Stagflation: Die Staatskrake reißt immer mehr Kapital an sich

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 10.10.2013

Frage: „Die Deflation ist als ein Phänomen beschrieben worden, dass in Friedenszeiten auftritt. Sie sagen, dass wir uns jetzt in einer Phase der Stagflation befinden, und trotzdem scheint die Welt alles andere als friedlich zu sein. Rechnen Sie mit Inflation, wenn Ihr Kriegszyklus in 2014 wieder einen Aufwärtstrend einleitet?“

Antwort: Die traditionellen Konzepte von Deflation und Inflation sind in der Regel falsch, da wir auch hier dasselbe Problem haben wie bei allem anderen auch: Eindimensionales Denken. Daher ist es von so entscheidender Bedeutung, zu verstehen, dass das Vertrauen derzeit vom Staat in Richtung Privatsektor übergeht.

Vor der Großen Depression hatten wir eine Private Welle. Wenn damals die Zinssätze stiegen, wurde das immer als bullisch erachtet. Es war eine Bestätigung, dass der Trend nach wie vor bullisch ist, da die Menschen immer noch Kredite aufnahmen, weil sie sich sagten, dass immer noch Profite zu machen seien.

Wenn wir uns die US-Tagesgeldzinssätze anschauen, sehen wir, dass sie mit jedem Bullenmarkthoch ebenfalls ihr Hoch ausbildeten und immer dann zurückgingen, wenn es zum Zusammenbruch kam. Die Zinssätze folgen dem Trend.

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Nach der Großen Depression kam die Staatliche Welle. Hier kehren sich dieselben Fundamentaldaten einfach um. Heute ist es so, dass niedrige Zinsen als bullisch gelten und steigende Zinssätze als bärisch. Warum? Heute verkaufen wir Aktien, wenn die Zinsen steigen, weil es heißt, dass die Regierung nicht möchte, dass die Aktien weiter steigen, und stattdessen darauf hofft, dass die Menschen wieder mehr Kredite aufnehmen, wenn die Aktien fallen.

Diese aktuellen Interpretationen basieren aber alle darauf, was die Regierung von uns erwartet. Das ist Teil des Sozialismus, der zusammenbrechen muss. Sie werden erleben, dass steigende Zinssätze bullisch sein werden, nicht bärisch, da die Zinsen jetzt – wie in jedem natürlichen Bullenmarkt – steigen werden, um Kapital anzulocken.

Deflation

Wir befinden uns derzeit in einem deflationären Trend, weil die Staatskosten steigen und dies zur Folge hat, dass drakonische Gesetze geschaffen werden und die Steuern eskalieren. Diese Deflation geht nicht darauf zurück, dass der Privatsektor schrumpft, so wie es während eines Crashs (beispielsweise während der Großen Depression oder nach 2007) der Fall ist.

Die jetzige Deflation geht nicht darauf zurück, dass das frei verfügbare Einkommen aufgrund sinkender Vermögenspreise fällt, sondern sie geht darauf zurück, dass die Staatskosten immer weiter steigen, wodurch das frei verfügbare Einkommen reduziert wird. Der Effekt ist derselbe, aber die Quelle ist eine andere.

Und daher sehen wir heute auch, dass der 50%ige Rückgang der Liquidität immer noch anhält. Zahlreiche Hedge-Fonds geben derzeit aufgrund dieses Zusammenbruchs der Liquidität auf, und das wird normalerweise mit einem Marktrückgang in Verbindung gebracht, da das frei verfügbare Einkommen zurückgeht. Die Ursache dieses Trends sind die steigenden Staatskosten.

Seltene italienische Briefmarken sind im Wert gefallen, da in Italien jetzt rigoros durchgegriffen wird, was dazu führte, dass der einheimische Sammlermarkt zurückgegangen ist, weil die Menschen ihr Geld nicht mehr länger ausgeben können. Die Händler großer Auktionshäuser außerhalb Italiens bestätigen, dass die Italiener nicht mehr länger als Käufer auftreten.

Inflation

Das traditionelle Kriegskonzept ist, dass es während des Kriegs zu steigender Inflation kommt, da die Staatsausgaben steigen. Das war aus US-Perspektive aber nur deshalb der Fall, weil die USA den deflationären Aspekt des Kriegs nicht erlebt haben. Welcher Aspekt ist das? Wenn in Ihrem eigenen Land Krieg herrscht, ist das deflationär. Warum? Weil das Geld gehortet wird, wenn man die Infrastruktur vernichtet.

Die größten römischen Hortfunde stammen immer aus Kriegszeiten. Europa erlebte keine Inflation, sondern eine Deflation. Die Inflation kommt nach dem Krieg im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen.

Stagflation

Derzeit stecken wir in einer massiven Stagflation fest, bei der die Vermögenswerte im Preis steigen, das Wirtschaftswachstum zurückgeht oder auf der Stelle tritt und die Staatskosten steigen, da die Steuern immer stärker angehoben werden, wodurch das frei verfügbare Einkommen reduziert wird. Dennoch steigen die Preise, weil die Kosten steigen.

Der inflationäre Preisanstieg kommt daher weder von der Nachfrageseite noch von einer Angebotsverknappung, sondern geht auf die steigende Nachfrage des Staats zurück, der ein größeres Stück vom Kuchen abhaben will.

Krieg

Nehmen die Bürgerunruhen zu, wird dadurch typischerweise die Nachfrage innerhalb der Wirtschaft vernichtet, da die Menschen ihr Geld horten und damit anfangen, für schlechte Zeiten zu sparen. Während eines Kriegs entwickelt sich Inflation, wenn die Infrastruktur intakt bleibt, so wie es in den USA während des Ersten Weltkriegs und des Zweiten Weltkriegs der Fall war. Vernichtet man die Infrastruktur, ändern sich die Spielregeln.

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