Staatspleiten rücken näher: Japan flüchtet sich in US-Staatsanleihen; in Europa wird’s auch ganz schnell gehen

Europäer sollten die Entwicklung in Japan genau im Auge behalten. Der Euroraum dürfte einer der nächsten Wackelkandidaten sein, die es im Rahmen des globalen Staatsschuldendebakels in den Abgrund reißt

Propagandafront.de, 18.09.2013

Japan investiert derzeit massiv in US-amerikanische Staatsanleihen. Wir befinden uns jetzt inmitten der globalen Staatsschuldenkrise und Japan gehört wie Europa zu den Wackelkandidaten, die als nächstes fallen werden.

Das in Japan gehaltene Kapital macht sich jetzt auf den Weg ins Ausland, solange noch Zeit dafür ist. Eine Staatspleite ist nicht mehr auszuschließen, und die weltweiten Verwerfungen, die ein Finanz-Crash Japans mit sich brächte, dürften kolossale Ausmaße annehmen. Aber immer der Reihe nach.

Zunächst einmal: Das weltweite Staatsschuldendebakel eskaliert auf vorhersehbare Weise. Am Anfang brechen die schwächsten Wackelkandidaten weg. Irland, Griechenland, Portugal, Spanien und Italien sind von der Staatsschuldenkrise schon voll erfasst worden, auch wenn wir davon kaum etwas mitbekommen.

Ohne die großzügigen Garantien und Geldgeschenke aus Frankfurt, Berlin und den anderen nordeuropäischen Metropolen wären diese Länder bereits in die Staatspleite abgerutscht. Aber Geld, das einem nicht gehört, lässt sich ja bekanntlich leicht aus dem Fenster werfen – und obschon die westlichen Politiker echte Vollidioten sind, das können sie, Geld, das ihnen nicht gehört, in Rauch aufgehen lassen. Kein Problem, man kann ja neues drucken.

In den ersten Monaten dieses Jahres waren dann die Schwellenmärkte an der Reihe. Brasilien, ein weiteres wirtschaftliches Schwergewicht, ist ebenfalls von der Krise erfasst worden. Der Brasilianische Real ist in den letzten Monaten gegenüber dem US-Dollar stark im Wert gefallen.

Und die Asienkrise nimmt derzeit richtig an Fahrt auf. China gerät langsam aber sicher in einen wirtschaftlichen Abwärtssog und die Inder kämpfen bereits seit Monaten erbittert gegen die Kapitalflucht und die damit einhergehende Abwertung der Rupie, weshalb die indische Regierung Gold, dem Lieblingsinvestment der Inder, seit Beginn dieses Jahres auch offen den Krieg erklärt hat.

Und Europa? Wie eingangs bereits erwähnt, sind die Pleiteländer der Eurozone gerettet worden. Die Probleme wurden erfolgreich behoben, zumindest wurde Zeit gewonnen, genau genommen bis Montag. Ab dem 23.09.2013 darf die Krise auch bei uns offiziell wieder ausbrechen.

Die japanischen Megabanken orientieren sich unterdessen bereits wieder in Richtung Ausland. Ihre Auslandskreditvergabe ist laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im ersten Quartal dieses Jahres auf neue Hochs geschossen. Aber nicht nur das – wie die gestern vom US-Finanzministerium veröffentlichten Zahlen belegen, hat Japan im Juli dieses Jahres atemberaubende USD 52 Milliarden an US-Staatsanleihen gekauft. Der Finanzblog Zerohedge merkt dazu an:

„Die heutigen Daten des US-Finanzministeriums zeigen etwas Beunruhigendes: Im Juli traten Ausländer den zweiten Monat in Folge als Nettoverkäufer von US-Staatsanleihen auf, während die vom Ausland gehaltenen Gesamtbestände von USD 5,6 Billionen auf USD 5,590 Billionen absanken. Diese Summe entspricht 49% aller marktfähigen Schulden (inklusive der von der US-Notenbank gehaltenen Schulden natürlich).

Mit anderen Worten: Seit dem Höhepunkt im März von USD 5,724 Billionen sind die von Ausländern gehaltenen Bestände um USD 134 Milliarden zurückgegangen – und das zu einer Zeit, wo die Renditen aufgrund von Ängsten, dass die Fed ihre Anleihekäufe zurückfährt, stark gestiegen sind […]

Foreign Holdings Aug

Wenn wir die Zahlen auf die Brutto-Käufer der Staatsanleihen herunterbrechen, sehen wir, wem für die Käufe von US-Staatsanleihen im Monat Juli zu danken ist. Ein Blick auf den unten stehenden Chart dürfte die Sache erklären […]

Japan Purchases TIC

Mit anderen Worten: Im Juli, als ´alle anderen` US-Staatsanleihen im Wert von USD 62,5 Milliarden verkauften, kaufte Japan atemberaubende USD 52 Milliarden. Das geschieht, während das atomwaffenfreie Japan seinen Status als eines der Länder mit dem weltgrößten Defizit weiter zementiert, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Bank von Japan derzeit jeden einzelnen Dollar braucht, um die eigenen Anleihen zu kaufen und die Zinsen unten zu halten […]“

Simon Black schreibt im Hinblick auf die Finanzsituation Japans:

„Denken Sie an eine Bakterie, die sich vermehrt. Erst verdoppelt sie sich. Dann werden es vier. Vier werden acht. Acht werden 16 usw. Umso mehr Bakterien, desto schneller wächst die Kultur. Das ist exponentielles Wachstum.

Viele Probleme, mit denen wir es derzeit zu tun haben, sind exponentielle Probleme, die als lineare Probleme dargestellt werden. Doch das ist ein Riesenunterschied.

Denken Sie einmal an Schulden. Ich war die letzten paar Tage in Japan, ein Land, das so massiv verschuldet ist, dass die Regierung 46,3% ihres jährlichen Haushalts über Schulden finanzieren muss.

Stellen Sie sich vor, dass Ihr gesamtes jährliches Haushaltsbudget bei USD 100.000 liegt. Das wäre so, als hätten Sie ein Jahresgehalt von USD 54.000 und müssten sich den Rest des Geldes mit Ihrer Kreditkarte leihen.

Bei dieser Herangehensweise gibt es aber ein riesiges Problem – umso mehr Schulden man macht, desto schwerer wird die Rückzahlung und desto mehr Schulden wird man dann wieder aufnehmen müssen. Ein Teufelskreis.

Die japanische Regierung muss sich Geld leihen, nur um die Zinsen auf Kredite zu zahlen, die sie bereits aufgenommen hat. Dasselbe gilt für die USA und den überwiegenden Teil Europas […]

Die Politiker erzählen uns, dass [das Problem] linearer Natur sei. Sie vermitteln den Menschen ein falsches Gefühl von Sicherheit, dass alles unter Kontrolle sei, während sie all jene lächerlich machen, die berechtigte Sorgen bezüglich der Sicherheit der Menschen vorbringen.

Aber die Zahlen lügen nicht. Schulden wachsen exponentiell. Steuereinnahmen wachsen linear.“

Martin Armstrong, dessen Beratungsfirma in Japan ein Büro hatte und der mit japanischen Kapitalflüssen seit Jahrzehnten vertraut ist, schreibt bezüglich der jüngsten Käufe von US-Staatsanleihen durch die Japaner:

„Es gibt nur ein Land, das im Juli massiv in langlaufende US-Staatsanleihen gegangen ist, und das war Japan. Sie haben den unglaublichen Betrag von USD 52 Milliarden an langlaufenden US-Staatsanleihen gekauft. Die meisten anderen ausländischen Regierungen haben ihre Bestände an langlaufenden US-Staatsanleihen während desselben Zeitraums um USD 62,5 Milliarden reduziert; Russland warf im Juli USD 6 Milliarden auf den Markt. Das steht im Einklang mit der Erwartung kommender Zinsanstiege, weshalb man Anleihen verkaufen sollte.

Die japanische Zentralbank hat US-Staatsanleihen gekauft, weil sie in China einen Crash aufziehen sieht und sich darüber im Klaren ist, dass ein Anstieg der US-Zinsen in Japan zu Problemen führen und ihre eigenen Zinsen in die Höhe treiben wird. Wenn in Japan die Zinsen steigen, könnte das angesichts ihres Schulden/BIP-Verhältnisses von über 200% bedeuten, dass die japanische Regierung in die Staatspleite abrutscht.

Japan sieht den Crash in China und den Schwellenmärkten kommen, weshalb sie ihre Vermögenswerte nun in den US-Dollar umgeschichtet haben. China wird künftig mit seiner eigenen Kreditkrise zu tun haben, die Viele mit den Ereignissen der Jahre 2007 bis 2009 vergleichen. Wenn China fällt, wird es eine Ansteckung geben, die sich über ganz Südostasien erstrecken wird, auch Indonesien und Japan werden betroffen sein. Japan hat in die Zukunft geblickt und die kommende Dollar-Rally gesehen. Das Vertrauen unter den asiatischen Banken bricht gegenwärtig ebenfalls zusammen. All diese Indikatoren sind eine Warnung, dass ein ähnliches Muster am Horizont aufzieht.

In solch einer Situation wünscht sich Japan, inmitten einer Dollar-Rally zu den Geldgebern der Vereinigten Staaten zu gehören. US-Anleihen sind der beste und tiefste Markt, der Kapital absorbieren kann, und da die USA jetzt als Energieproduzent an Russland vorbeiziehen, werden sich die institutionellen Anleger gerade der Tatsache gewahr, dass die USA in einer stärkeren Position sein werden als Europa oder weite Teile Asiens.“

Die Asienkrise und steigende Zinsen könnten Japan also in den Staatsbankrott treiben. Und die europäischen Länder und ihr idiotisches Europrojekt kommen im Rahmen des Staatsschuldendebakels als nächstes an die Reihe.

Aktuell ist es den Politikern und den Massenmedien noch verboten, über das wahre Ausmaß der europäischen Schuldenprobleme zu diskutieren und zu berichten. Die wichtigsten Steuersklaven der Brüsseler Eurokraten dürfen am Sonntag zur Wahl gehen – kein laues Lüftchen darf dem Potemkinschen Dorf bis dahin irgendeinen Schaden zufügen.

Der Markt-Analyst Eric Pomboy schrieb über die aktuelle Situation Europas am 17.09.2013:

„Und was die jüngsten Meldungen aus Europa anbelangt:

Vor genau einem Monat wurde in den Meldungen noch gefeiert, dass Europa nun offiziell aus der Rezession raus ist. Das ging ja fix.

Das erinnert irgendwie an den 11.07.2008, als ein optimistischer Chris Dodd [damals US-Senator] im Hinblick auf die Rückgänge bei den Fannie Mae und Freddie Mac Aktien erklärte: ´Die Wirtschaftsdaten dieser Institutionen sind in Ordnung, und das sollten die Leute wissen.` Zum Zeitpunkt dieser Erklärung notierte die Aktie von Fannie Mae bei USD 13,20. Keine vier Monate später lag sie bei USD 0,30. Das ging auch fix.“

Europa ist wirtschaftlich und politisch schwer angeschlagen. Im Grunde ist die Eurozone in einer desaströsen Verfassung, und nach der Bundestagswahl wird die Krise auch wieder hochkochen. Laut Armstrong ist der Euro erledigt. Er schrieb dazu am 18.09.2013:

„Nach dem Wahltag plant Angela Merkel bedeutende Veränderungen, da die Mehrheit der Deutschen nicht mehr wirklich hinter ihr steht und sie sich immer in die Richtung gedreht hat, aus der der politische Wind kam. Laut den Umfragen haben die Deutschen die Nase voll von Brüssel.

Wir werden eine Trendwende erleben, bei der es zum Wiedererstarken der Rechte der einzelnen Staaten kommen wird. Das wird einen Machtübergang von der EU-Kommission und anderen EU-Institutionen zurück in Richtung der Nationalstaaten zur Folge haben. Ein vereinigtes Europa wird für sie politisch nicht mehr länger die Richtschnur sein.

Margaret Thatcher hatte völlig Recht – die EU sollte eine Wirtschaftsunion sein, keine politische Union. Wenn man irgendwelche politischen Organisationen schafft – ganz gleich, ob Gewerkschaften oder Regierungen –, werden sie im Laufe der Zeit ganz automatisch danach streben, ihre eigene Macht auszuweiten. Jetzt wollen die Franzosen, dass die Deutschen für ihre Arbeitslosen zahlen. Das wird der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Der Euro ist tot – lang lebe der Dollar. Das wird zumindest solange der Fall sein, bis es ein neues Geldsystem gibt, nachdem all diese Witzfiguren mit ihren Versuchen, nach der Macht zu greifen, am Ende sind.“

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