Jeff Thomas, Casey Research, 02.12.2013

Anfang 1999 sagten wir einen systemischen Wirtschaftszusammenbruch voraus, der in den Industrieländern stattfinden und dann alle anderen Wirtschaftsräume in Mitleidenschaft ziehen würde. Wir fingen damit an, einige der „Dominosteine“ aufzulisten, die im Rahmen der Entstehung dieses Zusammenbruchs zu Boden gehen würden, und führten aus, dass es für diese Entwicklung, die wir als den „Großen Zusammenbruch“ bezeichneten, rund zehn Jahre brauchen würde.

Zu jener Zeit gingen wir davon aus, dass es sich bei den ersten beiden Dominosteinen um einen Immobilienmarktcrash und einen daraufhin einsetzenden Aktienmarktcrash in den USA handeln würde und diese Zusammenbrüche ungefähr im Jahr 2005 ihren Anfang nehmen.

Wir waren mit unserer Prognose aber zu voreilig, da die ersten Crashs erst ab 2007 einsetzen. Ehrlich gesagt lagen wir bezüglich des Timings der anderen Dominosteine ebenfalls fortwährend daneben. Obwohl wir die Entwicklungen korrekt vorhergesagt hatten, lagen wir mit dem Timing oftmals daneben. Bei all diesen Ereignissen waren wir bezüglich des Timings zu voreilig.

Leider sind die Prognosen bezüglich der konkreten Ereignisse des Zusammenbruchs aber fast vollständig korrekt gewesen.

Wir sagten auch voraus, dass … die Ereignisse des Großen Zusammenbruchs in immer schnellerer Abfolge eintreten würden, während sich die Lage zunehmend verschlimmert. Darüber hinaus sagten wir, dass die Schwere der Ereignisse gemeinsam mit der Geschwindigkeit der Abfolge zunehmen würde.

Nichts von dem oben Aufgeführten hat etwas mit Wahrsagerei zu tun, und man muss auch nicht besonders intelligent sein, um darauf zu kommen. Im Grunde basierten unsere Prognosen zu weiten Teilen auf der simplen Annahme, dass sich die Geschichte wiederholt – dass die weltweiten politischen Entscheidungsträger in jeder Ära immer wieder dieselben Fehler machen, weil sich die Natur des Menschen nicht ändert. Jeder, der bereit ist, sich auch nur ein wenig dem Geschichtsstudium zu widmen und in nicht vorgefassten Bahnen zu denken, kann bezüglich der zukünftigen Entwicklung zu bedeutenden und vernünftigen Einsichten gelangen.

1999 wurde die Vorstellung, dass sich die Welt in Richtung eines massiven Wirtschaftschaos aufgemacht hat, von den meisten Menschen natürlich als lächerlich beiseite gewischt. Bedauerlicherweise ist es eine Tatsache, dass sich die meisten Menschen nur um Dinge in der Gegenwart kümmern und sich nur in den allerseltensten Fällen damit beschäftigen, was die Zukunft für uns bereithält. Das dem tatsächlich so ist, wird dadurch klar, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die ja nun bereits die erste Hälfte des Großen Zusammenbruchs erlebt hat, die zweite Hälfte des Crashs – die katastrophalere Hälfte – immer noch für unmöglich hält. Irgendwie werden es die weltweiten Staaten schon richten und die Probleme lösen.

Die Zahl der Menschen, die aufgewacht sind, ist unterdessen jedoch größer geworden, und viele dieser Menschen fragen sich nun, wie sich der Zusammenbruch konkret abspielen wird. Wir werden seine Symptome aussehen?

Nun, die Hauptereignisse des Zusammenbruchs sind ziemlich leicht vorherzusagen: Hierzu gehören massive Crashs an den Aktien- und Anleihemärkten und eine plötzlich einsetzende Deflation (vornehmlich bei Vermögenswerten), denen eine dramatische Inflation, wenn nicht gar Hyperinflation (vornehmlich bei Rohstoffen) folgt, woraufhin dann ein Crash verschiedener großer Währungen einsetzt, speziell beim Euro und US-Dollar.

Die sekundären Ereignisse sind weniger sicher, aber nichtsdestotrotz ist ihr Eintreten wahrscheinlich: Steigende Arbeitslosigkeit, Währungskontrollen, Schutzzölle, schwerwiegende Wirtschaftsdepressionen usw.

Entlang des Weges werden uns aber noch zahlreiche andere Überraschungen erwarten – Maßnahmen, die von den Staaten ergriffen werden und durchaus beispiellos wie auch ungesetzlich ausfallen könnten. Warum? Weil solche Maßnahmen die Norm sind, wenn der Staat feststellt, dass er die Kontrolle über die Menschen verliert, die er als seine Lakaien erachtet. Im Folgenden finden Sie ein paar dieser Maßnahmen:

  • Reisebeschränkungen: Es wird mit Auslandsreisebeschränkungen losgehen. Hierzu wird auch gehören, dass Reisepässe für ungültig erklärt bzw. eingezogen werden. In der EU und den USA lassen sich die Anfänge der Reisebeschränkungen bereits ausmachen. Später werden diese Reisebeschränkungen auch auf das Landesinnere ausgeweitet (Checkpoints an Bundesstraßen usw.).
  • Vermögensenteignung: In der Europäischen Union ist die Beschlagnahmung von Bankkonten schon implementiert worden, und es ist davon auszugehen, dass sich diese Form des staatlichen Diebstahls international etablieren wird. Das bedeutet nun nicht, dass automatisch auch andere Vermögenswerte wie Edelmetalle und Immobilien beschlagnahmt werden, aber es bedeutet, dass die Barriere gegen staatliche Konfiskationen eingerissen wird. Es gibt daher keinen Grund zu der Annahme, dass irgendein Vermögenswert vor einer Regierung sicher ist, die sich für den Diebstahl mittels Bail-ins ausspricht.
  • Nahrungsmittelverknappung: Die Nahrungsmittelindustrie operiert mit sehr kleinen Gewinnmargen und überlebt nur aufgrund der Tatsache, dass die Zahlungen für die Waren umgehend erfolgen. Bei einer dramatischen Inflation rutschen Unternehmen, die nur sehr geringe Gewinnmargen erzielen (Versorger, Grossisten und Einzelhändler), in die Pleite ab. Wie viele Unternehmen bankrottgehen werden, hängt davon ab, wie lange und wie tiefgreifend der inflationäre Trend ausfallen wird.
  • Hausbesetzer-Rebellionen: Es wird zu einem dramatischen Anstieg bei der Zahl der Zwangsversteigerungen von Eigenheimen und Unternehmen kommen. Alle, die ihre Schulden nicht bedienen können, werden ihr Eigenheim verlieren. Und es wird sogar jene treffen, bei denen es zum jetzigen Zeitpunkt noch so aussieht, als würde es ihnen gut gehen. Und während diese Zahl bedeutend steigen wird, wird aus der einstigen Mittelschicht eine neue Klasse an Obdachlosen hervorgehen. Diese Gruppe wird immer größer werden und der heute noch weit verbreitete Besitz von Wohneigentum könnte sich in weitflächige Land- und Hausbesetzungen verwandeln.
  • Aufstände: Diese werden aufgrund der vorgenannten Entwicklungen wahrscheinlich spontan ausbrechen – und falls nicht, werden sie von den Staaten absichtsvoll ins Leben gerufen werden, um ihren Wunsch nach einer stärkeren Kontrolle der Massen zu rechtfertigen.
  • Kriegsrecht: Die USA haben sich bereits darauf vorbereitet, indem sie den National Defense Authorization Act 2012 (NDAA) verabschiedet haben. Es gibt viele, die sagen, dass die USA durch dieses Gesetz in ein „Schlachtfeld“ verwandelt werden. Der NDAA erlaubt die Aussetzung von Habeas Corpus, die unbefristete Inhaftierung von US-Bürgern und legt die Annahme zu Grunde, dass sich jeder US-Bürger in einen feindlichen Kombattanten verwandeln könnte. Auch in anderen Ländern ist mit ähnlichen Gesetzen zu rechnen, sollten die dortigen Regierungen die Implementierung von Kriegsrecht als Lösung für Bürgerunruhen erachten.

Wir haben die obenstehende Aufzählung absichtlich kurz gehalten – es ist nur eine beispielhafte Auflistung von Möglichkeiten, die, sollten sie eintreten, mit Sicherheit nicht vorher angekündigt werden. Und während sich der Niedergang weiter verschärft, werden diese Ereignisse mit Sicherheit auch in einer größeren Frequenz stattfinden.

Wenn wir uns mit der Frage auseinandersetzen, was zusammenbrechende Staaten ihren Bürgern alles antun könnten, dann sind das nicht bloß irgendwelche sinnlosen Spekulationen. Wenn wir uns mit der Wahrscheinlichkeit irgendeines dieser vorgenannten Ereignisse auseinandersetzen, könnte es durchaus passieren, dass der eine oder andere zu der Schlussfolgerung gelangt, sich heute Abend kein Spiel im Fernsehen anzusehen, sondern sich stattdessen einmal mit der Frage zu beschäftigen, was er tun würde, sollte irgendeines dieser Ereignisse eintreten.

Und noch einmal: Diese Projektionen sind nicht irgendwelche Märchengeschichten, sondern es handelt sich hierbei um Maßnahmen, die typischerweise von im Niedergang befindlichen Staaten ergriffen werden.

Und am wichtigsten: Gelangt der Leser zu der Schlussfolgerung, dass ihn irgendeines der obengenannten Ereignisse mit hoher Wahrscheinlichkeit betreffen wird, ist er gut beraten, zu eruieren, ob es sich dabei um Entwicklungen handelt, mit denen er leben könnte. Wenn er nicht damit leben kann, dürfte es ratsam sein, abzuschätzen, wie viel Zeit ihm noch bleibt, bevor diese Ereignisse Realität werden, und was er tun kann, um ihnen aus dem Weg zu gehen …