Der Zusammenbruch des Westens: 9 Plagen, die dem Kapitalismus gegenwärtig den Garaus machen

Der Kapitalismus hält viele Verzerrungen und Missbräuche aus – aber er ist keineswegs unzerstörbar

Paul Rosenberg, Freemansperspective.com, 09.07.2013

Seien wir ehrlich: Unsere kapitalistisches System nähert sich derzeit dem Punkt des Systemversagens an. Oder besser gesagt: Unsere teilweise kapitalistischen, teilweise marktwirtschaftlichen Systeme näheren sich nun dem Punkt eines massiven Zusammenbruchs an.

Nicht etwa wegen dem Kapitalismus an sich, sondern weil die Strippenzieher ihn verfälscht haben. Der Kapitalismus hält viele Verzerrungen und Missbräuche aus – aber er ist keineswegs unzerstörbar.

Und täuschen Sie sich nicht: Das „kapitalistische“ System, das wir heute haben, ist massiv untergraben worden, und zwar so stark, dass es unter dieser Last zusammensackt … und das wird solange der Fall sein, bis es zum Totalzusammenbruch kommt.

Im Folgenden finden Sie die 9 Plagen, die dem Kapitalismus derzeit den Garaus machen:

1. Der durchschnittliche Produzent wird ausgeweidet. Nehmen wir die USA: Dort sind die Gesamtsteuereinnahmen zwar nicht dramatisch gestiegen, aber es gibt zunehmend weniger Menschen, die tatsächlich zahlen. Während der letzten US-Wahl gab es einen großen Aufschrei bezüglich der Tatsache, dass 47% der US-Bürger im arbeitsfähigen Alter überhaupt keine Einkommenssteuer zahlen.

Und das bedeutet, dass die Hälfte, die arbeiten geht (also die „Vollidioten“), für alles bezahlt. Und mehr als das: Sie zahlen auch für die unzähligen Millionen, die staatliche Lebensmittelmarken und Arbeitsunfähigkeitszahlungen erhalten. Die Produzenten werden also abgestraft und missbraucht – man verwandelt sie in Vollidioten.

2. Die Sparsamkeit ist im Grunde unmöglich gemacht worden, wie ich in der Vergangenheit bereits im Detail dargelegt habe – aber noch vor hundert Jahren war es dem Durchschnittsbürger durchaus möglich, Geld anzuhäufen. Mechaniker, Tischler und Ladenbesitzer füllten langsam ihre Bankkonten mit Gold und Silber auf. Es war völlig normal für sie, Unternehmenskredite zu vergeben und komfortabel in Rente zu gehen.

Heutzutage werden all unsere Überschüsse aber von den Hauptstädten abgeschöpft, von wo aus sie dann in die Rohre des Sozialstaats, des Kriegswesens und des politischen Wahnsinns gepumpt werden. Das Geld wurde aus den Händen der Menschen entrissen, die es gemacht haben, und in die Hände der Nichtproduzenten, Lügner und Vernichter gelegt.

3. Die Verordnungen der US-Bundesregierung verursachten in 2008 geschätzte Kosten von über USD 1,75 Billionen, was rund 14% des Volkseinkommens der USA entspricht. Lassen Sie mich das bitte noch einmal wiederholen: Einfach nur gemäß den Verordnungen der US-Bundesregierung zu handeln, kostete amerikanische Unternehmen jedes Jahr über USD 1.750.000.000.000. Und auch hier wird das Geld aus der Produktion herausgezogen und für politischen Irrsinn aus dem Fenster geworfen.

4. Kleine Unternehmen werden aus dem Markt gedrängt. Schauen Sie sich dazu bitte die zwei nachfolgenden Charts an. Und während die kleinen Unternehmen aus dem Markt gedrängt werden, bleiben nur die großen Konzerne übrig. Heutzutage sind nur die größten und am besten vernetzten Unternehmen in der Lage, ihren Sorgen und Nöten Geltung zu verschaffen (was durch von ihnen finanzierte Politiker erledigt wird).

collapse-of-capitalism-1

Die kleinen Unternehmen haben keine Möglichkeit, ihren Sorgen Geltung zu verschaffen; sie werden von den Steuern und Verordnungen zermalmt. Und vergessen wir hier nicht die Kommentare von Mussolini: „Faschismus sollte man besser Korporativismus nennen, weil es die Verschmelzung der Staatsmacht mit der Konzernmacht darstellt.“

Und obwohl es im Westen vielleicht keinen Diktator gibt, wird der Handel immer stärker von staatlichen/korporativistischen Partnerschaften übernommen:

collapse-of-capitalism-2

5. Der militärisch-industrielle Komplex ist außer Kontrolle. Ihre Lobbyarbeit, Angstreiberei und Ausgaben können nur als obszön bezeichnet werden. US-Präsident Dwight Eisenhower hatte Recht, als er uns 1960 davor warnte. Es ist unglaublich traurig, dass ihn nur so wenige Amerikaner ernstgenommen haben. Es werden Billionen von Dollars und Millionen produktiver Menschen für die Kriegsmaschinerie eingesetzt. Und hier darf man niemals vergessen, dass Kriege massive Verheerungen anrichten und überhaupt nichts produzieren.

6. Alle westlichen Nationen befördern eine immer größere Klasse an Gesetzeshütern und Vollstreckern, die sich aus Bürokraten, Strafverfolgungsbehörden, Inspektoren usw. zusammensetzt Alleine in den USA gibt es davon mehrere Millionen Menschen – und keiner von ihnen produziert irgendwas und alle von ihnen behindern die Produzenten beim produzieren. Es werden also Millionen von Menschen dafür bezahlt, dass sie den Handel einschränken.

7. Es gibt mittlereile eine sehr große Finanzklasse, in der Menschen mit blinder Wut Millionen von Dollars machen. Das Problem ist, dass das Finanzwesen nicht produktiv ist. Ja vielleicht verteilt es das Geld auf nutzbringende Art und Weise – obwohl sie das Geld oftmals einfach nur in ihre eigenen Taschen lenken –, aber im Grunde produziert das Finanzwesen rein gar nichts. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt machen die Geldverteiler das große Geld ein, während die Produzenten die Krumen auflesen dürfen.

8. Die moderne Unternehmensethik beschränkt sich mittlerweile allein auf Akquisitionen. In besseren Zeiten ging es auch darum, dass man für die Welt einen Mehrwert schafft oder zumindest Dinge, die neuer und besser sind. Einfach nur Sachen einzusacken, ist aber eine Philosophie, die für den Kapitalismus nicht ausreicht, sondern uns in sehr düstere Orte führt.

9. Jede Nation auf dem Planeten nutzt Spielgeld und zwingt die eigene Bevölkerung, dieses Spielgeld zu verwenden. Darüber hinaus haben sie eine kleine supermächtige Klasse von Zentralbank-Eliten, die mit ihren Währungs-Monopolen ein Vermögen macht und von der die Produzenten überhaupt nichts wissen, während sie ihnen ungewollt (und unwissend) Jets und Yachten kaufen. Unser Geldsystem hat wieder Aristokratien geschaffen; eine Klasse, die im Verborgenen agiert und unglaublich mächtig ist.

Ich glaube, dass mittlerweile angekommen sein dürfte, worauf ich mit diesen neun Punkten hinaus will: Der Westen hat sich eine hyperpolitische Kultur aufgebaut, die auf Lügen, Irreführung, Angst, Gier, Neid und Faulheit beruht. (Mit Gier ist hier übrigens das gedankenlose Gewinnstreben gemeint.)

Wie geht’s weiter?

Das ist allein von den Produzenten abhängig. Alles steht und fällt mit den Produzenten. Das Spiel, so wie es sich heute darstellt, hängt vollumfänglich davon ab, dass die Produzenten bereit sind, den Missbrauch zu akzeptieren.

Alles, was notwendig wäre, um das Problem zu lösen, ist, dass die Produzenten damit aufhören, willige Opfer zu sein. Simpel, ich weiß, aber es gibt ein Problem mit diesem Konzept:

Der moderne Produzent glaubt, dass die Herrscherklasse irgendein legitimes Recht hätte, ihm zu erzählen, wie viel Geld er behalten darf, welche Wohlfahrtsausgaben er gezwungen ist, zu zahlen, was sein Autos alles für Extras braucht und vieles, vieles mehr. Warum? Einfach weil sich die anderen Menschen in „hohen Positionen“ befinden und sie (die Produzenten) in „niedrigeren Positionen“. In den Köpfen der Produzenten wurde eine böse Annahme eingepflanzt:

Die produktive Klasse als Ganzes hält die wahre Macht in ihren Händen, aber sie haben praktisch überhaupt kein moralisches Vertrauen. Deswegen werden sie ohne Ende missbraucht.

Im Westen herrscht derzeit eine parasitäre Ethik, und sie wird solange herrschen, wie die Produzenten ihre Rolle als Vollidioten spielen. Sollte das weiter anhalten, werden die Überreste des Kapitalismus zum Stillstand kommen und von neofaschistischen Einrichtungen überrannt werden – nein, nicht von einem Diktator mit irgendeiner Hakenkreuz-Version, sondern von einem Neofaschismus, bei dem der Staat und mächtige Wirtschaftsinteressen zu einer unaufhaltsamen und unersättlichen Macht verschmelzen.

Anderseits ist es so, dass die Produzenten, sollten sie jemals aus ihrem moralischen Koma erwachen und ihre jetzige Rolle als Fußabtreter ablehnen, eine Gesellschaft aufbauen werden, die die Ethik der Produktion verkörpern wird. Ja ich weiß, das hört sich so gut wie unmöglich an, aber das hat es in der Vergangenheit bereits gegeben und es könnte wieder passieren. Es liegt an uns.

Weitere Artikel zu diesem Thema