Armstrong: Wie die Gold- und Rohstoffmärkte wirklich funktionieren

Die Theorie, dass Short-Kontrakte zu einem Preisrückgang führen, ist Humbug. In Wirklichkeit sind die Shorts die Einzigen, die bei Preiseinbrüchen kaufen – also exakt zu dem Zeitpunkt, wo alle anderen Angst haben, in den Markt zu gehen. Rohstoff-Futures gibt es bereits seit Babylon. Sie schaffen Liquidität und sorgen dafür, dass es überhaupt einen echten Markt gibt. Wer keine Ahnung von Future-Kontrakten und Rohstoffmärkten hat, sollte besser die Finger davon lassen, ansonsten wird er nämlich sein letztes Hemd verlieren. Als nächstes werden der Euro und der Yen kollabieren und danach der US-Dollar. Und genau dann, wenn sich das Kapital letztlich gegen den Dollar wendet, wird Gold abermals auf neue Hochs steigen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 23.04.2013

Bei einigen Leuten dreht sich alles nur um „Papiergold“-Shorts – sie behaupten, die Rückgänge beim Goldpreis seien irreal, weil sie vornehmlich auf Papier-Shorts zurückzuführen seien. Sorry – die Papier-Shorts spielen überhaupt keine Rolle! So funktionieren Future-Märkte nun einmal. Und die Behauptung mit den Papier-Shorts ist lediglich ein Versuch, die Fakten zu verdrehen, um zu erklären, warum die eigene Theorie falsch ist.

Ein Landwirt sichert seine Ernte ab, indem er das, was er künftig ernten wird, „vorwärtsverkauft“. Dadurch sichert er sich einen bestimmten Preis, der ihm einen Gewinn garantiert – andernfalls würde er darauf spekulieren, dass der Preis nicht zusammenbricht, wenn er seine Ernte eingefahren hat, wodurch er seine Farm verlieren würde. Wenn das Wetter schlecht und er nicht in der Lage ist, die Ernte einzubringen, muss er seine Absicherung wieder zurückkaufen, wodurch es zu einer sogenannten „Short-Covering-Rally“ kommt.

Das ist der alleinige Zweck der Future-Märkte. Die Person mit dem Produkt verkauft das Risiko an andere, die bereit sind, dieses Risiko zu kaufen und damit zu Handeln, in dem Wissen, dass der Verkäufer diese Saison profitabel arbeiten wird.

Das hat nichts mit irgendeiner Verschwörung oder einem dunklen Strippenzieher im Hintergrund zu tun, der versucht, den Preis zu drücken. Wenn jemand Gold verkauft, das er nicht besitzt, läuft er Gefahr, dass er es zurückkaufen muss, sollte die Preisentwicklung gegen ihn laufen. Es ist einfach nur absurd, zu behaupten, dass derartige Verkäufe kriminell seien und den Goldmarkt unterdrücken würden.

Genauso ist die Behauptung absurd, JPMorgan würde seit Jahren gigantische spekulative ungedeckte Shortpositionen halten. Hätte die Bank tatsächlich eine solche permanente Position gehalten, wäre sie schon lange pleite, da Gold von USD 250 pro Unze auf fast USD 1.900 pro Unze gestiegen ist. Sie besichern einfach das Produkt. Das ist keine große Sache.

Gäbe es diese „Papier“-Kontrakte nicht, wäre Gold viel weniger wert, da es genau diese Kontrakte sind, die den Markt überhaupt erst ausmachen und dem Produkt (was auch immer gerade gehandelt wird) seinen entsprechenden Wert verleihen. Die Menschen sind nur bereit, eine 30-jährige Staatsanleihe zu kaufen, weil sie genau wissen, dass sie das Papier jederzeit verkaufen können, wenn sie müssen. Gäbe es keinen Markt, gäbe es auch viel weniger 30-jährige Staatsanleihen, da das Papier über so langen Zeitraum läuft.

Die Future-Märkte sind sozusagen der Hebel, der die Umlaufgeschwindigkeit beim Handel erhöht – und genau dadurch wird Liquidität geschaffen, wodurch das Produkt überhaupt erst handelbar wird. Die hypothekarisch besicherten Wertpapiere wurden von den Kreditratingagenturen mit der Bonitätsnote AAA bewertet, so dass der REPO-Markt mit ihnen Handel treiben konnte. Hätten die Kreditratingagenturen den Papieren diese AAA-Garantie nicht gegeben, wären die Banker auch nicht in der Lage gewesen, so große Mengen davon zu verkaufen, wie es der Fall war. Sie waren nur verkäuflich, weil sie liquide gewesen sind!

Gäbe es keine „Papiergold“-Kontrakte, wäre Gold weniger liquide. Das Risiko des Goldkaufs wäre wesentlich höher – selbst der Kauf von Goldmünzen –, gäbe es keinen Markt, der das Produkt akzeptiert. Und das gilt für alle Produkte, was auch immer gehandelt wird.

Marx las Aristoteles, der sich über die Menschen beschwerte, „die Geld mit Geld machen“. Aristoteles war der Meinung, dass diese Menschen das Leben der Athener verändert hätten. Damals entwickelten sich dort Märkte und die Bauern begannen, mehr zu produzieren, als sie für ihren Eigenbedarf brauchten – schlicht weil es einen Markt gab, in den hinein sie ihre Produkte verkaufen konnten.

Das verwandelte die Wirtschaft von einer kommunalen, sich selbst versorgenden Gutswirtschaft in eine Marktwirtschaft mit Kontrakten, in denen die künftige Auslieferung geregelt wurde. Ohne einen solchen Markt gäbe es heute keine Goldminen, da die Goldminen das Produktionsrisiko nicht in Kauf nehmen würden, gäbe es nicht die Garantie, dass sie ihr Produkt auch verkaufen können.

Future-Kontrakte gibt es bereits seit Babylon. Das ist die Marktwirtschaft, die Grundlage für Zivilisationen, da dadurch wirtschaftliche Interaktionen möglich werden und überhaupt erst der Sinn und Zweck dafür entsteht, dass sich die Menschen zusammenfinden, um große Kulturen zu schaffen.babtlon-futures-contracr

Future-Kontrakte sind nichts Böses, so wie es von den Gold-Promotern verzerrt dargestellt wird, da wir uns ohne diese Kontrakte im finsteren Mittelalter ohne Gehälter oder Geld für Otto Normalverbraucher wiederfinden würden. Futures drücken nicht den Preis oder einen Rohstoff, vielmehr schaffen sie den Markt und weiten die Versorgung aus, wodurch eine Marktwirtschaft geschaffen wird – ganz im Gegensatz zum Kommunismus, wo Marx darauf aus war, die Leute, „die Geld mit Geld machen“, zu vernichten.

Durch die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit wird Liquidität geschaffen, und genau diese Liquidität sorgt für Vertrauen, Handel zu treiben und die Wirtschaft auszuweiten. Niemand würde einen Kontrakt kaufen, wenn man nicht gleichzeitig auch in der Lage wäre, ihn wieder zu verkaufen.

Sorry – es hat noch nie Hinweise darauf gegeben, dass Futures dazu dienen, die Preise dauerhaft unten zu halten! Hat es Versuche kurzfristiger Preismanipulationen gegeben? Natürlich! Aber niemals zielten diese Manipulationen auf die Gesamtwirtschaft ab – denn die Gesamtwirtschaft entzieht sich sogar der Kontrolle der Regierungen, wie selbst der ehemalige US-Notenbankchef Paul Volcker in „Die Wiederentdeckung des Wirtschaftszyklus“ eingestehen musste.

Schafft man die „Papiergold“-Kontrakte ab, vernichtet man dadurch lediglich den Goldmarkt. Und warum ist es so, dass die Käufe von „Papier“-Kontrakten immer „echt“ sind, während die Verkäufe immer „falsch“ sind? Fakt ist, dass die Mehrheit bei einem Kurstief bärisch eingestellt ist und abverkauft, und das schafft die Grundlage für die nächste Trendwende. Die Shorts sind es, die dann für die Energie sorgen, die den Märkten die Trendwende ermöglicht, wenn die Einbrüche zu exzessiv geworden sind.

Dieser ganze Short-Kontrakte-Humbug legt zu Grunde, dass Gold isoliert gehandelt wird. Das ist aber nicht der Fall. Ganz gleich, welche Geschichten uns auch erzählt werden, man kann einen einzelnen Markt nicht gegen den allgemeinen Trend manipulieren. Das ist schlicht nicht möglich. Schauen Sie nur auf den Euro, den Zusammenbruch des Goldstandards oder den Untergang des Kommunismus – ganz egal was! Nicht einmal Regierungen sind in der Lage, gegen den Trend irgendetwas auszurichten.

Warum hat es keine Inflation gegeben, obwohl die Fed die Geldmenge ausgeweitet hat? Weil die Geldschaffung viel geringer ausfiel als die Kapitalvernichtung, die durch den Fremdkapitalabbau bei der Hypothekenblase ausgelöste wurde. Noch schlimmer: Der Euro bricht gerade zusammen genauso wie Japan. Der US-Dollar ist aktuell der einzige Ort, wo die institutionellen Gelder hingehen können.

Wir sprechen hier von über USD 40 Billionen weltweit, die irgendwo geparkt werden müssen. Das offene Interesse aller Gold-Kontrakte an der COMEX beläuft sich unterdessen auf unter 400.000. 400.000 x USD 1.500 pro Unze = USD 600 Millionen oder 0,0035% der US-Staatsverschuldung.

Gold ist ein winziger Markt im Gesamtgefüge. Aber wenn man auf die Gold-Promoter hört, möchte man meinen, die ganze Welt dreht sich allein um den Goldmarkt. Gold ist eine Absicherung für Privatpersonen zum Schutz vor der Regierung – Gold eignet sich aber nicht für die großen institutionellen Anleger, die darauf angewiesen sind, Renditen zu erwirtschaften.

Es ist völlig unerheblich, ob jemand einen Rohstoff verkauft oder etwas, das er gar nicht besitzt, da sich auf der anderen Seite des Trades immer ein Käufer befindet. Und natürlich werden die Kontrakte auch gehebelt, wo mehr Kontrakte gekauft werden, als man eigentlich bezahlen könnte, würde man die Auslieferung verlangen, oder wo eine Mine ihre erwartete Produktion des nächsten Jahres verkauft, diese gegenwärtig aber noch nicht hat.

Das hat mit der Angebots- und Nachfragesituation nichts zu tun, und es sind keineswegs nur die Verkäufer, die hebeln, sondern auch die Käufer, die bereit sind, Kontrakte zu kaufen, die weit über das hinausgehen, was sie bezahlen könnten, würden sie sich die Ware ausliefern lassen. Das findet also auf beiden Seiten statt.

Man kann hin- und herargumentieren, wie man will, der Trend ist und bleibt der Trend. Gold ist für seine große Rally derzeit noch nicht bereit, das wird erst der Fall sein, wenn alles an seinem Platz ist. Gold wird nicht isoliert steigen, ganz egal, wie übertrieben die wilden Behauptungen der Gold-Promoter auch ausfallen mögen.

Der Euro und der Yen werden vor dem Dollar zusammenbrechen. Erst danach, wird sich das Kapital auch gegen den US-Dollar wenden, so wie es 1931 der Fall war. Länder sind wie Dominosteine. Sie fallen der Reihe nach, nicht alle auf einmal. Das ist nicht meine persönliche Meinung, sondern es verhält sich nun einmal so. Es ist also nicht das, was meines Erachtens passieren wird, sondern die Art und Weise, wie die Dinge ablaufen.

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Kein Gold-Promoter ist in der Lage zu zeigen, dass irgendeine bedeutende Wirtschaft jemals in die Hyperinflation abgetaucht wäre. All diese Wirtschaften haben sich immer gegen ihr eigenes Volk gewandt und die Vermögenswerte beschlagnahmt. Das Einzige, worauf sie verweisen, ist auf eine kommunistische Revolution in Deutschland 1918/1919 oder auf Zimbabwe.

Das können Sie nun gut finden oder nicht, die freien Märkte waren Marx und Keynes auch ein Dorn im Auge. Aber sorry, so funktioniert es nun einmal. Da kann man schreien und jammern, wie man will, und die Märkte beschwören, sich gegen den Trend zu bewegen – oder man kann versuchen, zu überleben und nicht sein ganzes Geld in solch einen Unsinn zu stecken. Es ist Ihre Entscheidung! Der Markt liegt nie verkehrt! Entweder man begreift, wie er funktioniert, oder man behauptet einfach, der Markt liegt falsch. Doch mit letztere Methode dürfte man kaum Erfolg haben.

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