Politikern und ihren Versuchen, das finanzielle Missmanagement ihrer Vorgänger wieder geradezurücken, immer stärker zunimmt, stellt sich die Frage, ob sich die Demonstrationen auf den Straßen Europas in einen vollumfänglichen Aufstand verwandeln könnten.

Einige westliche Demokratien befinden sich zurzeit in der Tat in einem entsetzlichen Zustand. Beispielsweise Spanien. Die Arbeitslosenrate der unter 25-Jährigen liegt irgendwo zwischen 50% und 60%. In Griechenland ist die Jugendarbeitslosigkeit ähnlich hoch.

Und in beiden Ländern wird die allgemeine Arbeitslosenrate mit rund 26% veranschlagt, Tendenz steigend. Darüber hinaus haben wir ja bereits sehen können, dass die wahre Situation durch die staatlichen Statistiken regelmäßig geschönt wird.

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Zerohedge.com – Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien Ende Januar 2013

Wie lange kann das noch so weitergehen, bevor es knallt? Bezüglich der wirtschaftlichen Schwäche ist weit und breit kein Ende in Sicht, und man braucht sich nur die steigenden Arbeitslosenraten der europäischen Länder zu vergegenwärtigen – obwohl es einige Ausnahmen gibt, zu denen überraschenderweise auch Großbritannien gehört –, um zu begreifen, dass sich die Lage zusehends verschlimmert.

Portugals Jugendarbeitslosigkeit liegt bei knapp 40%. In Irland ist es ähnlich. In Italien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 37% und steigt weiter. Und auch in den baltischen Ländern sind ähnlich hohe Niveaus zu verzeichnen. Ja selbst in Frankreich liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 25% und legt schnell weiter zu.

Sollte das hieraus resultierende Pulverfass in einem dieser Euroländer explodieren, besteht die Gefahr, dass die gesamte Europäische Union in massive Schwierigkeiten gerät.

Die Gefahr besteht darin, dass halb-gewaltsame Proteste – die von übereifrigen paramilitärischen Polizeikräften und Armeeeinheiten niedergeschlagen werden – sich in einen noch stärkeren Widerstand verwandeln und zu Aufständen führen könnten. Wenn der öffentlichen Gewalt mit staatlicher Gewalt geantwortet wird, könnte das Ganze eskalieren – und wer weiß, was dann passiert.

Im Grunde ist es genau das Muster, das wir in Ägypten, Tunesien, Libyen, besonders jedoch in Syrien beobachten konnten. Und obwohl die westlichen Demokratien vielleicht nicht unter autokratischen Herrschern zu leiden haben, die bereit sind, die staatliche Gewalt gegenüber der Bevölkerung völlig unverhältnismäßig eskalieren zu lassen, besteht die Gefahr, dass sich der aktuelle Widerstand in etwas Ernsteres verwandelt.

Die westlichen Demokratien sind gegenüber derartigen Gefahren mit Sicherheit nicht immun, wie sich aus der Geschichte der letzten 100 Jahre leicht ablesen lässt, aber man hofft natürlich darauf, dass die allgemeinen Verbesserungen des Lebensstandards der Menschen eine solche Entwicklung verhindern werden.

Sollte sich jedoch in einem der Euroländer ein teilweiser oder vollumfänglicher Aufstand entwickeln, werden die ersten Ziele mit Sicherheit die Regierung und die Banken sein – die Letztgenannten werden ja in zunehmendem Maße für die Hauptursache der aktuellen wirtschaftlichen Probleme gehalten.

Und wenn es als wahrscheinlich gilt, dass die Banken attackiert werden, könnte dies bei all jenen, die Geld haben – den Besitzenden – zu einer gewissen Nervosität führen, eine Nervosität, die eine Flucht in Richtung sicherer Arten des Vermögenserhalts begünstigen könnte. Gold und Silber würden hiervon wahrscheinlich am stärksten profitieren. Sie würden nicht nur von einem Bankenzusammenbruch profitieren, sondern auch von der damit einhergehenden Finanzkernschmelze.

Ja sicher, all jenen von uns, die die Stabilität der Demokratien gewöhnt sind, dürfte eine solche Entwicklung höchst unwahrscheinlich erscheinen – aber eine Revolution, sollte sie denn kommen, neigt dazu, vornehmlich von der Jugend gestützt zu werden, die von älteren Agitatoren angestachelt wird.

Noch wichtiger: So eine Entwicklung kann extrem schnell vonstattengehen. Dafür braucht man sich nur die Aufstände des Jahres 2011 in London anzuschauen, die mit der Tötung eines jungen Farbigen durch die Polizei ihren Anfang nahmen.

Die Aufstände entwickelten sich so schnell, dass sich verschiedene Viertel der britischen Hauptstadt innerhalb kürzester Zeit für drei oder vier Tage der Kontrolle der Polizei entzogen.

Wenn bereits solch ein Einzelfall – so traumatisch er für die Familie des jungen getöteten Mannes auch sein mag – diese Art von Reaktion hervorbringen kann, ja dann stellen Sie sich einmal vor, was eine konzertierte Agitation in einem Land ausrichten kann, wo über die Hälfte der unter 25-Jährigen ohne Arbeit dasteht, keine Aussicht auf Beschäftigung hat und vielleicht sogar in einer sehr brüchigen Gemeinschaft lebt. Die Auslöser für einen bedeutenden Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung sind jedenfalls allesamt gegeben.

Wir hatten ja eingangs darauf hingewiesen, dass ein solcher Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung eskalieren und auf andere Länder überspringen kann. Die Aufstände in London führten auch in anderen Städten Großbritanniens zu sporadischen Ausbrüchen. Ein Aufstand, sagen wir in Griechenland, könnte auch in anderen Ländern zu ähnlichen Ereignissen führen, genauso wie der Arabische Frühling von einem Land auf das nächste übersprang.

Wenn man eine Versicherung abschließt, tut man das nicht in der Hoffnung, dass einem das Haus abbrennt oder man einen Autounfall hat, sondern man schließt die Versicherung ab, um sich finanziell gegen die Möglichkeit eines solchen Ereignisses abzusichern. Und ähnlich sinnvoll dürfte es sein, einen Teil seiner Investments in Gold oder auch Silber zu investieren, um sich gegen etwas abzusichern, das zum Finanzkollaps des Landes führen kann, in dem man gerade lebt und sein Vermögen hält – nicht weil man tatsächlich damit rechnet, sondern nur für den Fall der Fälle.

Gold hat über Jahrhunderte hinweg unter Beweis gestellt, dass es genau diese Art von Vermögensschutz bietet, weshalb jeder einen Teil seiner Ersparnisse in Form von Edelmetallen halten sollte.

Darum geht es ja bei einem sicheren Hafen – er dient zum Schutz vor Entwicklungen, selbst wenn sie unwahrscheinlich sind. Und im Gegensatz zu den meisten Papierversicherungspolicen ist der Vorteil von Gold, dass man sich damit in der Regel nicht nur vor einem sich der eigenen Kontrolle entziehenden Finanzkollaps absichert, sondern man selbst dann, wenn ein solcher Finanzkollaps nicht eintritt, immer noch ein Investment hat, das über Wert verfügt, wenn nicht sogar im Preis gestiegen ist.

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