Währungskrise: Steht uns in den Schwellenmärkten ein massiver Währungskollaps bevor?

Michael Snyder, The Economic Collapse, 26.01.2014

Dieses Mal hat die US-Notenbank Federal Reserve ein wahrhaft globales Problem geschaffen. Ein bedeutender Teil der Billionen US-Dollars, die die US-Notenbank in den letzten paar Jahren in das Finanzsystem gepumpt hat, ist in die Schwellenmärkte geflossen. Aber jetzt hat sich die Fed dazu entschlossen, geldpolitische Straffungsmaßnahmen einzuleiten, und die Anleger erachten das als ein Signal, um ihre Spekulationsgelder so schnell als möglich aus den Schwellenmärkten abzuziehen.

Das sorgt gegenwärtig überall auf der Welt dafür, dass die Währungen kollabieren und die Zinssätze steigen. Argentinien, die Türkei, Südafrika, die Ukraine, Chile, Indonesien, Venezuela, Indien, Brasilien, Taiwan und Malaysia sind nur einige der Schwellenmärkte, die hart getroffen worden sind.

Fakt ist, dass die Schwellenmärkte vergangene Woche den größten Rückgang seit der Finanzkrise in 2008 verzeichnen mussten. Und all das Chaos in den Schwellenmärkten jagt auch Wall Street einen ordentlichen Schrecken ein: Der Dow Jones ist allein in den letzten beiden Handelstagen um 500 Punkte gefallen. Sollte sich die Federal Reserve in den kommenden Tagen dazu entschließen, die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen zu intensiveren, könnte sich diese Währungskrise rasch in einem vollumfänglichen Währungskollaps verwandeln.

Viele Amerikaner sind immer davon ausgegangen, dass der US-Dollar die erste Währung sein würde, die bei der nächsten großen Finanzkrise kollabiert. Aber in Wirklichkeit scheint gegenwärtig das genaue Gegenteil einzutreten, und das sorgt weltweit für Chaos.

Nehmen wir nur die aktuellen Ereignisse in der Türkei. Die New York Times schreibt:

„Die türkische Währung fiel am Freitag gegenüber dem Dollar auf ein Rekordtief – ein Rückgang, der die Kaufkraft aller Menschen im Land betreffen wird.

An einer Straßenecke in Istanbul sagte Yilmaz Gok, 51: ´Ich bin ein Rentner, der sich mit einer kleinen Rente durchschlagen muss, und ich mache mir große Sorgen über die Preisanstiege … Ich muss weitere Einsparungen vornehmen. Ich sollte vielleicht meinen Gasofen weniger nutzen.`“

Und während die Inflation in diesen Ländern in die Höhe schießt, sind es gerade die einfachen Leute, die darunter zu leiden haben. Es wird immer schwieriger, genügend Geld zu haben, damit es für die wichtigsten Dinge des Lebens reicht.

Und es sind nicht nur ein paar Länder davon betroffen. Wir haben es hier mit einem globalen Phänomen zu tun:

„´Bei diesen Schwellenmarkt-Währungen kam es zu massiven Abverkäufen`, sagte Nick Xanders vom Londoner Aktienstrategen BTIG Ltd. am Telefon. ´Der Rubel, die Rupie, der Real, der Rand – sie sind alle gefallen, und die Hauptursache dafür waren die Straffungsmaßnahmen gewesen. Es gibt viele Unternehmen, die vom Wachstum in den Schwellenmärkten profitiert haben und jetzt miterleben müssen, wie es in die entgegensetzte Richtung geht.“

Also: Warum findet diese Entwicklung statt? Nun ja, es gibt natürlich eine ganze Reihe von Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Doch wie es auch bei so vielen anderen Problemen der Fall ist, sind auch hier die Maßnahmen der Federal Reserve das Hauptproblem. In einem kürzlich auf USA Today veröffentlichten Artikel wird beschrieben, wie die US-Notenbank dabei geholfen hat, diese riesige Blase in den Schwellenmärkten zu schaffen:

„Die Schwellenmärkte sind der künftige Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft und eine wichtige Profitquelle für US-Unternehmen. Diese sich entwickelnden Wirtschaften waren in den letzten paar Jahren aufgrund des billigen Geldes der Federal Reserve und anderer Zentralbanken die Empfänger und Begünstigten enormer Geldzuflüsse gewesen, da sich die Anleger auf die Suche nach höheren Renditen gemacht hatten.

Doch nun hat die US-Notenbank damit begonnen, ihre Belebungsmaßnahmen zurückzufahren, und viele Investoren holen ihr Geld jetzt aus den Schwellenmärkten zurück und stecken es stattdessen in stabilere Märkte und Wirtschaften wie den US-Markt, was den sich entwickelnden Ländern schadet, so Russ Koesterich, der Chef-Investmentstratege von BlackRock.

´Die Schwellenmärkte brauchen die Spekulationsgelder, aber das Kapital fließt gerade wieder ab`, so Koesterich. ´Die Menschen sagen sich jetzt: Ich will keine Schwellenmärkte mehr halten.`“

Es könnte sein, dass wir es hier mit dem Platzen einer Blase globalen Ausmaßes zu tun bekommen. Egon von Greyerz, der Gründer des schweizerischen Unternehmens Matterhorn Asset Management, sagte kürzlich:

„Nehmen wir die Türkische Lira, sie brach diese Woche auf neue Tiefs ein, und der Russische Rubel notiert auf dem niedrigsten Niveau der letzten 5 Jahre. In Südafrika ist der Rand so schwach wie seit 2008 nicht mehr. In Brasilien und Mexico sind die Währungen ebenfalls schwach. Aber es gibt noch viele andere Länder, deren Lage extrem trostlos ist, wie Indien, Indonesien, Ungarn, Polen, die Ukraine und Venezuela.

Ich führe diese Länder hier im Einzelnen auf, um damit herauszustreichen, dass die Situation extrem ernst ist. Es findet in riesigem Umfang statt. In praktisch all diesen Ländern brechen die Währungen ein und bei ihren Anleihen ist es genauso, was zu viel höheren Zinssätzen führt. Und die Kosten der Kreditausfallversicherungen dieser Länder explodieren aufgrund der steigenden Kreditrisiken.“

Und es gibt auch viele kleinere Länder, die davon massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Die meisten Amerikaner sind beispielsweise nicht in der Lage, Liberia auf einer Karte zu finden, aber die geldpolitischen Maßnahmen der Federal Reserve haben die Währung des Landes an den Rand des Zusammenbruchs manövriert:

„Liberias Finanzminister warnte heute vor einer Panik, nachdem er vom Parlament einbestellt wurde, um den Crash der liberianischen Währung gegenüber dem US-Dollar zu erklären. ´Wir sollten vorsichtig sein, was wir über die Wirtschaft sagen. Die Inflation … ist nicht außer Kontrolle´, sagte Amara Konneh gegenüber den Gesetzgebern, während er hinzufügte, dass sich die Regierung über den gegenwärtigen ´Trend` Sorgen machen würde.“

Und auch der Mexikanische Peso gab letzte Woche ordentlich nach und beginnt jetzt, Schwäche zu zeigen. Sollte es in Mexiko zu einem Währungskollaps kommen, wäre das ein bedeutender Schlag für die US-Wirtschaft.

Ich hatte ja gesagt, dass diese aktuelle Währungskrise auf globaler Ebene stattfindet.

Sollte dieser Trend weiter anhalten, wird es in den weltweiten Schwellenmärkten letztlich zu Plünderungen, Gewalt, Stromausfällen, Verknappungen bei Grundnahrungsmitteln und Bank-Runs kommen, so wie sie aktuell bereits in Argentinien und Venezuela zu beobachten sind.

Hoffentlich kann etwas getan werden, um diese Entwicklung aufzuhalten. Denn fängt eine Blase erst einmal damit an zu platzen, ist es unglaublich schwer, sie zusammenzuhalten.

Unterdessen finde ich es bemerkenswert, dass es vergangene Woche zum größten Goldabfluss aus dem Tresor von JPMorgan kam, der je verzeichnet worden ist. Hat hier jemand eine Vorahnung gehabt?

Noch einmal: Hoffentlich kann diese Krise in Kürze eingedämmt werden. Doch sollte die US-Notenbank bekanntgeben, dass sie ihre geldpolitischen Straffungsmaßnahmen weiter intensiviert, wird dies den Anlegern signalisieren, dass sie zum Ausgang stürmen sollten. Die Krise in den Schwellenmärkten wird dann noch bedeutend schlimmer werden.

Und wenn man aufmerksam hinhört, dann erklären uns die weltweiten Regierungsvertreter, dass wir genau damit rechnen sollten. Nehmen wir beispielsweise die folgende Erklärung des mexikanischen Finanzministers:

„´Wir rechnen damit, dass es für die Schwellenmärkte ein volatiles Jahr werden wird, da die Fed Straffungsmaßnahmen durchführt`, sagte der mexikanische Finanzminister Luis Videgaray, der im Bezug auf diese Volatilität anmerkte: ´Das wird das ganze Jahr über stattfinden, solange die Straffungsmaßnahmen anhalten.`“

Ja in der Tat – es sieht ganz danach aus, als würde 2014 zu einem sehr volatilen Jahr werden. ich hoffe, Sie sind darauf vorbereitet.

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