Inflation & Gold: Kaufkraftentwertung und was Sie dagegen tun können

Es drängt sich folgende Schlussfolgerung auf: Man muss jetzt Gold und Silber kaufen, noch bevor die Masse in den Markt stürmt. Der uns bevorstehende inflationäre Sturm wird den überwiegenden Teil der Welt erfassen, was zur Folge haben könnte, dass die Goldnachfrage den Preis weit höher treibt, als viele glauben. Und darüber hinaus dürften physische Edelmetalle knapp werden

Jeff Clark, Casey Research, 31.03.2014

Wir haben ja alle von den inflationären Schrecken gehört, die so viele Länder in der Vergangenheit erlebt haben. Dritte-Welt-Länder, Schwellenländer und Industrieländer – in der Geschichte ist bisher noch kein Land den lähmenden Folgen skrupellosen Währungsmissbrauchs entkommen. Und wir gehen davon aus, dass diese negativen Folgen auch in den USA, der Europäischen Union, Japan und China zum Tragen kommen werden – alles Länder, die sich der Druckerpresse zugewandt haben und diese als Lösung für ihre wirtschaftlichen Probleme erachten.

Es erscheint uns offensichtlich, dass der Goldbesitz das Mittel ist, um sich vor einer hohen Inflation zu schützen. Aber haben die Bürger in Ländern, die eine hohe Inflation oder eine Hyperinflation erlebt haben, als Reaktion darauf tatsächlich Gold gekauft? Gold-Enthusiasten mögen nun vielleicht davon ausgehen, dass dem so ist, doch was zeigen die Daten?

Alena Mikhan von unserem Research Team hat die Daten ausgegraben. Im Folgenden finden Sie eine entsprechende Analyse der einzelnen Länder:

Brasilien

Die Investmentnachfrage nach Gold stieg vor der brasilianischen Schuldenkrise und der wirtschaftlichen Stagnation des Landes in den 80er Jahren immer weiter an. Richtig explodiert ist die brasilianische Goldnachfrage aber erst Ende der 80er Jahre, als die ohnehin bereits hohe Inflation (zwischen 100% und 150% jährlich) noch stärker an Fahrt aufnahm und 1989 auf völlig unhaltbare Niveaus stieg.

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Während dieser Phase explodierte die Nachfrage nach physischem Gold von 20 Tonnen im Jahr 1976 auf 86,5 Tonnen im Jahr 1989, also um 333%.

Und schauen Sie sich bitte an, was mit der Goldnachfrage geschah, als die Inflation wieder zurückging. Die substantiellen Rückgänge zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Inflation und der Goldnachfrage gibt.

Indonesien

Indonesien stürzte 1998 in eine Wirtschaftskrise. Die durchschnittliche Inflation erreichte in diesem Jahr mit 58% ihren Höhepunkt.

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Die Goldnachfrage verdoppelte sich, während die Inflation in die Höhe schoss. Hier sollte auch angemerkt werden, dass die indonesische Investmentnachfrage 1997 aber bereits auf einem Rekordhoch notierte.

Die indonesische Gesamtnachfrage nach Gold (also nicht nur die Goldnachfrage, die direkt Investmentzwecken zugeordnet werden konnte) erreichte 1999 120,8 Tonnen und war somit 18% höher als 1997 vor dem Ausbruch der Krise. Und als sich die Inflation wieder abkühlte, ging auch hier die Goldnachfrage wieder zurück.

Indien

Obwohl Indien traditionell ein goldaffines Land ist, zeigen die Zahlen auch hier einen direkten Zusammenhang zwischen der Goldnachfrage und einer steigenden Inflationsrate. Die durchschnittliche indische Inflationsrate kletterte 1998 auf 13%, und wie Sie sehen können, reagierte die indische Bevölkerung darauf, indem sie die Verbrauchernachfrage nach Gold ausweitete.

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Die indische Goldnachfrage kletterte auf ein Rekordhoch von 774,4 Tonnen und lag somit 13% über dem Rekord, der gerade einmal ein Jahr zuvor erzielt wurde. Um fair zu sein, sollten wir hier darauf hinweisen, dass der Goldverbrauch auch aufgrund einer Ende 1997 in Kraft getretenen Liberalisierung der indischen Goldimportregelungen zunahm.

Als sich die Inflation wieder abkühlte, entwickelte sich auch hier dasselbe Muster einer fallenden Goldnachfrage, das wir bereits in den vorangegangenen Beispielen sahen.

Ägypten, Vietnam & die Vereinigten Arabischen Emirate

Im Folgenden finden Sie drei Länder und deren Goldnachfrage von 2006 bis 2009. Genauso wie bei Indien haben wir hier auch die Gesamtgoldnachfrage ausgewiesen, die auch die Goldschmucknachfrage enthält, da Goldschmuck die Art ist, wie viele Verbraucher in diesen Ländern ihr Gold kaufen.

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In Ägypten verdreifachte sich die Inflationsrate zwischen 2006 und 2008, und wie Sie anhand der Tabelle sehen können, kam es während dieser Phase auch zu einem Anstieg der physischen Goldnachfrage. Noch beeindruckender ist aber das, was die Tabelle nicht zeigt. 2008 konnte die ägyptische Investmentnachfrage gegenüber dem Vorjahr um 247% zulegen, obwohl ihr Anteil an der Gesamtnachfrage relativ gering war (Anstieg von 0,7 Tonnen auf 2,5 Tonnen).

Und auch bei Vietnam und den Vereinigten Arabischen Emiraten sehen wir ähnliche Muster. Der Goldverbrauch stieg, als die Inflation 2008 auf ihr Hoch kletterte. Und auch hier kam es bei der Investmentnachfrage zu den größten Anstiegen. In Vietnam legte sie um 71% und in den Vereinigten Arabischen Emiraten um 27% zu.

Und als die Inflation wieder nachließ? Richtig, dann ging auch die Nachfrage zurück.

Japan

Der Plan des japanischen Premierministers Shinzo Abe, der Deflation den Gar auszumachen, sorgte dafür, dass der japanische Verbraucherpreisindex 2013 auf 1,2% stieg. Das ist immer noch eine ziemlich geringe Inflationsrate, aber zuvor lag sie fast zwei Jahrzehnte lang noch niedriger oder sogar im negativen Bereich.

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Als Reaktion darauf schoss die Nachfrage nach Goldmünzen, Goldbarren und Goldschmuck im Land der aufgehenden Sonne in die Höhe und verdreifachte sich.

Weißrussland

Im Gegensatz zu vielen der vorgenannten Länder haben die Bürger dieses einst der Sowjetunion zugehörigen Landes keine tiefverwurzelte Gold-Tradition. Aber in 2011 stieg der Wert des US-Dollars gegenüber dem weißrussischen Rubel fast um das Dreifache, und wie üblich kauften die Menschen US-Dollars und Euros – aber es entwickelte sich auch ein neuer Trend: Die Menschen wandten sich Gold zu.

Für Weißrussland haben wir nicht alle Daten vorliegen, die in den vorangegangenen Tabellen verwendet wurden, aber wir haben Vorortinformationen aus erster Hand. Im ersten Quartal 2011, als klar wurde, dass die Inflation massiv ausfallen würde, verfünffachten sich die Verkäufe von Goldbarren gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im März 2011 wurden in diesem kleinen Land 471,5 Kilo Gold (15.158 Unzen) gekauft, was 30% der Gesamtgoldverkäufe des Vorjahres entsprach. Und auch die Verkäufe von physischem Silber und Platin stiegen erheblich an.

Der Goldrausch hielt aber nicht allzu lange an, da die Zentralbank Maßnahmen ergriff, um die Edelmetallnachfrage einzudämmen.

Argentinien

Die jährliche argentinische Inflationsrate bildete im März letzten Jahres mit 26% ihr Hoch aus, so Bloomberg, was dafür sorgte, dass die Argentinier „händeringend nach Gold“ suchten. Es ist schwer, an Daten aus Argentinien zu kommen, weil dort nur eine Bank mit Gold handelt, aber alles, was wir lesen, deutet auf ein und dieselbe Schlussfolgerung: Die Argentinier kauften im letzten Jahr mehr Gold als je zuvor.

Die Goldkäufe fielen zum Teil so massiv aus, dass die Banco Ciudad sogar versuchte, dass Gold direkt bei den Goldminenfirmen zu erwerben, da es mit der Goldnachfrage nicht mithalten konnte. Einige Analysten berichteten, dass die Goldnachfrage in diesem Jahr zwar weiter anhält, sich nun jedoch mehr im Bereich der Goldminenaktien zeigt.

Was ist zu tun?

Die Geschichte zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Inflation und der Goldnachfrage gibt. Immer wenn die Inflation nach oben schießt oder die Inflationserwartungen steigen, wenden sich zunehmend mehr Anleger dem gelben Metall zu. Und wenn die Goldnachfrage steigt, steigt auch der Preis – ja und was mit den Goldminenaktien passiert, können Sie sich selbst ausmalen.

Angesichts Geldmengen, die gegenwärtig von den Industrieländern gedruckt werden, ist eine hohe Inflation oder gar eine Hyperinflation buchstäblich unvermeidlich. Wir können es uns nicht leisten, davon auszugehen, dass das keine Auswirkungen haben wird.

Es drängt sich folgende Schlussfolgerung auf: Man muss jetzt Gold und Silber kaufen, noch bevor die Masse in den Markt stürmt. Der uns bevorstehende inflationäre Sturm wird den überwiegenden Teil der Welt erfassen, was zur Folge haben könnte, dass die Goldnachfrage den Preis weit höher treibt, als viele glauben. Und darüber hinaus dürften physische Edelmetalle knapp werden.

Schon bald wird auch Ihr Nachbar kaufen. Wir empfehlen, dass Sie einfach ein wenig schneller sind. Vergessen Sie nicht: Gold spricht alle Sprachen, ist überall in der Welt hochliquide und ist ein seit Jahrtausenden bewährter Vermögensspeicher.

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