Goldbulle vs. Papiertiger

Peter Schiff, Europacmetals.com, 03.06.2013

Das war’s Leute. Man braucht bloß einen Blick auf die Schlagzeilen zu werfen, um zu erfahren, dass der Goldbullenmarkt jetzt offiziell vorbei ist: Der Aktienmarkt boomt, eine moderate Erholung der US-Wirtschaft ist im Gang und der Dollar dominiert die Devisenmärkte. Es ist jetzt an der Zeit, seine Edelmetalle zu verkaufen und wieder in US-Aktien zu gehen!

Glaubt diese Geschichte eigentlich noch irgendjemand? Haben wir das nicht seit 2008 ein ums andere Mal erlebt? Erinnern Sie sich noch an die „ersten Anzeichen einer Erholung“?

Die traurige Wahrheit ist, dass der amerikanische Anleger – der sich über Generationen hinweg an steigende Aktien- und Eigenheimpreise gewöhnt hat – aktuell unter einem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses leidet. Es ist so, als würde ihn sein Wunsch nach den „guten alten Zeiten“ unterbewusst dazu verleiten, alle unangenehmen Erinnerungen zu verdrängen.

Die Rückkehr zu irrationalem Überschwang

Dabei ist es noch nicht einmal so lange her, dass die Logik der Investoren vom irrationalen Überschwang bezüglich des Eigenheimmarkts überwältigt wurde – und genau dasselbe findet derzeit bei US-Aktien statt.

Schönwetter-Anleger geben ihre mit Gold in Zusammenhang stehenden Vermögenswerte auf und springen in den US-Aktienmarkt in der Hoffnung, dort das schnelle Geld zu machen, genauso wie sich die Leute kurz vor dem Höhepunkt der Eigenheimblase Immobilien kauften und darauf hofften, diese noch weiterverkaufen zu können, bevor die variabel verzinslichen Hypotheken angepasst würden. Mit diesem Treiben wurden die Großbanken reich gemacht, während die Ersparnisse des Durchschnittsinvestors vernichtet wurden.

Jetzt ziehen die sogenannten Experten die Dynamik von US-Aktien und die Schwäche des Edelmetallpreises als Beweise heran, um ihre Auffassungen zu untermauern – aber die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind nach wie vor jämmerlich. Die Arbeitslosenrate verharrt weiterhin auf einem hartnäckig hohen Niveau und auch die Fertigungsbranche hat immer noch zu kämpfen. Die US-Notenbank meldete im April, dass die Industrieproduktion um 0,5% zurückging.

Die einzigen Bereiche der Wirtschaft, die zurzeit wachsen, sind der Konsum und der Dienstleistungssektor. Ja, das US-Verbrauchervertrauen ist jetzt sogar auf ein 5-Jahreshoch gestiegen! Die jüngste Revision der BIP-Zahlen vor wenigen Tagen brachte jedoch zutage, dass die Sparquote der US-Haushalte auf miserable 2,3% gefallen ist und das diskretionäre Einkommen im Jahresvergleich um 8,4% einbrach.

Es scheint, als würden die steigenden Preise für Vermögenswerte und das steigende Verbrauchervertrauen einzig auf der Erwartung basieren, dass sich die Wirtschaft verbessert, was von den Daten an sich aber nach wie vor nicht gestützt wird.

Der Währungskrieg nimmt an Fahrt auf

Vielleicht glauben die Leute ja, dass es aufgrund der Meldungen von der Währungskriegs-Front dieses Mal anders sein würde. Egal, wohin man auch schaut, überall haben einst starke Wirtschaften nun damit begonnen, mithilfe der Entwertung ihrer Währungen um Exporte zu konkurrieren.

Die Schweiz hatte eine der stärksten Wirtschaften in Europa, bevor die Schweizerische Nationalbank 2011 den Wert des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro beschränkte und so die Kaufkraft ihrer Bürger massiv verringerte. Der japanische Yen, einst die stabilste Währung in Asien, ist das Opfer einer noch groteskeren Abwertungspolitik geworden. Und aufgrund irrationaler Ängste, dass ihre Exporte gegenüber dem Yen nicht bestehen könnten, sind Australien und Neuseeland nun die jüngsten beiden Kandidaten, die auf den Zug aufgesprungen sind und ihre Zinsen gesenkt haben.

Der Dollar als letztverbliebene Alternative?

Viele analysieren diese Entwicklungen und kommen zu dem Schluss, dass der US-Dollar nun der letzte Rückzugsraum für das weltweite Kapital ist.

Das ist jedoch eine stark verengte Sicht der Dinge. Beim Devisenmarkt wird typischerweise nur der relative Wert einer Währung ermittelt; eine Fiatwährung wird durch die Linse einer anderen aus betrachtet. Das sagt aber nichts über den grundlegenden Wert einer Währung im Hinblick auf Waren und Dienstleistungen aus.

So ist es beispielsweise durchaus möglich, dass alle Fiatwährungen gleichzeitig zusammenbrechen, selbst wenn einige Währungen gegenüber anderen „steigen“. Fakt ist, dass genau das der wahrscheinliche Ausgang des aktuellen Abwärtswettlaufs sein dürfte, was für Gold wiederum extrem bullisch ist.

Die einzige Möglichkeit, bei diesem Währungskrieg Kollateralschäden zu vermeiden, ist, sich zu weigern, an ihm teilzunehmen. Und das bedeutet, dass man sein Fiatgeld verkauft und Edelmetalle, Rohstoffe und Aktien erwirbt. Und genau das ist es auch, was die Menschen in den Ländern, wo die Währungsentwertung bereits voll im Gang ist, derzeit tun – von Japan bis hin zur Schweiz kaufen die Normalbürger derzeit Gold und Silber in Rekordmengen.

Das große Paradox

Wie kann es eigentlich sein, dass die Menschen weltweit massiv in physische Edelmetalle gehen, aber der Preis zur selben Zeit fällt?

Die aktuelle Gold-Korrektur wird durch institutionelle Anleger im Papiergoldmarkt angeheizt. Das Big Money wettet gegen Gold und setzt auf die US-Notenbank. Ich glaube, dass sie ein böses Erwachen erleben werden. Die jetzige Korrektur begann mit Gerüchten, dass die Fed im September damit beginnen könnte, ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen zurückzufahren. Und das wäre in der Tat ein Grund, seine Edelmetallbestände einer erneuten Bewertung zu unterziehen.

Aber wie vorherzusehen war, ist die Fed gleich wieder zurückgerudert und beharrt nun darauf, dass sie die quantitativen Lockerungsmaßnahmen – irgendwann in der Zukunft – höchstens marginal zurückfahren würde – wenn überhaupt. John Williams, der Chef der Federal Reserve of San Francisco, führte dazu aus: „Man könnte sich sogar ein Szenario vorstellen, wo wir es [QE] aufgrund der guten Daten nach unten anpassen und es danach wieder hochfahren würden.“

Noch einmal: Wie oft sind die großen Finanzinstitutionen eigentlich schon auf diese Märchengeschichten hereingefallen? Diese Anleger sind wie die Eltern eines Drogensüchtigen, die ihrem Jungen wieder einmal Geld schicken, weil er verspricht, sich dieses Mal wirklich zusammenzureißen. Nein, das wird nicht passieren, solange er nicht auf dem Tiefpunkt angekommen ist! Und im Falle der Fed ist dieser „Tiefpunkt“ eine Dollarkrise, bei der die Verbraucherpreise außer Kontrolle geraten.

Kurs halten

Angesichts all dessen sollte jeder, der zurzeit mit dem Gedanken spielt, Gold aufzugeben und dem US-Markt eine neue Chance zu geben, noch einmal ernstlich darüber nachdenken. Viele Menschen verlieren und machen in kürzester Zeit ein Vermögen, aber ich halte die Anleger immer dazu an, ihr Vermögen langsam und auf langfristigen Fundamentaldaten basierend steigen zu lassen.

Wenn man diesen Ratschlag nicht beherzigt, bedeutet das einfach, dass man mit seinen Ersparnissen spielt in der Hoffnung, dass es einen noch dümmeren Narren gibt, der daherkommt und einem die aufgeblähten Vermögenswerte zu noch höheren Preisen abkauft.

Diese grundlegende Strategie mag vielleicht bedeuten, dass man auch tiefe Korrekturen aushalten muss oder wilde Rallys verpasst, ich persönlich bin damit jedoch gut gefahren, wenn man sich die langfristigen Renditen so anschaut. Die Fundamentaldaten deuten zurzeit nach wie vor in Richtung endloser Gelddruckmaßnahmen, um die Zombie-US-Wirtschaft zu stützen. Unterdessen werden Gold und Silber zu Schnäppchenpreisen angeboten.

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