Euro-Krise: Warum sich Europa immer noch in der Gefahrenzone befindet

John Aziz, Azizonomics, 17.03.2013

Viele Analysten, auch ich, haben Europa seit letztem Jahr eine Verschnaufpause gegönnt. Es gab mit Sicherheit auch einige Hinweise darauf, dass die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds den Niedergang wenn schon nicht aufgehalten, dann durch die Bereitstellung von Liquiditätshilfen an das verfaulende Bankensystem doch zumindest verlangsamt haben. Aber vielleicht war das nur die Ruhe vor dem Sturm.

In Wahrheit war die Lage wahrscheinlich immer noch genauso gefährlich wie zuvor – also bis zum 16.03.2013, als sich die EZB und der IWF dazu entschlossen, einen Bankenpanik einzuleiten, indem sie den Bankkunden einen 10%igen Haircut aufzwingen.

Das war buchstäblich das Dümmste, was sie seit Beginn der Eurokrise getan haben. Denn obschon es vielleicht nicht direkt zu einer Katastrophe führen wird, besteht nun eine beträchtliche Wahrscheinlichkeit, dass es genau dazu kommen wird.

Nicht nur dass es schrecklich ungerecht ist – Es ist Diebstahl! –, es ist auch unglaublich selbstmörderisch. Viele, viele Spanier, Italiener, Griechen und Portugiesen werden jetzt voller Entsetzen nach Griechenland blicken und sich fragen: „Bin ich der Nächste?“ Einige von ihnen werden ihr Geld von der Bank holen und es unter ihren Matratzen bunkern oder in Realwerte umwandeln, was das ohnehin bereits fragile und völlig überschuldete europäische Bankensystem noch stärker unter Druck setzen wird.

Und das alles spielt sich vor dem Hintergrund einer explodierenden europäischen Arbeitslosenquote ab:

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Die Leute, die das europäische Finanzsystem steuern und die Rettungspakete und Austeritätsprogramme ausarbeiten – also die EZB, die EU, der IWF und Deutschland –, haben sogar dann noch immer mehr und immer tiefere Austeritätsmaßnahmen durchgeboxt, als die Arbeitslosenquote in den europäischen Ländern (natürlich nicht Deutschland) bereits in die Höhe schoss.

Steuererhöhungen bei gleichzeitigen Haushaltseinsparungen führen dazu, dass immer mehr Menschen ins Abseits getrieben werden. Und das ist nicht sonderlich förderlich. Wir sollten in diesem Zusammenhang nicht vergessen, was in Deutschland das letzte Mal passierte, als sich dort 25% der Bevölkerung in der Arbeitslosigkeit wiederfanden:

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Sollten kommende Woche europaweite Bank-Runs stattfinden, dürfte sich die Beschäftigungssituation noch stärker verschlimmern. Sollte das passieren, ist mit einen noch stärkeren Anstieg bei den Arbeitslosen und Unterbeschäftigten und wütenden Europäern zu rechnen, die dann damit beginnen werden, zunehmend radikalere Parteien zu wählen. Das ist selbstmörderisch.

Die Europäer müssen nicht nur diesen entsetzlichen und dummen zypriotischen Haircut rückgängig machen, sondern auch die finanzpolitischen Konsolidierungsmaßnahmen auf Eis legen – die ja bisher, das sollten wir nicht vergessen, kontraproduktiv gewesen sind – und damit anfangen, sich mit ihren Arbeitslosenniveaus auseinanderzusetzen.

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