Zypern ist nur der Betatest: Nach dem Raubzug in Zypern werden es die Bankster überall tun

Michael Snyder, The Economic Collapse, 17.03.2013

Zypern ist der Betatest. Die Bankster versuchen es am helllichten Tage mit einem Banküberfall, da sie unbedingt herausfinden wollen, ob der Rest der Welt sie damit davonkommen lässt. Wahrscheinlich hat man sich für Zypern entschieden, weil es sehr klein ist (und sich daher kaum jemand darum scheren wird) und weil dort eine Menge ausländischen Geldes (beispielsweise russisches) geparkt wird.

Für den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union wäre es ein Leichtes gewesen, Zypern ohne irgendwelche Probleme zu retten, aber sie haben sich absichtsvoll dagegen entschieden. Stattdessen sind sie zu der Auffassung gelangt, dass jetzt ein großartiger Zeitpunkt sei, um das Konzept der „Vermögenssteuer“ zu testen.

Der IWF und die EU haben der zypriotischen Regierung zwei Optionen unterbreitet: Entweder sie beschlagnahmen das Geld von den Privatkonten oder das Land verlässt die Eurozone. Es ist offenkundig, dass man die Zyprioten vor vollendete Tatsachen stellte und ihnen keinen Verhandlungsspielraum lies, und viele verwenden auch das Wort „Erpressung“, um die aktuellen Geschehnisse zu beschreiben.

Bedauerlicherweise wird mit dieser Entscheidung aber ein sehr unheilvoller Präzedenzfall für die Zukunft geschaffen und das Beben wird weit über Zypern hinaus zu spüren sein. Nachdem die Bankster das Geld von den zypriotischen Bankkonten gestohlen haben, werden sie überall damit beginnen. Wenn bei diesem „Banküberfall“ alles reibungslos verläuft, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bevor die Bankkunden in anderen Ländern wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ebenfalls um einen „Haircut“ gebeten werden.

Und was wird passieren, wenn eines Tages das US-Finanzsystem kollabiert? Werden die US-Bankkonten dann auch von einer „einmaligen“ Vermögenssteuer betroffen sein. Das ist eine sehr beängstigende Vorstellung.

Zypern ist ein sehr kleines Land, die Summen, um die es hier geht, sind recht überschaubar. Der Grund, warum die ganze Sache so beunruhigend ist, ist vielmehr, dass diese „Vermögenssteuer“ das Vertrauen in das gesamte europäische Bankensystem erschüttert. Nie zuvor haben die Bankster direkt nach den Bankkonten gegriffen.

Sollte alles nach Plan laufen, wird diese Woche jedes Bankkonto in Zypern von dieser „einmaligen Gebühr“ betroffen sein. Konten mit weniger als EUR 100.000 wird eine 6,75%ige Gebühr und Konten mit mehr als EUR 100.000 eine 9,9%ige Gebühr abgezogen werden.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn das in Ihrer Heimat geschehen würde?

Wie würden Sie sich fühlen, wenn die Bankster plötzlich von Ihnen verlangten, dass Sie 10% Ihres auf Ihren Bankkonten gehaltenen Geldes aushändigen?

Und warum soll in Ländern wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal nach all dem überhaupt noch irgendwer Geld auf einem Bankkonto halten?

Ein Autor von Forbes nannte es die „wahrscheinlich mit Abstand unerklärlichste und unverantwortlichste Entscheidung bei der Bankenaufsicht in den Industrieländern seit den 1930er Jahren.“ Dem kann ich nur zustimmen. Also ich habe mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass in Europa so etwas passiert.

Das wird zur Folge haben, dass die Menschen europaweit aus den Banken verschwinden. Wenn ich in Europa leben würde – speziell in einem der finanziell angeschlageneren Länder –, wäre es zumindest genau das, was ich tun würde.

Die Bank-Runs, die übers Wochenende in Zypern stattfanden, sind vielleicht nur ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Als die „Vermögenssteuer“ bekanntgegeben wurde, sorgte dies für einen Ansturm auf die Geldautomaten, und vielen Geräten ging rasch das Geld aus. Für Montag wurde ein Bankfeiertag ausgerufen und es wurden alle elektronischen Transfers untersagt.

Logisch, dass die Menschen in Zypern bezüglich dieser Ereignisse nicht sonderlich begeistert sind. Ein Mann war sogar so wütend, dass er seine Planierraupe vor einer Bankfiliale parkte und damit drohte, sich damit Zutritt zur Bank zu verschaffen.

Dieser Banküberfall durch die Bankster ist aber noch nicht abgeschlossen. Zunächst einmal muss das zypriotische Parlament am Montag das neue Konfiskationsgesetz verabschieden. Sollte es verabschiedet werden, wird die Konfiskation Dienstagmorgen stattfinden.

Laut Reuters warnt der neue Präsident von Zypern, Nicos Anastasiades, davor, dass, sollte die Bankkontenabgabe nicht beschlossen werden, die zwei größten zypriotischen Banken kollabieren und es in Zypern zu einem totalen Finanzchaos kommen würde:

„´Für den Mittwoch … würden wir uns entweder zwischen dem katastrophalen Szenario eines ungeordneten Bankrotts oder dem Szenario eines schmerzlichen, aber kontrollierten Managements der Krise entscheiden`, so Anastasiades in einer schriftlichen Erklärung“

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich immer gegen einen Haircut bei den Sparern ausgesprochen. Die Tatsache, dass Anastasiades zuvor jede Form der Vermögenssteuer ausgeschlossen hatte, machte sehr viele Menschen sehr, sehr traurig. Sie haben das Gefühl, dass sie belogen wurden:

„´Ich bin wütend`, sagte Chris Drake, der frühere Nahost-Korrespondent der BBC, der in Zypern lebt. ´Es gab zahlreiche Möglichkeiten, unser Geld vom Konto zu holen; wir taten es nicht, weil uns versprochen wurde, dass dies eine rote Linie sei, die man nicht überqueren würde.`“

Aber anscheinend hätte die Konfiskation des Vermögens sogar noch viel schlimmer kommen können. Laut einer Meldung verlangten der IWF und die EU ursprünglich eine 40%ige Vermögenssteuer für alle Konteninhaber in Zypern:

„Und während der Präsident von Zypern gegenüber seinem Volk behauptet, dass ´wir alle Verantwortung übernehmen sollten`, da diese historische Entscheidung zu ´einer permanenten Rettung der Wirtschaft führen wird`, scheint es, dass der vereinbarte 9,9%ige Haircut noch ein ´gutes Geschäft` ist, im Vergleich zu den atemberaubenden 40%, die der deutsche Finanzminister Schäuble und der IWF verlangten.“

Können Sie sich das vorstellen?

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie eines Tages aufwachen, und 40% Ihres Geldes vom Bankkonto verschwunden ist?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestehen aber immer noch Zweifel, ob der aktuelle Plan überhaupt umgesetzt werden wird oder nicht.

Der neue Präsident von Zypern hat noch nicht alle Stimmen zusammen, aber wir können uns sicher sein, dass auf den höchsten Ebenen zurzeit einiges an Überredungskünsten aufgefahren wird.

Ursprünglich sollte ja schon am Sonntag abgestimmt werden, aber das wurde auf Montag verschoben [mittlerweile auf Dienstag], um noch Extra-„Überzeugungsarbeit“ leisten zu können.

Und natürlich ist die überwältigende Mehrheit der Zyprioten gegen diese Vermögenssteuer. Fakt ist, dass 71% der Bevölkerung fordern, dass gegen diesen Plan gestimmt wird.

Und das Lustige ist, dass Zypern noch nicht einmal so schlecht dasteht. Die Arbeitslosenrate liegt bei rund 12%, während sie in anderen europäischen Ländern wie Griechenland und Spanien mehr als doppelt so hoch ist.

Das Schulden/BIP-Verhältnis Zyperns liegt bei rund 87%, das der Vereinigten Staaten bei weit über 100%.

Also, wenn sie in Zypern jetzt direkt nach den Bankkonten greifen, was wird sie dann, wenn die Zeit gekommen ist, davon abhalten, in größeren Ländern nicht genau dasselbe zu tun?

Letztlich ist es ein bedeutender Paradigmenwechsel. In der westlichen Welt wird jetzt keine Bank mehr zu 100% als sicher erachtet werden.

Vertrauen ist eine lustige Sache. Es braucht sehr lange, um Vertrauen aufzubauen, aber es kann in einem einzigen Augenblick zerstört werden.

Das Vertrauen in die europäischen Banken ist jetzt massiv geschädigt worden, und dieser Schaden wird in nächster Zeit nicht wieder behoben werden.

Der Geschäftsführer der Saxo Bank, Lars Christenson, erklärte in einem jüngst veröffentlichten Artikel auf herausragende Art, wie unglaublich schädlich dieser Schritt des IWF und der EU tatsächlich ist:

„Das ist eine Verletzung grundlegender Eigentumsrechte, die dem kleinen Land von ausländischen Mächten aufdiktiert wird – und jeder europäische Bankkunde müsste es angesichts dieser Entscheidung mit der Angst zu tun bekommen. Obwohl die politischen Vertreter auf der Rettungs-Pressekonferenz versuchten, es als eine einmalige Maßnahme hinzustellen, waren sie nicht bereit, ähnliche Maßnahmen für andere Länder auszuschließen. Aber es ist ja nun nicht so, als wäre das von sonderlich großer Bedeutung gewesen, da das Vertrauen ohnehin bereits verschwunden ist. Es ist jetzt kaum noch damit zu rechnen, dass es bei den Maßnahmen der Troika und der EU noch irgendein Halten geben wird, wenn die Krise richtig zu wüten beginnt.

Wer so etwas ein Mal abziehen kann, kann es auch ein weiteres Mal tun. Wenn man 10% der Gelder der Bankkunden beschlagnahmen kann, kann man auch 25%, 50% oder sogar 100% beschlagnahmen. Ich gehe jetzt davon aus, dass wir noch viel Schlimmeres sehen werden, da die Panik zunehmen wird und die Politiker verzweifelt versuchen werden, den Euro am Leben zu halten.

Bankkunden in den entsprechenden Rettungs-Ländern müssen es doch jetzt mit der Angst zu tun bekommen. Ist es noch sicher, sein Geld in italienischen, spanischen oder griechischen Banken zu halten? Ich weiß nicht, muss die Antwort lauten. Ist es überhaupt noch verantwortungsvoll, dieses Risiko einzugehen? Das ist Ihre Entscheidung. Ich befürchte, dass es zu einer massiven Kapitalflucht aus den schwachen Euroländern führen wird – und das ist das Letzte, was wir zurzeit brauchen.“

Das ist der bedeutendste Moment, den wir seit Beginn der europäischen Finanzkrise erlebt haben.

Die Finanzbehörden in Europa könnten wenigsten versuchen, die Lage zu beruhigen, indem sie so tun, als würde dies in anderen Ländern niemals wieder vorkommen, aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sträuben sie sich dagegen:

„Jeroen Dijsselbloem, der Präsident der Eurogruppe, weigerte sich am Samstag, eine über Zypern hinausgehende Besteuerung von Bankkunden auszuschließen, obwohl er sagte, dass solche Maßnahmen gegenwärtig nicht in Erwägung gezogen würden.“

Solche Maßnahmen werden für andere Euroländer „gegenwärtig nicht in Erwägung gezogen“?

Ja super, da werden die Menschen jetzt im Hinblick auf die künftigen Ereignisse bestimmt viel zuversichtlicher sein.

Ein ums andere Mal habe ich darauf hingewiesen, dass die nächste Welle des Wirtschaftszusammenbruchs von Europa ausgehen wird, und es könnte sein, dass wir hier Zeugen einer Entscheidung geworden sind, die dafür sorgen wird, dass die Dominos zu fallen beginnen.

Die Bankster haben eine unzweideutige Botschaft ausgesandt: Wenn es hart auf hart kommt, werden sie versuchen, an Ihr Geld zu kommen.

Weitere Artikel zu diesem Thema