Marc Faber: Ausblick für 2014

King World News, 09.12.2013

Während wir uns nun dem Ende eines wilden Jahres nähern, sprach Marc Faber heute exklusiv mit King World News über seine bedeutenden Prognosen für 2014. Faber sprach auch darüber, was er für eine potentiell gute Spekulation für nonkonformistische Anleger hält. Im Folgenden finden Sie, was Faber während des Interviews zu sagen hatte:

Eric King: „Was sind Ihre großen Prognosen für 2014?“

Faber: „Ja ich denke gerade darüber nach, und umso mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bekomme ich das Gefühl, dass wir alle nicht wissen, wie 2014 enden wird. Zunächst einmal haben wir es derzeit mit steigenden geopolitischen Spannungen zu tun, speziell in Asien. Wer weiß, wo das noch hinführen wird.

Ich glaube nicht, dass es zu einem Krieg kommen wird, aber die Spannungen könnten bis zu einem Punkt eskalieren, wo sie Auswirkungen auf die asiatischen Wirtschaften und die Währungen der asiatischen Wirtschaft haben, insbesondere auf den Yen.

Und obwohl ich zugebe, dass den Yen zu shorten derzeit ein extrem überlaufener Trade ist – jeder ist short Yen und long Nikkei –, habe ich immer noch das Gefühl, dass eine gute Chance auf eine weitere Abschwächung des Yens besteht. Für den US-Dollar wäre das von Vorteil.

Nun, entgegen aller Erwartungen hat der Euro gegenüber dem US-Dollar dieses Jahr eine Rally hingelegt. Ich glaube, dass die Wirtschaften der Eurozone vielleicht im schlechtesten Zustand sind, und das Finanzsystem ist einem schlimmeren Zustand als das der USA. Ich würde also eher long US-Dollar gehen, anstatt den Dollar zu shorten – auch wegen der zunehmenden Energie-Autarkie der Vereinigten Staaten.

Im Hinblick auf die Aktienmärkte ist die entscheidende Frage: Seit 2010 hat sich der US-Aktienmarkt bedeutend besser entwickelt als die Aktienmärkte der Schwellenländer. Die zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von US-Aktien sind relativ hoch, was darauf hindeuten würde, dass in den nächsten sieben bis zehn Jahren mit niedrigen Renditen zu rechnen ist …
 
Im Gegensatz dazu haben wir in den Schwellenmärkten Bärenmärkte gehabt. In einigen Märkten hatten wir – wenn wir die Indizes um ihre Währungen wie den Brasilianischen Real, die Indische Rupie usw. bereinigen –, ausgehend von ihren Hochs Rückgänge zwischen 30% und 50%. Die Frage für den Anleger ist daher: ´Kaufe ich den US-Aktienmarkt, der gegenwärtig immer noch momentumgetrieben steigt, aber nicht ewig steigen wird, oder gehe ich schrittweise in die Schwellenmärkte?`

Ich glaube, es ist noch zu früh, um in die Schwellenmärkte zu gehen, und ich glaube, es ist zu spät, um US-Aktien zu kaufen. Die US-Aktien könnten vielleicht weitere 10% oder 20% steigen, aber die Risiken sind bedeutend gewachsen, und ich glaube nicht, dass Aktienanleger in den USA, von kurzfristigen Trading-Möglichkeiten einmal abgesehen, künftig sehr hohe Gewinne machen werden.

Was im Vergleich zu den Aktien in den Schwellenmärkten und in den USA zurzeit wirklich unglaublich niedrig notiert, sind die Aktien von Minenfirmen. Ich habe es zwar immer vorgezogen, physisches Gold zu besitzen, aber ich muss schon sagen, dass die Minenfirmen auf dem jetzigen Preisniveaus relativ gute Werte sind.

Es gibt keine Vermögensklasse, bei der ich optimistisch bin, egal ob es Kunstgegenstände, Sammlerobjekte, Anleihen, Aktien oder Rohstoffe sind, doch relativ gesehen dürften mit Rohstoffen in Zusammenhang stehende Aktien derzeit sehr billig sein. Und vergessen Sie nicht, dass von 1999 bis März 2000 eine Handvoll Technologieaktien durch die Decke schossen, während die Aktien der sogenannten ´alten Wirtschaft` alle vor sich hindösten. Und als der NASDAQ dann zusammenbrach, waren die Aktien der ´alten Wirtschaft` auf einmal wieder trendy.

Als Querdenker und auch angesichts der extrem negativen Stimmung im Hinblick auf Gold, Silber, Platin und Palladium bin ich der Meinung, dass der Minensektor in 2014 ziemlich attraktiv aussieht […]

Vermögende Leute sind im Allgemeinen nicht völlig blöd. Sie sind sich über die Risiken im Klaren. Sie sind sich im Klaren darüber, dass sich die Vermögensmärkte vom Wohlergehen des Durchschnittshaushalts abgekoppelt haben, und daher machen sie sich auch Sorgen.

Sie sind also diversifiziert. Und wie ich bereits zu Beginn des Interviews sagte: „Wir wissen nicht, wie 2014 enden wird.“ Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass die Gelddruckerei der Zentralbanken sehr, sehr böse enden wird. Das steht außer Frage.

Im Falle Mexikos, wo sie in den 80er Jahren Geld druckten, ist der Aktienmarkt in Pesos ausgepreist explodiert, bevor die Gelddruckerei sehr böse ausging. Mit anderen Worten: Es kam zu einem riesigen Anstieg der Aktienpreise, bevor das System zusammenbrach. Dasselbe geschah in Argentinien und Brasilien. Die Währung brach ganz offenkundig zusammen, aber auf Dollarbasis machte man dabei keinerlei Gewinne.

Ich könnte mir nun eine Situation vorstellen, wo diese Professoren bei den Zentralbanken – die in ihrem Leben noch nie einen Tag gearbeitet haben – weiterhin Geld drucken, aber die Vermögenspreise real nicht mehr steigen. Und angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der sehr bedeutenden Korrektur, die wir bei Gold gehabt haben, würde ich annehmen, dass Gold auf dem aktuellen Niveau relativ attraktiv ist.“

Eric King: „Gibt es irgendwelche anderen Überraschungen, mit denen Sie für 2014 rechnen?“

Faber: „Ein Angriff gegen den Iran. Scharmützel zwischen Japan und China. Es kann auch zu Naturkatastrophen kommen. Bezüglich unliebsamer Überraschungen müssen wir stets auf der Hut sein. Eine große Überraschung könnte sein, dass der Aktienmarkt seit seinen Tiefs von Oktober 2011 bisher fast 70% gestiegen ist. Und ausgehend von den Tiefs von März 2009 notiert der Markt derzeit fast 170% im Plus. Es ist denkbar, dass wir hier in eine echte Blase eintreten – das könnte eine Überraschung sein. Aber Sie wissen ja, dass Spekulationsblasen nicht gut ausgehen. Bei Blasen verlieren die meisten Menschen Geld und zwar auf dem Weg nach oben wie auch auf dem Weg nach unten.“

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